Möglicher Meteorsturm Ende Mai!

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MikeWölle

Aktives Mitglied
Hallo an alle aktiven Boebachter,
in der Nacht vom 30. auf 31. Mai kommt es möglicherweise zu einem extremen Meteorsturm.
Ausgelöst durch einen alten Bekannten: 73 P, also Komen Schwassmann-Wachmann. Radiant liegt in der Nähe von Arktur im Bärenhüter. Höhepunkt wird für 7h MESZ am 31.5.2022 prognostiziert. Also nicht ideal für Mitteleuropa, aber ein Versuch in der zweiten Nachthälfte ist es sicher wert. Prognosen sind unsicher. Es könnte gar nichts zu sehen sein oder aber bis zu 40.000 Meteore pro Stunde. Könnte also besser werden als die fantastische Leonidennacht 1998. Viel Glück und klaren Himmel!

CS Mike
 
Hi Mike,

danke für die Info, das wäre mir ohne dich wahrscheinlich entgangen!

Da meine eigenen Erfahrungen bei der Beobachtung eher beschränkt sind, mal eine Frage an die erfahreneren Leute hier: Wie wichtig ist die genaue Zeit von dem Maximum? Eigentlich müsste doch auch einige Stunden davor und danach schon einiges gehen, oder?

CS Gerrit
 
Hallo Gerrit,
davor sollte was gehen, aber um 5:20 Uhr geht die Sonne auf und der Radiant, also der scheinbare Ursprung des Stromes, geht um 7 Uhr MESZ unter.
Viele Grüße
Wilhelm
 
Habs auch mal vorabgeklärt. Der Radiant, links nahe Arktur ist um 31.05.22 MESZ 03:00 in 35° Höhe, um 04:00 in 25°, um 05:00 in 15°. Spätestens ab 05:00 ist es recht hell, auch im günstigeren Westen, was meine Beobachtungen kürzlich der Planetenreihe am morgen zeigte.

Also vielleicht doch eine Chance, etwas abzubekommen ;) . Visuell ;) . Zumal, falls es denn dieser "grosse" Sturm wird, es wohl auch eine grössere Bandbreite an Frühchen und Nachzügler geben könnte. Würde ich mal spekulieren.

Werde wohl auch auf gut Hoffnung von 03:00 bis 05:00 draussen stehen, so Wetter will.

Was mich in der jüngeren Vergangenheit recht beeindruckt hatte, war die Prognose für die Aurigiden, siehe hier: Aurigiden: möglicher Outburst 2021. Das Zeitfenster war mit gerade mal einer halben Stunde prognostiziert worden, ich war dann auf gut Glück draussen, wirklich viel war nicht zu sehen, aber es erfolgte praktisch punktgenau entsprechend der Prognose.

Gruss
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Gerit,
trotz meiner 40 jährigen Erfahrung als aktiver Beobachter konnte ich bis jetzt erst einmal einen Meteorsturm sehen. Ganz anders als ein gewöhnliches Maximum. Die Frequenz ist massiv höher und die Sternschnuppen sind nicht um das Gebiet des Radianten begrenzt. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich damals ohne große Erwartung auf einen kleinen Berg in den Alpen fuhr und bereits beim Einparken sah ich die ersten Boliden durch die Windschutzscheibe. Kaum hatte ich die Türe aufgemacht, sah ich die nächsten sehr hellen Sternschnuppen über den Himmel ziehen. Als ich endlich ausgestiegen war, gings dann richtig los. Kreuz und quer über den Himmel verteilt und nicht nur nach dem Radianten ausgerichtet. So intensiv und unfassbar das Schauspiel auch war, so rasch ging es auch wieder zu Ende. Nach ca. 10 Minuten, es mag auch eine Viertelstunde gewesen sein, nahm die Frequenz extrem ab. Ich war schwer beindruckt von dem Naturschauspiel und würde es in die top ten meiner schönsten astronomischen Beobachtungen einreihen.

Sollte es also bei dem neuen Strom tatsächlich ähnlich intensiv zur Sache gehen, dann lohnt ein Versuch in der zweiten Nachthälfte womöglich schon. Und wenn wir Pech haben, gibts zur Entschädigung fürs frühe Aufstehen immerhin noch die morgendlche Planetenparade mit Saturn, Neptun, Juputer, Mars und Venus. :D

CS Mike
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank an alle für die ausführlichen Infos.

Mike's Bericht begeistert wirklich. Ich drücke uns allen mal die Daumen, dass es wirklich was wird!

