Physikalische Doppelsterne für's bloße Auge

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Schiefspiegler

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Mit zunehmendem Alter spüre ich einen zunehmenden Hang zu kleinen Instrumenten - und idealerweise gar kein Instrument. Man mag nun einwerfen, dass auf diese Weise nicht viel an Doppelsternen zu holen ist. Und doch ziehe ich Freude daraus, Doppelsterne mit dem bloßen Auge zu trennen, vorausgesetzt, dass sie echte, physikalische Paare sind. So habe ich das Gefühl etwas anzuschauen, das sowohl echt als auch sehr weit entfernt ist.

Folglich möchte ich hier einen Thread einrichten, um meine sporadischen Beobachtungen zu teilen und jene von anderen zu erfahren. Für den Anfang stelle ich hier meine Beobachtung von Theta1/2 Tau in den Hyaden (AB 3m4 / 3m9; 336.9"; 347°) vom 5. Nov. 2022 vor:

Bei guter Transparenz bemerke ich beim beiläufigen Anschauen der Hyaden mit blossem Auge, dass Theta1/2 Tau elongiert erscheint. Nun konzentriert hinschauend, zeigt sich das Paar eindeutig getrennt. Theta2 ist heller als Theta1. Positionswinkel geschätzt 350°.​
Ich schaue direkt im Anschluss zu Mizar/Alcor in Uma (Zeta UMa AC 2m2 / 4m0; 715.5"; 73°). Jenes Paar, welches ich stets recht gut mit blossem Auge trennen kann wenn die Transparenz es zulässt, erscheint nun superweit im Vergleich zu Theta1/2 Tau. Ich schätze den Winkelabstand von Mizar/Alcor auf das Zwei-einhalbfache des Abstands von Theta1/2 Tau.​

CS, Christopher
 
Lieber Christopher,

ich finde den Gedanken reizvoll, habe aber mit bloßem Auge so meine Probleme. selbst bei Mizar und Alkor. Oder ich habe das Paar noch nicht richtig begriffen.

Bei Doppelsternen habe ich schon einige interessante Beobachtungen mit kleinen Ferngläsern gesammelt. Und du wirst es nicht glauben, zuletzt habe ich am Dienstag deine beiden mit dem bloßen Auge beobachteten Doppelsterne Theta Tauri im 6x24 FG beobachtet und gezeichnet.
Das sind diese beiden hier in den Hyjaden:
1667749531389.png

Im Fernglas bilden sie ein schön anzusehendes, sehr auffälliges Dreieck mit zwei weiteren Sterndoppeln östlich und südlich.
Ich schaue mal, ob ich den Doppelstern demnächst auch mit bloßem Auge erkennen und trennen kann.

Und ich freue mich sehr auf weitere Berichte hier von Dir.

Beste Grüße

Rene
 
Hallo Rene,

da sprichst Du eine interessante Sache an bzgl. Mizar/Alcor. Ich habe sie nämlich auch jahrelang nicht mit bloßem Auge trennen können. Im Corona-Frühling 2020 jedoch, bei plötzlich spürbar besserem Himmel, gelang meine erste Trennung. Daraufhin schaute ich stets nach dem Paar und merkte, dass die Doppelstern-Trennung mit bloßem Auge eine Fähigkeit ist, die rapide mit Übung besser wird. Nach einigen Wochen gelang Mizar/Alcor regelmäßig und auch andere, engere Paare konnte ich daraufhin knacken, die ich nicht für möglich gehalten hatte.

Das ist eine wunderschöne Zeichnung, vielen Dank! Theta1/2 Aur bietet eigentlich einen starken Farbkontrast, z.B. in meinem 7x45 Fernglas leuchtend orange und blau, der offenbar von Deinem 60 Jahre alten Glas (Trinovid 6x24, gebaut Anfang der 1960er) nicht übertragen wird. Das soll keine Kritik sein, ich finde es vielmehr interessant, denn es erklärt auch die ungewöhnliche gelbe Färbung von Aldebaran auf der Zeichnung.

Und danke auch für den Hinweis auf das Dreieck mit zwei weiteren Sterndoppeln - das finde ich im Fernglas ebenfalls auffällig und hübsch.

Gruss, Christopher
 
Hallo zusammen,

Euren schönen Beobachtungen hätte ich noch etwas hinzuzufügen:
Ein Paar, allerdings etwas schwieriger: Epsilon 1/2 Lyr. Bin zwar auch schon etwas älter, geht aber immer noch.

