Okulare,welche sollte man haben

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Biolek

Aktives Mitglied
Hallo,
welche Okulare sollte man haben? Welcher Satz von Okularen ist am Anfang notwendig bzw. taugen die Okulare, die normalerweise bei den Geräten (Bresser Venus und ETX-70) mitgeliefert werden etwas? Lese immer wieder Plössl und Super-Plössl, sollte man hierauf beim Kauf achten?
Gruss
Markus
 
Schreibe doch bitte den Beitrag zu den Filtern Okularen...
Es gibt ja nicht umsonst hier im Forum Unterteilungen.
Gruß
 
...sorry,
hast ja recht...
 
Hi Markus,

um mal was konstruktives zu bringen (denn ein ETX-70 ist sicher ein Einsteigergerät und man kann das daher hier abarbeiten):
Die meisten Teilnehmer hier werden wohl nicht wissen, was beim ETX-70 so allgemein an Okularen dabei ist. Von daher wäre es schön, wenn Du mal die Bezeichnungen der beigelegten Okulare nennst.

Wenn es um Okulare für das ETX 70 geht, dann ist zu beachten, dass das Gerät mit zwei unangenehmen Eigenschaften aufwartet:
1. Das Gerät hat f/5 und das bedeutet, dass es "anstrengend" für ein Okular ist, vor allem am Rand noch scharfe Sternpünktchen zu machen.
2. Das Gerät hat eine mit 350mm recht kurze Brennweite, die schon recht extreme Okularbrennweiten nötig macht, um wenigstens etwas höhere Vergrößerungen für Mond und Planeten zu erzielen. Leider ist das Gerät in diesem Vergrößerungsbereich dann auch mit einem deutlichen Farbfehler behaftet (den blauen Säumen am Mondrand z.B.).

Wenn Du nun ein Okular zum ETX 70 zukaufen willst, dann stellt sich natürlich erstmal die Frage, für welchen Vergrößerungsbereich es sein soll. Davon hängen dann die Eigenschaften ab, die man vom Okular fordern muss oder zumindest sollte.
Für niedrige Vergrößerungen (10x - 30x) sind sicherlich Okulare gefragt, die einen großen wahren Himmelsausschnitt zeigen, denn solche Vergrößerungen sind "übersichtsvergrößerungen" die man einerseits zum Suchen von Objekten nutzt, andererseits auch zum beobachten von ausgedehnten Objekten oder Milchstraßengebieten. Viele Sternfreunde wünschen sich hierfür ein Weitwinkel-Okular. Hier ist die Randschärfe des Okulares wichtig weil man ja nicht nur in der Mitte beobachtet, sondern das ganze Bildfeld schön scharf sehen will. Da kann ein für f/5 richtig gutes Weitwinkel-Okular durchaus zwei oder drei mal soviel kosten, wie das ETX-70. Muss es natürlich nicht, wenn man Abstriche macht. Eine sehr einfache Lösung wäre zum Beispiel ein 32mm Plössl Okular. Das zeigt den größtmöglichen Himmelsausschnitt, den ein Okular mit 1,25" Einsteckdurchmesser am ETX-70 zeigen kann.
Der Unterschied zwischen Plössl und Super-Plössl ist übrigens so eine Marketinggeschichte. Ein Plössl ist normalerweise ein vierlinsiges Okular. Manche Super-Plössls haben eine 5. Linse, die dann die Abbildung verbessern soll - aber keine Linse ist perfekt und jede Linse bringt auch immer einen Hauch an Bildverschlechterung ein. Andere Hersteller nennen ein Super-Plössl schon Super, weil es eine Gummiaugenmuschel hat. Letztendlich unterscheiden sich auch 5 linsige Superplössl nicht wesentlich von 4 linsigen "Plössl", wichtiger ist die Verarbeitung, also die Qualität.
Ein Weitwinkelokular, dass preislich zum ETX-70 passen würde, wäre meiner Meinung nach ein 20mm "Goldkantenokular". Du ahnst wohl schon, dass dies nur ein Spitzname ist. Die Okulare gibt es in Deutschland m.W. unter drei Namen: Skywatcher Ultrawide, Reese Eigenimport und TS-SWM. Die Eigenschaften und Preise sind unterschiedlich, je nach Vergütung. Schau Dir die jeweiligen Angebote an und bei Interesse an so einem Okular vergleiche die Leistungen (also die Vergütungsqualität) und die Preise.

