Nagler und SW an f/4 Newton?

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Hallo, Antarees,

Du machst da eine seht interessante Bemekung:

"Da ich in meinem Umfeld mitlerweile oft genug mit meinem 12,5er gegen 16er mit f/4,5 stehe, kann ich sagen, dass der Öffnungsnachteil meines HS durch die Güte fast ausgeglichen wird. Je nach Objekt ist der Unterschied gering bis kaum merklich."

Ich nehme jetzt einmal an, diese 16er sind die üblichen Verdächtigen: Lightbridge und GSO. Dann könnte man aber doch sagen, umgekehrt wird auch ein Schuh draus: die - sagen wir-"bescheidenere" Güte dieser Spiegel gegenüber Deinem hochqualitativen wird durch ihre größere Öffnung ausgeglichen. Dies vor dem Hintergrund, dass man ein GSO-Spiegelset schon für rund 1000 Taler bekommt, eine 16" Spiegel z.B. von Orion UK aber allein schon 2500 kostet. Meine Überlegung: wer sich den Transport des Lightbridge-Monstrums antun will, steht optisch "auf dem Feld" nicht schlechter da als der Besitzer eines kleineren, bequemeren, aber deutlich teureren Geräts.
Seh ich das im Prinzip richtig, oder habe ich mich verrannt?

Grüße und clear skies!

Christian
 
Hallo Christian,

das kann man schon so sehen. Man muss dann aber auch noch grundsätzliche "Knackpunkte" wie JUSTIERUNG, mechanische Stabilität in allen Teilen, thermische Beherrschung, Streu-/Störlichtschutz, kostruktive Fehler/Schwächen ins Kalkül ziehen.
Da stellt sich schon die Frage, was man aufs Feld schleppen muss, um einen guten kleineren Dobson zu egalisieren.

Ein sehr guter Spiegel in einem schlechten Teleskop bringt alleine weniger als ein mittelprächtiger Spiegel in einem sehr guten Teleskop.
Das wird von vielen Öffnungshungrigen und von vielen Strehlfanatikern, so sehr sie sich in der grundsätzlichen Herangehensweise unterscheiden, sehr gerne übersehen.

Man muss das System, vom Eintritt des Lichts in die Teleskopöffnung bis zu Auge des Betrachters, als Einheit betrachten und verstehen.

Gruß und CS
*entfernt*
 
Guten Morgen zusammen.

Ein paar Tage lang konnte ich hier nicht mitmachen. Nun staune ich, was in dieser kurzen Zeit alles so passiert ist.

Alle Beiträge zu meiner Anfrage zu kommentieren, würde den Rahmen sprengen. Ich suche mir deshalb nur eine kleine Auswahl aus:

Zitat von KaStern:
Hallo Stefan,

aus deinem ausführlichen posting kann man erkennen daß du die Sache
voll erfaßt hast und eigentlich keine Hilfe mehr brauchst,
sondern allenfalls noch eine Bestätigung deiner Überlegungen.
Naja, Karsten, Bestätigung oder Widerlegung halt. Klar, ich stochere nicht wahllos im Dunkel herum, sondern habe schon so etwas wie ein Konzept im Hinterkopf. Aber ich bin nicht nur auf Bestätigung aus. Eine gut begründete Widerlegung oder kritische Hinterfragung ist durchaus erwünscht.

Zitat von Felix42:
Zitat von mike61:
Hallo miteinander,

ich bin sehr erfreut über diesen qualitativ hochwertigen Meinungsaustausch.
:super: macht uns so schnell keiner nach...
Ja, dem kann ich nur zustimmen. Dieser Thread verläuft bemerkenswert diszipliniert und ist deshalb (noch) sehr übersichtlich und informativ. Super.

Ich hatte versucht, eine möglichst klar definierte Anfrage zu formulieren. Und die Antworten darauf sind es auch. Sehr schön. Allgemeiner formulierte Anfragen, etwa wie denn wohl ein größerer Dob aussehen sollte, müssen zwangsweise irgendwann im Nirwana enden. Da gibt es zu viele Parameter, die eine Rolle spielen, und die gegeneinander abgewogen werden müssen. Meiner Meinung nach ist es viel zielführender, wenn man so etwas wie eine Parametervariation durchführt: Man fixiert die wesentlichen Rahmenbedingungen, wie hier die Brennweite und die Okularauswahl, und spielt dann mit einem oder einigen wenigen verbleibenden Parametern herum, wie hier der Spiegeldurchmesser. Und Ihr habt da sehr fundiert mitgemacht.

Als Antwort auf meine Anfrage habe ich keinen Konsens erwartet. Aber es kristallisiert sich ein Trend heraus: Bei fixierter Brennweite scheint ein möglichst großes Öffnungsverhältnis vorzuziehen zu sein. Ob die Grenze der Vernunft nun bei f/4,5 oder bei f/4 liegt, darf für den Moment offen bleiben.

Ich versuche jetzt einmal, aus allen Beiträgen so etwas wie ein Fazit zu ziehen, und würde mich über Kommentare (Bestätigung/Widerlegung) freuen.

Als Kritik an schnellen Öffnungsverhältnissen wurde die Fangspiegelobstruktion herangezogen, aber auch gleich wieder relativiert.
Zitat von *entfernt*GMS:
...Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass mit steigender Öffnung der Einfluss einen dann für F/5 größer dimensionierten FS gegenüber F/6 nicht nur prozentual im Obstruktionswert ausgedrückt sinkt, sondern auch bei der Beobachtung immer mehr in den Hintergrund tritt. ... Irgendwo bei 12" und darüber tritt aber der Einfluss von 10 oder 20 mm mehr FS-Durchmeser immer deutlicher gegenüber den vielfältigen anderen Einflussfaktoren ... in den Hintergrund.
Ich habe darauf hin ein wenig mit MyNewton herumgespielt. Günthers Beobachtung ist demnach nicht weiter verwunderlich. Annahme: Für visuelle Beobachtung reicht ein FOW von 10mm aus. Bei einem 6“ f/5 führt dies zu einem FS von 41mm, entsprechend 27,33% lineare Obstruktion. Bei einem 16“ f/5 kommt man mit dem gleichen FOW von 10mm zu einem FS mit 68mm, entsprechend 17% lineare Obstruktion. Ein größerer Newton braucht also ganz grundsätzlich einen zwar absolut größeren, aber relativ kleineren Fangspiegel.

