Okular-Heizung für Fernglas

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Leider wird die Beobachtungsfreude ja gerade jetzt im Herbst oft durch Beschlagen der Okulare im wahrsten Sinne des Wortes getrübt.

Besonders bei Ferngläsern mit geradsichtigem Einblick, und zwar logischerweise umso schlimmer je höher das Objekt steht (Feuchte und warme Luft von den Augen steigt nach oben und die Feuchtigkeit kondensiert auf den Linsen). Das Abnehmen der Gummi Augenmuscheln für den Streulichtschutz bringt auch nur unwesentliche Besserung.

Aus diesem Grund sehe ich mich gezwungen eine kleine Heizung für die Okulare meines Fernglases zu basteln. Irgendwas mit Widerstandsdraht und einer mobilen Stromversorgung, die so klein ist das sie unauffällig am Fernglas montiert werden kann.

Die Suche hat nicht wirklich viel ergeben.

Um das Rad nicht neu zu erfinden: hat jemand hier sowas schon gemacht, bzw. positive oder negative Erfahrung mit bestehenden Lösungen?

Gruß,

Simon
 
Wenn's vom Gewicht her OK wäre....

Bei z.B. Tedi gibt's kleine LED Taschenlampen.
Die haben son Dreierpack Batteriehalter für AAA Batterien.
Also Microzellen.
Wären dann 4,5v bei ca. 800mAh.

Dazu passenden Wiederstandsdraht errechnen.
Einbetten in Klebeklettband.

So würde ich vorgehen.

Oder ein ausreichend langes, dünnes Kabel und ne Powerbank in der Hosentasche.

Gruß Markus
 
hm, 12V und 12W is schon wacker und ob das dann wirklich so angenehm ist ...
Was ich überlege ist, ob man sich nicht eine "Nasenmaske" zB. aus einer FFP2-maske oder so bastelt.
Es ist ja in der Regel die Atemluft die zum Beschlagen führt. Ein weitere Möglichkeit wäre ein kleiner Fön,
kurz trocknen und dabei etwas aufheizen sollten reichen. Die gibt's mit 12V und 216W für ~20Eus,
da braucht's bei ~18A aber eine geeignete Energieversorgung.
Was auch hilft ist der Bino Bandit, dafür wollen die beim großen A allerdings 30€, für ein Stück Neopren!
Ich beobachte fast nur mit dem Ding, sehr angenehm.

Klaren Durchblick - Frank
 
Die Heizfolien funktionieren auch bei niedrigerer Spannung mit entsprechend reduziertem Strom.
Entweder man spendiert dem einen Akku mit niedrigerer Spannung oder schaltet der Sache einen PWM-Dimmer vor.

Wenn 12W zu viel sind, was sind dann 216W?
 
Wenn 12W zu viel sind, was sind dann 216W?
na Mist klar, aber halt keine große Bastelei und keine Strippe am Binokel,
der Fön wäre auch für Teleskoplinsen etc. nutzbar und für den Vollbart sofern man hat.
Ein kleines PKW-Warmluftgebläse gibt's auch mit 150W, klar man braucht halt Strom, ein Auto/ WoMo oder eine kräftige Powerbank.
Hat jemand Erfahrungen mit der "Atemluft-Umleitung" ?

CS - Frank

PS.: Ich gebe zu - optimal ist das Fönchen nicht. Wenn eine einfache Bastellösung mit überstreifbaren Heizmanschetten zu brauchbaren Ergebnissen führt wäre es die bessere Lösung.
 
Evtl. Auch ne ausreichend lange (für über beide Okulare als Loop) USB Objektiv heizmanschette vom großen A oder der Bucht probieren.

Gibt auch welche mit Regler für nnpaar Euronen.

Oder diese schuhheizungs Pads.
Die sind dann meist aber ohne Regler.

Bei beiden währe die Selbstbau Initiative eingegrenzt.

Gruß Markus
 
Danke für die Tipps. Ich werde mal überlegen wie ich weiter vorgehe.

Die Atemluft ist übrigens nicht das Hauptproblem, weil das beschlagen sogar auftritt wenn ich während dem beobachten die Luft anhalte und mich zum ausatmen vom Fernglas weg drehe. Es ist tatsächlich die warme Luft die von den Augen aufsteigt, deswegen wird das Problem auch um so schlimmer je höher das beobachtete Objekt am Himmel steht.

