NGC6819 und M57 in den Weißen Nächten

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas K.Bahr
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K.Bahr

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Moin,

während der weißen Nächte hier in Flensburg sind die Möglichkeiten für
Deep-Sky-Aufnahmen aktuell recht eingeschränkt.
Wirklich sinnvoll lassen sich momentan hauptsächlich
Sternhaufen und sehr helle planetarische Nebel fotografieren.
Trotz der kurzen und hellen Nächte konnte ich einige Daten sammeln:

NGC 6819 (Fuchskopfhaufen)
(Newton30) NGC 6819 Fuchskopf-Haufen 30.jpg


M57 (Ringnebel)
M57 Ring Nebula Insta Vers2.jpg


Besonders zufrieden bin ich mit einer technischen Änderung an meinem Teleskop:
Ich habe die Hauptspiegelzelle recht simpel modifiziert,
in dem ich eine kleines Distanzstück gedruckt habe
sodass nun kein Druck mehr auf den Hauptspiegel ausgeübt wird.

Air directing Main Mirrot Ring 07b.jpg


Das Ergebnis ist deutlich sichtbar, endlich sind die Sterne schön rund
und nicht mehr durch Verspannungen des Spiegels verformt.
Dadurch sank der FWHM wert bei meinem ersten Test auf Anhieb um 0,5 Punkte.
Auch wenn die Bedingungen derzeit alles andere als optimal sind,
hat sich die Anpassung der Spiegelzelle bereits gelohnt.
Jetzt freue ich mich auf den 21.Juni dann wenn die Zeit wider für
uns Nordlichter spielt und die Nächte wieder länger werden.

CS und Grüße
Karsten
 
Hallo Karsten,

Gratulation zur gelungenen Modifikation! Erstaunlich, dass man den Unterschied so stark sieht. Wie fest waren denn die Schrauben der Spiegelhalterung angezogen? Man sollte doch meinen, dass bei gelockerten Schrauben maximal das Gewicht des Halteplättchens selbst auf den Spiegel drückt?
Aber angesichts Deiner Ergebnisse sollte ich da bei mir vielleicht auch nochmal ran. Ich bin mit meinen Sternformen auch meist nicht zufrieden, wobei da natürlich die unterdimensionierte Montierung und Guidingprobleme wegen der Luftunruhe über der Stadt eine große Rolle spielt.

Beim Ringnebel hast Du eine gute Auflösung erreicht. Der ionisierte Sauerstoff durfte zwar nicht seine echte Farbe behalten sondern wurde Blau, aber ich kann die Abneigung gegen Grüntöne in der Astrofotografie durchaus verstehen ;)
Die Dynamik der Helligkeitsunterschiede zwischen äußerer Schale und Kern hast Du gut hinbekommen, ohne zu künstlichem HDR-Look.

Grüße und CS,
Steffen
 
Hallo Karsten,

Ja, die weißen Nächte! Nun beginnt eine magere Zeit für die Galaxienfotografen, aber es gibt ja zum Glück auch noch andere Ziele, wie z.B. Sternhaufen und Emissionsnebel.

Beide Ergebnissse können sich sehen lassen. Der Sternhaufen im Widefield wirkt nach meinem Geschmack besonders gut, da du ihn nicht exakt zentriert ins Bildfeld gerückt hast.
Die Details in der zweiten Aufnahme zeigen sehr schön die Leistungsfähigkeit deines Teleskops. Manchmal wünsche ich mir auch ein F4-System. Damit erreicht man schon mit moderaten Belichtungszeiten eine beachtliche Tiefe.

Was die Spiegelfassung anbelangt, sollte sich der Konstrukteur sein Lehrgeld wiedergeben lassen. Soetwas gehört verboten!
Ein Spiegel darf niemals Druck auf den Rand bekommen! Die Fassung muss so konstruiert sein, das der Spiegel nicht nach Vorn aus der Fassung fallen kann, sonst nichts. Gut das du den Fehler erkannt hast und eine sinnvolle Lösung umsetzen konntest. Du wirst mit besseren Sternabbildungen dafür belohnt.
Ich habe seinerzeit bei der Konstruktion meiner Hauptspiegelfassung für meinen NCT300 sehr viel Erfahrung sammeln müssen und stand dabei in engem Kontakt mit dem "Spiegelfassungspapst" von Zeiss. Das hat mir sehr geholfen.

CS Dietmar
 
Hallo Karsten,

die Details in M57 sind großes Kino. :y: Sehr schönes Bild.

Gratuliere zur Optimierung deiner Spiegelfassung. Solchen Problemen auf die Schliche zu kommen und sie letztendlich zu beheben kostet immer viel Überwindung und Zeit. Man möchte ja Daten aufnehmen und bei guten Nächten nicht die Zeit mit Optimierungen verbringen. Am Ende lohnt sich aber der Aufwand fast immer.

CS
Christof
 
Moin Karsten,
du bist ja unermüdlich und nutzt wohl jede Gelegenheit zum Fotografieren. :)

NGC 6819 kannte ich noch nicht, ein sehr ansehnlicher Sternhaufen. Gefällt mir gut.