Jetzt kommt die eigentlich interessante Parametervariation ins Spiel: Wir wollten ja die Brennweite festhalten und den Einfluss verschiedener Spiegeldurchmesser herausfinden. Nach MyNewton mit festgelegten F=1.600mm und FOV=10mm folgt:

300mm Spiegel, FS=54mm entspr. 18,00% lineare Obstruktion
350mm Spiegel, FS=67mm entspr. 19,14% lineare Obstruktion
400mm Spiegel, FS=82mm entspr. 20,50% lineare Obstruktion

Man sieht also, dass die prozentuale lineare Obstruktion mit größer werdendem Spiegel zwar etwas steigt, aber gar nicht so ausgeprägt wie erwartet. Außerdem ist dieses Ergebnis gar nicht nachteilig für das schnellere Öffnungsverhältnis, denn für das Kontrastübertragungsverhalten kommt es in erster Näherung nur auf den effektiven Kontrastdurchmesser DK = D (Hauptspiegel) – DF (Fangspiegel) an:

300mm Spiegel, FS=54mm, DK=246mm
350mm Spiegel, FS=67mm, DK=283mm
400mm Spiegel, FS=82mm, DK=318mm

Bei gleicher Brennweite und Spiegelqualität muss also der schnellere Spiegelsatz die bessere Kontrastübertragung liefern. Der Einwand der FS-Obstruktion ist also nicht gerechtfertigt.

Als Zwischenergebnis kann man also festhalten, dass man bei selbst festgelegter Brennweite einen möglichst großen Spiegeldurchmesser wählen sollte, dessen Grenze durch das verfügbare Budget und die Okularauswahl gesetzt ist.

Das Thema Okulare wollten wir hier ja eigentlich ausschließen, da an anderer Stelle schon hinreichend über Möglichkeiten und Grenzen einfacherer Okulare an schnellen Optiken geschrieben wurde. Hinsichtlich der hier schon angeklungenen finanziellen Möglichkeiten möchte ich nur folgendes Anmerken: Auch mein Budget ist begrenzt. Und es ist keineswegs vorausgesetzt, dass bzw. in welchem Umfang ich das umrissene Projekt in seiner Gesamtheit stemmen werden. Ein schöner Begleitaspekt der Hobbyastronomie ist ja, dass die ganze Sache im Laufe der Zeit wachsen und gedeihen kann. Kaum einer wird einmal in den Laden gehen und sich das Equipment für den Rest seines Lebens auf einen Schlag zulegen. Bei den von mir (zur Vereinfachung der Diskussion) vorausgesetzten langbrennweitigen Nagler bin ich noch nicht angekommen, und ob das in naher Zukunft so sein wird, ist durchaus fraglich. Aber bis dahin habe ich ja noch meine einfacheren Okulare, und auch die zeigen was am Himmel. Die Okularauswahl kann langsam wachsen. Das hat Zeit. Wenn ich aber anhand dieser Diskussion ein Spiegelset festlege, dann ist es eben fest. Und es sollte nach meinem Geschmack zukunftstauglich sein.

Was hier darüber hinaus noch anklang, obwohl es gar nicht zu meiner Anfrage gehörte, war die Frage nach Spiegelqualität und Geldeinsatz. Beispielhaft zwei gegensätzliche Meinungen:

Zitat von Antares:
...das könnte quasi auf mein Scope raus laufen
319/1598mm mit 18,6% Obstruktion ;)

Im Ernst, das A und O ist ein guter Spiegel und Fangspiegel.
...
Daher ganz klar die Forderungen
1. hohe optische Qualität
2. geringe Spiegeldicke
3. dann erst Öffnung und Öffungsverhältnis
4. und dann nimm so groß, wie es für Dich gut händelbar ist.

und

Zitat von chrisV:
... die üblichen Verdächtigen: Lightbridge und GSO. Dann könnte man aber doch sagen, umgekehrt wird auch ein Schuh draus: die - sagen wir-"bescheidenere" Güte dieser Spiegel gegenüber Deinem hochqualitativen wird durch ihre größere Öffnung ausgeglichen. Dies vor dem Hintergrund, dass man ein GSO-Spiegelset schon für rund 1000 Taler bekommt, eine 16" Spiegel z.B. von Orion UK aber allein schon 2500 kostet. …

Ich versuch mal, der Sache auf den Grund zu gehen. Über das Thema Spiegelqualität haben wir hier schon diskutiert:

http://forum.astronomie.de/phpapps/...488/Zukunftsplane_Welche_Spiegelqu#Post540488

Dort wurde eine bemerkenswerte Abhandlung zur Spiegelqualität zitiert:

http://www.astro-markt.de/download/Astronomie 2006 72dpi.pdf


(Edit: keine Ahnung, warum obiger Link nicht als Direktlink funktioniert...???)

Siehe in obigem Link die Seiten 18-23. Demnach kann für eine erste (nicht erschöpfende) Abschätzung der Spiegelqualität der Lambda-RMS-Wert herangezogen werden.

Ein Ergebnis kann man schon mal ganz einfach ohne großes Nachdenken vorhersagen: Ein genauerer Spiegel ist der bessere Spiegel. Nur leider kostet der viel Geld. Und das nicht zu knapp. Eine Diskussion über Sinn und Unsinn des Geldausgebens möchte ich hier nicht lostreten. Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er bereit ist, für sein Hobby auszugeben.

Interessant wäre aber tatsächlich folgende Parametervariation: Ich lege (fiktiv) mein Budget für den Hauptspiegel auf beispielsweise 900,- EUR fest. Als variabler Parameter bleibt mit dann ein großer Billigspiegel oder ein kleinerer Edelspiegel. Ich versuche mal einen Vergleich beider Varianten wie folgt:

Für den genannten Tarif bekomme ich einen 400mm GSO-Spiegel, von dem eine Genauigkeit 1/16RMS behauptet wird. Alternativ kann ich zu etwa dem gleichen Tarif einen 300mm Orion-UK Spiegel mit 1/6PV bekommen. Hierzu habe ich mal ein Zygo-Protokoll gesehen, dass 0,023 RMS entsprechend 1/44 RMS ausweist. Ob und wie gut diese Zahlenwerte in der Praxis eingehalten werden, müssen wir für den Moment mal außen vor lassen. Ich hab gerade keine besseren Zahlen zur Hand.

