Hallo Matze,
ich möchte zur Entscheidungsfindung drei Dinge besteuern.
1. Newton-Spikes stören nur aus ästhetischen Gründen, sie machen das eigentliche Bild nicht kaputt. Das kann man schon aus der Fläche sehen, die die Fangspiegelstreben vom Spiegel verdecken, die ist nämlich im Vergleich zur Gesamtfläche sehr klein. Bei einer Optik mit 200mm Durchmesser und 2mm starken Streben (heute sind viele Streben dünner) wären durch die Streben 2x200mmx2mm=800mm² bedeckt, während die Optik eine Fläche von 31415mm² hat, das sind dann 2,5%!
2. Das 114mm Nexstar hat als Optik einen Cat-Newton 114/1000. Diese Optiken nenne ich das meist abgeratendste Teleskop 2007. Grund für's abraten ist die Serienstreuung bei der Produktion dieser sehr günstigen Optiken und die Problematik, dass speziell diese Cat-Newtons nur sehr schwer zu justieren sind. "Normale" Newtons sind viel einfacher zu justieren.
3. Ich persönlich würde zur Planetenbeobachtung keinen Achromaten mit zu kurzer Brennweite benutzen. Schon bei 90mm Öffnung und f/11 ist mir der Farbfehler in störender Weise zu groß, bei 80mm und f/15 finde ich es OK.
Genauer habe ich das hier aufgeschrieben:
http://www.svenwienstein.de/HTML/optiksysteme.html
Generell würde ich für die Planeten- und Mondbeobachtung kein Geld für Goto ausgeben. Planeten sind zu ihren Beobachtungsphasen die hellsten Gestirne ihres Himmelsbereich. Fährt man heute Abend die 10 hellsten und mit bloßem Auge sternförmigen "Objkete" mit dem Teleskop ab, dann findet man zwei Planeten. Hellster Stern ist Sirius, dann sind Capella, Betelgeuse, Rigel, Aldebaran und Procyon noch Sterne, auf die man stoßen könnte, bevor endlich Mars und Saturn ohne jede Karte gefunden werden müssten.
Steht Jupiter am Himmel, kann man wohl generell einfach das hellste Gestirn ansteuern, ohne nachzuschlagen ist der wohl stets heller als der hellste Fixstern Sirius.
Was die Montierung eines Refraktors angeht: Ich selbst habe einen 90/1000 und einen 80/1200 in Gebrauch und würde die erst ab der Größe einer GP vernünftig montiert sehen. Das bedeutet, um in den Nummernbezeichnungen der GP-Clones zu sprechen: Eine "3" reicht mir nicht, eine "4" halte ich für vielleicht machbar (je nachdem wie sie ausfällt), aber eigentlich würde ich eine "5" anstreben, also Astro-5, EQ-5, ADM, Mon-2 (die fällt aus dem Nummernschema) oder ähnliches.
Von "sicher montiert" kann ich bei einer CG-3 nicht recht etwas sehen. Faustregel: Die kleinste Montierung, die im Paket mit einem Teleskop angeboten wird, ist generell mal zu schwach, um in Ruhe Planeten zu beobachten.
Was meine persönlichen Anforderungen für ein Planetenteleskop angeht: Ich würde 150mm Öffnung eines Spiegelteleskops als Minimum ansehen (damit konkurriert ein Apo mit 127mm Öffnung), und lieber auf 200mm Öffnung setzen. Solche Geräte bieten in meinen Augen erst genug Leistung, um langandauernden Spaß bei der Planetenbeobachtung zu haben. Natürlich darf ein solcher Achtzöller kein Gerät "bassd scho" sein, sondern es muss passend ausgewählt sein und man muss eventuell selbst Hand anlegen, um die gewünschte Planetenleistung herauszubekommen.
Will man das alles nicht, also will man sich nicht damit beschäftigen, ein optimales Gerät auszuwählen, ein gekauftes Gerät zu justieren und/oder zu verbessern, dann bleibt nur eins:
Choose your poison: Farbfehler oder Dejustage. Macht beides schlechte Bilder... Wackelei auf einer zu schwachen Montierung kommt dazu, oder eben das Erlernen der Dobson-Handhabung.
Clear Skies
Sven