Okularkoffer-Kuriosität selbstgebaut

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Martin_Raabe

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Hallo allerseits,

eine gründliche Analyse der verschiedenen Use-Cases meines Equipments hat mich zu der Erkenntnis geführt, dass ich ein gemeinsames Behältnis für folgende Gepäckstücke brauche:

- Okulare, Barlow
- Binoansatz mit GWK
- Zenitspiegel
- Akkus für Montierung + Kameras
- Fernglas
- Montierungssteuerung

Warum alles in einem Behältnis? Weil ich schon genug einzelne Gepäckstücke rumschleppe für Monti, Stativ, OTA, Kameras, Leitrohr...

Nun gibt es ja allerlei Koffer und Taschen zu kaufen. In den letzten 10 Jahren hatte ich z.B. Fototaschen verwendet. Aber mit zunehmender Kleinteile-Anzahl und stets zunehmendem Akku-Gewicht ist das inzwischen nicht mehr so wirklich praktikabel.

Normalerweise scheint man ja diese flachen Standardkoffer für die Okulare zu verwenden, die überall erhältlich sind. Oder auch eine edlere Version vergleichbarer Bauart.


Aber: so einen flachen Koffer finde ich äußerst unpraktisch, weil er direkt auf dem Boden liegend höchst unergonomisch ist. Und ich habe keine Lust noch einen Klapptisch für den Koffer mitzuschleppen. Auch die "Richtungsänderung" der verstauten Güter beim Tragen und im offenen Zustand ist nicht so toll.


Da es mir also mal wieder keiner recht machen kann, hab ich mir selbst was überlegt.

Einen kombinierter Okular- / Strom- / Fernglas- / Steuerungskoffer, der ein wenig in die Höhe baut und somit etwas mehr "Bodenfreiheit" hat.


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_aussen.jpg


Hergestellt wurde der Koffer als Nietkonstruktion aus Alublech, unter Verwendung von Beschlägen aus dem Case-Bau (Bühnenequipment). Zur Innenverkleidung bzw. Polsterung wird PE-Hartschaum verwendet. Das ist geschlossenporiger Schaumstoff, der keine Feuchtigkeit aufnimmt. Er ist wesentlich fester als normaler PU-Schaumstoff.


Der Koffer ist zweistöckig aufgebaut: die untere Etage ist für die größeren und schwereren Teile vorgesehen. Hier gibt es 5 abgetrennte Bereiche.


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_innen.jpg


Das Besondere ist aber die 2. Etage: ein verschiebbares Okularfach.


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_mit_okularfach.jpg


Dieses kann so nach links bzw. rechts verschoben werden, dass entweder die beiden linken oder die beiden rechten Fächer der unteren Etage zugänglich sind:


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_okfach_links.jpg


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_okfach_rechts.jpg


Dadurch kommt man direkt an die Teile der unteren Etage, die man bei der Beobachtung häufiger mal braucht.

An das mittlere Fach kommt man nicht direkt (ohne Herausnehmen des Okularfachs, was im Feld nicht gemacht wird). Deshalb sitzt dort auch nur der Akku, und nutzt somit diesen versperrten Raum:


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_untere_ebene.jpg


Durch das Akkugewicht liegt der Schwerpunkt des Koffers sehr tief.

Zum Anschluß der einzelnen Verbraucher, also in erster Linie Montierung und CCD-Kamera, befinden sich 4 Buchsen außen am Koffer:


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_cinchstecker.jpg


Ich habe das Cinch-Steckersystem verwendet. Unkonventionell zur NV-Versorgung, aber mit einigen Vorteilen ausgestattet:
- mechanisch recht robust (Stecker in Ganzmetallausführung)
- vergoldete Kontakte für beste Kontaktsicherheit
- natürlich verpolungssicher, und kurzschlussicher durch versenkt liegenden Innenkontakt
- Steckkräfte wesentlich größer als z.B. bei den häufig verwendeten Hohlsteckern
- auch dicke Kabel verwendbar
- hohe Strombelastbarkeit
- wirklich preiswert

Der Blei-Vlies-Akku im Bild hat 12V/16Ah, und ist natürlich für Zyklenbetrieb spezifiziert. Da das Ding mit 4,2kg schon was auf die Waage bringt, habe ich noch einen kleineren mit 7Ah. Je nach Beobachtungs/Fotovorhaben kann ich also den Akku wechseln um Gewicht zu sparen.