Anders ist es bei einem Okular für hohe Vergrößerungen, also wenn 100x oder auch 120x gefragt sind, um Mond, Saturn, Jupiter und auch etwas Mars zu beobachten (Venus und Merkur braucht man in der Vergrößerung nicht so hochzuziehen, weil man eh keine Details auf deren Oberfläche sieht). Da wären Okularbrennweiten so um 3mm bis 3,5mm gefragt, und die gibt es nicht sehr häufig. Einfach aufgebaute Okulare haben da einen sehr geringen Augenabstand und das ist unangenehm, weil einem da vielleicht die Konzentration aufs Bild nicht leicht fällt. Das Auge kann tränen (man ist gereizt, reisst das Auge auf) und die Wimpern können einem die Linse verkleistern. An der Stelle: "einfach aufgebaut" heisst hier keinesfalls "billig", ein einfach aufgebautes Okular kann auch eine sehr hohe und teure Qualität haben.
Andere Okulare haben einen besseren Augenabstand, dafür mehr Linsen oder vielleicht ein unruhiges Einblickverhalten, das heißt es ist nicht leicht, die richtige Kopfposition hinter dem Okular zu halten und man muss mit dem Auge geradeausschauen, weil man beim "umherblicken" im Gesichtsfeld leicht das Bild "verliert" - es wird plötzlich duster, weil man quasi mit dem Auge aus dem Lichtstrahl "herausrutscht". Die Randabbildung ist bei dieser Disziplin weniger wichtig. Am Mond ist eine gute Randabbildung zwar ganz nett, aber man kann sich auch auf Details in der Bildmitte konzentrieren. Planeten bleiben so klein, dass sie sowieso nur in der Bildmitte als kleine Kugel erscheinen. Daher kann es bei der Planetenbeobachtung recht egal sein, ob das Bild am Rand schlechter wird.
Okulare die hier zum ETX-70 passen sind die ED-Okulare, die es bei Ebay z.T. sehr günstig gibt. Sie haben einen angenehmen Augenabstand, so dass man sogar mit Brille hereinschauen kann, aber besonders am Mond gibt es die beschriebenen Probleme mit dem unruhigen Einblick. Man muss sich da konzentrieren, nicht zu sehr mit dem Kopf zu wackeln. Ab 20 Euro bekommt man diese "Silberlinge", die von etlichen Herstellern und mit "verwunderlichen" Preisunterschieden bis über 90 Euro angeboten werden.
http://www.svenwienstein.de/HTML/eds_in_serie.html

Eine andere Möglichkeit besteht darin, einfach ein Okular (vielleicht ein schon vorhandenes) mit einer Barlow zu kombinieren. Mit einer 2x Barlow werden aus den 350mm Brennweite des ETX 700mm. Dann zeigt ein 7mm Okular nicht mehr 50x als Vergrößerung, sondern 100x. Ein 7mm Plössl-, Kellner- oder Ortho-Okular hat auch schon einen recht knappen Augenabstand, aber man kann damit noch irgendwie klarkommen. Oder man nimmt eine 3x Barlow, dann erreicht ein 10mm Okular etwas mehr als 100-fache Vergrößerung. Der Vorteil dabei ist, dass man Ein Okular für den mittleren Vergrößerungsbereich mit der Barlow dann auch für den hohen Vergrößerungsbereich nutzen kann. Dagegen gibt es an 3mm bis 3,5mm Okularen eben nur wenig Auswahl und die Okulare mit angenehmem Augenabstand sind vielfach recht teuer. (Die günstigen EDs sind da eine Ausnahme.)

