Zitat von winnie:
Unsere Gruppe hat an der Kronshagener Sternwarte von ca. 22:30 bis 02:30 MESZ beobachtet, grobe Sichtrichtung SO bis W. In der Zeit zählten wir 70 Meteore, darunter einige mit Schweif und einer extrem hell gegen Mitternacht. Die Rate war also eher mäßig mit Maximum ebenfalls um Mitternacht.
Das deckt sich in etwa mit meinen eigenen Beobachtungen.
Was war denn überhaupt zu erwarten? Für dieses Jahr wurde für die
Perseiden ein maximaler ZHR-Wert von etwa 100 vorhergesagt. Der ZHR-Wert gibt die
Zenithal Hourly Rate an, das ist die pro Stunde zu erwartende Zahl an Sternschnuppen, unter der idealisierenden Annahme einer visuellen Grenzgröße von 6.5 mag, eines völlig unobstruierten Himmels, und einer Radiantenposition im Zenit.
Wenn der Radiant tatsächlich tiefer steht, dann muss man die Rate mit einem Faktor sin(ALT) multiplizieren, wobei ALT den Höhenwinkel des Radianten über dem Horizont angibt. Für ALT = 30° ergibt sich so also bereits ein Reduktionsfaktor von sin(30°) = 0.5.
Noch wesentlich stärker wirkt sich die Grenzmagnitude aus. Das wird durch den sog.
Population Index beschrieben, welcher den Faktor angibt, um den sich die Rate bei einem Magnitudensprung von Δm = 1 verändert. Für grobe Abschätzungen kann man von einem Index-Wert von r ~ 3 ausgehen. Der Effekt in der Rate geht dann mit r^(lm - 6.5), wobei lm die tatsächliche 'limiting magnitude' oder Grenzgröße ist. Mit r ~ 3 und lm ~ 4.5 mag ergibt sich damit ein Faktor von (1/3)² = 1/9 ~ 0.11.
Schließlich muss man noch berücksichtigen. welchen Bruchteil des theoretisch sichtbaren Himmels man überblicken kann.
Ich habe mal für meinen Standort in HH die erwartete Zählrate in Abhängigkeit von der Winkelhöhe und Grenzgröße abgeschätzt. Dabei bin ich von einem maximalen ZHR-Wert von 100 Zählern pro Stunde und einem Populations-Index von r ~ 3 ausgegangen:
Erwartete Perseidenrate für 12/13 Aug. 2012 in HH:
.......................................... Mittlere Zählrate pro Stunde
................................... ------------ Grenzgröße (mag) ------------
MESZ ..... ALT ..... sin(ALT) ..... 6.5 .... 5.5 .... 4.5 .... 3.5 .... 2.5
................................... -----------------------------------------------
23:00 .... 31° ....... 0.51 ......... 51 ..... 17 ...... 6 ...... 2 ..... 0.6
00:00 .... 37° ....... 0.60 ......... 60 ..... 20 ...... 7 ...... 2 ..... 0.7
01:00 .... 43° ....... 0.74 ......... 74 ..... 25 ...... 8 ...... 3 ..... 0.9
02:00 .... 50° ....... 0.77 ......... 77 ..... 26 ...... 9 ...... 3 ..... 0.9
03:00 .... 57° ....... 0.84 ......... 84 ..... 28 ...... 9 ...... 3 ..... 1.0
04:00 .... 65° ....... 0.90 ......... 90 ..... 30 ..... 10 ...... 3 ..... 1.1
Wie man sieht hängt die erwartete Rate insbesondere sehr stark von der Grenzgröße ab. Bei einem aufgehellten Stadthimmel mit einer Grenzgröße von 4.5 mag würde man nur noch eine Rate von etwa 10 Perseiden pro Stunde registrieren.
S & T - Perseids at their prime