Hier im Erdgeschoss müssen aber noch ein paar zusätzliche Schaumteile rein, und eine Fixierung für den Akku.


Noch ein paar Worte zum Okularfach. Dieses besteht aus einer selbst gezimmerten kleinen Holzkiste aus 8mm starkem MDF. Der Schaumeinsatz besteht aus 2 Lagen, je 30mm stark.


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_okularfach.jpg


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_schaumeinsatz.jpg


Die runden Löcher für die Okulare habe ich folgendermaßen reingebracht:

Verschiedene Alurohre in passendem Durchmesser wurden auf einer Seite sehr scharfkantig abgedreht, so dass eine Ringschneide entsteht. Damit kann man dann, von Hand gedreht, durch den Schaum schneiden. Diese Methode hatte ich vor knapp 25 Jahren schon mal für 24.5mm Okulare verwendet, und zwar mir einem Ringmesser aus einem Kleinbildfilm-Entwicklungstank.


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_schaumschneiden.jpg


Link zur Grafik: http://www.maksunaut.bplaced.net/okoff_ringmesser.jpg


Die Höhe des Koffers beträgt 30cm. Wenn er auf dem Boden steht kommt man ohne große Verrenkung aus dem Stehen an die Okulare. Ich werde aber wohl noch die inneren Stoßkanten mit Silikon abdichten, damit es auch bei Schnee oder nassem Gras innen trocken bleibt.


cs
Martin
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Martin,

interessantes Teil. Vermutlich werden sich einige Ideen in Zukunft in der Ausrüstung so mancher Mitleser wiederfinden.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Martin,
feine Sache das und sehr durchdacht ausgeführt.
Wenn Du am Boden Deiner Okularschublade noch eine 24V LKW-Spiegelheizfolie anbringst und die mit 12V betreibst, so brauchst Du Dir keine Sorge mehr um beschlagene Okulare machen.
 
Hallo Martin,

wirklich genial!
Baust Du auch noch eine automatische Beleuchtung in Deinen Koffer, um ihn noch edler zu machen?

Viele Grüße

Kai
 
Hallo Martin

Tolle Sache der Okularkoffer , so einen ähnlichen habe Ich auch mal gemacht natürlich aus Holz und ohne Schaumstoff.

Meine Frage ?, wie lang ist die Zeit gewesen um den Okularkoffer zu erstellen.

Weitere Frage ?, die Kosten für Material.

Es gibt immer wieder Clevere Genies die zeigen was sie können.

Manfred
 
Hallo Manfred,

ich hab ein Wochenende und ein paar weitere Tage abends dran gearbeitet. Die meiste Zeit ging natürlich auf die Blech- und Nietarbeiten.

Bei den Kosten kann ich nur ungefähr schätzen, da ich das meiste Material schon vor längerer Zeit in größerer Menge für meine beiden anderen Alukoffer gekauft hatte. Vielleicht so 60 Euro für diesen Koffer.

@Kai: das mit der Beleuchtung überlege ich mir noch. Die LEDs liegen schon hier, aber ich weis noch nicht ob ich nur einen einfachen Schalter einbaue, einen Start-Taster mit zeitgesteuerter Abschaltung, oder einen deckelbetätigten Schalter.


cs
Martin
 
Hallo Martin

Es ist ja sehr günstig 60€ für den Koffer im Selbstbau,solche Koffer sind im Handel
nicht billig dafür müsste man Mindesten 100€ hinlegen.

Meine Stärke ist auch der Selbstbau, Zeit ist der Wert.

Mit Freundlichen Gruß Manfred
 
Hallo Martin,

Respekt! Tolle Arbeit!