Tja, ich denke das war erstmal genug Info. Von hier an solltest Du mal konkreter werden, woran Du so gedacht hast.

Clear Skies
Sven
 
Hallo,

zur Vervollständigung, beim ETX70 waren zumindest 2005/06 3 Okulare dabei: Meade MA 25mm, 12mm, 4mm
Zwei davon habe ich noch:

Link zur Grafik: http://www.taunus-astronomie.de/12mm_MA.jpg Link zur Grafik: http://www.taunus-astronomie.de/4mm_ma.jpg

Und da denn Herstellern wohl die Problematik der Brennweite bewußt war gabs auch gleich eine 3xBarlow dazu...

Link zur Grafik: http://www.taunus-astronomie.de/Meade_Barlow.jpg

Keins hat mich im Nachhinein (nachdem ich etwas mehr Erfahrung hatte und "gute" Okulare live erlebt habe) am ETX überzeugt, die Randunschärfe war immens (geschätzte 40% eher mehr). Meiner Erfahrung nach wird sich ein kurzbrennweitiges Okular nicht lohnen, denn der Farbfehler wird schnell zum Detailkiller, außer Mond war da nicht viel drin...
Bei der Brennweite von nur 350mm ist es ohnehin ein Gerät für niedrige Übersichtsvergrößerungen (m.E. auch kein gutes Einsteigergerät da zu spezialisiert).
Ich habe damals statt in Okulare zu investieren ein anderes Gerät angeschafft.

Grüße Benny
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Benny,

ich teile Deine Einschätzung zum ETX-70. Die Okulare passen wirklich nicht gut zu einer f/5-Optik, wenigstens in der Qualität (sehe ich richtig, das 4mm ist aus Plastik?)
Die Barlow hat man zur Vorsicht nichtmal Barlow genannt ("Tele-Negativ").
Leider wird das Gerät dennoch als Einsteigerteleskop vermarktet, und mit Goto dran ist es im Prinzip sogar als solches Konstruiert. Jemand, der die Optik als Zweitgerät für schwächste Vergrößerungen nutzt würde doch lieber freihändig über den Himmel surfen.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Sven,

ich habe mal hier meine Gedanken zum ETX als Einsteigergerät formuliert...

Kläre mich mal über den Unterschied zwischen Barlow und Tele-Negativ auf <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/cool.gif" alt="" />

Grüße Benny
 
Hi Benny,

die Sache mit den Begriffen habe ich eher vom Marketing her gesehen. Warum nennt Meade das Ding nicht Barlow? Bei einem marketing gesteuerten Konzern kann man sich da so seine Gedanken machen.

Clear Skies
Sven
 
Abend Sven,

achso ich dachte es gäbe reale Unterschiede, die mir aber nicht aufgefallen wären. Eine kleine Lanze muss ich für Meade jetzt aber noch brechen, die mitgelieferten Okus und auch die Barlow sind qualitativ schon eine gute Ecke besser als das was ich bei meinem 70/900 Bresser dabei hatte (obwohl ein Verein), da war die 2x Barlow aus Plastik (also auch die Linse) und das 4mm Okular ein SR Einlinser...

Grüße Benny
 
Hallo Sven,
vielen Dank für Deine sehr ausführliche Antwort<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />. War jetzt einige Tage nicht im Board und hatte eigentlich nicht mit einer weiteren Antwort hier gerechnet. Mir ist klar das das ETX kein Spitzenteleskop ist, aber es macht für den Anfang einfach Spaß und wer weis, ob ich mit einem größeren (besseren?) am Anfang die gleiche Freude erreicht hätte?
Nehme mir aber trotzdem die Kritik an dem Gerät zu Herzen und werde es dann erstmal bei den beiliegenden Okularen belassen. Werde mal probieren, die Fehler die Ihr Profis an so einem Gerät seht nachzuvollziehen (kann ja auch spannend sein).
Gruss
Markus
 