CS Gerrizt
 
Ich kann mich da den Ausführungen von Mike anschließen,
als ich 1998 in Ahrweiler an der Bundeskatastrophenschutzschule zu einem Lehrgang war hatte ich mir für 1 Uhr den Wecker gestellt und marschierte dann zu einer Stelle, wo ich eine gute Sicht auf den Radianten der Leoniden hatte. Kaum dort angekommen schossen die Sternschnuppen auch nur so herum. Zum Teil zeitgleich 3-5 und dann auch Boliden. Ein Ereignis, das sich fest in meinem Gedächtnis eingegraben hat.
Gruß
Rainer
PS. gerne wieder
 
Hallo,

hier ein paar Details aus den letzten Modellen, Datum 26. Mai, von Q. Ye, J. Vaubaillon und J. Desmars:

Despite difference in assumptions, the two models produce similar results. Model 1 predicts a peak centered between UT 03:40 to 04:00 on 2022 May 31 depending on the scenarios, with radiants consistently located at α = 209.5◦, δ = +28.1◦, with a geocentric speed of 12.1 km/s, while model 2’s 2.5× scenario predicts a peak centered at UT 05:01 on 2022 May 31, with radiant at α = 209.4◦, δ = +28.3◦, with a geocentric speed of 12.1 km/s.
...
Conclusion:
We confirm that the Earth will pass very close to the debris trail produced by comet
73P/Schwassmann–Wachmann 3 during its large outburst and subsequent fragmen-
tation in 1995. Current evidence suggests that the Earth will only intercept sub-
millimeter-class meteoroids, which are likely too faint to be detected as meteors by
contemporary ground-based techniques. However, the ejection speed only needs to
be as little as 40% higher for larger millimeter-class meteoroids to reach the Earth
to generate more visible meteor activities. Observation for possible outburst of the
τ -Herculid meteor shower on 2022 May 30–31 is therefore strongly encouraged. The
area where the meteor outburst might be visible almost covers the whole American
continent (with the exception of Alaska because of daylight). The subradiant point
lies in northern Mexico at the time of the expected maximum (Figure 3).
The center of the meteoroid trail will pass a few tenths of an au in the sunward
direction of the Earth during New Moon.
...
We also note the crossing of the older 1892 and 1897 trails may produce two separate
meteor outbursts around UT 16 h of May 30 and 10 h of May 31 (Wiegert et al. 2005).
Given that 73P was only discovered in 1930 and has only been widely observed since
the 1990s, observations of these two meteor outbursts, along with the one produced by
the 1995 trail as studied in this paper, will provide useful information and constraints
about the history of the comet.


und hier eine Übersetzung für alle, die nicht so gut Englisch können:

Trotz unterschiedlicher Annahmen führen die beiden Modelle zu ähnlichen Ergebnissen. Modell 1 sagt einen Peak voraus, der zwischen 03:40 und 04:00 UT am 31. Mai 2022 zentriert ist, je nach Szenario, wobei die Radianten durchweg bei α = 209,5 Grad, δ = +28,1Grad und einer geozentrischen Geschwindigkeit von 12,1 km/s liegen, während das 2,5×-Szenario von Modell 2 einen Peak am 31. Mai 2022 um 05:01 UT vorhersagt, wobei der Radiant bei α = 209,4 Grad, δ = +28,3 Grad liegt, mit einer geozentrischen Geschwindigkeit von 12,1 km/s.
...
Schlussfolgerung:
Wir bestätigen, dass die Erde sehr nahe an dem Trümmerfeld vorbeifliegen wird, das der Komet
73P/Schwassmann-Wachmann 3 während seines großen Ausbruchs und der anschließenden Fragmentierung
im Jahr 1995 erzeugt hat. Derzeitige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Erde nur mit Meteoroiden der Sub-Millimeter-Klasse kollidieren wird, die wahrscheinlich zu schwach sind, um sie mit heutigen bodengestützten Techniken als Meteore zu erkennen. Für größere Meteoroide der Millimeterklasse muss die Auswurfgeschwindigkeit jedoch nur um bis zu 40 % höher sein, um die Erde zu erreichen, um eine stärker sichtbare Meteoraktivitäten zu erzeugen. Die Beobachtung eines möglichen Ausbruchs des τ -Herculiden-Meteorschauers am 30.-31. Mai 2022 wird daher dringend empfohlen. Das
Gebiet, in dem der Meteorausbruch sichtbar sein könnte, umfasst fast den gesamten amerikanischen
Kontinent (mit Ausnahme von Alaska wegen des Tageslichts). Der subradiante Punkt liegt zum Zeitpunkt des erwarteten Maximums in Nordmexiko. Das Zentrum des Meteoritenschweifs wird während des Neumonds einige Zehntel AE in sonnenwärtiger Richtung der Erde während des Neumonds passieren.
...
Wir stellen außerdem fest, dass durch das Zusammentreffen mit den älteren Schweife von 1892 und 1897 zwei separaten
Meteorausbrüche um 16 Uhr UT des 30. Mai und 10 Uhr des 31. Mai (Wiegert et al. 2005) möglich sind.

