Neueinsteiger bittet um Beratung

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SteveKr

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

Mein Name ist Steve, ich bin 32 Jahre alt und aus dem Herzen Niederbayerns.

Ich hatte bisher mit Astronomie ehrlich gesagt nicht viel am Hut, fand es jedoch schon immer interessant. Jetzt ist die Zeit gekommen und ich möchte mir ein Einsteigerset kaufen. Im Forum habe ich mich schon grob informiert in welche Richtung es gehen soll und habe folgende Rahmenbedingungen:

- Fokus (zunächst) auf Planeten
- Budget ca. 500€
- Terrasse am Land und Auto sind vorhanden, Gewicht und Größe also eher zweitrangig
- habe noch keinerlei astronomisches Fachwissen
- handwerkliches Geschick ist vorhanden

Nun würde ich die Experten und ehemalige Neueinsteiger um Kaufberatung bzw -empfehlung bitten.

Besten Dank im Voraus :-)
 
Hallo Steve,

als Herz Niederbayern verstehe ich den Landstrich, wo ich wohne. :-).

Somit wäre es, nachdem Lockdown, möglich, dass man sich mal trifft und sich austausch. Grau ist alle Theorie, selber Ausprobieren ist vor allem am Anfang absolut empfehlenswert. Und es kommt noch dazu, dass derzeit viel Astromaterial bei Händlern vergriffen ist.... Ich schreib dir mal eine PN.

CS
Matthias
 
Hallo @SteveKr,

herzlich willkommen im Forum und bei einem spannenden Hobby. Ich habe selbst im August angefangen und mir wurde zu einem Dobson geraten. Ein Dobson ist eine drehbare Holzkiste ( = Rockerbox ) in die ein Newton Teleskop schwenkbar eingelegt / eingehängt wird. Ein Newton Teleskop hat einen großen (Haupt-) Spiegel und einen kleinen Fangspiegel der das Licht in Richtung Okularauszug ( = OAZ ) umlenkt. In den OAZ steckt man Okulare, die es in verschiedensten Ausführungen mit unterschiedlichen Brennweiten und Vergrößerungen gibt. Mit dem OAZ stellt man dann das Bild scharf. Die "langen" Okulare mit mehr mm Brennweite ( z.B. 30 mm) vergrößern dabei weniger als die Okulare mit wenig mm ( z. B. 10 mm ). Dieser mechanische Aufbau wurde in den 80er / 90er Jahren von einem Amerikaner Mr. Dobson erfunden und er hat zusammen mit seinen Studenten dann Newton Teleskope gebaut. Nutze die Suchmaschine und Video Plattform Deines Vertrauens. Da gibt es unzählige Videos, inklusive einem Mr. Dobson der auf einer Bierbank sitzend seinen Spiegel für das Newton selbst schleift. Interessant und sehr lehrreich.

Das Prinzip von Dobson ist eigentlich, das man viel Budget in die Optik (= Newton, Okulare) steckt und wenig Budget für die Montierung, Halterung ( Holzikste von Dobson ) des Telekops steckt. Du kannst einen Newton auch in eine andere Form von Montierung stecken, nimmst dann aber von beginn an viele hundert, eher einige Tausend € alleine für die Montierung in die Hand. Unabhängig davon ist der zeitliche Aufwand um mit einem Dobson Montierung mit einer Beobachtung beginnen zu können quasi null und für einen Anfänger intuitiv zu bedienen. Man hat praktisch von Beginn an Erfolgserlebnisse und viel Freude.

Suche im www nach Dobson und Du wirst schnell fündig. Übliche Einsteiger Sets sind Kombinationen aus, Holzkiste, Newton Teleskop und zwei bis drei einfache Okulare. Dabei fliegen Dir dann Zahlenangaben mit 8" (Zoll), 10", 12" etc. und Brennweiten Angaben mit 600, 800, 1000, 1200 mm und Öffnungsverhältnis von F/6, F/5, F/4 etc. um die Ohren. Einfach ausgedrückt je länger (= Brennweite) und je dicker (= Spiegeldurchmesser des Hauptspiegels) das Rohr ist um so kleiner ist das Öffnunsgverhältnis und da in der Astronomie vieles spiegelverkehrt und umgekehrt proportional ist je kleiner ( = schneller ) das Öffnungsverhältnis ist um so besser kann man sehen und um so größer wird das Loch im Geldbeutel. Oder wieder anders herum um so größer muss das Budget sein.

