Olympus TG-6 für Astrofotografie + mögliche Upgrade-Kamera?

haase-sophie

Neues Mitglied
Hey zusammen,

ich beschäftige mich aktuell intensiver mit Astrofotografie und nutze derzeit eine Olympus TG-6. Mir ist bewusst, dass sie nicht die klassische Wahl für Astrofotografie ist, aber ich würde gerne das Maximum aus ihr herausholen, bevor ich über ein Upgrade nachdenke.

Ich habe bereits erste Versuche mit Sternenhimmel-Aufnahmen gemacht und arbeite mit:

  • manuellem Modus
  • offener Blende (f/2.0)
  • ISO im Bereich 800–1600
  • Belichtungszeiten zwischen 10–20 Sekunden
  • Stativ + Selbstauslöser
Aktuell stoße ich vor allem auf folgende Probleme:

  • deutliches Bildrauschen bei höheren ISO-Werten
  • begrenzte Detailtiefe (vor allem bei schwächeren Sternen)
  • Schwierigkeiten, die Milchstraße klar herauszuarbeiten
Mich würden eure Erfahrungen interessieren:

  1. Lohnt sich bei der TG-6 konsequentes Stacking, und welche Software würdet ihr empfehlen?
  2. Gibt es sinnvolles Zubehör (Filter, Adapter etc.), das hier wirklich einen Unterschied macht?
  3. Wo liegen eurer Meinung nach die realistischen Grenzen dieser Kamera?
Zusätzlich überlege ich langfristig, auf eine andere Kamera umzusteigen.
Daher meine Frage:

  1. Welche preiswerte Kamera (DSLR oder spiegellos) würdet ihr für den Einstieg in die Astrofotografie empfehlen, insbesondere für Milchstraße und erste Deep-Sky-Versuche?
  2. Worauf sollte ich beim Kauf am meisten achten (Sensor, ISO-Verhalten, Objektiv etc.)?
Mir geht es weniger darum, sofort auf High-End umzusteigen, sondern eher darum, Technik und Workflow sauber zu lernen und das vorhandene Equipment bestmöglich zu nutzen.

Danke euch schon mal für jede Einschätzung! 🌌
 
Hi Sophie(?),

erst einmal Willkommen im Forum. Wenn ich mir Deine aktuellen Einstellungen anschaue, bist du da nach einem kurzen Check auch schon ziemlich nah an dem, was mit der Kamera sinnvoll machbar ist. Ehrlicherweise gibt es an der Stelle meines Erachtens auch gar nicht mehr so viel zu optimieren, weil du die Kamera schon im richtigen Bereich betreibst. Die Limitierung kommt hier nicht von Dir oder deinen Settings, sondern ziemlich klar von der Kamera selbst. Der Sensor ist klein, sammelt entsprechend wenig Licht, rauscht relativ schnell und bietet in der Nachbearbeitung wenig Spielraum. Für den Einstieg in die Astrofotografie brauchst du keine High-End-Kamera, aber du brauchst einen deutlich größeren Sensor. Genau deshalb landen viele am Anfang bei älteren APS-C DSLR, weil die ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Typische, wirklich bewährte Einsteigerkameras wären zum Beispiel die Nikon D5300 oder die Canon EOS 2000D. Die bewegen sich gebraucht alle grob zwischen 200 und 400€, liefern aber eine Bildqualität, mit der Astrofotografie überhaupt erst richtig funktioniert. Gerade die D5300 ist so ein kleiner Klassiker, weil sie ein sehr gutes Rauschverhalten und saubere RAW-Daten liefert. Sensorgröße ist das wichtigste Kriterium, weil sie direkt bestimmt, wie viel Licht du überhaupt einsammelst. APS-C ist hier das Minimum, alles darunter limitiert dich sehr schnell. Das ISO-Verhalten ist zwar relevant, aber oft überschätzt. Viel wichtiger ist, wie sauber die RAW-Dateien sind und wie gut sie sich stacken und bearbeiten lassen. Genau da sind die genannten Kameras deutlich stärker als Kompaktkameras. Fürs Stacking empfehle ich Sequator oder DeepSkyStacker (beides kostenlose Windows-Programme).

Ein Punkt, der oft vergessen wird ist Bedienbarkeit. Ich war immer in der "Nikon-Gruppe", manche mögen Canon mehr... so viel nimmt sich das nicht. Du solltest problemlos manuell fokussieren können, saubere RAWs aufnehmen und die Kamera stabil auf ein Stativ bringen. Schnickschnack wie extreme Serienbildraten oder Video ist für Astro komplett egal. Ich habe immer noch eine 5300 aus meinen frühen Tagen der Landschafts- und Stadtbildfotografie zu meinen späten 20ern. Astrofotografie habe ich damit aber ehrlicherweise nie betrieben, sondern bin über Landschaftsfotografie als Hobby in meiner Jugend viel später zum Smart Teleskop zum Apo und voll rein ins Rabbithole.

