Re: Newton GSO600/Celestron
Hallo jens,
ich habe ein R200SS, welches dieselben optischen Eckdaten hat. Ich kenne das GSO 600 sehr gut, und auch dessen Vorläufer ("ohne Nummer", einfach GSO 8" F/4).
Mit diesen Geräten kann man sehr wohl den Andromedanebel in Spiralform sehen. Dazu gehört allerdings ein Himmel bei dem man deutlich mehr als 5,5mag visuelle Grenzgrösse hat. Du sprachst ja schon vom Pegasusquadrat, hast Dich also bereits grob informiert. Für mich (Nordrand Ruhrgebiet) bedeutet dies entweder ins Sauerland zu fahren, oder ins Emsland. Leute aus der Kölner-Gegend fahren Richtung Eifel oder tief ins Bergische.
Wie es bei Bremen ausschaut weiss ich nicht, aber das Emsland wäre nicht weit. Die Gegend zwischen Haselünne und Fürstenau ist sehr dunkel, dort kannst Du, mit dem Gerät das Du hast, den Andromedanebel als Spirale sehen. Es gehören natürlich auch gute "Tagesbedingungen" dazu. Soetwas geht nicht mit der Brechstange.
Wenn Dich auch noch andere Nebel interessieren, dann ist für Emissionsnebel, also für planetarische Nebel und für diffuse Nebel ein OIII-Filter und als Ergänzung ein UHC-Filter der Schlüssel zum Erfolg auch unter nicht so gutem Himmel. Habe ich Dir schon meinen Artikel
Stadtastronomie empfohlen? Der geht auf diese Thematik genau ein.
Was die von Dir vorgeschlagenen Geräte angeht: Natürlich kannst Du mit einem Reducer das C11 und das C9,25 auf f/6 bringen, so daß die Galaxienbeobachtung mit "normalen" Okularbrennweiten gut funktioniert. Trotzdem wird bei diesen Geräten das Gesichtsfeld zu klein, um Andromeda mit Spiralarmen zu überblicken, Du würdest nur einen Ausschnitt sehen, sobald der Himmel gut genug ist, um mehr als das Zentrum zu sehen. In meinem R200SS passt M31 so gerade eben in das 60° Gesichtsfeld meines LV 30, das sind am Himmel über 2 Grad, also 4 Vollmonddurchmesser. Mit dem MN71 würde es wieder gehen, aber Du stiessest auf dieselben Schwierigkeiten mit dem Himmel, die Du bereits jetzt mit dem GSO hast.
Ich würde Dir empfehlen, das GSO nicht auf M31 zu reduzieren. M31 ist leicht zu finden, aber nicht immer ein befriedigendes Objekt. Mache Dich also nach anderen Objekten auf die Suche! Der Winterhimmel ist im Kommen, hier gibt es viele Emissionsnebel zu sehen, also wäre ein OIII und oder UHC sehr lohnenswert.
Noch steht der Schwan hoch, M27 findet man fast auf der Linie Albireo/Spitze des Pfeils. Einfach von der Pfeilspitze aus mit dem GSO hochschwenken, da taucht er am rechten Rand auf. Mit Filter ist auch der Zirrusnebel beim Stern 52 Cygni (am "rechten Flügel" des Schwans) ein tolles Objekt. Bei gutem Himmel geht auch der Nordamerikanebel nahe Deneb. Der ist so groß, daß er auch wieder größer als das Gesichtsfeld ist. Natürlich ist auch M57, der Ringnebel, wunderbar spannend.
Im Perseus ist der "kleine Hantelnebel" M76 ein spannendes Objekt. Man kann mit der Vergrößerung heraufgehen und versuchen, in der "Eieruhr"-Form verdichtungen zu erkennen. Das ist gleich auch Augentraining.
Im Stier kommt M1 hoch, der Überrest einer Supernova-Explosion, die 1054 n.Chr. hier sichtbar wurde. Ein leicht zu findendes Objekt, aber Strukturen sieht man nur mit Beobachtungstraining.
Der große Orionnebel M42/M43 ist ein prächtiger Anblick. Hier wirst Du weniger die Fotofarben rot und blau sehen, aber ein gutes Auge bei wirklich schwarzem Himmel sieht ihn grün. Mit Filter ist die grüne Farbe leichter zu erkennen, aber das liegt eben auch am Filter.
Ich könnte nun die interessanten Objekte noch Stundenlang aufzählen - offene Sternhaufen habe ich noch nicht genannt.
Du musst erstmal Beobachtungserfahrung bringen. Gerade im DeepSky-Bereich musst Du lernen, wo kann Öffnung den Himmelshintergrund besiegen, wo nicht. Bei Andromeda hilft Öffnung nicht, und auch Filter sind sinnlos.
Was das Wohnzimmer angeht: Eine Astro-Ausrüstung braucht immer ein wenig "Logistik". Da will ein Okularkoffer einen festen Platz im Schrank haben, und im Koffer selbst wollen die Okulare ihren eigenen Stammplatz. Wenn ich Balkonbeobachtung treibe, dann lasse ich manchmal die Sachen im Wohnzimmer stehen, aber nur, wenn ich am nächsten Morgen Zeit habe, alles ordentlich wegzuräumen. Wenn meine Frau früher zu Hause ist, als ich, will sie sich schließlich auf dem Sofa räkeln, und da kann da eben kein Teleskop auf das verdunsten des Nachttaus warten!
Wie Tom schon andeutete: Deine Schilderungen deuten auf viel Hektik, auf "ich will unbedingt und mit Gewalt". Dein Vorschlag, gleich wieder ein neues Gerät anzuschaffen, würde Dich auf eine teure Strasse bringen. Du wirfst aktiv Geld zum Fenster raus, schwitzt schon beim Schaufeln.
Bremen ist kein astronomisches Niemandsland. Suche Dir vor Ort Sternfreunde, die Dich mal zu ihrem Beobachtungsort mitnehmen. So findest Du gute Plätze und die können abschätzen, wie oft im Jahr es dort gut genug für die Spiralarme der Andromedagalaxie ist.
Clear Skies
Sven