P.S.: Der Himmel sollte dunkel genug sein, sonst hat man da zuviel Mühe. 4 fach geht natürlich nur im Fernrohr.

Viele Grüße
Werner
 
Zuletzt bearbeitet:
Werde ich heute Abend probieren, wenn das Wetter passt. Mal schauen ob es mit dem freien Auge klappt, oder ob ich mein 2x54 Fernglas zur hilfe nehmen muss.

CS,
David
 
Hallo allerseits, die hier thematisierten Hyadensterne theta_1 und theta_2 im Sternbild Taurus (Stier) stehen mit einem Winkelabstand von 5.62 Bogenminuten für das bloße Auge zwar sehr dicht beieinander. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass sie ein gravitativ miteinander gekoppeltes Doppelsternsystem bilden. Ein Blick auf die Entfernung der beiden Sterne entlang der Blickrichtung zeigt, dass theta_1 fast 5 Lichtjahre hinter theta_2 steht:

Code:
              Parallaxe    Entfernung
                (mas)     (pc)    (Lj)
      
theta_1 Tau  21.13+-0.27  47.33  154.3
theta_2 Tau  21.81+-0.37  45.85  149.5

Unter Berücksichtigung der Fehler kommt man so auf einen relativen Abstand entlang der Blickrichtung von 4.8 +- 3.2 Lj.

Damit ist es eher unwahrscheinlich, dass die beiden ein physikalisches Paar bilden. Das ist vergleichbar mit dem Abstand der Sonne zu Alpha-Centauri, und da reden wir auch nicht von einem "physikalischen" Doppelstern aus Sonne und Alpha-Centauri.

Im Prinzip reicht die gravitative Anziehungskraft zwar unendlich weit und besteht auch zwischen diesen Sternen. Allerdings auf einem sehr niedigen Niveau. Für die Sonne zum Beispiel fällt das Schwerefeld bereits in einem Abstand von 0.10 Lj auf das Niveau des galaktischen Schwerefeldes. Die beiden Hyadensterne sind zwar massivere Brocken, aber auch deren Dominanz hört bei etwa 0.2 Lj auf.

Wenn man für theta_1 und theta_2 jeweils eine Masse von 5 Sonnenmassen ansetzt - tatsächlich bestehen sie jeweils aus zwei Komponenten mit 2.91 + 1.31 = 4.22 bzw. 2.42 + 2.11 = 4.53 Sonnenmassen (*) - dann berechnet sich für ein isoliertes Doppelsternsystem mit einen Abstand von 5 Lichtjahren rein theoretisch eine Umlaufperiode von 60 Millionen Jahren!

Tatsächlich kann man das System aber nicht isoliert vom galaktischen Gravitationsfeld betrachten, und über so lange Zeiträume kommen auch andere Sterne des Weges, die dann zeitweilig wesentlich näher rankommen.

Gruß, Peter


(*) THE HYADES BINARIES th1 TAURI AND th2 TAURI: THE DISTANCE TO THE CLUSTER ...
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,
auch bei Mizar und Alkor ist wohl bis heute nicht geklärt, ob sie durch Gravitation miteinander gebunden sind und ein physisches Paar bilden. Die gemittelte Entfernung von Mizar beträgt 82,9 Lj +/- 0,7 Lj. Die Entfernung von Alkor 81,7 Lj +/- 0,3 Lj. Der Abstand zwischen Mizar und Alkor beträgt 1,2 Lj +/- 0,7 Lj. Der rechnerisch kleinstmögliche Abstand soll bei 0,3 Lj liegen.

Das passt gut zu Peters Wert und seinen Berechnungen, wonach in einer Entfernung von 0,1 Lj bis 0,2 Lj bei "massiven Brocken"das Gavitationsfeld auf den Wert des galaktischen Schwerefeldes abfällt und ab dieser Entfernung eine gravitative Bindung unwahrscheinlicher wird.

Mizar und Alkor sind Mitglieder des Ursa Major Bewegungshaufens und teilen die Bewegung des Haufens. Computersimulationen haben zudem ergeben, dass die Bildung von physischen Paaren in einem dichten Haufen schwieriger ist aufgrund der gravitativen wechselseitigen Beeinflussung der Haufenmitglieder.