Gruß

Simon
 
Der Selbstbau aus Wiederstandsdraht ist echt kein Hexenwerk.
Du brauchst quasi nur das formelrad der Elektrotechnik einsehen.

Allerdings weiß ich nicht ob es (wie für taukappen) sinnvolle Richtwerte/Empfehlungen gibt.

Ansonsten (machbar) stärker dimensionieren und einen einfachen PWM Regler zwischen schalten.

Ich sehe das Hauptproblem eher in der Dicke der Okulareinfassung (meist aus Kunststoff).
Dadurch genügend wärme auf die Linsen zu bekommen wird schwierig glaub ich.

Gruß Markus
 
Ja, das war es von Anfang an was mir an der Idee nicht so gefallen hat. Allerdings sind die Gehäuse bei dem Teil aus Metall, und es wäre sogar eine praktische Nut von den Augenmuscheln vorhanden, in die man das ganze Drahtkonstrukt hineinlegen könnte.

Evtl danach einen PA-Ring aus dem 3D Drucker drüberstecken, damit alles dauerhaft fixiert ist, und nach außen etwas isoliert.

Aber ob das wirklich praxistauglich wird von Funktion und Stromverbrauch her dürfte sich erst im Versuch rausstellen.
 

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Stromverbrauch würde ich jetzt je nach Stromquelle nicht in Frage stellen.
Meine selbstbauten liegen im max. Bereich bei 500mAh und das ist schon viel.
Habe aber auch einen PWM dazwischen zum runter regeln.

Wären bei einer kleinen 5Ah Powerbank mit Restladung dann ca. 8std Nutzungsdauer.
Zumindest wenn dich eine Kabelzuleitung bis zu Hosentasche oder so nicht stört.

Die schmale Nut ist da schon ne andere Geschichte.
Max 2 Windungen würde ich schätzen, die sich auch noch nicht berühren dürfen.

Ich würde zum testen evtl erst mal 2 einfache USB heizpads bestellen.
Die gibt's ungeregelt für ca. 8€ im Netz.

So ganz einfache Dinger die in Velours eingeklebt sind.
Evtl. Lassen die sich sogar passend umbasteln.

Wenn du ne Powerbank da hast, wäre es ein günstiger Test, ob es überhaupt etwas bringt.

Gruß Markus
 
Hab ich da, und eine kleine usb powerbank sollte sich auch noch am Stativ befestigen lassen. Dadurch hätte man nicht den Nachteil das man immer auf das Kabel achten muss wenn man mit dem Fernglas den Standort wechselt.

Ich werde mir mal ein paar Gedanken machen wie ich die Heizelemente am sinnvollsten anbringe.
 
Hallo schwenn, ich habe bis jetzt leider keine Zeit gefunden um da weiter zu machen.

Ich hätte aber geplant es in einem ersten Test mit den USB Heizpads zu versuchen, wie von Markus beschrieben.

Gruß

Simon
 
Hallo Simon,

Ich habe mir jetzt Mal ein heizband von svbony bestellt. Dieses will ich dann um beide Okulare herum spannen. Mal sehen, ob das was wird.

VG, Sven
 
Ok klingt gut, kannst ja mal Bescheid geben wie es funktioniert.

Ich denke man wird die Linsen vorn auch beheizen müssen. Bei Temperaturen unter 0 Grad frieren die ebenfalls schnell zu wie ich bemerkt habe.

Da ist man vom Newton schon etwas verwöhnt, vor einer Woche bei -10 Grad nach 4 Stunden keine Spur von Frost auf den Spiegeln. Einziges Hilfsmittel ist da eine Taukappe, das reicht.
 
hallo,

das "heizband von svbony" sieht etwas breit aus,

ich kopierte vor längerer Zeit diesen Tipp aus dem Netz:
"ich habe mir hierfür eine Heizung gebastelt, einfach Wiederstandsdraht (Konstantan) mit 10 Ohm pro Meter mit Schrumpfschlauch ummantelt drei mal um jedes Okular gewickelt und eine 3,7 Volt Akkubatterie dran. Das hält mehrere Stunden und macht das Okular auch angenehm warm bei minusgraden. Da beschlägt nix mehr --- sehr zu empfehlen."


Grüssle,

Fred
 
Das mit dem schrumpfschlauch als Isolierung hab ich auch schon mal überlegt.