Hallo Markus,

weniger für Dich als für alle die drüber nachdenken:
Ich glaube dass es einige andere Teleskope in dieser Preisklasse gibt, die mehr Spaß machen als das ETX 70, weil sie einfach vielseitiger sind.
Zudem meine ich zum ETX 70, dass das Geld unnötig ins Goto gesteckt wird. Mit einem Such-Okular wie dem typischen 32mm Plössl kann ich mit dem ETX 70 4,5° Himmel überblicken, und das sind 9 Vollmonde nebeneinander. Auch wenn ein Einsteiger ein Objekt sucht - so weit kann man nicht daneben zielen! Wozu dann also ein teures Goto-System und eine für Niedrigvergrößerung spezialisierte Optik? Bei einem ETX 90, das so viel größer gar nicht wirkt, kann man mit Goto viel eher etwas anfangen, weil es eine viel größere Brennweite und damit ein viel kleineres Gesichtsfeld hat. Aber selbst da habe ich noch meine Zweifel, weil ich meine, dass man mit so einem Gerät hauptsächlich Planeten betrachten wird, und die sind nunmal typischerweise die hellsten Gestirne ihrer Nachthälfte oder wenigstens ihrer Himmelsregion - auch nicht zu verfehlen, wenn der Sucher richtig eingestellt ist.

Trotzdem sind diese Geräte bei Einsteigern regelrechte Dauerbrenner. Ob in der Hauptsache die technische Spielerei "Computersteuerung" oder eher das "ich kann nichts falschmachen, der Computer hilft" den ausschlag gibt, kann ich nicht recht nachvollziehen. Vielleicht ist es auch nur die massive Werbepräsenz des Herstellers?

Wie dem auch sei. Ich meine, dass es für den Einstieg nicht unbedingt ein Vorteil ist, mit einem sehr kleinen Teleskop zu beginnen. Die heutigen Teleskoppreise stehen dem Einstieg mit mehr Öffnung weniger entgegen, als man denken mag. Nur muss man dafür auf den teuren Computerkram verzichten. Es ist keineswegs so, dass eine große Teleskopöffnung ähnlich schwer zu beherrschen ist, wie ein Motorrad mit kräftiger Maschine. Man kann eigentlich durch eine zu große Öffnung keine Unfälle erleiden (so lange man das Teleskop schleppen kann). Es kommt vielmehr beim ersten Teleskop darauf an, ein Gerät mit guten Allround-Eigenschaften zu haben, so dass man selbst ausforschen kann, welche der vielen Beobachtungsziele einen am meisten reizen. Dabei kann man als Einsteiger sogar schon ein Teleskop kaufen, das man ein Leben lang nutzen will, weil es genug Leistung bietet. Und das geht sogar im oberen Einsteiger-Preisbereich.

Clear Skies
Sven
 
Hi Markus,

das ETX-70 ist m.E. ein reines Reiseteleskop und "Ritchfielder". Hohe Vergrößerungen (über 60x) lohnen kaum da dann der Farbfehler und andere Fehler des Gerätes alles zu nichte machen.

Das man aber trotzdem Galaxien bis 11m, Staubbänder in Centaurus A Galaxie, M83 mit Balken, M55, etc. sowie den Saturn mit Ring, Planetoiden und den Mond damit sehr schön beobachten kann, kannst du hier auf meiner HP nachlesen.

Ich war 2 mal im Jahr 2002 mit dem ETX-70 unterwegs.

Mit dem ETX-70AT auf La Palma
Beobachtungsbericht: Mit dem ETX-70AT auf den Philippinen

Klicke einfach die beiden Links an und geniese. Als Reiseteleskop kann man es bedingt empfehlen. Als alltägliches Teleskop würde ich es nicht einsetzen.

Gruß

Lots
 
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