Viele Grüße Jan
 
Hallo Christopher, hallo zusammen,

das ist natürlich eine Superidee!
Bislang habe ich nur nach den Emissionsnebeln und Molekülwolken für die nackten Augen gesucht.
Physikalische Doppelsterne für die freien Augen, das ist die richtige Herausforderung.
Ich probiere es womöglich an den Highaden, sorry, Hyaden. Allerdings sind die Hyaden nicht so hoch an meinem Nachthimmel, eher sollten sie Lowaden heissen.

Klaren Nachthimmel,
Jiri
 
Gute Transparenz und ein dunkler Himmel sind für diese Vorhaben sehr wichtig. Man muss die Doppelsternkomponenten direkt sehen können. Beim indirekten Sehen ist das Auflösungsvermögen des Auges erheblich niedriger.

Mizar/Alkor habe ich in diesem Jahr dank ihrer Helligkeit öfter problemlos getrennt, für Epsilon Lyrae war es an meinem Standort immer zu dunstig bzw. zu hell. Da braucht man diese seltenen Nächte, in denen die Plejaden z.B. direkt nach ihrem Aufgang schon zu erkennen sind und die hellen Sterne beim Untergeng am Horizont quasi ausgeknipst werden.

So etwas gab es hier schon, aber in den letzten Jahren immer seltener.

Grüße
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

ein halbwegs guter Landhimmel reicht für Epsilon 1/2 Lyrae. In meinem Fall Schwäbische Alb. Entscheidend ist hierbei die (nächtliche) Auflösungsfähigkeit des Auges. Noch klappt das bei mir ohne allzu große Schwierigkeiten, aber man wird halt nicht jünger… ;)

Viele Grüße
Werner
 
Ich danke allen für die lebhaften Beiträge dieses Tages, und besonders Peter für seine physikalischen Ausführungen. Jene muss ich erst einmal verdauen. Für mich reicht es bislang, der Angabe in Stelledoppie zu vertrauen. Wenn da steht "This double is physical" ist mir das genug. Eine nuanciertere Betrachtung wie jene von Peter bleibt aber wertvoll und anregend.

Werner, Du bist bisher der Einziger hier und auf Cloudy Nights, der bestätigt, Epsilon Lyr regelmäßig mit bloßem Auge trennen zu können. Ich habe nämlich einen simultanen Thread auf Cloudy Nights gestartet: Naked-eye physical double star observations Obwohl ich dort ausdrücklich gefragt habe, ob jemand das zustande bringt, hat bisher niemand positiv geantwortet. Hut ab!

Beste Grüße, Christopher
 
Hi Christopher,

vor ein paar Jahren hatte ich Epsilon Lyr auch mal freiäugig probiert.
Der Stern war für mich eindeutig länglich, richtig trennen konnte ich die beiden Komponenten nicht.

Gruß
Ronny
 
Hallo Christopher,

vielen Dank für das nette Feed-back. Seltsam, dass da nicht mehr kommt auf cloudy nights. Die eindeutige Trennung ist natürlich schon einiges anspruchsvoller als beispielsweise Alcor, ist aber bei ausreichend dunklem Himmel nicht so schwierig wie es auf den ersten Blick erscheint.

Ich hatte allerdings auf Teleskoptreffen bemerkt, dass einige, welche gemeint hatten die Trennung zu erkennen, die Linie durch die beiden Sterne im falschen Winkel beschrieben haben.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Jürgen,

ein halbwegs guter Landhimmel reicht für Epsilon 1/2 Lyrae. In meinem Fall Schwäbische Alb. Entscheidend ist hierbei die (nächtliche) Auflösungsfähigkeit des Auges. Noch klappt das bei mir ohne allzu große Schwierigkeiten, aber man wird halt nicht jünger… ;)

Viele Grüße
Werner
Hallo Werner,

nichts für ungut, aber Du hast mich nicht verstanden. Das menschliche Auge besitzt im Zentrum des Sehfeldes das größte Auflösungsvermögen (Literaturwert ca. 1 Bogenminute). Abseits des Zentrums nimmt das Auflösungsvermögen deutlich ab. Beim indirekten Sehen ist es aber nötig, das Objekt nicht im Zentrum zu halten, um die höhere Empfindlichkeit des skotopischen Sehens zu nutzen. "Halbwegs guter Landhimmel" ist mir etwas schwammig formuliert. Wir haben hier bei uns einen typischen Bortle 5 Himmel, oft aber schlechter. Das bedeutet, Epsilon 2 Lyrae liegt bei uns hart an der Wahrnehmungsgrenze oder darunter.