War mir aber nicht sicher was passiert wenn der Schlauch seinen maximalen schrumpfgrad erreicht.

Es gibt ja heizbänder (Drähte) die bis zu 65°C erreichen.

Würden schrumpfschläuche das dauerhaft mitmachen, wenn mehrere Windungen eng aneinander liegen?

Gruß Markus

Natürlich käne ein PWM dazwischen.
Aber es kann ja auch vergessen werden runterzuregeln.
Wäre also ne was-wäre-wenn Frage.
 
PVC Schrumpfschlauch verträgt knapp über 100 Grad (muss zum schrumpfen ja auch auf diese Temperaturen erhitzt werden). Die Schmelztemperatur von Weich-PVC liegt laut Wikipedia bei 180 Grad, da hätte ich jetzt keine Bedenken in dieser Anwendung.

Eine Sicherung ist in einem Stromkreis natürlich trotzdem nie verkehrt.
 
Das Heizband ist da und kam schon zweimal zum Einsatz. Es ist das Modell SV172. In der 24cm Variante reicht der beheizte Bereich exakt um beiden Okulare herum. Meine Bedenken waren, dass das Band nicht eng genug anliegt und die Wärmeübertragung durch das Gummi nicht ausreichend sein würde. Weit gefehlt: das Ding funktioniert wunderbar! Ich hatte es sicherheitshalber auf der höchsten von 3 Stufen betrieben, um keinen Beschlag zu riskieren, den ich dann bei zu spätem Hochschalten vielleicht nicht mehr weg bekomme. Zudem hatte ich bereits in der Wohnung und unter der Jacke ca. 20 Min vorgeheizt. Ich habe dann jeweils eine gute Stunde bei leichten Minusgraden und Windstille beobachtet (alles war mit Reif überzogen). Was soll ich sagen? Bin für die 22€ mehr als zufrieden! Zu keinem Zeitpunkt bildete sich Tau, obwohl ich sehr viel annähernd im Zenit beobachtete.
Heute dann der Extremtest zu Beobachtungsende: Einfach Mal direkt auf die Okulare gehaucht. Nichtmal für eine Sekunde war da etwas zu sehen. Gegentest am Objektiv: sofort beschlagen und nur sehr langsames Trocknen (die Objektive waren trotz Beobachtung im Zenit stets frei von Tau).

Einschränkung: durch die Breite des Bandes reicht der Platz nicht richtig, um mit der Nase zwischen die Okulare zu kommen. Da man das Canon IS 15x50 mit seinen bescheuerten Augenmuscheln ohnehin anpressen muss, war es jedoch nicht viel unbequemer als sonst auch. Zudem habe ich den Eindruck, dass das Band bereits langsam weicher wird nach zwei Beobachtungsabenden.
Man könnte das Band auch Mal aufschneiden und schauen, ob man die Stoffhülle schmaler zuschneiden und wieder vernähen kann, ohne das Heizelement zu beschädigen. Wenn es das Band deutlich kürzer gäbe, würden sich natürlich zwei einzelne Bänder empfehlen.

Schöne Grüße, Sven
 

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Das klingt gut, danke für die Rückmeldung Sven.

Damit wäre schon mal bewiesen das es funktioniert. Und das 10W ein guter Anhaltspunkt sind.

Ich hoffe ich finde an den Feiertagen die Zeit um das selber mal anzugehen. Einen Teil der Komponenten konnte ich schon auftreiben, und die Dimensionierung habe ich jetzt auch im Kopf. Es wird wohl doch ein Eigenbau werden.
 
Dank der Ideen und „Voruntersuchung“ von Markus und Sven ist jetzt der Prototyp eines Systems entstanden das erfreulich gut funktioniert. Sowohl das beschlagen wird verhindert, als auch ein ganz normaler Einblick ermöglicht da zwischen den Okularen der Platz für die Nase frei bleibt.

Im Prinzip habe ich es so gemacht wie Fred geschrieben hat. Die Idee mit dem Schrumpfschlauch ist schon fast als genial zu bezeichnen (wobei der natürlich nicht schmilzt bei 180 Grad wie ich weiter oben geschrieben habe, sondern er zersetzt sich bei dieser Temperatur, da PVC kein Thermoplast ist).

