Newton 200/900

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AlphaTrekki

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Warum ist ein schnelleres Teleskop justageanfälliger und hat so seine Probleme mit einigen Okularen.

Ich danke für eure Hilfe.
 
Hallo Chistian,

Als "schnelle" Teleskope bezeichnet man im Allgemeinen Teleskope mit relativ kurzen Brennweiten. Die Zahl für das Öffnungsverhältnis (und damit der Lichtstärke) ergibt sich dabei, wenn man die Brennweite des Objektivs durch den Durchmesser des Objektivs teilt. Je kleiner die Zahl ist, die dabei herauskommt, um so "schneller" ist das Teleskop.

Je kürzer jedoch die Brennweite des Objektivs ist (und damit die "Schnelligkeit" des Teleskopes zunimmt), desto höher sind die Anforderungen an die mechanischen und optischen Komponenten und damit auch an die Justage des Gerätes. Bei kurzbrennweitigen Systemen mit einem Öffnungsverhältnis von f6, f5 oder gar f4 werden eben die einfallenden Lichtstrahlen gegenüber Systemen mit f10 oder f15 sehr viel stärker abgelenkt bzw. gebrochen. Daher sind die Toleranzen bei der Justage sehr klein. Herkömmliche Fraunhofer-Refraktoren quittieren ein kleines Öffnungsverhältnis mit einem Farbfehler, Newtons dagegen mit "Koma". Beides lässt sich jedoch mit einem gewissen Aufwand stark eingrenzen - bei Refraktoren durch den Einsatz hochwertiger ED- oder Fluoritgläser (sehr teuer!) und bei Newtons mit Komakorrektoren und einer soliden Bauweise. Es soll da schon eine Menge Teleskope geben, die trotz "schneller" Optiken und der damit verbundenen Fototauglichkeit, hervorragende visuelle Eigenschaften haben. Leider sind diese Gerät allesamt recht teuer.

Die Auswahl der Okulare ist bei kurzen Brennweiten ebenfalls mitunter ein Problem. Bekanntlich errechnet sich ja die Vergrösserung indem man die Brennweite des Teleskops durch die Brennweite des Okulars teilt. Besitzt man nun ein "schnelles" Rohr mit - sagen wir mal - 700mm Brennweite, dann benötigt man für eine Planetengerechte Vergrösserung von 200x ein Okular mit einer Brennweite von 3,5mm. Derartig kurzbrennweitige Okulare sind jedoch recht aufwändig in der Konstruktion (so denn eine vernünftige Qualität dabei herauskommen soll) und sind daher entsprechend teurer. Will man noch weiter vergrössern, dann kommt man wohl um eine Barlow-Linse nicht herum, die allerdings neben weiteren Kosten auch durch das zusätzliche Glas, durch das das Licht hindurch muss, auch optische Nachteile mit sich bringt.

Abschliessend muss man sagen, dass man beim fotografieren und auch beobachten von Deep-Sky-Objekten einerseits nicht um kurzbrennweitige Geräte herumkommt. Weiter haben diese Rohre durch die kurze Brennweite auch den Vorteil einer kompakten Bauweise, was entscheindende Vorteile bei mobil betriebenen Teleskopen bringt. Andererseits sind die Teile auch teuer und bringen bei der Beobachtung von helleren Objekten wie Planeten, Sonne und Mond eher Nachteile - zumindest wenn man das Preis-Leistungsverhältniss mit einfacher konstruierten Teleskopen mit langen Brennweiten beachtet.

Gruss:
Thomas
 
Hallo Thomas
Es soll da schon eine Menge Teleskope geben, die trotz "schneller" Optiken und der damit verbundenen Fototauglichkeit, hervorragende visuelle Eigenschaften haben. Leider sind diese Gerät allesamt recht teuer.

