Die Frage ist nur, wie viel Platz in der Politik für Irrationalitäten ist.
Man bedenke, wie viel Dollars für die Kriege gegen Afghanistan und gegen den Irak investiert wurden. Wenn die Zahl von 1989 stimmt, die rund 400 Milliarden Dollar für ein solches Programm nennt, dann wäre sogar die Hälfte davon wirklich sehr sehr viel. Und dies kann man heute auch in den USA nicht mehr mit ,,Irrationalitäten des menschlichen Geistes" sprich ,,Neugier" rechtfertigen. Wenn die USA also ein solches Programm tatsächlich aufnehmen, dann muss dahinter definitiv mehr stecken als Neugier. Das war bereits Mitte des 20. Jahrhunderts der Fall. Was konnte sich die UdSSR davon kaufen, den ersten künstlichen Satelliten im All zu haben? Antwort: Eine große Verunsicherung in den USA, die jetzt von Kontinentalraketen mit Atomsprengköpfen von überall aus der Welt getroffen werden konnten. Für viele Amerikaner hatte das zwar viel mit Idealismus und Nationalstolz in einer schwarz-weißen Welt zu tun - aber eben jene Welt hat sich geändert. Ich möchte hier zwar nicht nur über Politik reden, habe es aber schon in einem anderen Thread angemerkt, dass dieses hochinteressante Thema eben so eng mit der Politik verknüpft ist, dass man sie nicht einfach ausblenden kann. Worin können also für die zur Zeit einzige Supermacht der Welt, die jede Menge Ressourcen in den Kampf gegen den internationalen Terrorismus steckt, die Beweggründe dafür liegen, ein solches Projekt öffentlich zu diskutieren und evtl. sogar durchzuführen? Der Artikel nennt das Stichwort ,,China".
In einer Zeit, in der sämtliche alten Bündnisse (NATO...) ihre Bedeutung verlieren und die USA sich zunehmens dem Unilateralismus zuwenden, kann ich es mir nur dadurch erklären, dass sie ihre weltweite Führungsrolle auf allen Gebieten unterstreichen und demonstrieren wollen. Europa schafft es nicht einmal zu einer gemeinsamen Verfassung, Russland ist zu keinem vernünftigen Raumfahrtprogramm in der Lage - aber China. Neben Europa könnte (und wird) sich China in den kommenden Jahren zur Supermacht entwickeln - eine Supermacht mit kommunistischen Wurzeln und Vertößen gegen die Menschenrechte. Und eben jene Nation fordert die USA heraus!
Ich denke, Wahlen sind durch dieses Vorhaben kaum zu gewinnen. Zu viel hat sich dafür in den vergangenen 50 oder 60 Jahren geändert. Wirtschaftliche Interessen? Vielleicht. Aber wenn die US-Regierung die Gelder direkt in die Wirtschaft pumpen würde, hätte sie sicherlich mehr davon. Militärische? Das spricht der Artikel kurz an. Allerdings kann ich mir zur Zeit noch nicht vorstellen, welche militärischen Vorteile eine Reise zum Mars mit sich bringen würde.
Der Weltraum muss vom Menschen erobert werden - nicht von einer einzigen Nation! Und die sinnvollste, vielleicht einzig realisierbare Art und Weise das zu tun, stellt die internationale Zusammenarbeit zwischen den USA, Europa und evtl. Russland und Asien dar. Kostenteilung und Signalwirkung sind hier die Stichworte. Aber das würde dem US-Vorhaben entgegenlaufen, seine Weltmachtstellung zu demonstrieren. Leider vefürchte ich dadurch einen herben Rückschlag nicht nur für die USA, sondern für die gesamte Weltraumforschung insgesamt.