Wenn ich das richtig verstanden habe, sind zwei Merkmale von Bedeutung: Der Strehlwert, der ein Maß für die Intensität des innersten Beugungsscheibchens ist, und die Kontrastschärfe.

1/16RMS des größeren Billig-Spiegels sollten nach meiner (nicht gesicherten) Einschätzung für ein ordentliches Beugungsscheibchen ausreichen. Jeder weitere Genauigkeitsgewinn würde sich wohl kaum bemerkbar machen.

Bleibt die Frage nach der Kontrastschärfe. In obigem Link ist hierzu eine sehr griffige Einschätzung zusammengetragen. Der Autor tut zunächst 1/16RMS als hinsichtlich Kontrastschärfe unbrauchbar ab, und belegt diese Aussage noch durch eine rechnerisch ermittelte Tabelle (siehe S.22 in obigem Link).

Bei einem 1/16RMS-Spiegel ist der effektive Kontrastdurchmesser rechnerisch 60%.
Bei einem 1/44RMS-Spiegel ist der effektive Kontrastdurchmesser rechnerisch 93%.

Hieraus folgen für die zwei in Betracht gezogenen Ausstattungen:

400mm Spiegel, FS=82mm, DK=318mm, 1/16RMS, DKeff=190,8mm
300mm Spiegel, FS=54mm, DK=246mm, 1/44RMS, DKeff=228,8mm

Das erstaunliche rechnerische Zwischenergebnis ist, dass der kleinere Edelspiegel zwar einen etwas höheren effektiven Kontrastdurchmesser hat als der größere Billigspiegel, dass aber die Unterschiede gar nicht so ausgeprägt sind.

Wenn man also vor der Auswahl steht, bei festgelegtem Budget einen kleineren Edelspiegel oder einen größeren Billigspiegel zu nehmen, gibt es gute Gründe, sich für den größeren, aber einfacheren Spiegel zu entscheiden. In der Kontrastübertragung tun sich beide nicht viel. Man gewinnt aber mehr Lichtsammelvermögen und eine höhere Auflösung.

Mein eigenes Budget habe ich noch nicht festgelegt. Aber es ist jetzt schon klar, dass wie so oft Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen werden.

Ein möglicher Kompromiss könnte für mich so aussehen, einen 16“er GSO mit einem Orion-UK-Fangspiegel zu kombinieren. Da das Licht ja nun zweimal mit zwei Fehlerquellen reflektiert wird, wäre zumindest auf der FS-Seite an Qualität gewonnen. Und das für einen vergleichsweise kleinen Aufpreis.

Günther *entfernt* und andere weisen noch mit Recht auf den Rest der Konstruktion als wichtige Faktoren hin. Vor meinem geistigen Auge steht ein Eigenbau-Dob, in dem ich alles an konstruktiven Merkmalen einfließen lassen kann, die die bekannten Nachteile verschiedener China-Dobs überwinden sollten. Aber das ist eine andere Baustelle.

Puha, ich stelle gerade mit Entsetzen fest, dass mein Beitrag doch sehr umfangreich geworden ist. Hoffentlich hat überhaupt jemand den Nerv, sich das alles durchzulesen. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn es den einen oder anderen bestätigenden oder widerlegenden Kommentar gäbe.

Gruß,
Stefan.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Chris
so kann man das natürlich drehen, aber es macht nur begrenzt Sinn. Das größere Öffnung über die Öffnung zunächst mal mehr leisten könnte - absolut betrachtet - ist normal. Da sist insofern keine Leistung die besonders hervorzuheben ist.
Besonders ist es doch wenn weniger Öffnung mit größerer mithalten kann, weil das zunächst ja unerwartet ist.

Und der Preis, der ist relativ.
Mein 12,5er z.B. hat mit allem drum und dran mehrgekostet als es die 16er LB kosten, aber der 16er LB wiegt 50-60 Kilo schätze ich und meiner 19 mit Rockerbox.
Ich muß nicht demontieren sondern kann kompett transportieren.
Und ich bin optisch seeingunanfälliger und schneller ausgekühlt.
Und so hatten wir schon Nächte, wo ich am Planeten z.B. deutlich mehr sehen konnte, weil der dicke 16er der Temperatur nur nachlief und das noch nach über 2 Std. Da gingen keine 250fach, während ich fröhlich mit 450fach gucken konnte und mehr teilweise.
Grade das Seeing bzw die geringere Anfälligkeit der guten Optiken ist etwas was draußen auf dem Feld viel ausmacht. Ich kann im oberen Himmelsareal z.B. fast immer 300fach gehen.

Das sind für mich zumindest in der Summe genug Argumente unbedingt auf eine sehr gute Optik zu setzen, wenn man denn die Möglichkeiten hat.

CS
 
Zitat von Antares:
... Mein 12,5er z.B. hat mit allem drum und dran mehrgekostet als es die 16er LB kosten, aber der 16er LB wiegt 50-60 Kilo schätze ich und meiner 19 mit Rockerbox. ...
Dieses Argument zieht dann, wenn man einen Fertig-Dob kaufen will. Ich denke in den Kategorien eines Selbstbau-Dob. Das Drumherum wäre in beiden diskutierten Fällen der Spiegelqualität gleich. Der Gewichtsunterschied dürfte sich auf den Gewichtsunterschied der Spiegel beschränkten, und ist offenbar nicht von nennenswerter Größenordnung.

Zitat von Antares:
... Und der Preis, der ist relativ.
...
Und so hatten wir schon Nächte, wo ich am Planeten z.B. deutlich mehr sehen konnte, weil der dicke 16er der Temperatur nur nachlief und das noch nach über 2 Std. Da gingen keine 250fach, während ich fröhlich mit 450fach gucken konnte und mehr teilweise.
...
Das sind für mich zumindest in der Summe genug Argumente unbedingt auf eine sehr gute Optik zu setzen, wenn man denn die Möglichkeiten hat. ...
Das liest sich wie ein gutes Argument, und ist in meiner obigen Analyse nicht berücksichtigt. Bei limitiertem und festgesetztem Budget sammelt der kleinere, aber bessere Spiegel doch wieder Punkte im Vergleich zum größeren, aber minderwertigen Spiegel.

Gruß,
Stefan.
 
