Neues zum Canon-Fernglas 10x42 L IS WP 1599,- €

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Hallo!

Liest sich ja sehr interessant. Leider scheint Canon am Stabilisator nichts verbessert zu haben, was wieder auf eine leichte Unschärfe bei eingeschaltetem Stabilisator schliessen lässt - habe ich zumindest hier im Forum vom Vorgänger so gelesen.


Gruß Harald
 
Das würde ich nicht ungeprüft unterstellen. Wenn ein Hersteller diesen optischen Aufwand treibt, wie es Canon bei den L-Objektiven tut, dann erwarte ich, daß auch die übrigen am Zustandekommen der Abbildung qualitätsrelevant beteiligten Komponenten auf gleich hohem Niveau konzipiert sind. Warten wir also erst mal ab, bevor wir zu kritisieren beginnen. Wenn der Hersteller nicht ausdrücklich erwähnt, daß die Bildstabilisierungsmimik verbessert wurde, so könnte das auch daran liegen, daß man eine solche Aussage vermeiden will, weil sie von den Kunden als Eingeständnis einer bislang noch nicht perfekten Lösung interpretiert werden könnte. Aus solchen Gründen wurden schon oft Verbesserungen in der laufenden Serie ohne große Ankündigung, also „stillschweigend” vorgenommen.

Ich will damit nicht behaupten, daß die Bildstabilisierung bei diesem neeen Modell besser ist (dafür habe ich keine Anhaltpunkte), sondern nur sagen, daß voreilige Kritik nicht angebracht ist.

Walter E. Schön
 
Laut der zitierten Webseite wird wieder ein Vari-Angle-Prisma verwendet. Ein Prisma dieser Art erzeugt beim Stabilisieren leider Koma auf der Achse.

Somit kann man eigentlich nicht erwarten, dass sich die bisher bei anderen Canon-Ferngläsern mit Vari-Angle-Prisma beobachtete leichte Unschärfe bei aktiver Stabilisierung bei diesem Fernglas hier verringert.

Die Bildqualität sollte aber durch das L-Objektiv in Bezug auf Kontrast und Farbsäumen besser sein.

Grüße,
Infinity
 
Jedes Bildstabilisierungssystem erzeugt Fehler

Nicht nur das Vari-Angle-System, sondern auch alle anderen mit quer zur optischen Achse verschiebbaren Linsen(gruppen) oder mit kippbaren quaderförmigen Prismen führen im ausgelekten Zustand (d.h. außerhalb der Ruhestellung) Abbildungsfehler ein, und zwar auch sphärische und chromatische Aberration in nachweisbarem Umfang. Insofern könnte man bei oberflächlicher Betrachtung versucht sein, Bildstabilisierung abzulehnen. Aber das ist ein falscher Ansatz, weil man nicht das Faktum eines Fehlers an sich beurteilen darf, sondern prüfen muß wie von der sichtbaren Auswirkung her sich die Größenordnungen der neu hinzugekommenen Fehler (sphärische und chromatische Aberration, Koma) zu derjenigen der beseitigten Fehler (Verwackelung) verhalten. Wenn deutlich weniger Unschärfeeffekte hinzu kommen als beseitigt werden, handelt es sich um einen Gewinn. Allein das zählt.

Für viel wichtiger halte ich es, das Augenmerk auf den Hysterese- und Nachschwingeffekt zu legen. Bei der „Hysterese” (oder „Hysteresis”) handelt es sich um das zeitliche Nachhinken der Bildlagekorrektur. Die Korrektur kann ja immer erst eingeleitet werden, wenn eine Beschleunigung vom Sensor erkannt wurde, aber dann liegt zu diesem Zeitpunkt ja auch schon eine minimale Bildverschiebung vor. Entscheidend ist also, eine möglichst verzögerungsarme Bildstandskorrektur (verzögerungsfrei geht prinzipbedingt nicht) zu erreichen. Andererseits besteht gerade bei schnellen Systemen, die immer auch höhere wirksame Kräfte erfordern, die Gefahr der Überschwingens. Also muß eine entsprechende, möglichst aperiodische Dämpfung eingebaut werden, die aber wiederum die Reaktionsgeschwindigkeit merklich herabsetzen kann. Die Kunst des Entwicklers solcher Systeme ist, hier den optimalen Kompromiß zu finden aus Reaktionsschnelligkeit und Bedämpfung des Überschwingens. Hier sehe ich durchaus ein noch großes Potential zu Verbesserungen.

