Astrologie und Archäoastronomie
Hallo Tom!
Ich möchte nun nicht ausführlich auf die Astrologie eingehen, kann mir aber ein paar Anmerkungen zu folgender Äußerung einfach nicht verkneifen:
Und zu behaupten: Astrologie wäre von hinten bis vorne Nonsens und "nicht ernsthaft" ist zwar seit der Aufklärung erlaubt und wird auch gerne gemacht, leugnet aber 90% unserer menschlichen Historie.
Die menschliche Historie besteht nicht zu 90% aus astrologischen Lehrinhalten. Es stimmt, dass Astrologie und Astronomie gemeinsam entstanden sind - eventuell war der astrologische Aspekt in der Frühzeit sogar stärker. Astrologie entstammt dem auch heute noch gegenwärtigen Wunsch, die Welt zu verstehen und Handlungsvorgaben zu erhalten, um die Last der eigenen Verantwortung wenigstens teilweise abzuwälzen. Daher der Zulauf von verunsicherten oder mit wenig Selbstbewusstsein ausgestatteten Menschen zu Weltanschauungslehren, Astrologie und Esoterik.
Irgendwann begann die wissenschaftliche Betrachtungsweise des Himmels, zunächst geprägt von praktischen Bedürfnissen (Kalender!!). So ist die Astronomie entstanden.
Astrologie gehört zugegebenermaßen zu kulturellen Themen der Menschheit, arbeitet aber trotz gegenteiliger Behauptungen ihrer Anhänger nicht mit wissenschaftlichen Methoden (von der aus der Physik und Astronomie geliehenen Ephemeridenrechnung mal abgesehen). Insbesonders liefert sie keine auf Theorien gestützten, verifizierbaren Prognosen. Alle Versuche, mit statistischen Methoden die postulierten Zusammenhänge zu verifizieren waren negativ. Die von den Astrologen gerne als Bestätigung ihrer Lehren zitierten Arbeiten des Ehepaaars Gauquelin wurden von ihren Autoren selbst widerrufen (Gauquelin räumte Fehler ein). Zudem zeigte Gauquelins erste Studie "Zusammenhänge" auf, die gar nicht der astrologischen Lehrmeinung entsprachen. Den "Mars-Effekt" hatte die Astrologie vor Gauquelin nie so formuliert!
Astrologie ist daher ein Bestandteil der Kulturgeschichte der Menschheit, hat aber den Test für Alltagstauglichkeit nicht bestanden. Nicht alt und gut, sondern nur alt...
Aber es fällt mir schwer zu glauben, daß unsere Ahnen solch enorme Anstrengungen unternommen haben, die völlig sinnlos gewesen sind. Ich denke, die hätten sich solch eine Enegrie- und Zeitverschwendung nicht erlauben können. Also: Warum haben die solche Riesenbauwerke für die Astrologie erstellt?
Die Existenz historischer Monumentalbauten beweist doch nicht die Korrektheit der Astrologie! Über die Motivation z.B. der Erbauer von Stonehenge oder Carnac ist mangels schriftlicher Aufzeichnungen von Zeitzeugen nichts unstrittig Erwiesenes bekannt. Heutzutage interpretieren und spekulieren wir in dieser Hinsicht m.E. viel zu viel. Es ist nicht hilfreich und verspricht keinen Erkenntnisgewinn, hier das Wunschdenken einer gegenwärtigen Weltanschauung in das Denken unserer Vorfahren zu projezieren. Zahlreiche voneinander separierte antike Kulturen haben astronomisch orientierte oder inspirierte Bauten errichtet. In der Regel sind Ausrichtungen zu den Hauptrichtungen von Sonnen- und Mondlauf nachweisbar (Äquinoktien, Solstitien, kleine und große Mondwende). Das zeigt, wie wichtig der Kalenderaspekt unseren Vorfahren war. Die Verehrung der Sonne als Quelle der Lebensenergie kann dann m.E. durchaus erklären, warum große "Sonnenbauwerke" entstanden sind. Mit Astrologie hat das eigentlich nichts zu tun, weil die Psyche des Menschen hier einfach nicht hineinpasst. Die alten Monumentalbauten haben keinen Bezug zu den Lebensdaten irgendwelcher Personen.
Wer dennoch an Astrologie "glauben" will, dem sei das freigestellt. Nur muss man sich darüber im Klaren sein, dass Astrologie keine Wissenschaft im engeren Sinn ist. Mich stört nur, dass die Astrologie sehr häufig versucht, genau diesen Schwachpunkt mit pseudowissenschaftlichen Argumenten zu übertünchen. Leichtgläubige Menschen wurden von skrupellosen Geschäftemachern unter astrologischem Deckmantel reihenweise schamlos ausgenommen. Spätestens dann, wenn Bewerber für einen Job teilweise nach ihrem Horoskop beurteilt und ggf. auch abgelehnt werden ist "der Spaß" doch wirklich zu Ende <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" />
Aber Manipulation und Betrug gehören ja auch zur Menschheitsgeschichte <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />
Zu PM: wir haben Pressefreiheit und können nicht verhindern, dass Zeitschriften minderwertige Inhalte produzieren. In unserer Mediengesellschaft spielt deshalb der eigene Kopf und die Software zwischen unseren Ohren eine wichtigere Rolle als je zuvor.
Gute Populärwissenschaft schafft es, komplexe Sachverhalte soweit abzuspecken, dass sie vom Wesen her nicht sinnentstellt wird. Das ist eine echte Herausforderung, die nur Könner auf ihrem Gebiet leisten. Es ist aber nicht unmöglich: die Alternative "High-Level oder PM" würde ich so nicht stehenlassen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />
(Diesmal von mir) skeptische Grüße,
Tom