Hallo Stefan,

die grundsätzliche Teleskopqualität, also von der Güte der beiden Spiegel bis zur Mechanik liest sich nicht nur wie ein gutes Argument, sie ist ein wesentliches Argument.
Auch die Spiegeldicke ist da sehr relevant, denn wenn Du so einen großen dicken Brummer nicht auf angepasste Temperatur bekommst, dann kann er so gut sein wie er will, Höchstvergrößerung wird da nichts oder man nimmt Besseres als BK 7 oder Pyrex, was enorm ins Geld geht. Dünne und große "Pizzen" werden auch immer anspuruchsvoller, was die Lagerung (Spiegelzelle) betrifft.

Ich kenne Armins Teleskop sehr gut, auch im Direktvergleich mit größeren Öffnungen. Ich bestätige seine Argumentation durch eigene Anschauung. Das schon zu Zeiten, als das Gerät noch nicht in allen Teilen mit 100prozenigen Lösungen versehen war und eventuell noch kleine Verbesserungen zu erreichen gewesen wären.

Ich kenne meinen 8-Zöller. Der Spiegel wurde nie auf einer Bank getestet, hat im Sterntest die üblichen Auffälligkeiten wie man sie bei "Massenware findet und wird von erfahrenen Beobachtern (auch Armin) von Anfang an als "beugungsbegrenzt" eingeschätzt.
Im Laufe der Zeit habe ich den Newton/Dobson mechanisch, thremisch und optisch optimiert (Streulicht/kleinerer und beserer FS).
Im Ergebnis kommt er auch da hin, am Planeten, am Mond und sogar manchmal bei DS nicht optimierte größere Geräte (10"-12"), auch mit "ausgewiesener" besserer Spiegelqualität mal etwas "alt" aussehen zu lassen.
Da kommt mein Sprüchlein her: "Wenn schon nicht 8" F/6, sondern größer und schneller, dann gleich 12" und mehr mit allen Konsequenzen."

Es ist im Feld, bei der Beobachtung, beim Direktvergleich nicht immer sicher zu ermittlen, an was es nun liegt, wenn ein Gerät besser funktioniert als das Andere. Zu viele Einflussfaktoren spielen eine Rolle.
Das kann sehr unterschiedliche Ursachen haben und meistens ist ein eine Kobination aus vielen Einflüssen. Wie ich schon geschrieben habe, ist ein sehr guter Spiegel im schlecht gebauten Teleskop dem gut brauchbaren Spiegel im optimalen Teleskop unterlegen.
Der Idealfall ist sicher eine Kombination die in allen Teilen sehr gut ist. Das egalisiert ganz sicher und unter allen Bedingungen das eine oder andere Zoll mehr Öffnung.

Gruß und CS
*entfernt*
 
Hallo Armin,

danke für Deine Antwort, danke auch an Stefan für seine Berechnungen. - Ich wollte natürlich mit meinem Statement nicht andeuten, dass ausgerechnet Armin(!) bei der Anschaffung seines großen Dobs etwas übersehen haben könnte - er hat sich wohl alles sehr genau überlegt. Ich darf einmal zusammenfassen:
Im deep Sky Bereich kommt bei gleichem Preis der kleine, bessere Spiegel an den großen, nicht so guten heran. Wenn es um Hochvergrößerung geht, übertrifft er ihn sogar, weil er schneller auskühlt.
Im Handling ist der kleine dem großen aus Gewichtsgründen überlegen. Wo der große besser sein müsste, sind Lichtsammelvermögen und Auflösung.

Allerdings stelle ich mir nun die Frage, wieso dann so viele 16"er "auf dem Feld" anzutreffen sind. Wieso kaufen die dobsonischen Aufrüster dann alle 16" Lightbridge oder GSO (und berechen sich beim Ein- und Ausladen fast das Kreuz), statt sich ums selbe Geld bei Martin Birkmeier udn Konsorten einen kleinen, feinen 12"er mit Orionspiegel zuzulegen? Anders gefragt: was spricht trotz ihrer vielen, auch hier im Forum schon mehrfach diskutierten Unvollkommenheiten immer noch für die dicken Brummer aus chinesischer Produktion?

Grüße und CS

Christian


 
Hallo Christian,

das Preis/Öffnungsverhältnis, die ständige Werbepräsenz und die einfache, unkomplizierte Verfügbarkeit.

Gruß und CS
*entfernt*
 
Hi Stefan

auch wenn Du selbst baust, wirst Du mit dem Spiegelset nicht unter 40 Kilo kommen. In der Lage liegt auch der schon recht minimalistische Dob eines Kollegen von mir. Ebenso die Variante mit Martini Bausatz. Die hat auch damit um 40 Kilo alles zusammen.
Für mich zumindest ein gewichtiger Punkt.
Und in Teilen bestätigt sich das acuh beim Kollegen, der seinen 16er nicht immer mitnimmt, weil es ihm zu viel ist. Dann nimmt er den 8er Reisedob. ;)

Mußt Du für Dich entscheiden, ich kann Dir nur meine Erfahrungen mitgeben als Anregung.

Für eine gute Optik spricht alles. Ich habe auch oft genug mit einem Orion 12er f/5,3 vergleichen können - im Volltubus.
Selbst mit Lüftern versehen etc war er im Hochvergrößerungsbereich immer hintendran, was aber an der Qualität des Spiegels lag
Auch bei fremden Geräten war es so - mehrfach gesehen wie ein guter 18er einen ordentlichen 20" versägt hat.

Das Auflösungsvermögen ist dann auch kein Vorteil für den 16er. DU bewegst Dich bei 16" schon in einem Bereich der atmosphärische Grenzen setzt. Hier muß man die Praxis einfach sehen.
Theoretisch bist Du mit einem 16er absolut gesehen natürlich vorne. Aber das maximale Auflösungsvermögen des Teleskops erreichst Du mit AP 1 physikalisch, d.h. bei 16" erst bei 400fach, der 12er bei 300fach. Daswiderum bedeutet, dass Du unterhalb on 400fach das Auflösungsvermögen absolut gar nicht nutzt. Es steigt grundsätzlich ja mit der V an.
Hier bin ich nur bei der Physik. Generell sagt man ja dass man mit etwa 0,7 Ap erst auch alles siehst - also auch das was an Auflösung da ist, so daß Du für den 16er auf ca 570 gehen mußt.