Ich denke, trotz meines fortgeschrittenen Alters werde ich das Paar dank der letztens vom Optiker attestierten Sehschärfe von 150% (mit Brille) unter einem guten Landhimmel trennen können.

Viele Grüße
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

ich habe dich schon verstanden. Jedoch ist auch die individuelle Erkennbarkeit von schwachen Sternen (mit direktem Sehen) ebenfalls individuell sehr unterschiedlich. Meine Erfahrung wäre in etwa, wenn Sterne bis ca. 5,5 mag indirekt erkannt werden, klappt das auch mit der Trennung von Epsilon 1/2 Lyr. Überdurchschnittliche Sehfähigkeit tags heißt nicht zwangsläufig, dass dies auch nachts gewährleistet ist. Optische Fehler am Auge nehmen mit der Pupillenöffnung zu. In Summe müssen somit 3 Faktoren erfüllt sein:

- Ausreichend gute Fähigkeit in der Erkennbarkeit schwacher Sterne (indirekt als auch direkt)
- Ausreichend gutes Auflösungsvermögen des Auges (auch nachts)
- Ausreichend dunkler Himmel (eher in ländlichen Bereichen gewährleistet)

Passen diese Dinge nicht zusammen wird‘s schwierig.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Werner,

da haben wir das Problem schon, denn hier ist meistens bei 5,3 mag Grenzgröße Schluss. Auf jeden Fall werde ich am Ball bleiben und noch einmal von dunkleren Standorten aus probieren.

Anderes Thema, aber die deutliche Trennung in die vier Einzelkomponenten funktioniert bei mir schon mit meinem FS60-CB bei V=45x.

Viele Grüße
Jürgen
 
Lieber Christopher,

am 17.1. habe ich mich freiäugig den Sternpaaren Theta1/2 Tau (STFA 10) und Sigma1/2 Tau (STFA 11) gewidmet.

Theta 1/2 Tau war mit ein wenig Einsehen relativ einfach, zwei Sterne mit eindeutiger Trennung. Hui. mein erster Doppelstern mit bloßem Auge getrennt. Dass Peter dieses Pärchen physikalisch entzaubert hat, blenden wir hier jetzt mal aus ;)

Viel schwerer habe ich mir mit dem anderen Sternpaar Sigma 1/2 Tau getan, obwohl beide Sterne nochmal gut 1/3 weiter auseinander stehen, als Theta 1/2 Tau. Sie waren für meine Augen allerdings bereits so schwach (gut 1.5-2 mag schwächer als das andere Pärchen), dass ich allenfalls ein längliches Nebelchen, aber keine getrennten Lichtpünktchen mehr erkennen konnte.

Alles in allem hat das aber Freude gemacht, dank Dir Christopher.

Rene
 
Lieber Rene,

es ist bei Deiner Neugier und Abenteurlust ein Freude, Dir solche Bälle zuzuwerfen! Ich bin bisher ebenfalls an Sigma 1/2 Tau gescheitert. Deren wesentlich geringere Helligkeit im Vergleich zu Theta 1/2 Tau macht deren Trennung doch viel schwieriger, als man zunächst meinen würde.

Hier sind die Daten:
Theta1/2 Tau: 3m4 / 3m9; 336.9"; 347°
Sigma1/2 Tau: 4m7 / 5m1; 444.0"; 194°

Beste Grüße, Christopher
 
Hallo allerseits,

ich hatte ja oben in Post #9 Zweifel geäußert, ob Theta 1/2 Tau wirklich ein gravitativ zusammenhängendes System bilden. Wenn man dabei die Fehlerbalken der angegebenen Parallaxen großzügig auslegt, ist es nicht völlig ausgeschlossen, wenn auch unwahrscheinlich, dass diese beiden Sterne bei einem Abstand von 4,8 +- 3,2 Lj noch gravitativ gekoppelt sind.

Und wie sieht die Situation für Sigma 1/2 Tau aus?

sigma 01 Tau

sigma 02 Tau

Dabei weichen die neueren Parallaxen von Gaia insbesondere für sigma 01 Tau erheblich von den bei Wikipedia zur Zeit noch angegebenen älteren Hipparcos-Werten ab:

Code:
              Parallaxe      Entfernung
                (mas)       (pc)     (Lj)
 
sigma_1 Tau  17.04+-0.42  58.7+-1,5  191+-5
sigma_2 Tau  20.97+-0.27  47.7+-0,6  155+-2

Wenn man bedenkt, dass die gravitative Dominanz dieser Sterne gegenüber dem gravitativen Umfeld der Milchstraße gerade mal 0,2 Lj weit reicht, dann sieht man, dass diese sigma-Sterne bei einem Abstand von 36 +- 5 Lj zueinander sicher nicht mehr gravitativ gekoppelt sein können.

