Planeten-Newton 8" f/6 : So geht es
Hallo Leute,
interessante Diskussion :super:
@ Christian_P
Und da er auch für F:6 ausgelegt ist, könnte es duchaus sein, dass er Deinen F4-Newton trotz Schmidtplatte nicht überkorrigiert.
die ICS Volltubus-Dobsons sind mechanisch gut gemacht,
da kannst du Polka drauf tanzen.
Aber die thermischen Verhältnisse eines Teleskopes unter freiem Himmel
scheinen von diesen Fachleuten nicht voll verstanden zu werden.
Und so gibt es aus meiner Sicht heutzutage bessere Konstruktionen.
Beispielsweise den AOK Ninja Newton.
Um das thermische Verhalten eines Newtonteleskopes zu verstehen
empfehle ich die entscprechenden bebilderten Berichte von Kurt
zu lesen. Die nach seinen Erkenntnissen gebauten Newtons
zeigen sich unter freienm Himmel bei hoher Vergrößerung
oftmals ruhiger als andere Volltubusnewtons, ICS inclusive.
@ Thomas_John
1) Wenn du einen Newton baust ist das wichtigste daß die Kollimation stimmt.
Die Mechanik (Tubus, Spiegelzellen, Fangspiegelstreben, auszug)
muß also ausreichend stabil sein! Meide ungekreuzte Stangendobsons,
insbesondere 2- und 3- Stangenkonstruktionen.
2) die Spiegelqualität muß gut sein. Für den Anspruch an einen
"Planetennewton" sollten
beide Spiegel mindestens 0,9 Strehl aufweisen.
Besser dürfen sie aber auch gerne sein.
3) unterschätze niemals die Augenseite des Teleskopes!
Gute Okulare müssen her
4) ein Teleskop kann keine guten Anblicke der Planeten zeigen
wenn die Thermik des Teleskopes mies ist.
"Tube currents" dürfen nicht im Strahlengang aufsteigen.
Deren negativer Einfluß auf die Wellenfront ist sehr groß.
Dagegen helfen 2 Dinge:
a) ein Tubus mit genügend großem Durchmesser. So kann die vom Spiegel
(der Glasklotz hat eine Menge Wärme in sich gespeichert)
erwärmte Luft bei schräggestelltem Tubus an der oberen Tubuswand
entlanglaufen ohne dabei im Strahlengang zu sein.
b) verhindern daß die vom Spiegel erwärmte Luft überhaupt
durch den Tubus aufsteigt, indem man sie nach hinten absaugt.
5) der Spiegel muß seine annähernd perfekte Parabolform halten.
Bei Abkühlung reagieren manche Substrate mit stärkerer und
manche mit geringerer Schrumpfung.
Das ist alles kein Problem wenn der Glasklotz (= Spiegel)
homogen herumterkühlt.
Das tut er aber in der Praxis nicht. Er kühlt über die Oberflächen ab,
das inner hinkt nach. Der Klotz verzieht sich etwas, die Parabel
leidet, der Strehlwert auch. Dagegen helfen:
a) Substrate die einen sehr geringen Temperaturausdehnungskoeffizienten aufweisen.
Zerodur, ULE, LowExpansion, Sital. Aber auch Quarz oder Pyrex
sind besser als BK7 oder gar Billigglas.
b) forciertes herunterkühlen durch Zwangsbelüftung.
Dass verschlimmert das Problem am Beginn der Abkühlung,
verkürzt aber die Dauer des Problems. Je nach Spiegeldicke,
Spiegeldurchmesser, Temperaturdifferenz sowie Luftdurchsatz
ist der Spiegel nach einer gewissen Zeit temperiert und dann
hält er die Parabel (sofern er keine Verspannung im Material aufweist).
Als Nebenefekt steigen bei Zwangsbelüftung keine Warmluftshlieren
durch den Tubus auf.
6) Streulicht darf nicht in die Brennebene gelangen!
Der Tubus eines Volltubusdobsons muß lang genug sein,
die Inenschwärzung muß gut sein. Eine Innenauskleidung
mit mattschwarzem Velours wirkt Wunder ggen Streulicht
(und sie isoliert dazu noch), aber auch konservative Blenden
sind gut gegen Streulicht (sie hindern aber den Abzug
der Warmluft, drängen diese in den Strahlengang,
eine Luftabsugung wird dann noch wichtiger).
7) Isotubus:
Für Alle die zu falul und bequem sind sich die Untersuchungen
und Meßwerte von Kurt zu diesem Thema reinzuziehen:
Ein Blechtubus kühlt unter klarem Himmel durch Infrarotstrahlung
asymmetrisch ab. Er wird an der dem immel zugewandten Seite
weit kälter als an der dem Biden zugewandten Seite.
Das liegt an der unterschiedlichen Infrarotstrahlungsbilanz.
Dei einem dünnen, gut Wärmeleitenden Material (Alu, Blech)
ist der Tubus auch auf der Innenseite unterschiedlich kalt.
Oben entsteht Kaltluft die durch den Tubus herunterfält,
durch den Strahlengang, was sich amunruihigeren Bild
bei hoher Vergrößerung (im Extremfall schon bei mittlerer
Vergrößerung) bemerkbar macht.
Dies entfällt beim Isotubus. Hartpapier isoliert recht gut,
wenn innen Velour klebt noch besser. Hartschaum isoliert perfekt.
Und zu allerletzt:
All dieses nützt nichts, wenn das atmosphärische Seeing
nicht gut ist.
Cheers, Karsten