Und nun lande ich beim Seeing. Ein 0,8 Stehl Spiegel hat ja schon 20% des möglichen Lichts nicht sauber ins Bild gebracht. Das Seeing verstärkt den Effekt und zwingt Dich in die kleinere Vergrößerung soll es noch scharfe Bilder geben, um es mal einfach zu sagen. Anders der 0,95 Strehl Spiegel der so weiter rauf kann mit der V. weil der atmospährische Seeingeffekt erst später für genug Lichtverlust sorgt, dass das Bild nicht mehr gut und scharf ist.

Und im Ergebnis bist dann vllt mit dem 16er bei 250 und dem 12,5 er bei 320 fach. Damit relativiert sich das Ganze dann quasi. Vorteil ist die Lichtsammelleistung, die alles im Großen dann heller macht und die geringere Vergrößerung fördert dies noch. Im Ergebnis siehst in beiden annähernd das gleiche, mit den gleichen Details nur ist es im 16er heller.

Hierbei ist jetzt nicht berücksichtigt dass dicke Spiegel einfach länger zum Auskühlen brauchen und überhaupt die thermischen Komponenten des Scopes. Hier spricht aber generell etwas gegen die dicken Spiegel und wenn es nur die Zeit ist. Und von langen Kühlzeiten beim Spiegelset haben mir schon einige Eigner berichtet und erlebt habe ich es auch.

Ein 16er wird dem 12er nur dann überlegen sein, wenn er über die Auflösung punkten kann, also Seeing für 400fach und mehr da ist. Nur das ist halt wirklich selten.

Nur um es nochmal zu sagen: Mir geht es nicht darum mein Scope in den Himmel zu heben sondern das sind die Erfahrungen die ich immer wieder mache und gemacht habt.

Viel Stoff zum Überlegen - gutes Gelingen
CS


 
Hi Chris

darum geht es nicht. Ich mache auch Fehler und habe genug gemacht. Ich habe mir in der Tat sehr genau überlegt was ich mache - u.a. auch mal nachgedacht so ein Spiegelset zu kaufen, der Öffnung wegen. Aber ich habe es auch wieder verworfen und meinen 12,5er behalten - eben genau aus all diesen Überlegungen und Erfahrungen heraus. Ich habe jetzt ein für mich in allen Belangen perfektes Gerät auch in der Haptik etc und ein Upgrade, so es denn mal kommen sollte wird wieder so sein müssen, wobei ich dann natürlich z.B. den Transport nicht mehr so einfach haben kann wie jetzt.

Das Ganze mag vllt anders aussehen, wenn man ein Spiegelset von überragender Qualität bekommt - sprich Glück hat bei der Chinalotterie. Die mir bekannten 16 f/4,5 Teleskope sind allesamt gute ordentliche Spiegel gewesen aber sicher keine 96 Strehl Teile.

Warum es viele gibt ist einfach. Die Sets als solche und auch die kompletten 16er sind recht preiswert geworden gegenüber den Preisen von vor 5 6 7 Jahren. Damit werden klassiche Aufstiege von 8 oder 10 auf 16 Zoll für viele schlicht machbar. Und dann ist da noch die psychologische Komponente, die Du hier z.B. jeden Tag x fach antriffst - das Geld.

Dass die Dinger und keine ICS 16" in Massen gekauft werden liegt am Preis. So wie viele sagen mir reicht der 4" Equinox statt dem 4er TMB, oder ich nehme lieber das 32mm TSWA statt dem 31 iger Nagler so nehmen die Leute in dem Fall halt diese Teleskope und mit mehr Öffnung. Es blockiert denke ich gedanklich ein bischen für was kleineres mehr Geld auszugeben als für das Große. Das ist reine Psychologie. Vllt nicht immer der alles entscheidende Punkt, aber ein Punkt der meistens - da bin ich sicher - mit im Hinterkopf steht, neben dem Geld als absoluter Betrag natürlich.
Ist ja ok so zumal es die Käufer positiv erleben, wenn sie von 8 " z.B. aufsteigen. Da ist der 16er dann die Offenbarng.
Und die bleibt es acuh so lange man keinen Vergleich hat und die Unterschiede sieht. Und das ist bei 16 schon nimmer so einfach machbar - das Vergleichen. Und sohaben die Leute am Ende Spaß mit dem was sie haben - egal ob 0,8 oder 0,96 Strehl oder ob 12 oder 16"
CS
 
Guten Morgen zusammen.

Meine Begeisterung über die vielen gut begründeten Beiträge hält an. Vielen Dank dafür.

Mir ist klar, dass ein Dobson ein komplexes System ist, bei dem alle Komponenten zusammenspielen und die erzielbare Abbildung direkt oder indirekt beeinflussen. Da mir das Wissen und die Erfahrung fehlt, das System in seiner Gesamtheit zu erfassen und zu bewerten, suche ich ja Euren Rat, und finde ihn hier auch bemerkenswert fundiert.

Einige von Euch habe ich hier im Forum als verlässliche Wissensträger und Ratgeber kennen gelernt, wie Günther und Winfried, um nur eine Auswahl zu nennen. Trotz Eurer unbestrittenen Expertise reicht es mir aber nicht zu fragen: „Sagt mir, wie ein guter Dob aussehen muss, und so mache ich es dann“. Ich will die Zusammenhänge im Rahmen meiner Möglichkeiten durchdringen und meine eigenen Schlüsse daraus ziehen können.

Um dies zu erreichen ist mein Ansatz, dass Gesamtsystem in Einzelkomponenten zu zerlegen, und diese Einzelkomponenten separat kennen zu lernen.


Zitat von Antares:
… auch wenn Du selbst baust, wirst Du mit dem Spiegelset nicht unter 40 Kilo kommen.
Ja, Winfried, das Gewichtsthema ist absolut von Bedeutung, und natürlich denke ich darüber nach, was noch in mein Auto passt, und welche Massen ich dort hinein und heraus schleppen kann, ohne anschließend zum Physiotherapeuten zu müssen. Auch die Wichtigkeit der mechanischen und thermischen Auslegung habe ich durchaus wahr genommen. Diesen Teil der Auslegung habe ich hier aber in meiner Fragestellung bewusst ausgeklammert. Sie wird vielleicht noch anderer Stelle zu diskutieren sein. Vorliegend versuche ich zunächst, mir systematisch ein Bild der optischen Einflussgrößen zu machen.