Ist also gar nicht so einfach, Doppelsterne für's bloße Auge zu benennen, die zweifelsfrei gravitativ gebunden sind.

Epsilon in der Leier wurde ja bereits genannt, aber der ist bekanntlich nur für sehr scharfe Augen zu trennen.

Alkor wird immer wieder genannt, aber ob der mit Mizar wirklich ein gravitativ gekoppeltes System bildet, ist nach wie vor unklar.

Der nächste helle Doppelstern, alpha Centauri, ist zweifelsohne ein gravitativ gekoppeltes System mit einer Umlaufperiode von 80 Jahren. Mit einem Winkelabstand von 6" ist er aber nur im Teleskop zu trennen.

Gruß, Peter
 
Danke Peter,
vielleicht lässt Christopher sich ja hier erweichen und wandelt das Thema ab in interessante Doppelsterne fürs bloße Auge. Immerhin wurde ja hier jetzt schon vier schöne Sternpaare genannt, die gut als Prüfer für Beobachtungen mit dem bloßen Auge herhalten können.
Ich gehe demnächst mal Alkor und Mizar an. Sigma Tauri werde ich weiter probieren, wenn ich das Gefühl habe, dass die Bedingungen besonders gut sein sollten. Epsylon Lyr muss bis zum nächsten Sommer warten.
Gibt es noch andere interessante Sternpaare dieser Kategorie?
Viele Grüße
Rene
 
Hallo Rene,

wie ich weiter oben mal ausführte, reicht es mir für meine Ausflüge unter'm Sternenzelt, wenn ein Doppelstern in Stelledoppie als "physical" ausgewiesen ist. Daraus schliesse ich, dass seine physikalische Natur zumindest nicht ausgeschlossen ist. Du fragst nach weiteren Sternpaaren dieser Gattung. Hier sind zwei Kandidaten. Datenzeilen aus dem VdS Doppelsternprojekt, gefolgt von meinen Beobachtungen:

Alpha Lib, Zubenelgenubi, Kiffa Australis, Lanx AustralisSHJ186AB2m.75m.2231.1"314°
Mit blossem Auge blitzt der Begleiter auf, ohne vorige genaue Kenntnis der Position. Mit Fernglas die gesehene Position überprüft, tatsächlich mit blossem Auge getrennt.​

SHY204, 62/63 Cnc, Omicron Cnc, Omicron 1/2 Cnc5m.25m.7975.6"17°
Mit blossem Auge noch nicht geknackt, das wird ein Projekt für richtig guten Landhimmel.​
Mit 2x Opernglas unter Vorstadthimmel (fst 5m0) weit auseinander. Hübsch zusammen mit Praesepe (M 44) und dem Kopf-der-Hydra Sternmuster in 25° Gesichtsfeld.​
SHY = E.J. Shaya, R. Olling, 2011: Very Wide Binaries and Other Comoving Stellar Companions: A Bayesian Analysis of the Hipparcos Catalogue. Shaya 204, aus Omi Cnc und 63 Cnc bestehend, ist ein physikalischer Doppelstern in 149 Lichtjahren Abstand zu uns. Vermutlich mit blossem Auge trennbar wenn Himmelshelligkeit es zulässt, begrenzender Faktor ist die 5m7 von 63 Cnc.​

Nota bene: "ist ein physikalischer Doppelstern" beruht komplett auf die Aussage in Stelledoppie. Peter, lasse Dich nicht davon abbringen, die Paare mit Deinem Sachverstand zu zernagen, Deine Erörterungen sind interessant und wertvoll.

Christopher
 
Zuletzt bearbeitet:
Lieber Christopher,

deine Sichtung von Alpha Lib macht Mut, dass die Doppelsterne mit schwachen Komponenten wie Sigma Tau bei guten Bedingungen gehen.