Du wirst über eine ganze Reihe Anbieter stolpern und auch Dobson Sets mit einem Budget von € 500 finden. Aber gehe davon aus, dass Du wenn es Dir Spaß macht, binnen von 3 bis 6 Monate mindestens das gleiche Budget oder mehr für Zubehör, in erster Linie Okulare, dann Filter, dann auch einen Beobachtungsstuhl und, und, und ausgeben wirst.

Ich habe meinen Galaxy 10" - 1.250mm - F5 Dobson bei ICS in Augsburg gekauft und kann gerade wegen der Beratung am Telefon, der Kompetenz der Leute die Firma ICS wirklich empfehlen. Hier im Forum hört und liest man was persönliche, telefonische Beratung und Kompetenz angeht, kenne ich aber nicht selbst, sehr viel positives vom Teleskop Spezialisten in Gauting. Beide konnte man auch noch vor dem aktuellen Lockdown besuchen und sich vor Ort persönlich informieren. Jetzt ist das natürlich nicht mehr so einfach. Ansonsten gibt es auch noch zwei große, neben vielen anderen deutschen Anbietern wobei ich persönlich sehr gute Erfahrung mit dem Teleskop Service in Parsdorf was Reaktionsgeschwindigkeit bei Mailanfragen, Abwicklung von Online Bestellungen bis hin zu Rückgaben und prompten Erstattungen anbelangt. Teleskop Service in Parsdorf hat ein riesiges Warenangebot und viele verfügbare Artikel. Zur Zeit viel mehr Corona bedingt als auch Weihnachts bedingt, muss man oft Monate bei allen Anbietern warten.

Daher ist der Gebrauchtkauf oft nicht nur eine Budget sondern auch Zeit und Geduld schonende Variante. Schau in die große Bucht bzw. in die Kleinanzeigen der großen Bucht. Dort steht übrigens, (seit Wochen) ich will dafür keinen direkten Link setzen in Bayern genau so ein Galaxy Dobson mit dem verbesserten Drehlager wie ich gekauft habe für etwas über deinem Budget mit Telrad Sucher und einem 30 mm ICS Übersichts Okular. Anrufen, hinfahren, anschauen. Wenn es einen seriösen Eindruck macht, der Hauptspiegel in Ordnung ist, denke ich kann man nichts falsch machen.

Du merkst schon die Astronomie Welt dreht sich um Bayern! ;)

Ich habe im August angefangen und bis jetzt schon viel gemacht, gelernt, gelesen, gebaut, gesehen, großartige Beobachtunsgabende mit Jupiter, Saturn, Mars, Neptun, Uranus, Doppelsterne, Nebeln, Mond natürlich auch und, und gehabt, bin aber immer erst noch gefühlt bei 0,01% von 100% Wissen und Praxis Erfahrung. So ein Dobson ist ein erster Einstieg. Machen musst Du selber! Nichts für Leute, nach dem Motto "Mach mich glücklich"!

Alles ändert sich laufend und was man dieses Jahr nicht gesehen hat, kommt aber immer wieder. Manchmal ist es aber eine Frage von mehreren dafür nötigen Leben. Morgen am 21.12. stehen zwar nur ganz knapp über den Horizont sichtbar Jupiter und Saturn ganz eng zusammen. Eine ähnliche, sichtbare Konstellation von den beiden Planeten gab es zuvor Letztmals vor 800 Jahren am 4. März 1226. Neben den astronomischen Zeiten und dass das Licht der Sterne das wir heute sehen seit Millionen und Milliarden Jahre unterwegs war, hat mich sehr beeindruckt, als wir an einem Abend Jupiter beobachtet haben und gesehen haben wie der Jupiter Mond Io um dem Jupiter herum kam. Dass der von mir beobachtete Vorgang ca. 38 Minuten verzögert hier in München sichtbar wurde fand ich toll. 38 Minuten kann ich mir vorstellen. 1 Million Jahre, 1 Milliarde alles schwierig für mich!

Viel Freude und Spaß bei der Vorbereitung, Aussuchen.

MünchenBeiNacht - Ewald
 
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Hallo Steve,

willkommen im Forum.

Das was Matthias (bogix) schreibt ist ein guter Ratschlag, besonders da Du keinerlei Erfahrung hast.
Aber das "live und in Farbe" anschauen gestaltet sich im Moment leider schwierig.