Aus diesem Ansatz heraus habe ich oben den Versuch einer Analyse und Zwischenbewertung anhand Eurer Beiträge gewagt. Dieser Versuch wurde kritisch bewertet:
Zitat von Antares:
… Das Auflösungsvermögen ist dann auch kein Vorteil für den 16er. DU bewegst Dich bei 16" schon in einem Bereich der atmosphärische Grenzen setzt. Hier muß man die Praxis einfach sehen. … Daswiderum bedeutet, dass Du unterhalb on 400fach das Auflösungsvermögen absolut gar nicht nutzt. … Im Ergebnis siehst in beiden annähernd das gleiche, mit den gleichen Details nur ist es im 16er heller. … Hierbei ist jetzt nicht berücksichtigt dass dicke Spiegel einfach länger zum Auskühlen brauchen ... Ein 16er wird dem 12er nur dann überlegen sein, wenn er über die Auflösung punkten kann, also Seeing für 400fach und mehr da ist. Nur das ist halt wirklich selten. …
Genau eine solche kritische Bewertung/Hinterfragung/Ergänzung meiner obigen Überlegungen habe ich erhofft und erwartet. Gut so. Vielen Dank.


Zitat von Antares:
… Und dann ist da noch die psychologische Komponente, die Du hier z.B. jeden Tag x fach antriffst - das Geld. … Es blockiert denke ich gedanklich ein bischen für was kleineres mehr Geld auszugeben als für das Große. Das ist reine Psychologie.
Winfried, diese Beobachtung ist absolut zutreffend. Sie kann aber noch darum ergänzt werden, dass die Psychologie auch umgekehrt funktioniert. Mit laufen immer wieder Leute über den Weg, die nach dem Prinzip denken: teuer = gut. Da wird die Kreditkarte belastet, bis sie stöhnt, allein für das gute Gefühl: Ich hab jetzt richtig (zu) viel Geld ausgegeben, also muss ich auch was richtig Gutes haben. Dabei spielen nicht selten auch Prestige-Überlegungen eine Rolle. Man darf und sollte aber die Frage stellen, ob ein solcher Mensch bei objektiver Betrachtung nicht übers Ziel hinausschießt. Ich bin da etwas nüchterner gestrickt, und versuche anhand der vorliegenden Anfrage Mythos und Realität voneinander zu trennen, und anhand einer möglichst sauberen Analyse der Einflussfaktoren eine fundierte Abwägung zu treffen.


Zitat von Antares:
… Mußt Du für Dich entscheiden, ich kann Dir nur meine Erfahrungen mitgeben als Anregung. … Mir geht es nicht darum mein Scope in den Himmel zu heben sondern das sind die Erfahrungen die ich immer wieder mache und gemacht habt. … Viel Stoff zum Überlegen - gutes Gelingen
Diese Bemerkungen treffen genau meinen Nerv: Ich muss das nicht nur selbst entscheiden. Ich will mit Eurer Hilfe dahin kommen, dass ich es auch selbst entscheiden kann. Und dem bin ich seit Beginn meiner Fragestellung näher gekommen :-).

Winfried, wegen meiner kannst Du ruhig Dein Scope in den Himmel heben. Soweit ich das beurteilen kann, hast Du alles Recht dazu. Für mich sind halt solche Erfahrungen wichtig. Diese in Gegenüberstellung mit meinen hier angebotenen Abstraktionsversuchen bilden den Ansatz für meine spätere, dann hoffentlich gut begründete Entscheidung.

Bis dahin: Tatsächlich viel Stoff zum Überlegen. Aber glücklicherweise muss das Projekt nicht gleich morgen steigen, sondern hat Zeit zum reifen.

Danke,
Stefan.


 
Hallo Stefan,

ich denke daß Winfriesd eigentlich Armin heißt...

Zum Thema: die Trennung zwischen Optik und Tubus sollte nicht zu deutlich ausfallen, in der Theorie evtl. schon, nicht aber beim Bauen oder Konstruieren. Die beste Optik, sorgfältig justiert und mit geringer Obstruktion ausgelegt nützt nix wenn das Tubusseeing das Bild verwabert. Ich habe mittlerweile Variante 3 meines 8"f6, erst der Umbau vom Gitterrohr auf einen geschlossenen Tubus mit Belüftung brachte den Durchbruch. Klar machen sich auch alle anderen Verbesserungen bemerkbar, das Bild wurde nach jeder Veränderung etwas besser/kontrastreicher, aber der aktiv belüftete Tubus war ein Quantensprung, vor allem bei hohen Vergrößerungen. Wenn das Bild im Newton mit einer Öffnung ab 8" aufwärts genauso ruhig ist wie im 80er Refraktor weiß man daß endlich das Potential der Optik genutzt wird, und das ist unter Umständen höher als man am Anfang denkt.
Der Vorteil eines geschlossenen Tubusses liegt auch darin daß die Luft bevor sie den Spiegel erreicht alle anderen im Strahlengang befindlichen Komponenten umströmt und kühlt, FS + Halter und Spinne, die Tubusinnenseite...ideal erscheint mir die Kombination aus einer aktiven Belüftung und einer guten Tubusisolation, ich kann nach ca. 10 - 15 Minuten "Vollgas" den Lüfter ausschalten oder auf minimale Drehzahl herunterregeln, das Bild steht wenn das Seeing nicht stört wie angenagelt, auch bei 300x.

Viele Grüße Felix
 
Hallo zusammen,

ich habe den Thread bis hier gelesen.
Vorausgesetzt, man hat einen guten beugungsbegrenzten und justierten 16 Zoll LB und brauchbare äußere Bedingungen, dann müsste dieser im Vergleich zu einem guten 12 Zöller doch schon bei geringeren Vergrößerungen durch seine Auflösung eigendlich mehr Details auf Planeten zeigen können? Einige Besitzer schreiben und sagen dies doch....wenn man dann auch noch den FS gegen einen hochwertigeren austauschen würde, müsste es doch eigendlich gut gehen, oder sehe ich das falsch?
Welche Erfahrungen haben denn die 16 Zoll LB-Besitzer diesbezüglich machen können? Eine Diskussion zu diesem Thema aus praktischer vergleichender Erfahrung ist doch oft hilfreicher....