Ein wichtiger Punkt bei der Konstruktion solcher Systeme, gleich welcher Art, also egal, ob Vari-Angle, drehbarer Quader oder querverschiebbare Linse(n), ist die Festlegung des Vibrations- bzw. Verwackelungs-Frequenzbereichs, für den ich Optimierung erfolgen soll. Hier kann z.B. das Einsatzgebiet eine Rolle spielen (relativ hochfrequentes Rütteln im Hubschrauber, relativ niederfrequentes Schwanken eines Schiffes, mittelfrequentes Zittern der Hände). Nikon und Fuji bieten da eine Umschaltmöglichkeit für einerseits niedrigeren Frequenzen mit großer Auslenkung (z.B. bis zu 3°) und andererseits höherfrequenten geringeren Auslenkungen (z.B. unter 0,5°).

Das einzige bereits technisch realisierte Bildstabilisierungssystem (außer dem Stativ), das frei von optischen Abbildungsfehlern (sphär. und chrom. Aberration, Koma) ist, ist das von Minolta in einigen Digitalkameras benutzte System der Sensorverschiebung. Aber das funktioniert nicht bei Ferngläsern; hier müßte analog zum Sensor entweder das ganze Okular, das Auge des Betrachters oder die Netzhaut nachgeführt werden.

Aus allen diesen Gründen halte ich es nach wie vor für unfair, vorab schon mit einer pessimistischen Erwartungshaltung die Flinte ins Korn zu werfen. Warten wir doch erst mal ab, ob und ggf. welche möglichen Verbesserungen Canon bei dem neuen Fernglas realisiert hat. Ich bin jedenfalls schon gespannt darauf, obwohl ich für mich persönlich lieber eine neues Super-Fernglas in der Gewichtsklasse zwischen 600 g und 800 g (vielleicht ein 10x38 oder 10x40) mit scheinbarem Sehwinkel um etwa 65° gewünscht hätte. Eventuell hätte ich auch 900 g noch akzeptiert, wenn im Fernglas ein Laser-Entfernungsmesser z.B. nach Art des Nikon ProStaff Laser 440 eingebaut wäre.

Walter E. Schön
 
Re: Jedes Bildstabilisierungssystem erzeugt Fehler

Hallo Walter,

die Aussage, dass jedes Bildstabilisierungssystem Fehler erzeuge, gilt hier aber wohl nur für elektronisch arbeitende Systeme. Eine mechanische Lösung wie z.B. die von Zeiss im 20x60S realisierte, bei der die Optik vom Fernglasgehäuse entkoppelt wird, sollte m.E. nicht betroffen sein.
Eine Umschaltmöglichkeit zwischen verschiedenen Stabilisierungsmodi gibt es nach meinem Kenntnisstand nur beim Nikon 14x40 StabilEyes, nicht aber bei Fuji.

Steve
 
Hallo Walter!

Wenn der Hersteller nicht ausdrücklich erwähnt, daß die Bildstabilisierungsmimik verbessert wurde, so könnte das auch daran liegen, daß man eine solche Aussage vermeiden will, weil sie von den Kunden als Eingeständnis einer bislang noch nicht perfekten Lösung interpretiert werden könnte.
Interessanter Aspekt. Das könnte wohl so sein.

Ich bin schon gespannt auf den ersten Testbericht.