Der entscheidende Punkt ist aber, die Kamera allein macht es nicht. Für Milchstraße und erste Deep-Sky-Versuche ist das Objektiv fast wichtiger. Du willst möglichst viel Licht in möglichst kurzer Zeit sammeln, deshalb sind Weitwinkel + große Blende der Schlüssel. Praktisch heißt das: irgendwas im Bereich 14–24 mm und idealerweise f/2,8 oder besser. Ich habe kurz recherchiert und das Samyang/Rokinon 14mm f/2.8 ist hier ein empfehlenswerter Klassiker für wenig Geld, den man mit etwas Glück gebraucht für 100-150€ bekommt. Die von Sigma wirst Du vermutlich nicht für solche Preise bekommen. Daher long story short: D5300 oder EOS2000D nur Body + günstiges Ultra-Weitwinkel, mit etwas glück kannst Du das zusammen für ~350-400€ gebraucht kaufen. Da bist Du von den Möglichkeiten ein krassen Sprung weiter. Und nicht nur das - damit ist Dein Ansatz, dieses System dann auszureizen gleich auf einem ganz anderen Level, das muss man explizit unterstreichen. Alles was danach kommt, da muss man dann auch ernsthafter über Geld nachdenken. ;-)

Viel Erfolg und klare Nächte
Thomas

PS - vergessen... zu deinen ersten Fragen: Ja Stacking lohnt, Du bist aber physikalisch am Limit Deiner Kamera, da passieren jetzt keine Wunder aber es lässt sich das Rauschen deutlich reduzieren und es werden mehr Sterne sichtbar. Das ist der eine Schritt, der mit dieser Kamera wirklich noch spürbar etwas bringt. Gleichzeitig ist es aber wichtig zu verstehen, dass das eher eine Optimierung innerhalb der bestehenden Grenzen ist und kein grundsätzlicher Qualitätssprung. Filter und Adapter, die hier sinnvoll eigesetzt werden können, gibt es m.E. nicht und würde ich in diesem Setup/Rahmen auch abraten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Sophie(?),

Thomas hat deine Frage im wesentlichen beantwort,
ich denke das hilft Dir, aber noch folgende Anmerkungen von mir:

Ich habe viele Jahre eine OLYMPUS TG4 gern genutzt, allerdings nicht für Astro und wenig für TWAN (the world at night).
Ich bin von der Kamera sehr angetan, vor allem wasserdicht, extreme Stabilität und die Mikroskopfunktion (konkurrenzlos!),
dazu echter IS, lichtstarkes Objektiv, und optischer Zoom mit praktischen Zoombereich,
ABER - leider (zu) kleiner Sensor, mäßige Auflösung durch den kleinen Sensor.
So habe ich immer auf einen besseren Nachfolger der TG-Serie gewartet.
Nun gibt es aber OLYMPUS schon 'ne Weile nicht mehr und nach der TG7 ist offensichtlich Schluss - sehr schade.
Trotzdem habe ich mir die TG7 noch mal gekauft wegen der og. Vorteile in den entsprechenden Einsatzszenarien.

Folgende Tippse von mir
  • es gibt einen Weitwinkelvorsatz, der ist angemessen gut und man bekommt damit durchaus sehr weite Landschaftsaufnahmen hin, auch nachts.
  • nutze die Intervallfunktion für Serien und RAW-Speicherung,
    die Bildserien kannst du dann stacken, für diesen Einsatzzweck nutze ich sehr gerne SEQUATOR
    (allerdings ~ max.10 Bilder, die Optik verzerrt und das stacking funktioniert dann nicht mehr)
  • beim Stacken größerer Serien nutze eine einfache, leichte, gebraucht gekaufte Nachführung, das bringt richtig was und man übt
unabhängig von deiner TG6 noch folgende Überlegung
  • Smartphones können heute viel, für die meisten gibt’s Software um lange, manuell gesteuerte Bildreihen zu erstellen, dann wieder stacken usw.,
    für einfaches TWAN geht das und kostet sehr wenig
  • Weite Bildwinkel bekommt man auch mit der Kombination verschiedener Bildausschnitte hin (Stitching).
    Das ist etwas mühsam aber die Auflösung steigt mit, das Rauschen bleibt zwar fällt aber im Endergebnis oft weniger auf.
  • Wenn man mit größeren Sensor ab APS-C einsteigen will ist es letztlich eine Geldfrage und
    ob man damit weitgehend nur Astro machen will oder auch „normal“ fotografieren.
    Im letzten Fall würde ich heute zur spiegellosen Kamera also DSLM raten mit einem aktuellen Mount (Objektivanschluss an die Kamera).
  • Für Astro kann man das mit preiswerten alten Objektiven passender Brennweite je nach Motiv, Lichtstärke und Budget kombinieren.
    Es braucht halt nochmals einen Adapter zwischen dem alten Schätzchen und der modernen Kamera. (ist aber bezahlbar)

Viel Spaß und CS
Frank
 
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