Mein Ratschlag wäre, bemühe die reichlich vorhandene und angebotene Literatur.
Lies Dich in die verschiedenen Bauformen von Teleskopen ein:
- Newton = Spiegelteleskop = Reflektor
- Linsenteleskop = Refraktor, darunter fallen Refraktoren nach Frauenhofer (FH)/Achromaten, Apochromat
- katadiptrische Teleskope = "mischform" aus Spiegel und Linse, häufigste Vertreter das Schmidt-Cassegrain und das Maksutow-Cassegrain
Jedes Teleskop hat sein bevorzugtes Gebiet der Beobachtung.
Wenn dann noch die Astrofotografie ins Spiel kommen soll, wirds noch ein Stück komplizierter.

Dann informiere Dich über die verschiedenen Montierungen:
- die RockerBox, oben schon von Ewald erwähnt, ist eine Alt/AZ Montierung, Alt = Altitude = rauf/runter, AZ= Azimuth = links/rechts
- das selbe Prinzip gibt es auch auf Stativ
- dann noch die parallaktische Montierung, auch deutsche Montierung oder EQ-Montierung
- dann noch ein paar "sonder" Formen wie Gabelmontierung, die vom Prinzip her eine Alt/AZ ist
Die gängigsten sind die drei erst erwähnten.
Dazu käme dann noch manuelle Bedienung oder eben mit elektronischen Helferlein, sprich GoTo.

Dann über Okulare.
Ein sehr komplexes Thema und meist auch sehr individuell behaftet.
Grundsätzlich zur Grundausstattung:
- eines für die Übersicht/Auffinden, um 30mm mit ca. 70° in 2"
- eines für die mittlere Vergrößerung, zwischen 17mm und 24mm in 1,25"
- dann für die Hochvergrößerung, so zwischen 6mm und 14mm in 1,25"

Mach Dir auch weiter Gedanken über das
- was Du beobachten möchtest, ist am Anfang etwas schwierig da eine Entscheidung zu treffen, das "Allround" Teleskop gibt so leider nicht
- wo Du beobachten möchtest, da hängt der Transport mit dran und somit auch das, was man gewillt ist zu "schleppen"
- dann wie beobachten, visuell oder fotografisch
- wieviel Geld soll eingesetzt werden am Anfang, aber bitte nicht, wie schon erwähnt, die Folgekosten aus dem Auge verlieren
- denke auch an den Zeitaufwand und da Dein Privates Umfeld wie Beruf, Familie etc., denn beobachtet wird am späten Abend, im Moment auch schon was früher, und in der Nacht.
- das Wetter vor Ort. Hat man Zeit spielts Wetter nicht mit oder halt umgekehrt. In dem Zusammenhang auch die Temperaturen nicht vergessen.
- überprüfe auch Deine Erwartungshaltung. Was erwartest Du da Oben zu sehen? Das hat nichts mit den schönen, bunten Bildern zu tun, die Du sicherlich kennst. Farbe ist nur in sehr begrenzten Umfang, im rein visuellen Beobachten, zu sehen. Farbe kommt erst mit der Astrofotografie ins Spiel. Aber das ist dann wieder ein anderes und sehr komplexes Thema.

Das alles mal so als Denkanstoß. Es gibt sicherlich noch einiges mehr.
Das Ganze ist sicherlich erstmal sehr theoretisch belastet, aber es lohnt sich.
Nimm Dir Zeit, habe, die auch schon erwähnte, Geduld. Das Hobby Astronomie/das Beobachten ist kein ad hoc Hobby.

Wenn Du die Fallstricke, die Theorie, des Starts erfolgreich überwunden hast, wirst Du nicht mehr aufhören Dich weiter mit der Astronomie zu beschäftigen.

Es werden sicherlich reichlich ??? auftauchen.
Einfach hier im Forum fragen. Hier wird Dich geholfen ;).
Denn jeder hier stand vor den gleichen Fragen wie Du jetzt, ob er nun vor einem halben Jahr angefangen hat oder vor 25 Jahren.
Jeder wird gerne etwas beisteuern um Dir zu helfen, aber nicht erschrecken, wenn es bei dem ein oder anderen Thema etwas hitziger zu geht.

Dieses Forum ist wirklich gut!
 
Zuletzt bearbeitet:
Wow, vielen Dank für die schnellen und ausführlichen Antworten.