Besonders gut gefällt mir dein Ringnebel. Die Darstellung und Bearbeitung trifft ganz meinen Geschmack. Farblich wunderschön und mit tollen Details auch mit dem äußeren Halo. Das sieht einfach sehr stimmig aus. :y:
Auch die "begleitende" Galaxie IC 1296 macht sich daneben prima.
Glückwunsch zu den klasse Bildern.

lg
Wolfgang
 
Hallo Steffen, Dietmar, Christof und Wolfgang,

vielen Dank für eure Rückmeldungen und die netten Worte!

@ Steffen:
Ich weiß leider nicht mehr genau, wie fest die Klammern ab Werk angezogen waren.
Weil ich direkt nach dem Kauf einen Hauptspiegelring eingebaut hatte.
Beim Anziehen der Schrauben habe ich zwar darauf geachtet, dass die obere Metallplatte noch leicht beweglich bleibt.
Offenbar war das aber trotzdem noch zu fest.

Der Effekt auf die Sternabbildung war jedenfalls deutlich größer, als ich erwartet hätte.
Falls du bei deinem System ohnehin gelegentlich mit den Sternformen kämpfst,
könnte ein prüfender Blick auf die Spiegelzelle durchaus lohnenswert sein,
auch wenn natürlich Montierung, Guiding und Seeing oft die Hauptverdächtigen sind.

Freut mich, dass dir M57 gefällt. Die Farben sind tatsächlich nicht ganz korrekt dargestellt.
Ehrlich gesagt war ich schon froh, den äußeren Halo überhaupt sichtbar machen zu können.
Dafür musste ich die Daten extrem strecken, wodurch ein Teil der Farbinformationen zwangsläufig verloren gegangen ist.


@ Dietmar:
Ja, die Galaxiensaison verabschiedet sich leider langsam. Mal sehen, was die Nebelsaison bringt.
Das Gesichtsfeld meines neuen Systems ist im Vergleich zu meinem alten 8-Zöller etwas kleiner,
und selbst der war für manche großflächigen Nebelgebiete schon grenzwertig.

Deine Anmerkungen zur Spiegelzelle bestätigen meinen Verdacht, dass die Konstruktion in dieser Form nicht optimal war.
An solchen Details merkt man wahrscheinlich den qualitativen Unterschied zwischen einem Skywatcher
und den höherwertigen Lösungen von Lacerta oder ONTC.
Obwohl der Umbau letztlich recht überschaubar war und sicherlich auch für Skywatcher
ab Werk noch ins Budget gepasst hätte.


@ Christof:
Vielen Dank! Bei M57 war ich selbst überrascht, wie viele Details nach der Optimierung plötzlich sichtbar wurden.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich bei diesem Bild zusätzlich die Deconvolution aus GraXpert 3.1.0 RC2 eingesetzt habe.
Die Ergebnisse können beeindruckend sein, allerdings sollte man das Werkzeug mit Vorsicht verwenden,
da es bei zu aggressiven Einstellungen schnell deutliche Artefakte erzeugen kann.

Das Problem mit der Hauptspiegelhalterung hatte ich eigentlich von Anfang an im Verdacht.
Während der Galaxiensaison wollte ich das Teleskop aber nicht auseinanderbauen.
Das ist vielleicht das einzig Gute an den weißen Nächten hier im Norden:
Man hat Zeit, am System zu basteln und Optimierungen durchzuführen,
ohne ständig das Gefühl zu haben, wertvolle Belichtungszeit zu verpassen.


@ Wolfgang:
vielen Dank für deinen netten Kommentar und das positive Feedback!

Ich versuche tatsächlich, jede sich bietende Gelegenheit zum Fotografieren zu nutzen.
In den hellen Sommernächten lassen sich zwar keine Belichtungsrekorde aufstellen,
dafür ist es aber eine gute Zeit, um auch einmal "einfachere Objekte" aufzunehmen und
nebenbei kleinere Änderungen am Setup auszuprobieren oder neue Bearbeitungsschritte zu testen.

NGC 6819 gehört sicherlich nicht zu den bekanntesten offenen Sternhaufen,
besitzt aber durch seine hohe Sterndichte und die Lage inmitten der Milchstraße einen ganz besonderen Reiz.
Es freut mich, dass er dir gefällt.

Besonders danke ich dir für deine Worte zum Ringnebel. Bei der Bearbeitung lag mein Schwerpunkt darauf,
die feinen Strukturen sowie den äußeren Halo möglichst gut sichtbar herauszuarbeiten.
Dabei haben die Farben allerdings etwas gelitten und sind nicht ganz so ausgefallen,
wie ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte. Umso mehr freut es mich, dass dir die Darstellung dennoch zusagt.