Grüße

Martin
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Zitat von Felix42:
... Zum Thema: die Trennung zwischen Optik und Tubus sollte nicht zu deutlich ausfallen, in der Theorie evtl. schon, nicht aber beim Bauen oder Konstruieren. ...
Felix, vollkommen einverstanden. Ich will nur erst die einzelnen Komponenten für sich alleine verstehen, und dann zu einem vernünftigen Ganzen zusammenfügen.

Zitat von Felix42:
... ich denke daß Winfriesd eigentlich Armin heißt ...
Oha, ich wusste es besser. Keine Ahnung, warum mir das passiert ist. Sorry, Armin.

@Armin: Oben schreibst Du, und bei Deep Sky Brothers ist auch zu lesen, dass Dein 12,5"-Spiegel nur 24mm dick ist. Selbst die hochgelobten Zambuto-Spiegel sind in diesem Durchmesserbereich aber deutlich dicker mit knapp unter 40mm, was wohl auch das Dickenmaß für die von Dir verschmähten Orion-Spiegel ist. Bei Birkmaier konnte ich keine Dickenangaben finden.

Magst Du mal präzisieren, was genau Du für einen Spiegel hast? Wer stellt sonst noch solch dünne Pizzen im entsprechenden Qualitätsmaßstab her?

Gruß,
Stefan.
 
Hi, Armin,

danke für Deine Ausführungen. Die Sache hat sich jetzt für mich geklärt, Du hast meine Fragen sehr sachlich, sehr eingehend und sehr verständlich beantwortet - ich muss das hier überhaupt einmal sagen: dass Deine Beiträge sich durch ihre Prägnanz wohltuend von vielen anderen Einlassungen unterscheiden, wo es oft nur darum geht, den eigenen Standpunkt (die eigene Kaufentscheidung) mir Zähnen und Klauen zu verteidigen. Wertvoll auch Dein Hinweis auf die Psychologie: solang kein wirklich guter Spiegel neben mir auf dem Platz steht, kann ich auch mit dem billigen 16" er glücklich werden; das verstehe ich sehr gut - man müsste in diesem Sinn den stolzen Besitzern eines "normalen" 16 ers raten: "Nein, geht nicht aufs Teleskoptreffen! Was fällt euch ein? Wer weiß, wer dort neben euch auf der Wiese steht...!" (Ironiemodus aus)

Gut vorstellbar: die Atmosphäre ist an diesem Abend so lala (eigentlich ist sie das ja immer); mit der Vergrößerung komm ich nicht über 250, macht nix, das ist jetzt halt so: das Seeing ist schuld! Da kann keiner was dafür, das Seeing ist ein guter Sündenbock. - So können wir als 16" Adepten alle miteinander glücklich uralt werden, ohne noch einen Gedanken an die Optik zu verschwenden, und was wir uns da eigentlich angelacht haben. - Es sei denn, wir hätten diesen Thread gelesen. So wie ich jetzt. Aber ich habe ihn nun einmal gelesen, mir erscheint alles logisch, was Armin schreibt; er hat mich davor bewahrt, einen Haufen Geld für etwas Zweifelhaftes auszugeben - und andere wahrscheinlich auch. - Es hört sich komisch an, was ich nun sage, aber ist wahr: weh tut es trotzdem. Wissen macht nicht immer glücklich. Nur gescheiter. Dennoch Armin: danke!

CS

Christian
 
Hallo Armin
Zitat von Antares:
Ein 16er wird dem 12er nur dann überlegen sein, wenn er über die Auflösung punkten kann, also Seeing für 400fach und mehr da ist. Nur das ist halt wirklich selten.

Der 16er wird dem 12er nach dieser Logik ab 300x überlegen sein, denn dann ist der 12er ja an seiner Grenze.

Ich habe mal ha+chi Perseus verglichen im C9,25 (235mm Öffnung) und in Takahashi FS60-C. C9,25 .

Bei gleicher Vergrößerung 47x (C9 -> 50mm Okular, FS60-C -> 7,5mm Okular) waren im C9 aber wesentlich mehr feine Sterne zu erkennen.
 
Hallo Dietmar,

dabei muß man aber berücksichtigen daß zwischen einem 12er und einem 16er Spiegel der Unterschied gerade 1,5x ist, zwischen 60mm und 9 1/4" (ca. 240mm) knapp über 4x...ansonsten deckt sich Deine Beobachtung zu 100% mit meinen Vergleichen 80/1500 Refraktor gegen 8"f6 Newton.

Viele Grüße Felix
 
Hallo,

ups, wer rechnen kann ist klar im Vorteil :blush: ,der Unterschied zwischen 12 und 16" ist nur 1,3333...x, nicht 1,5x.

Viele Grüße Felix
 
Hallo Dietmar,

Ich habe mal ha+chi Perseus verglichen im C9,25 (235mm Öffnung) und in Takahashi FS60-C. C9,25 .

Bei gleicher Vergrößerung 47x (C9 -> 50mm Okular, FS60-C -> 7,5mm Okular) waren im C9 aber wesentlich mehr feine Sterne zu erkennen.

und, lag es am Auflösungsvermögen oder am Lichtsammelvermögen (-> Grenzgröße) ?

Ich würde doch wohl "vermuten" daß es am Lichtsammelvermögen lag :)
Um das zu überprüfen könnte man den großen per Neutralfilter
auf die gleich Grenzgröße wie den kleinen herunterquälen
und mit dieser Einstellung noch einmal an h+chi vergleichen.

CS,Karsten
 
Hallo Karsten,

ich argumentiere hier zu der Frage: größerer Spiegel oder kleinerer?

Meine Meinung : -> je größere desto besser! (Qualität vorausgesetzt).

Was man eben sich leisten, rumschleppen, unterbringen kann.

Größer g e w i n n t !

bei astrotreff.de macht sich jemand auf die Suche nach einem 6" f/11 Newton - kann ich nicht verstehen.
 
Hallo Zusammen,

bei gleicher Qualität ist diese Frage einfach zu beantworten, da geb ich euch natürlich recht, evtl entscheidet dann schlicht die Tatsache daß der größere Spiegel das doppelte kostet. Wie siehts aber aus wenn Budget xy zur Verfügung steht und entweder für einen guten bis sehr guten 12" oder einen mäßigen(gerade beugungsbegrenzten) oder mittelprächtigen 16" reicht...? In dem Moment steht Öffnung gegen Qualität und da wird die Frage schon schwerer zu beantworten, vor allem wenn man Armins Erfahrungen berücksichtigt.