Gestern hat es mich gerappelt und ich habe mal StelleDoppie befragt bzw. Kandidaten nördlich des südlichen 25. Breitengrades gefiltert. Weitere Kriterien waren Sterne bis zu einer Helligkeit > 6 mag und Trennung mind. 200":

Die 12 Kandidaten hier sind dabei heraus gekommen (ohne Rücksicht auf echte oder unechte physikalische Systeme):
Unbenannt.JPG


Interessant finde ich den Aspekt, dass 4 der 12 Doppelsterne ziemlich dicht beieinander im Sternbild Stier stehen. Ich habe dafür mal meine Zeichnung von den Hyaden missbraucht und dafür beschriftet:
os_mel0025_2022_11_01 (Groß).jpg


Na, auf jeden Fall habe ich mir die 11 verbliebenen Doppelsterne (Theta Tau habe ich ja schon trennen können) mal im Atlas markiert und werde demnächst fleißig Ausschau nach diesen Augenprüfern halten und hier berichten.

Beste Grüße

Rene
 
Hallo allerseits,

ich hatte ja weiter oben Zweifel geäußert, dass man bei σ Tauri mit einem relativen Abstand von 36 +- 5 Lj zueinander überhaupt von gravitativ gekoppelten Körpern sprechen kann. Solche Zweifel betreffen wohl auch viele der übrigen hier genannten "Augenprüfer".

Um ein Gefühl für die gravitativen Bedingungen bei solchen weit voneinander getrennten Doppelsternen zu vermitteln, ist es vielleicht instruktiv die Verhältnisse bei ε Lyrae zu studieren. Dieses wohlbekannte System hat für die mit guten Augen trennbaren Komponenten ε_1 und ε_2 im Abstand von 210" übereinstimmende Parallaxen und eine gemeinsame Entfernung von ca. 160 Lj, wobei der Winkelabstand in dieser Entfernung einen lateralen Abstand von 0,16 Lj ergibt. Da beide Komponenten ihrerseits nochmal doppelt sind, kennt man auch ihre Massen M_1 und M_2 und kann mit dem dritten Gesetz von Kepler die Umlaufperiode abschätzen:

T = 2π Wurzel [a³/ (G (M_1 + M_2)]

Dabei ist "a" die große Halbachse des Orbits, die je nach Neigung der Bahnebene verschieden große Werte haben kann, mindestens aber etwa 0,1 Lj groß sein muss.

M_1 + M_2 = (2,03 + 1,61 + 2,11 + 2,15) M☉ ~ 8 M☉

(1) Mit a ~ 0,1 Lj

T ~ 180 000 Jahre

(2) Mit a ~ 0,5 Lj

T ~ 2,0 Millionen Jahre

(3) Mit a ~ 1 Lj

T ~ 5,6 Millionen Jahre

Die Umlaufperiode dieses "physikalischen" Doppelsterns ε_1/ε_2 Lyrae beträgt also mindestens 180 000 Jahre, wenn nicht sogar Millionen von Jahren bei größerer Bahnneigung gegen die Sichtlinie!

Wir haben hier also wahrhaft astronomische Verhältnisse.

Gruß, Peter

P.S.: Dagegen sind die Umlaufperioden der Subkomponenten von ε_1 und ε_2 mit Abständen von gut 2" vergleichsweise kurz mit jeweils etwa 1000 Jahren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen,

gestern bin ich eher zufällig auf sigma1/2 Tau gestoßen, zumal der Komet ZTF (C/2022 E3) ganz in der Nähe stand. Ich konnte beide Komponenen gerade so freiäugig trennen, war aber extrem schwierig, zumal die Grenzgröße überhaupt nur ca. 5,3-5,4 mag betragen hatte.

Für die freiäugige Sichtung des Kometen bestand allerdings keine Chance.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Werner,

super Leistung bei dir, gratuliere!
Ich habe es gestern auch probiert unter dunklerem Himmel (6 mag), aber bei richtig mieser Transparenz. Zur Unterstützung hatte ich mein 2x54 FG dabei. Leider ist es mit bloßem Auge wieder nur ein länglicher Strich geblieben.

Beste Grüße

Rene
 
Hallo Rene,

Danke dir.

Ich habe erst nach dem Erkennen im Teleskop verifiziert und dann später im Handy gesehen, dass ich da zufällig auf besagtes Paar gestoßen bin. Die längliche Struktur war mir ziemlich schnell aufgefallen, deswegen verharrte ich noch ein Weilchen dort. Hin und wieder war dann die eindeutige Trennung für kurze Momente möglich, lag aber hart an der Sichtbarkeitsschwelle gestern.

Viele Grüße
Werner
 
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