Zur Spannungsversorgung habe ich einen Lithium Ionen Akku mit usb Anschluss verwendet. Die Bilder im Anhang sollten eine ausreichende Erklärung zum Nachbau geben. Falls wer die Formeln aus dem Physikunterricht vergessen haben sollte die sind auch dabei ;)

Der Widerstandsdraht mit 11,5Ohm/m ergibt bei den 5V Spannungsversorgung ziemlich genau 10W mit einer Wicklung um jedes Okular.

Die meisten Widerstandsdrähte lassen sich nicht löten. Ich hatte noch Quetschhülsen aus dem Baumarkt, diese sind allerdings zu groß und haben ziemlichen Ärger verursacht bis alle 4 Verbindungen auch leitfähig waren. Da sollte man gleich die richtigen für den Querschnitt nehmen, was ich auch noch ändern will. Sieht auch nicht toll aus mit den riesigen quetschverbindern.

Die Befestigung des Akkus am Fernglas hat sich nicht bewährt, einerseits wegen des zusätzlichen Gewichts, aber noch schwerwiegender ist das die Kapazität des Akkus bei niedrigen Temperaturen so einbricht das nach ca 15min die Heizung nicht mehr läuft.

Die Lösung ist dann doch den Akku mit einem Verlängerungskabel in der warmen Jacke aufzubewahren, und dieses bei Bedarf anzustecken.

Es funktioniert sehr gut die Heizung nur bei bedarf zu aktivieren, um die Okulare wieder frei zu bekommen.

Als Härtetest habe ich das Fernglas draußen bei -7 Grad eine Stunde ohne Heizung stehen lassen, und dann auf die Okulare gehaucht um sie zu beschlagen. 2 Minuten nach anstecken der Heizung war die Sicht wieder völlig frei. Obwohl der Schrumpfschlauch isoliert und die Wicklung nur locker um die Okulare gelegt ist um das fokussieren zu ermöglichen reicht die Leistung mit 10W locker.

Beobachten mit dem Fernglas macht richtig Spaß wenn man sich um das beschlagen keine Gedanken mehr machen muss :y:

Wundert mich fast das es noch keine kommerziell erhältlichen Systeme gibt wo der Draht zb in einen Silikonring eingegossen ist den man statt der Augenmuscheln auf die Okulare steckt, mit nach vorne abgewinkelten Mikrosteckern um die Versorgungsleitung anzuschließen.
 

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Ah, verstehe, Du wähltest also 100 cm in der Rechnung weil Dein Fernglas ein 20*100 ist ?


Ja, Scherze müssen auch einmal sein,
aber die Okulare zeigen keinerlei Gummiummantelung, sind also pur Plastik und nehmen die T vom Schrumpfi somit gut auf ?
 
Ah, endlich hat es jemand gebaut und es funktioniert auch noch prima! Das Versuch ich mal auf meine Ferngläser anzuwenden bzw nachzubauen.

Vielen Dank!

Gruß
Johannes
 
Ah, verstehe, Du wähltest also 100 cm in der Rechnung weil Dein Fernglas ein 20*100 ist ?


Ja, Scherze müssen auch einmal sein,
aber die Okulare zeigen keinerlei Gummiummantelung, sind also pur Plastik und nehmen die T vom Schrumpfi somit gut auf ?
Ja richtig, der Umfang ums Okular ist natürlich dem Aufdruck zu entnehmen :LOL:

Spaß beiseite, die Länge einer Wicklung errechnet sich zu Außendurchmesser der Okulare x 3,14, nur falls dieses Schulwissen jemandem ebenfalls entfallen sein sollte ;)

Die Augenmuscheln aus Gummi habe ich schon länger entfernt weil die das beschlagen nochmal verschlimmert haben. Der Blendschutz war sowieso nicht richtig wirkungsvoll. Der ummantelte Draht passt genau in die Nut welche diese Gummiteile sonst hält (Foto in einem der Beiträge weiter oben).

Das Teil stammt allerdings aus den 90ern und besteht noch komplett aus Metall, auch die Gehäuse der Okulare. Das ist was die Wärmeleitfähigkeit angeht natürlich ein Vorteil gegenüber Kunststoff.

Sven berichtet in seinem Beitrag oben dass das Heizband mit 10W beim komplett mit Kunststoff ummantelten Canon 15 x 50 ebenfalls ausreichend ist.

Ich vermute es geht vielleicht nicht ganz so schnell, aber das Prinzip sollte bei neueren Ferngläsern mit Materialien die besser isolieren trotzdem funktionieren.
 
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