Das Ebayangebot 10" Galaxy Dobson find ich ganz spannend. Da der Transport eher weniger das Problem ist, hatte ich die Rockerbox schon ins Auge gefasst.
Liege ich da richtig, dass ich für Planetenbeobachtung noch zusätzlich zu einem 2" 30mm ICS Wildfield Okular noch ein Okular mit kleinerer Brennweite brauche bzw sinnvoll wäre? Hätte da nach Recherche an ein 5mm Hyperion gedacht. Brauche ich noch Okulare mit mittlerer Brennweite? Oder finde ich unsere Planeten auch mit den zwei o.g. Okularen?

Ich sehe schon, es gibt eine Menge zu lesen. Aber für den Start denke ich wäre ich mit dem Ebayangebot und einem zusätzlichen Okular ganz gut aufgestellt. Das Zubehör ist ja austauschbar bzw erweiterbar :)
 
Hallo @SteveKr ,

alle Angaben zu Ratschlägen von Okularen muss man immer "einnordnen" auf das jeweilige Newton. Mein persönlicher Eindrucks-Horizont ist deshalb auf Erfahrungen mit einem F/5 - 1.250 Dobson beschränkt. Mit dem 30 mm hast Du dabei ein gutes Übersichtsokular. Das nimmst Du um sich im Zielgebiet eine Überblick zu verschaffen oder ganz große Teile wie Mond komplett anzusehen. Für Planeten inklusive Monde kann es nicht groß genug sein, also lieber 8 mm statt 11mm, lieber 6 mm statt 8 mm u. s. w. nur die "Seeing-Bedingugen" erlauben fast immer nur die größeren Brennweiten, also besser 11 statt 8 mm u.s.w. Muss man selber rausfinden und erfahren und hängt sehr auch vom momentanen, persönlichen Zustand ab. Ist nicht wie U-Bahn fährt um 8:11 ab und um 8:10 ist alles gut und um 8:12 ist alles zu spät. Mein Rat als Ergänzung zum 30 mm Okular beim F/5 Dobson ist ein 10 bis 11 mm Okular, als erstes - dann ein 6 bis 9 mm Okular.

Ein unter 8 mm Okular wirst Du nur unter absoluten Ausnahmebedingungen überhaupt einsetzen können.

Liebe Grüße - Ewald - MünchenBeiNacht
 
Hallo Steven,

ich nehme mal an das ein 10"/1250mm f/5 Dobson ist.

Damit erreichst Du rechnerisch:
1) eine minimale Vergrößerung (Vmin) von: Durchmesser (D)in mm / AP (Austrittspupille) max = 254/7 = ~36-fach
2) eine förderliche Vergrößerung (Vför) von: D / 0,7 = 254 / 0,7 = ~362-fach
3) eine maximale Vergrößerung (Vmax) von: a) 2 x D = 2 x 254 = 508-fach
b) moderater gerechnet: 1,5 x D = 1,5 x 254 = 381-fach
Die Vergrößerung errechnet sich:
- Brennweite Teleskop / Brennweite Okular
Bei Deinem erwähnten 30mm wäre das: 1250 / 30 = ~41-fach
Bei dem erwähnten 5mm Hyperion: 1250 / 5 = ~250-fach
Mit dem 5mm wärst Du noch gut in einem Bereich der machbar ist.
Die Vergrößerung ist sehr vom Seeing (informieren), der Transparenz abhängig, was sinnvoll ist.
5mm oder 6mm sind sicherlich öfter einsetzbar als 3mm oder 4mm bei unseren deutschen Beobachtungsbedingungen.
Mit meinem C8 (Schmidt-Cassegrain 200/2000 f/10) gehe ich recht selten unter 7mm oder 8mm. Es passt einfach zu selten ein 6mm (vorhanden) oder ein 3mm (auch vorhanden) zu nutzen.
Eine ausschlagebende Größe bei Okularen ist auch die AP. Da sind aber andere berufener das zu erklären.
Dann sollte bei den Okularen auch berücksichtigt werden ob man Brillenträger ist. Da sollte ein Augenabstand von ca. 20mm möglich sein.

P.S.
Bitte Okulare nicht als Zubehör auffassen.
Sie sind halt zwingend notwendig um was zu sehen.
Lieber am Anfang die erwähnten drei Grundokulare (Übersicht, mittlere V und hohe V) anschaffen und da nicht auf 50,-€ unterschied gucken.

Was zu einem Newton noch zu sagen ist, Du brauchst etwas zum justieren. Newton neigen leider dazu sich zu verstellen, besonders wenn sie häufig transportiert werden. Ist kein Hexenwerk. Nach einigen malen geht das zügig von der Hand.
 
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