Liebes Astrovolk,
so gegen 4 Uhr in aller Herrgottsfrühe schlag ich plötzlich die Augen auf und bin auf unerklärliche Weise einfach wach, wenn auch nicht in der Verfassung diese frühe Morgendstund nun freudig aus vollem Herzen zu bejubeln, aber einfach wach.
Das Oberstübchen ist angeknipst und läuft und läuft sein Programm ab. Eigentlich ärgert mich sowas, weil es dann bis zur Aufstehenszeit nur noch dumme Grübelei gibt und der Tag mit halber Kraft zu bewältigen ist. Ein schleppender Gang dahin wo dann alle sich so hinschleppen nach dem Aufstehen lies mich blindes Huhn ohne Brille den Schimmer von Sirius erahnen, der durch die Gardinen des Badfensters verheißungsvoll lockte.
Ich kämpfte mit mir, schleppte mich zurück, spannte meine Gesichtskrücke auf und hoffte, dass es sich nicht lohnen würde, wegen herannahendem Gewölks nun wirklich einen schärferen Blick auf den Himmel zu richten. Ich war nicht gut drauf und ja, ein Blick durch die Türe hinaus quälte sofort das schlechte Gewissen einer Besitzerin mehrer Teleskope. Ich schleppte mich zurück, es war erst 4 Uhr!!!! Um 7 muss ich raus!!!!!!
Also quälte ich mich wieder ins Bett und stellte mir zum millionsten Male in meinem Leben vor, so als Korrektiv zur Realität, wie ich neben meinem Bett gleich nebenan eine Türe habe, die zu einer STernwarte mit automatischer Kueppel führt und einem fest montierten Teleskop auf Säule, das jedereit einsatzbereit ist. Dann erinnerte ich mich an Zeiten, wo ich noch in Mitten einer Großstadt lebte, an einer beleuchteten Strassenkreuzung ohne Balkon und davon träumte, nur ein kleines aber feines Teleskop zu besitzten und einen Minibalkon in Südrichtung und dass ich nun einen Garten habe mit einem 16 Zöller im Schuppen! Das hätte ich mir damals noch nicht einmal im Traum vorstellen können. Beschämend schmiss ich mich aus den Federn und schmiss mir die Klamotten über.
Sirius funkelte wütend kurz vorm Meridian! Die Zwillinge hoch im Südosten und der Furhmann steil im Zenit passten nicht so ganz zu den milden 13 Grad, vor allem weil Orion an seinem Kulminationspunkt stand, zu gutbürgerlicher Beobachtungszeit trifft man diese Situation im tiefsten Winter an.
Der Taubeschlag hielt sich in Grenzen bei nur 86% Freuchte für diese Uhrzeit eine annehmbare Beobachtungsbedingung, ein leichter Wind säuselte aus Südost. Im Westen zogen Cirren auf, doch der Rest des Himmels war frei und die Grenzgröße um Orion schätzte ich mit bloßem Auge so an die 4,3 mag.
Ich entschloss mich den Kleinen rauszuholen, den 102/500 Skywatcher auf AZ-3. Mein Gerät für genau solche Befindlichkeiten, die schnell kippen können! Da muss alles unkompliziert sein, schon das Geräusch der plumsenden Walnüsse, die jetzt nach und nach den Baum verlassen, erzeugen ein nerviges HalloWien-Horror-Feeling im dunkelsten Eck meines Gartens, das mich jedesmal schreckhaft zusammenzucken lässt.
Dieses kleine Fehrrohr hat es mit seinen 4" und kurzer Brennweite im Deep Sky Bereich schon in sich. Vor allem weil man es mit zwei Zoll Okularen bestücken kann, hat man ein recht großes Gesichtsfeld und eben diese großen Bullaugenokulare geben einem das Gefühl, mit was ganz großem unterwegs im All zu sein. Auf einer azimutalen Montierung kann man so schön intuitiv lenken und mit dem Rotpunktsucher ist man unkompliziert und schnellsten am Ziel ohne groß rumzurühren.
So bin ich mit einem 26mm Pano schnellstens im M42 gelandet.
Die visuell sichtbaren Details dieser Region sind bei dunklerem Himmel natürlich viel konstrastreicher, viel heller und schärfer begrenzt, doch ich konnte sehr gut die Regio Huygheniana bei nur 16 facher Vergrösserung sehen, in deren Mitte sich der Stern theta 1 Oionis befindet, der sich ansatzweise in seine vier Komponenten, dem berühmten Trapez auflösen lies. Wenn man jedoch als Neuling nicht weis, das theta 1 Orionis sich in vier Sterne auflösen lässt, kann man es mit diesem Teleskop bei nur 16 facher Vergrösserung auch nicht wirlklich nachvollziehen, aber erahnen.
Mich beeindruckt immer die markante Dunkelwolke namens Sinus Magnus, die von Osten gegen die Huygheniana drückt und wie eine große Bucht wirkt, so heißt sie zuweilen ja auch. Am westlichen Ende dieser sehr dunklen Region kann man in diesem Teleskop schon ganz gut den hellen Nebelstreifen die Pons Schröteri erkennen. Die beiden Schwingen des Orionnebels Proboscis Minor im Norden und Proboscis Maior im Süden lassen sich bei 10cm Öffnung wirklich gut betrachten, allerdings habe ich sie in tiefwinterlicher Nacht im Meridian schon sehr viel plastischer und dunkler erlebt. Hier sollte man auch nicht mehr vergrößern, sonst sprengen sie das Gesichtsfeld und man kann das Gebilde nicht mehr als Ganzes geniessen. Diese etwas unheimlichen Flügel verloren sich schemenhaft in diesem nicht ganz tiefschwarzem Himmel, sie können viel größer sein!
Neugierig, ob ich das Trapez klar und knackscharf auflösen kann, steckte ich das Baader Hyperion 8mm in zwei Zoll in den OAZ und mit 62 facher Vergrösserung lies sich theta 1 Orionis wunderbar in alle vier Komponenten nadelscharf trennen. Im Zentralgebiet des Orionnebels wurden nun noch mehr Details sichtbar, die man auf Fotografien so gar nie zu Gesicht bekommt, weil dieser Teil meist doch stark überbelichtet ist und mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen geschönt werden muss.
Ich versuchte mit meinem Handy durchs Okular diesen Zauber festzuhalten, doch so weit ist die Technologie noch nicht, aber ich glaube fest daran, dass das eines Tages möglich sein wird, ich freu mich schon drauf!!! Solch ein Augenschein in die Tiefen des Orionnebels ist immer wieder bezaubernd - oder - ich will es mal anders beschreiben - der Blick des Orionnebels in die Seele mit all seinen Augen ist so erfüllend.
Wenn ich den in tiefster Winternacht durch meinen 16 Zöller auf Leiter betrachte, muss ich mich anschnallen!
Dann hab ich noch den wütenden Sirius mit Handy durchs 8mm Baader aufgenommen, der blaue Hof zeugt so schön vom Farbfehler eines typischen Fraunhofers, aber den nimmt man beim Beobachten so nicht wahr, erst auf Fotos!
Ganz erfüllte und mit dem Himmel wieder versöhnte Grüsse von Anette