Muss ich Angst vor Meridian-Flip haben?

Michnus

Aktives Mitglied
Hallo Freunde,

ich hatte nch nie während einer EAA-Aufnahme einen Meridian-Flip. Hab immer drauf geachtet, dass die Richtung passt und er halt nicht kommt. Muss man da aufpassen, oder funktioniert das gut? Mein Newton sitzt auf einer HEQ-5 und ich nehme immer mit sharpcap auf. Wird für den Flip automatisch eine Pause eingelegt und nach dem Schwenk automatisch wieder ein Plate Solve durchgeführt, dass der Ausschnitt dann identisch zu dem ursprünglichen ist? Wie sind da Eure Erfahrungen?

Vielen Dank!
CS Matthias
 
Hi Matthias,

vor dem Flip wird die Aufnahme pausiert und nachdem Flip beginnt wieder ein neues Plate Solving bei dem der Bildausschnitt vor dem Flip wieder angefahren wird. Mit Asiair funktioniert das sehr zuverlässig. Es kommt schon mal vor, dass der Ausschnitt nicht exakt angefahren wird, dann führe ich nach der Kalibrierung des Guidings manuell ein neues Plate Solving aus. Die ersten Male würde ich das ganze beobachten um sicher zu gehen, dass keines der Kabeln sich an der Montierung verhakt.

Viel Erfolg!
Gülti
 
Darauf achten das nach dem Flip der guider neu Kalibriert wird, das umschifft Probleme mit Richtungsänderungen der Achsen.
Wegen Kabelgehedder ist meist besser man steht daneben. Zur Not kann man die Session nach dem Flip neu starten.
Wenn erst mal eingerichtet läuft es auch allein.

Gruß Frank
 
Hallo Matthias,

mit SharpCap habe ich diesbezüglich keine Erfahrunf, aber im Prinzip sollte es, vorrausgesetzt die Meridian-Flip Setting sind nicht zu eng gesetzt keine Probleme geben. Ich hatte bisher weder mit der AsiAir noch mit NINA jemals ein Meridian Flip Problem. Ich verwende immer die Standardsettings.

CS,
Franz
 
Danke Euch !

@Frank66 : ich guide nicht.

Dann werde ich das wohl auch mal probieren und zur Sicherheit vorher abspeichern. Bin da sehr gespannt. Vor allem, ob dann der Ausschnitt ziemlich genau passt.

CS Matthias
 
Hallo Matthias,

ich würde als Erstes sicherstellen, dass aus mechanischer Sicht nichts beeinträchtigt werden kann. Wie hier schon erwähnt wurde, sind die Kabel ein wichtiger Punkt. Sie sollten ausreichend Spiel haben und beim Schwenk nirgends hängen bleiben oder Zug auf Stecker und Komponenten bringen.




Mit SharpCap habe ich selbst nur Erfahrung bei Planetenaufnahmen, nicht im Deep-Sky-Bereich. Unabhängig davon würde ich aber natürlich zuerst prüfen, ob der Meridian Flip überhaupt aktiviert und sinnvoll konfiguriert ist. Ich arbeite mit der ASIAIR und habe gerade am Anfang selbst schon vergessen, den Flip zu aktivieren. Dann läuft das Setup einfach weiter, bis irgendwann die mechanischen Grenzen erreicht werden. Einen Schaden muss das nicht zwangsläufig verursachen, verlassen würde ich mich darauf aber natürlich nicht.

Ich muss gestehen, dass selbst nach vielen Jahren ein anstehender Meridian Flip bei mir immer noch für einen kleinen Hauch Unruhe sorgt. Das liegt allerdings hauptsächlich an früheren Erfahrungen, bei denen der Flip aus unterschiedlichsten Gründen schiefgelaufen ist. Meist waren das Softwarethemen.

Ich hatte über die Jahre schon einiges dabei: Das Teleskop zeigt morgens Richtung Boden, Tracking ist nach dem Flip plötzlich deaktiviert, das Guiding spielt verrückt, weil nicht sauber neu kalibriert wurde, Plate Solving schlägt fehl oder der Flip wird trotz Aktivierung überhaupt nicht durchgeführt.

Dazu kommen noch kleinere Dinge wie ein Leitstern, der nach dem Flip außerhalb des OAG-Sichtfeldes liegt, Spiel in Gewindeverbindungen mit leichter Änderung der optischen Achse, Spiegelbewegung, eine veränderte Fokuslage oder ein abgebrochener Autofokus.

Das klingt jetzt vermutlich alles schlimmer, als es ist. :) Ich würde davor auf keinen Fall Angst haben. Wenn das Setup einmal sauber eingerichtet ist und der Ablauf zuverlässig funktioniert, läuft ein Meridian Flip normalerweise völlig unspektakulär durch. Gerade am Anfang würde ich die ersten Flips aber vielleicht noch beobachten. Dann sieht man recht schnell, ob irgendwo noch eine kleine Baustelle vorhanden ist.

Vielleicht ein paar Beispiele aus meiner Vergangenheit:

Fokusmotor ist am Säulenadapter/Säule angestossen, da MF nicht aktiv war.
20220113_040158.jpg


0D0A8695-Verbessert-RR.JPG


Softwareseitiger Fehler, das Teleskop war nach dem MF zum Boden ausgerichtet:
20220114_232507.jpg


Hier war der MF auch wieder aktiviert, aber die Montierung hatte in diesem Beispiel einen Anschlag.
0D0A0649-Verbessert-RR.JPG


Vielleicht hilft das bei der Vorstellung, was auftreten kann.
 
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die zeitlichen Einstellungen rund um den Meridian Flip. Je nach Software lässt sich festlegen, wie lange vor dem Meridian das Tracking gestoppt beziehungsweise wie weit nach dem Meridian der eigentliche Flip ausgeführt werden soll. Das kann gerade bei längeren Teleskopen auf einem Stativ sehr hilfreich sein. So lässt sich vermeiden, dass Tubus, Kamera oder anderes Zubehör bereits vor dem Flip mit einem Stativbein kollidieren.

Gerade bei langen Refraktoren oder Newtons würde ich mir diese Abstände deshalb einmal bewusst anschauen und nicht einfach die Standardeinstellungen übernehmen. Hier hängt viel von der konkreten Geometrie des eigenen Setups ab!


 
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