Hallo Mayo,
vor einigen Wochen hab ich beschlossen ein Teleskop zu bauen. Dabei steht Selbstbau an oberster Stelle, weshalb ich mir so wenig Komponenten wie möglich kaufen möchte. Das Teleskop soll auf reine visuelle Nutzung ausgelegt sein.
Das ist eine ausgezeichnete Idee! Du lernst bei dem ausgefallenen Hobby eine Menge. Auch die ausschließlich visuelle Nutzung ist meiner Meinung nach der richtige Weg. Genauso habe ich in den 80er Jahren auch gedacht und mir einen guten Spiegel 8"Spiegel nach dem Buch von Texereau geschliffen und den Tubus gebaut und nach dem Buch von Anton Stauß eine parallaktische Montierung gebaut und ne Menge Planetenskizzen gemacht und in den Mond geschaut.
ABER: Das war vor 30 Jahren!!!
Entzwischen ist viel Zeit vergangen und viel Neues ist entwickelt worden:
Die von John Dobson erfundene Montierung begann sich allmählich durchzusetzen, zuerst bei den ATMs dann bei den Firmen.
Al Nagler hat extreme Weitwinkelokulare entwickelt.
Kriege und Berry haben eine sehr gute Anleitung zum Bau von Gitterrohrdobsons geschrieben
Das hat den Fernrohrbau bei den Amateuren entscheident verändert.
Während es immer noch eine gute Idee ist nach dem Buch von Texereau einen Erstling mit 8" f/6 oder f/8 zu schleifen, gilt dies für andere Dinge wie schwere rechteckige parallaktisch auf dünnen langen Achsen montierte Newtons nicht mehr.
Heute nimmt man riesige Lager mit kurzen Achsen, darum haben sich die Dobsons ja durchgesetzt, anstelle von langen dünnen Achsen wie bei der abgebildeten Gabelmontierung. Die Nachführung fürs Visuelle erledigt man mit ausgetüftelten Teflon/Küchenplattenlagern, deren Haft und Gleitreibung ähnlich groß sind. Die modernen Weitwinkelokulare ermöglichen ausreichen lange Beobachtungszeiten ohne ständig nachführen zu müssen. Wenn man einen großen Dobson anständig baut wackelt auch beim Scharfstellen auch bei hoher Vergrößerung gar nichts.
Es gibt also absolut keinen Grund, überhaupt an so eine- mitlerweile mit Recht- total veraltete Montierung zu bauen.
Und wenn du unbedingt ein wenig Planetenfotografie oder ausgedehnte Skizzen machen willst, baust dir halt optional eine äquatoriale Plattform dazu. Und was das Austoben und Tüfteln anlangt wirst du merken, dass du beim Parabolisieren ausreichend Gelegenheit dazu haben wirst.
Viel Spaß und viel Erfolg beim Schauen und Bauen!
Hier als Beispiel für einen F/6 Dobson mein früherer selbstgebauter 12" Dobs. Einmal als normaler Dobson und einmal auf einer parallaktischen Plattform der Firma "Affordable Platforms"
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/22f0cb-1451594654.jpg
Link zur Grafik: http://fs5.directupload.net/images/151231/82h2ce7b.jpg
CS Mike