Welche sind das?
Ich stehe vor der Überlegung zum TS Newton 200/900 zu greifen, mit f4,5 ein wirklich schnelles Teleskop und für meine Wünsche damit fotovisuell in DeepSky rumzugurken, wahrscheinlich ein gutes Rohr. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />

Um eine Barlow werde ich wohl nicht herumkommen und ich hoffe, wie du sagtest, das die visuellen Nachteile dadurch nicht zu groß werden.
Welche AP Größe ist denn für uns noch erträglich, <1,5mm?
 
Hallo!

Warum ist ein schnelleres Teleskop justageanfälliger...

Also das ist schnell erklärt:

Bei allen konventionellen Optiksystemen entstehen mit zunehmend kurzer Brennweite mehrere Abbildungsfehler.
Dies sind zum Beispiel Koma und Bildfeldwölbung und bei Linsensystemen noch chromatische Fehler, weil natürlich ein Linsensystem jeder Lichtwellenlänge eine andere Brennweite verpasst.

Natürlich fallen diese Abbildungsfehler bei unterschiedlichen Systemen auch unterschiedlich aus. So zeigen Refraktoren beispielsweise bei gleichem Öffnungsverhältnis weniger Koma als ein Newton.

Nun isses so, um mal beim Newton zu bleiben, das das Bildfeld, in welchem die Koma so gering bleibt, dass sie innerhlab des Beugungsscheibchens "untergeht", immer kleiner wird, je "schneller" die Optik wird.
Du musst dir das so vorstellen, dass in der Bildmitte des Teleskopes keine Koma vorhanden ist. Weiter zum Rand hin dann gibt es einen Komafehler, der mit größer werdendem Abstand zur Bildmitte (optische Achse) immer größer wird.
Solange aber dieser Fehler kleiner ist als das Auflösungsvermögen der Optik oder fotografisch gesehen eben der Spotdurchmesser der Optik spricht man eigentlich von einem komafreien Bildfeld. Und eben dieses wird umso kleiner, je schneller die Optik wird.

Bei einem Newton mit f/4 beispielsweise ist die Größe des komafreien Bildfeldes nur noch wenige Millimeter groß.
Dies bedeutet, dass wenn die Optik nur ganz schwach dejustiert ist, man eben schon in einem Bereich der Optik beobachtet, in dem das Teleskop nicht mehr seine volle Abbildungsschärfe liefert, weil Koma eben schon das Bild ganz leicht verschmiert. Je kürzer also die Brennweite ist, desto stärker nimmt die Koma zu, und desto stärker macht sich eben auch eine leichte Dejustage schon bemerkbar! Alles klaro?


...und hat so seine Probleme mit einigen Okularen.

Auch das ist recht schnell erklärt:
Stell dir mal den Lichtkegel vor, der in einem Teleskop entsteht, eben weil das Objektiv oder der Spiegel das Licht fokusiert.
Der Kegel wird ja umso stumpfer, je schneller die Optik wird. Wenn nun ein Okular im Teleskop steckt, dann ist der Winkel, der ganz äußeren Lichtstrahlen, wenn diese ins Okular fallen ja recht groß, verglichen mit dem Winkel auf der Achse, der ja bei 0 Grad liegt.
Genau da liegt das Problem! All diese Lichtstrahlen die mit unterschiedlichen Winkeln ins Okular fallen sollen im Okular natürlich zu einem scharfen Bild führen, was aber nur bis zu einem gewissen Grad möglich ist, und bei größeren Einfallswinkeln eben auch komplexere Okulardesigns nötig werden.
Ansonsten entsteht im Okular Astigmatismus, dadurch werden die Sterne am Rand des Gesichtsfeldes ziemlich verzogen, was häufig mit Koma verwechselt wird.

Alle Klarheiten beseitigt?! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

clear skies,
André


 
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> simpel, aber dennoch kompliziert... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" />
 
Moin!


Wo drückt den der Schuh?

Ansonsten hilft es bei solchen Sachen auch oft, wenn man sich das ganze wirklich bildlich vorstellt oder Skizzen dazu macht. Oft kommt man dann auch selbst auf bestimmte sachen.

Wenn also was unklar sein sollte, nur her damit!!!

clear skies,
André
 
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