MTO 1000 und D50

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delta

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Hallo,

ich möchte die kommende Sonnenfinsternis fotografieren und habe einige Fragen diesbezüglich. Bisher habe ich mit normalen Objektiven Finsternisse fotografiert, aber mangels hoher Brennweite nur mit mäßigem Ergebnis. Nun möchte ich tiefer in die Materie einstegen und habe einige Zeit recherchiert (dabei auch die Idee verworfen, aus kostengründen weiter mit Objketive zu arbeiten).

Nun bin ich als mögliche Ausrüstung auf die Russentonne MTO 1000 bei teleskop-service.de gestoßen, ist sie für einen Anfänger geeignet und funktioniert mit Nikon D50 für diesem Zweck? Falls ich mit der Bedienung nicht klarkommen sollte, wüßte ich auch im Not jemand, der mir kurz helfen könnte...
 
Hi,

die Russentonne wird von vielen Sternfreunden als "mobiles Sofi-Teleskop" eingesetzt. Sie eignet sich im Prinzip prima dafür, nur stellen sich für digitale Kameras zwei Fragen:
1. Wird man mit der Abbildungsqualität zufrieden sein?
2. Wird die Brennweite nicht zu groß?
Zu 1) fällt mir ein, daß eine für den Astro-Einsatz entspannte Russentonne visuell gut bis 150x vergrößern kann. Ich denke mal, daß das genug Abbildungsqualität ist, um auch mit dem hochauflösenden Chip einer DSLR scharfe Bilder abzuliefern. Die Scharfeinstellung der Russentonne ist aber nicht so "leichtgängig" wie man das von einem edlen Nikkor her kennt, sondern das Ding dreht eher "rumpelig" in seinem Gewinde. Von daher sollte man das zumindest üben.
Zu 2) muß man nachrechnen. Mit 1000mm Brennweite hat die 0,5° große Sonne 8,7mm Durchmesser. Das passt schonmal gut auf den Chip. Auch Protuberanzen während der Totalität haben noch gut Platz. Von der Korona kommt aber nur der innerste Bereich auf den Chip, denn nach oben und unten ist jeweils "nur noch" ein halber Sonnendurchmesser platz. Trotzdem wäre das meiner Meinung nach ein sehr schöner Ausschnitt.

Du solltest jedenfalls unbedingt vor der Sofi Trockenübungen machen, damit passend zum Ereignis alles glatt geht. Kritisch ist meiner Meinung nach der Filterwechsel zur Totalität. Die Russentonne hat ein 113mm Filtergewinde und falls Du eine Sonnenfilterfolie in die Fassung eines der mitgelieferten Filter einsetzen würdest, dauert das Abstrauben des Filters vergleichsweise lange, aber wenn man beim wieder anschrauben das Gewinde nicht gleicht trifft (das ist bei 113mm wirklich nicht leicht), dann fummelt man eine Weile herum und ärgert sich womöglich, weil man die hauchdünne Sonnensichel verpasst. Das heisst damit alles glatt geht, solltest Du den Ablauf vorher planen, zum Beispiel mit einer Stoppuhr nachstellen.
Übrigens, die übliche Erfahrung bei der Sonnenbeobachtung mit Digiknipsen ist, daß man besser visuelle ND5 Sonnenfilter nimmt, als die fotografischen ND 3,5 oder ND 4, weil diese für Digiknipsen zu durchlässig sind und diese dann mit zu kurzen Belichtungszeiten überfordern.

Clear Skies
Sven
 
Hallo,
meine Erfahrungen mit der Russentonne und der D50 sind gemischt. Generell bin ich damit ganz zufrieden. Man muß sich aber, wie Sven auch schon gesagt hat, ein wenig damit beschäftigen, bevor es "Spaß macht".
Zur Abbildungsqualität:
So gut wie verzeichnungsfrei, wenig Kontrast. Zum Fotografieren brauchst Du ein sehr stabiles Stativ, 1m Brennweite zappeln schon ziemlich.
Was die maximale Vergrößerung angeht, würde ich eher bei 100x das Optimum sehen, darüber wird es schlechter. Spielt aber für die Sonne wohl nicht so die Rolle.
Das MTO hat den großen Vorteil, kompakt und robust zu sein. Was die Scharfstellung angeht, so haben mir zwei Dinge die Sache erheblich einfacher gemacht:
a) Entfetten des Gewindes, auf dem der vordere Tubus gedreht wird und dann mit Silikon-Schmiermittel neu "gefettet". Das ist zwar keine Dauerschmierung (sprich, muß ab und an ggf. nachgefettet werden), damit läßt sich der Tubus zur Scharfstellung aber deutlich leichter drehen.
Mein MTO lief aber auch im Originalzustand schon recht satt, vielleicht gibt es da ein wenig Serienstreuung?!

b) eine Scheinerblende basteln für die Scharfstellung. Seit ich die benutze, kriege ich selbst mit dem mickrigen Sucher der D50 scharfe Bilder hin *gg* Falls Du eine Scheinerblende nicht kennst, ich kann Dir eine Word-Datei mit einer Vorlage schicken. Ausdrucken (dickes Papier), ausschneiden und zur Scharfstellung vors Objektiv. Geht super. Ach ja - und vorm Fotografieren wieder rausnehmen - wird sonst dunkel im Bild (Erfahrungen, die man machen muß:-)
Die Sonnenfilterfolie habe ich ebenfalls in visuell genommen. Anstelle sie in einen der mitgelieferten Filter einzubauen, habe ich mir einen Überwurf-Filter gebaut. Wie das geht, steht auch auf der Folienpackung (bei der Baader-Folie, zumindest). Die 113mm Filter sind wirklich eklig aufzuschrauben.
Zur D50 noch :
Größter Nachteil mit dem MTO: Du mußt die Belichtung voll manuell einstellen, da die D50 voll von elektronischen Objektiven abhängig ist. Eine D200 kann das besser. Ich persönlich bin inzwischen zu dem Schluß gekommen, dass die Canons (auch schon die 350D) besser für Astrofotografie geeignet sind. Vor allem die oft unterschätzte Spiegelvorauslösung fehlt halt bei der D50. Das Problem der Hotpixel ist bei der D50 ebenfalls nicht so gut gelöst - spielt allerdings für Sonnenbilder keine so große Rolle.
Ach ja, noch zur Brennweite:
Desto länger die Adaption der Kamera an die Tonne wird, desto länger wird natürlich nochmal die Brennweite. Verkürzen könntest Du die BW, wenn Du die Bildfeldebnungslinse des MTO rausnimmst. Allerdings ist die Abbildung dann verzerrt. Dies kann man aber ganz gut mit Software korrigieren.

Alles in allem würde ich das MTO wieder nehmen. Mit etwas Geduld und Übung kann man damit ganz gut beobachten und fotografieren. Schätze mal, das die MTO-Dichte in der Türkei noch diesen Monat sprunghaft ansteigt *grins*

Sonnige Grüße,
Matthias
 
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