Ich würde mir auch gerne einen so ähnlichen Koffer bauen, jedoch als Basis auf einer oder mehreren gekauften Aluboxen (stapelbar).
Da ich quasi noch Newbee und noch kein Teleskop/Okkulare habe, habe ich da 2 Fragen an Dich:

- wie hoch sind denn die Okkulare? Klar sind die unterschiedlich hoch (stehend), aber die durchschnittliche Maximalhöhe der Okkularbox. Nicht dass diese später zu flach ist und ich den Deckel nicht mehr schließen kann.

- Hast Du die Kabel vom Akku einfach zu den Buchsen gezogen oder steckt da mehr Elektronik drin. Ich würde gerne vorbeugend eine Monti, EOS, CCD, Laptop versorgen wollen. In einem anderen Forum habe ich bei Plänen für Akku-Koffer die "dollsten" Schaltpläne und Elektronikbauteile verbaut gesehen. Wieso machen die sich so viel Mühe, wenn es nicht auch einfacher ginge? Bin wirklich kein Elektronikbastler und würde meinen Horizont etwas übersteigen.

Vielen Dank für die Infos.
Grüße
Gersh
 
Hallo Gersh,

die Okularhöhe variiert schon ziemlich stark. Mein höchstes Okular (Pentax XL40) hat 110mm. Das kleinste im Koffer hat 80mm (Celestron Ultima 30). Das kleinste 1,25" in meinem Besitz hat ca. 45mm.

Das Kabel vom Akku geht mehr oder weniger direkt zu den äußeren Buchsen. Direkt am Pluspol des Akkus sitzt eine Sicherung (!!!), mit darüber gezogenem Schrumpfschlauch (aber nicht eingeschrumpft). Sieht man im Bild.

Nach ca. 20cm kommt eine Cinch-Kupplung/Steckerkombi, um den Akku leicht wechseln zu können. Dann geht es direkt zu den außenliegenden Buchsen. Diese sind einfach parallel angeschlossen.

Was soll man da an Elektronik einbauen? ?)
Hast du einen Link zu so einer Wunderkiste?


Ach so, geladen wird über ein Labornetzgerät. Dafür gibt es ein Cinch-auf-Banane Kabel (mit vollisolierten Sicherheits-Laborbananen wegen der Kurzschlussgefahr), das einfach in eine der 4 Buchsen gesteckt wird. Oder direkt in die Buchse am Akku, falls dieser gerade nicht im Koffer eingebaut ist.

cs
Martin
 
Hallo Martin,

Danke für Deine Maße und Angaben!
Hilft mir schon etwas weiter.

Ich weiß jetzt nicht, ob ma hier Links zu anderen Foren posten darf (hab irgendwie in Erinnerung gelesen zu haben, dass man es nicht gerne mag...).
Die Threads/Seiten sind jetzt nicht fertige Kistenvorstellungen, eher die elektronische Diskussion, welchen ich als Nerd nicht so ganz folgen kann (vllt. noch nicht). Aber schau selbst:

Mobile Stromversorgung
Klick ersten Eintrag bei Google
Klick ersten Eintrag bei Google

Also soweit ich das verstehe, geht es dort um Absicherung, Spannungswandlung (wegen 19,5V Laptop) und irgendwelchen Spannungsschwankungen. Bislang für mich alles Böhmsche Dörfer.

Bin selber grad am Formelsuchen, welchen Gelakku ich wegen den Gerätschaften bräuchte (Amp, Amph).

Grüße
Gersh
 
Hallo Gersh,

ok, wenn man sich irgendwelche höheren oder niedrigeren Spannungen aus dem Akku zaubern will, braucht man natürlich schon Elektronik.

Es kann auch sinnvoll sein eine Warnlampe o.ä. einzuschalten, wenn der Akku leer wird. Oder als Luxusversion ein Voltmeter einbauen. Sofern keiner der angeschlossenen Verbraucher bereits so eine Unterspannungswarnung ausgibt.