Da 73P erst 1930 entdeckt wurde und erst seit den 1990er Jahren in großem Umfang beobachtet wird, liefern die Beobachtungen dieser beiden Meteorausbrüche, zusammen mit dem des 1995er Schweifs, wie er in dieser Arbeit untersucht wird, nützliche Informationen und Einschränkungen zur Geschichte des Kometen.


Aber vielleicht gibt es ja noch die eine oder andere Überraschung.

Gruß
Hans
 
Wie nimmt man sowas auf? Ich habe eine Canon Eos 6d und ein 14mm/2.8 Wallimex Objektiv. Würde es damit gehen?
Welche Belichtungszeiten (Einstellungen) müsste ich da vornehmen. Könnte auch guiden (MGEN 3)
Wohin muss ich die Kamera am besten richten?
CS, Daniel
 
Die vorhergesagten Geschwindigkeiten der Bruchstücke des Kometen beim Eintritt in die Erdatmosphäre sind leider sehr niedrig. Besonders im Vergleich zu den schnellen Leoniden. Könnte also sein, daß die durchschnittliche Helligkeit der Sternschnuppen nicht allzu hoch ist. Aber schaun wir mal, morgen wissen wir mehr.
CS Mike
 
Wie nimmt man sowas auf? Ich habe eine Canon Eos 6d und ein 14mm/2.8 Wallimex Objektiv. Würde es damit gehen?
Welche Belichtungszeiten (Einstellungen) müsste ich da vornehmen. Könnte auch guiden (MGEN 3)
Wohin muss ich die Kamera am besten richten?
CS, Daniel
Hi Daniel,

ich schlage vor Weitwinkel mit irdischem Horizont im Vordergrund Richtung Bootes ohne Nachführung. Richtige Belichtung durch ausprobieren bestimmen.

CS Mike
 
ich schlage vor Weitwinkel mit irdischem Horizont im Vordergrund Richtung Bootes ohne Nachführung. Richtige Belichtung durch ausprobieren bestimmen.
Danke Mike, aber würdest du ein Bild nach dem anderen machen? Zwei Stunden lang?
Und warum keine Nachführung?
LG, Daniel

PS
Na gut, aber ich sehe gerade es wird eh bewölkt sein.
Ausserdem ist es um 5:40 Uhr wohl schon zu hell..
 
Tja. War draussen, bedeckt. Dann noch ein paar Live Streams angeschaut. Haha, Stand jezt, der grösste Reinfall des Jahres. Nix mass event, vielmehr non-event. :D . Herkules hat sich als eine Jammergestalt erwiesen ... ;) Soviel zu den Prognosen ...

Gruss
 
Moin,

na, die Prognosen waren ja schon seeeehr vorsichtig, nichts anderes als ich es erwartet hätte. Hier am Rhein das gleiche.

CS
Jörg
 
Guten Morgen,
auch in Thüringen nur sehr mäßiger Himmel und zwischen 3:30 und 4:30 ein Schnüppchen aus der passenden Richtung.
War aber schön draußen.

VG&CS - Frank
 
Moin,
Eigentlich kennt man das doch von den Unwettervorhersagen. Wenn vorher gewarnt wird wie wild, kommt nix. Und umgekehrt... :):(
-cb
 
Bin heut morgen um 4 Uhr auf Arbeit gefahren. Himmel Sternklar. Vor Abfahrt minutenlang noch hochgeschaut, nix zu sehen.
Wärend der Fahrt eine einzige Sternschnuppe gesehen.
Also nur heisse Luft.
 
Moin,

auch von der Radioastronomieseite keine Sensationsmeldungen, aber definitiv in nachweisbarer Quantität, die Aktivität lag deutlich über dem Grundrauschen. 3...4 wahrscheinlich potenziell sichtbare, aber keine Boliden. Hauewwer, meine Antenne und jene der Kollegen hat einiges eingefangen. Aber, wie gesagt, nix sensationelles ;)

Meteörliche Grüße,
Okke
 
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