Firstlight mit dem Lidlskop
Gestern am 29.12.04 war meine erste Beobachtungsnacht mit meinem ersten Teleskop überhaupt, dem Lidlscope. Nachdem ich um ca 23:30 nach Hause gekommen bin und auf dem Nachhauseweg endlich einmal Sterne am Himmel funkeln sah, hab ich sofort mein ganzes Zeug gepackt und bin losmarschiert.
Meinen Beobachtungsplatz habe ich ca einen Kilometer ausserhalb unserer Kleinstadt gewählt, da dort deutlich weniger Streulicht ist als in der Stadt selbst, hier "störte" nur noch der Fast-Vollmond! Der Himmel selbst war anfangs fast ganz klar, aber es lag schon irgendwie in der Luft, dass es sich bald zuziehen würde. Von einem guten Himmel kann man aber nicht sprechen. Zur Orientierung benutze ich immer die Sternbilder rund um den Nordstern. Der große Wagen war klar zu erkennen, aber schon hier waren die Sterne deutlich kleiner als sonst, und vom kleinen Wagen war ersteinmal gar nichts zu sehen (1 oder 2 Kastensterne könnten zu sehen gewesen sein, sicher bin ich mir aber nicht, da ich sie nur als Verbund sicher identifizieren kann). Also wirklich verdammt schlechter Himmel, so schlecht habe ich es noch nie erlebt...
Das Aufbauen in der Dunkeheit ging erstaunlich gut und auch schnell von der Hand(noch waren die Finger ja warm *g*) und anfangen habe ich mit dem Mond und dem 25er Plössl (28fach). Das war wirklich sehr beeindruckend, denn in solch einer Schärfe hatte ich den Mond noch nie beobachtet, gerade (und logischerweise) an der Schattengrenze waren die Details unglaublich, auch wenn alles noch relativ klein war. Aber mit dem 10x40 gar nicht zu vergleichen. Nur eine Sache störte sehr, die fast zur Erblindung führende Helligkeit des Mondes. Deswegen habe ich auch recht schnell zum 10er Plössl (70fach)gewechselt, bei dem die Helligkeit schon deutlich besser, aber noch lange nicht angenehm war. Dafür waren die Details deutlich besser zu erkennen und ich habe meinen
Blick einfach mal über die Krater schweifen lassen und gestaunt. Nach ein paar Minuten habe ich dann das 6,5er Plössl reingetan (108fach) und diesmal war es endlich eine angenehme Helligkeit, wenn auch immernoch sehr hell, nur wollte es sich nicht mehr wirklich scharf stellen lassen. Also es war schon noch scharf, aber nicht mehr knackscharf... Da war ich schon etwas enttäuscht, ich weiss jetzt nicht, ob ich eine Gurke erwischt habe, ob es daran lag, dass der Tubus nicht ganz ausgekühlt war (aber immerhin bin ich schon ca. 20min mit dem Tubus in der Hand durch die Gegend gelaufen), oder ob der "schlechte Himmel"/Seeing das Problem sein sollte, oder ob der billige Zenitprisma das Problem war.
Nun ja, das wird sich ja dann noch in ferner Zukuft zeigen und so bin ich weiter zu Saturn gesprungen. Wobei ich wieder mit dem 25erOku angefangen habe und ich schon sehr deutlich den Ring erkonnen konnte. Da war ich wieder froh, da ich irgendwo gelesen hatte, dass man den Ring erst ab 40fach klar sehen kann und es bei mir schon mit 28fach ging. Da der Saturn aber hier noch ziemlich klein war, bin ich ganz schnell zur 70fachen Vergrößerung übergegangen und nun war es schon ein deutlich angenehmerer Anblick. Immerhin hatte Saturn jetzt schon ungefähr Erbsengröße erreicht. Details ließen sich aber noch nicht erkennen. Er war zwar scharf, aber alles hatte den selben gelblich-ockeren Farbton, daher habe ich versucht, den Fokus besser zu treffen, aber es lies sich nicht mehr rausholen. Einheitsfarbe blieb Einheitsfarbe... Aber die Form an sich war jetzt schon wunderschön. Dann bin ich zur 108fachen Vergrößerung übergewechselt um vielleicht mehr Details erkennen zu können und habe feststellen müssen, dass es zwar größer wurde aber nicht mehr Datails dazukamen. Da kam wieder Enttäuschung auf, immehin hatte ich mir schon 120-140fache Maximal-Vergrößerung gewünscht, aber wahrscheinlich lag es ja am Himmel. Also habe ich mal wieder mit bloßen Augen zum Himmel gesschaut und konnte nun schon überall längliche Wolken den Himmel überziehen sehen. Der Mond hatte mittlerweile auch schon einen gewaltigen Hof, auch wenn nicht direkt Wolken vor ihm waren.
Von den Plejaden waren mit den Augen zwar noch 5 Sterne zu erahnen, aber es war kein schöner Anblick mehr und vom gewohnten nebligen Schimmern war auch keine Spur mehr. Also habe ich mich beeilt und bin schnell weiter zum Orionnebel. Hier hatte ich ersteinmal kleinere Suchprobleme, weil ich meinen Feldstecher vergessen hatte und eh schon alles Neblig war und der Sucher mittlerweile so blöde und knapp über dem Boden hing, dass ich mich total verrenken musste um überhaupt noch etwas erkennen zu können. Ok, aber dann habe ich ihn doch noch gefunden und ich konnte ihn erkennen, aber nicht sehr deutlich, also er war noch mit direktem Sehen zu erkennen, aber nur schwach. Aber ok, ich war ja noch ziemlich Mond- und Saturn-Geblendet. Aber irgendwie war es doch ernüchtend, denn da habe ich ab und zu von der Terasse aus und mit meinem 10x40 Feldstecher genausoviel erkennen können.
Als ich dann noch ein paar Minuten weiter beobachtet habe konnte ich langsam mehr erkennen. Es wurde also besser, dann habe ich noch einen Blick zum Himmel gewagt, und da nun schon eine nahezu geschlossene Nebel- oder Wolkenschicht am Himmel war, habe ich den Beobachtungsabend abgebrochen.
Und ausserdem waren meine Finger mittlerweile auch schon ziemlich kalt und steif, und das Abbauen stand ja auch noch
bevor.
So bin ich dann mit gemischten Gefühlen nach Hause gerutscht (die Straßen waren spiegelglatt) während ich mich über die aufgekreuzten Wolken geärgert habe und mir meine Gedanken über Austrittspupillen und ähnliches gemacht habe...
Im Endeffekt, hat es aber doch sehr viel Spass gemacht und ich habe es mir vorher kälter vorgestellt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Jetzt hoffe ich, dass das Wetter endlich noch einmal ein paar Tage besser wird, damit ich nocheinmal raus kann, bevor die Uni wieder loslegt... immerhin habe ich ja Machholz vergessen zu suchen...
Über die Qualität des Lidls kann man wohl noch nichts genaueres sagen, oder?
Was sind denn überhaupt lohnende, beziehungsweise sinnvolle Ziele um soetwas zu testen?
Grüße,
Christian