Viele Grüße Felix
 
Zitat von Felix42:
bei gleicher Qualität ist diese Frage einfach zu beantworten ...
Naja, Felix, so ganz trivial ist diese Frage nicht zu beantworten.

Meine Eingangsfrage lautete ja, wie weit man bei festgehaltener Brennweite und Top-Okularen mit der Öffnung gehen kann, ohne sich durch Newton-Koma und andere nachteilige optischen Einflüsse ins Abseits zu begeben. Nach vorherschender Meinung geht aber f/4,5 oder sogar f/4. Zumindest unter diesem Aspekt ist größer tatsächlich gleich besser, solange das die Okulare mitmachen, und solange man nicht bei irrwitzigen Öffnungsverhältnissen im 3er-Bereich herauskommt.

Als nächstes wurde die Frage der Spiegelqualität diskutiert. Das der besser geschliffene und polierte (und im Regelfall auch teuere) Spiegel das bessere Abbildungsergebnis liefert, ist selbstredend. Interessant war dann aber die Skalierung am Preis. Ein China-16"er liegt im Preis etwa bei einem feineren 12"er. Armin (Antares) und Günther (*entfernt*) haben glaubwürdig dargelegt, dass ein erstklassiger 12,5"er in der gleichen Liga wie ein China-16"er mitspielt. Diese Aussage ist überhaupt nicht selbstredend.

Darüber hinaus kam noch die Frage der thermischen Beherrschbarkeit ins Spiel. Armin hat dargelegt, dass ein dünner HS nicht nur viel schneller einsatzbereit ist als sein dickerer Mitbewerber, sondern dass er bei Temperaturschwankungen während einer Beobachtungssitzung weniger den aktuellen Umgebungstemperaturen hinterherhinkt.

Alles ernstzunehmende und glaubwürdige Argumente.

Bei der Spiegeldicke möchte ich aber doch noch mal nachhaken:

Der (einfache) GSO-16"er wird mit 45mm Dicke angegeben. Zu den Vertretern der gehobenen Mittelklasse (Orion-UK) sind in diesem Durchmesserbereich keine Daten verfügbar. Die Dicke dürfte aber so im 40mm-Bereich liegen. Als Vertreter der Edel-Spiegel ziehe ich einmal Alluna und Zambuto mit jeweils ca. 40mm heran. Die bei Obsession verbauten OMI oder Galaxy-Spiegel werden sogar mit 50mm Dicke angegeben.

Da der Durchmesser bei der Temperaturanpassung eine untergeordnete Rolle spielt und die Spiegeldicke die Haupteinflussgröße ist, dürften all die vorgenannten Spiegel zumindest in erster Näherung das gleiche Temperaturanpassungsverhalten aufweisen. Der Hauptunterschied des GSO zum Rest dürfte im Spiegelmaterial liegen, dessen Wärmeausdehnungskoeffizient etwa doppelt so groß ist wie bei Suprax und dem (nicht mehr verfügbaren ? ) Pyrex.

Soweit, so gut: Der Faktor zwei bei der thermisch bedingten Spiegelverformung ist ja schon mal was. Aber all dies hat noch nichts mit der Spiegeldicke zu tun.

Hierzu zieht Armin seinen nur 22mm dicken HS heran, der sich natürlich deutlich schneller in seiner Temperatur anpasst. Auf der Negativseite steht vermutlich, dass ein höherer Aufwand bei der Spiegellagerung mit N-Punkt-Zellen betrieben werden muss, und dass ein solcher Spiegel vermutlich noch teurer als die o.g. Kandidaten ist.

Gibt es bei solch dünnen Spiegeln noch andere Problemkreise als Lagerung und Preis?

Und nocheinmal die Wiederholung meiner Frage von weiter oben: Wer stellt überhaupt solche Spiegel her?

Gruß,
Stefan.
 
Zitat von Stefan1960:
Und nocheinmal die Wiederholung meiner Frage von weiter oben: Wer stellt überhaupt solche Spiegel her?
Amateure, die Ihre Spiegel selbst schleifen :/
Diese können nämlich per Hand polieren und die goldenen Regeln der "Großen Ultradünnen" umsetzen, während die Profis auf der Maschine systembedingt arge Schwierigkeiten damit haben. Daher greifen die meisten seriösen unter ihnen zu dickerem temperaturstabilerem spannungsarmen und damit teurerem Substrat, während andere lieber die kostensparendere Technik der "kreativen Messprotokolle" mit oft inflationären Strehlwerten anwenden.
 
Hi Dietmar

physikalisch hast mit den 300fach Recht aber eines übersehen.
Damit Du auch wirklich siehst, was physikalisch da ist, mußt Du über die förderliche Vergrößerung hinaus, nämlich auf die vielzitierten ca. 0,7 AP und die habe ich bei meinem 12,5" (320mm) gerundet ob der circa-Angabe hier mit 400fach beziffert.
Ob das am Ende dann 380fach oder 420 fach werden, beide sind Werte, die richtig gutes Seeing brauchen. Und wie oft wir das haben, weißt ja selbst wenn wir oben sind.

CS
 
HI Chris
danke schön.
Im Grunde kann man mit allem glücklich sein, so lange es das zeigt was man will. Und das ist gut so. Aber am Ende, irgendwann willst einfach mehr, wenn Du weißt das mehr geht. Eben deshalb rüsten wir doch alle auf...

Schau mich an.. Ich habe 2003 als niemand sie hier kannte Speerswaler UWA Okulare gekauft und war lange z.B. mitmeinem 14er glücklich. So lange bis mich Ende 2007 die Testgelegenheit für ein 13er Ethos ereilte das mich einfach glücklicher machte..
Und so wohnt das Ethos nun hier und das Speers ging an einen Astrofreund... Es lebe die Psychologie und davon der Astromarkt.. :)

CS
 
Zitat von Antares:
... Es lebe die Psychologie und davon der Astromarkt.. :)
:-) :-) :-) Sehr gut! :-) :-) :-)

Zitat von Antares:
...mein Spiegel ist von Roland Herrman geschmacht worden ... Schau Dir mal seine HP an, dann siehst die Details dazu.
Hallo Armin, danke für den Hinweis. Hab mich mal durch Rolands HP geklickt. Sehr informativ mit schönen Vorlagen und Anregungen zum Selbstbau...

Gruß,
Stefan.
 
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