Gruß Harald
 
Re: Jedes Bildstabilisierungssystem erzeugt Fehler

Meine Aussage gilt nicht nur für elektronische Bildstabilisierungssysteme, sondern auch für rein mechanische. Denn die Elektronik hat ja keinerlei Einfluß auf die optischen Verhältnisse, sondern ist nur die Steuerung für die mechanische Bewegung optischer Elemente wie z.B. den veränderlichen Keilwinkel der Vari-Angle-Prismen, die Verkippung eines Glasquaders oder die Verschiebung von Linsen quer zur Achse. Ob eine nach Beschleunigungssensor-Signalen elektronisch gesteuerte Linsenverschiebung durch Elektromagnete bzw. Elektromotoren oder aus dem Zusammenwirken von Massenträgheit und Gravitation rein mechanisch oder von einem elektromotorisch in extrem schnelle Drehung versetzten mechanischen Kreisel gesteuert erfolgt – optisch wirksam ist letztlich nur die dezentrierte Linse(ngruppe). Auch die sogenannten Gyro-Ferngläser mit Kreiselstabilisierung sowie die mit Massenträgheit rein mechanisch und ohne Stromquelle arbeitenden Bildstabilisierungen des Zeiss 20x60 oder einiger russischer Ferngläser erreichen die Bildstabilisierung nur durch Verschiebung oder Verkippung optischer Elemente. Wenn nun z.B. zur Stabilhaltung der Bildlage ein Glasquader im Strahlengang verkippt wird, so erzeugt er in ausgelenktem Zustand (d.h. gegenüber dem Ruhezustand verkippt) nicht deswegen weniger Aberrationen, weil die Verkippung von einer mechanischen Mimik statt elektromotorisch, piezoelektrisch oder sonst wie veranlaßt wurde.

Es ist nicht richtig, daß beim Zeiss 20x60 „die Optik vom Fernglasgehäuse entkoppelt wird”. Vielmehr sitzen sowohl die Objektive als auch die Okulare und die Umkehrprismen (oder zumindest ein Teil von ihnen) fest = starr im Gehäuse und nur ein einziges bewegliches optisches Glied in jedem Strahlengang ist „entkoppelt” und wird durch eine mechanische Mimik verkippt oder verschoben. Und sobald etwas verkippt oder dezentriert wird, ist das optische System an dieser Stelle nicht mehr rotationssymmetrisch, was dann die Aberrationen zur Folge hat.

Was die zwei verschiedenen Stabilisierungsmodi betrifft, so ist richtig, daß unter den frei verkäuflichen bildstabilisierenden Ferngläsern nur das Nikon 14x40 dieses Ausstattungsmerkmal besitzt, während das sonst weitgehend baugleiche Fujinon 14x40 nur den Modus mit großem Ausgleichswinkel bietet. Aber habe mal gelesen (kann aber nicht mehr die Quelle angeben), daß Fuji noch Militätgläser herstellt, die nicht auf dem freien Markt erhältlich sind und ebenfalls zwei solche Modi bieten. Dafür verbürgen, daß das stimmt, kann ich mich aber nicht.

Walter E. Schön
 
Re: 10x42 L IS - Gewicht

Hallo Walter,

also für mich ist es einfach von vorneherein wegen des zu hohen Gewichts uninteressant - ich nehme an, daß es sich um eine
Entwicklung für das Militär handelt (würde auch den schockierenden Preis erklären, obwohl andererseits auch die meisten
der Canon L Fotoobjektive sich im "professionellen" Bereich von einigen 1000€ aufhalten). Irgendwo auf
cloudynights hab ich mal den Begriff "lächerlich teuer" gefunden.... Wobei natürlich eine 30 Jahres Garantie
(die in den Unterlagen nirgendwo erwähnt wird) das Preis/Leistungsverhältnis komplett verändern würde.

Falls jemand ernsthaft zur Tat schreiten willt, hat Foto-Koch es schon im Programm (100€ unter empf. Preis).

Gruß
 
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