Was man dann an Schaltern, Stecker, Lämpchen, Sicherungen etc vorsieht ist eigentlich Geschmacksache. Ein paar Dinge sollten aber unbedingt erfüllt sein:

- mindestens eine Absicherung direkt am Akkupol (z.B. Pluspol), und das freiliegende Metall bis zur Sicherung vollständig isolieren!
- verpolungssichere Steckverbinder
- verwechselungssichere Steckverbinder bei unterschiedlichen Spannungen
- kurzschlußsichere Steckverbinder (keine Klinkenstecker!). Keine freistehenden (Plus)Pole auf der speisenden Seite!
- kein Steckersystem verwenden, wo andere in Teleskopnähe befindliche Stecker reinpassen!
- und ganz wichtig: kein Steckersystem verwenden, das üblicherweise für gefährlich hohe Spannungen eingesetzt wird!!!!!


Hintergrund sind natürlich die abzuwendenden Gefahrenpotentiale. Diese sind in absteigender Wichtigkeit:

- Gefahr für Leib und Leben (Bsp: Stecker verwendet wo auch ein Netzkabel reinpasst, z.B. die sogn. Kaltgerätestecker)
- Brandgefahr (z.B. Sicherung vergessen und Kurzschluß produziert. So ein fetter Akku bringt in Sekunden ein Kabel zum Glühen)
- Zerstörung von Sachwerten (z.B. wenn der 12V-Stecker irgendwo in eine fremde Buchse reinpasst, oder wenn Plus und Minus vertauscht an der CCD-Kamera ankommen...)
- vorübergehende Funktionsstörung (ohne dauerhafte Beschädigung), z.B. Wackelkontakt

Bis auf den letzten Punkt muss man eigentlich alles unterbinden.


Ich würde auch keine Akkus verwenden, aus denen beim Umkippen etwas auslaufen, oder im Normalbetrieb etwas ausgasen kann. Blei-Gel- oder Blei-Vlies sind hier eine gute Wahl.

Für die Akku-Dimensionierung brauchst du in erster Linie den mittleren Strombedarf deiner Verbraucher, und eine minimale Betriebsdauer die der Akku versorgen soll.

Dann spielt als nächstes der Kapazitätsverlust bei niedrigen Temperaturen eine Rolle, und dann der Kapazitätsverlust bei höherer Stromentnahme. D.h. man muss den Akku ca. 25% größer wählen, als nach der Ampere*Stunden Rechnung rauskommt.

Wesentlich ist dann noch für unsere Anwendung die Zyklenfestigkeit des Akkus. Hier sollte man das Datenblatt sorgfältig lesen.

Kennst du die Stromaufnahme (Ampere) deiner Verbraucher?

cs
Martin
 
Hallo Martin,

danke für Deine ausführliche Antwort.

Also Du/man mag mich vielleicht für verrückt halten, dass ich mir als Einsteiger (der bislang nur eine CAM-Montierung und eine EOS besitzt) schon so viele Vorgedanken wegen mgl. Verbraucher mache, aber ich denke Dinge gerne bis zum Ende durch, bevor ich später nochmal zu bauen beginne.
Sicherlich könnte ich mir erstmal so ein Starthilfe/PowerPack für einen Fuffy kaufen, aber mich stört irgendwie der integrierte Luftgenerator und irgendwann habe ich das Teil rumstehen.

Also ... als mögliche Verbraucher habe ich gesammelt:
- Montierung, zieht 12 V und 2 A
- EOS, 7,4 V und 1,1 Ah
(reine A habe ich nicht recherchieren können)
- CCD (habe die Daten noch nicht gefunden)
- ggf. irgendwelche Heizdrähte (Taukappe?)
- Laptop, 19,5 V und 3,5 A
- LED-Kofferbeleuchtung (noch nicht recherchiert)

Wenn man das alles maximal aus einem Koffer (vielleicht braucht man dazu auch einen separaten Akku-Koffer) ziehen könnte, wäre ja alles beisammen.

Das wäre mein Gedanke. Wie aufwändig die Umsetzung ist weiß ich noch nicht. Inwieweit sinnvoll kann mir vielleicht jemand von Euch sagen.

Grüße
gersh
 
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