Nochmal vielen Dank euch allen.
Grüße und CS
Karsten
 
Hallo Karsten,

das Resultat der Modifikation ist aber sehr deutlich und überzeugend. Wichtig ist, das sich der Spiegel immer noch leicht in den Klammern drehen lässt. Klemmen mag die Optik gar nicht.
Ich hätte da aber noch einen Vorschlag. Ich verstehe immer nicht warum die Klammer so weit in den Spiegel ragen muss. Auf deinem Bild rechts sieht man sehr deutlich, das der Spalt, bedingt durch die Spiegelform immer größer wird. Mechanisch nützt das nichts und führt optisch nur zu Beugungserscheinungen. Also 2/3 von innen gesehen können weg, ohne das mechanisch irgend etwas schlechter wird.
Ganz nebenbei, ein sehr schöner Ringnebel!

Gruß Thomas
 
Hallo Karsten

Na das kleine extra Feature am HS hat sich wohl gelohnt ! Danke fürs zeigen
Den Fuchskopf habe ich bis dato immer übersehen , den hast du sehr schön eingefangen !
Der winzige Ringnebel sieht phänomenal gut aus , ein echter Hingucker !! Ich hatte vor Jahren mal das Vergnügen durch den großen Schiefspiegler in der Sternwarte in Glücksburg den Ringnebel live zu betrachten . Wenn ich mich recht erinnere hat das Teleskop 7 Meter Brennweite aber außer einem nebligen Ring sah ich auch nicht mehr....

CS Knut
 
Den Sternhaufen liebe ich, da hat mein Dobson beim Flug durch die Sommermilchstraße schon oft einen Zwischenstopp eingelegt. Was mir der 12-Zöller nicht so schön zeigt wie Dein Foto - die Sternfarben. Gut getroffen!
M 57 und das umliegende Gewölle ist prachtvoll, zu IC 1296 habe ich ein sehr gespaltenes Verhältnis - schnell fotografiert, aber im Dobson-Okular macht sich sich ganz blaß...
Weiterhin schöne WeißnachtSprints, irgendwas geht immer...

CS,
Stefan Korth
 
Hallo Thomas, Knut und Stefan

vielen Dank für das freundliche Feedback und die hilfreichen Anmerkungen!

Thomas, darauf habe ich beim Umbau geachtet.
Der Spiegel sitzt jetzt spielfrei in der Zelle,
lässt sich aber weiterhin leicht drehen und wird nirgends verspannt.

Die Klammern ragen tatsächlich weiter in den Strahlengang hinein,
als es aus mechanischer Sicht notwendig wäre.
Da könnte ich problemlos noch 2–3 mm Material abnehmen,
wodurch auch der Spiegelring etwas großzügiger ausgelegt werden könnte.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, wie gut die Qualität der Sky-Watcher-Spiegel
direkt am äußeren Rand ist.
Sollte dort eine Randzone mit verminderter optischer Qualität vorhanden sein,
beispielsweise eine abgesunkene Kante oder leichte Randverformungen,
würde sich das auch negativ auf die Abbildung auswirken.

Mit meinem Spiegelring verliere ich insgesamt knapp 6 % an Lichtsammelleistung und
rund 3 % der theoretischen Auflösung.
Angesichts besseren Abbildung und der Vermeidung von
Beugungsmustern an den Klammern halte ich das für einen vertretbaren Kompromiss.



Knut, wie man so schön sagt: kleine Ursache, große Wirkung.
Die kleinen Abstandsstücke sorgen jetzt dafür,
dass der Anpressdruck auf den Spiegel nicht mehr zu hoch ist
und offenbar macht sich das deutlich bemerkbar.

Den Fuchskopf hatte ich vorher ebenfalls nicht bewusst wahrgenommen.
Eigentlich habe ich ihn in Stellarium eher zufällig ausgewählt,
weil ich ein Feld mit möglichst vielen unterschiedlich hellen und großen Sternen haben wollte,
um deren Abbildungsform nach der Modifikation beurteilen zu können.

Der Ringnebel hat mich auch überrascht.
Wenn man bedenkt, wie winzig er am Himmel erscheint,
ist es schon faszinierend, was sich auf den Aufnahmen herausholen lässt.

Durch den Schiefspiegler in Glücksburg habe ich bisher leider noch nicht schauen können.
Das möchte ich aber irgendwann einmal nachholen,
solche Instrumente sieht man schließlich nicht alle Tage.



Stefan, vielen Dank, es freut mich sehr, dass Dir die Sternfarben
im Sternhaufen und die Details rund um M 57 gefallen.

Visuell sind die Farben der Sterne zwar oft nur schwer wahrzunehmen.
Dafür ist der direkte Anblick der Milchstraße durch das Okular ein
ganz eigenes Erlebnis, das kein Foto wirklich ersetzen kann.
Dafür habe ich mir sogar extra für meinen alten 8 Zöller
eine provisorische Rockerbox gebastelt.

IC 1296 ist allerdings auch fotografisch kein besonders helles Objekt.
Das hat durchaus auch Vorteile, trotz starkem Strecken der Daten
neigt die Galaxie nicht so schnell zum Ausbrennen,
sodass ihre Strukturen vergleichsweise gut erhalten bleiben.


Vielen Dank euch noch einmal fürs Vorbeischauen und die angenehmen Gespräche.

CS und viele Grüße
Karsten
 
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