Präzision der Nachführung bei schnelleren Teleskopen

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jacky_smith

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Hallo,

ich trage mich mit dem Gedanken, mir für die Astrofotografie ein schnelleres Teleskop anzuschaffen, bin aber schon öfter auf folgende Aussage getroffen:
Je schneller ein Teleskop ist, desto präziser sollte die Nachführung sein.
Folgendes Gedankenmodell:
Ich habe 2 Teleskope mit jeweils 400 mm Brennweite. Eines hat eine Öffnung von 100 mm und das andere eine von 60 mm. Das erste hat also ein Öffnungsverhältnis von f/4, das andere eines von f/6. Um in etwa beim langsameren gleich viel Licht einzufangen, müsste ich dort 4 mal länger belichten. Dann sollte man doch annehmen, dass hier die Nachführung präziser sein müsste.
Dies würde aber der eingangs erwähnten Aussage widersprechen.
Hat jemand eine nachvollziehbare Erklärung hierfür.

Danke schon jetzt für eure Antworten.
 
Mit einer grösseren Öffnung ist theoretisch eine grössere Schärfe möglich. Bei z.B. 60 & 100mm dürfte das auch in der Praxis trotz Seeing so sein. Wenn du diese Schärfe wirklich realisieren willst, muss die Montierung also genauer arbeiten. Ausserdem wird bei gleicher Brennweite des Teleskop mit grösserer Öffnung auch schwerer sein, stellt also höhere Ansprüche an die Montierung.

Die Länge der Einzelbelichtung ist eher nicht so sehr relevant, da du ja eh viele Einzelbilder stackst.

CS, Daniel
 
Meine einzige Erklärung wäre:
Da am lichtstärkeren Teleskop mehr Licht in der selben Zeit ankommt, registrieren die Pixel die Photonen schneller - es vergeht also weniger Zeit, bis sie ansprechen, und damit hat man weniger Zeit, um den Stern zentriert zu halten.

Früher, als noch mit Film gearbeitet wurde und der Schwarzschildeffekt dafür gesorgt hat, dass nach kurzer Zeit eh kaum noch Empfindlichkeit vorhanden war, konnte man "recht entspannt" mit dem Auge am Fadenkreuz nachführen.

Wenn die Kamera so empfindlich bzw. das Bild so hell ist, dass das Signal gleich vom nächsten Pixel registriert wird, wenn der Stern etwas zur Seite wandert, hat man weniger Zeit für Korrekturen.

Das wäre meine Idee dafür, wobei ich eh der Meinung bin, dass man nicht besser nachführen muss als das Seeing es sinnvoll zulässt, das ja eh alles verschmiert.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo,
die Qualität der Nachführung wird wesentlich vom Guiding bestimmt und damit i.d.R. wie bereits gesagt vom Seeing. Ich besitze Teleskope mit f/2,8, Guiding PHD2, iOptron Monties, von der Kollimation abgesehen problemlos
;).
CS Dieter
Btw. Von f/4 nach f/6 sind es gut eine Blendenstufe also Faktor 2 Komma Nochwas. 4-fache Beli wäre f/8
 
Hallo "Jacky".
Meine "fotografischen Zeiten" liegen schon länger zurück... lt. meier Erinnerung ist mit steigender Brennweite auch die Anforderung an Montierung und Guiding gestiegen. Gemerkt hatte ich das über 1000mm aufwärts (bis 4000mm ... hatte ich probiert) beim Aufnehmen von kleinen Objekten wie PN's usw.
Kurze Brennweiten hab ich als leichter händelbar im Gedächtnis.
Meine Kameras hatten Pixel von 4 bis 6 my, ob das bei heutigen Kameras mit 2my Pixel schon bei kurzen Brennweiten merkbar ist kann ich nicht aus eigener Praxis sagen.
Nur am reinen Öffnungsverhältnis würde ich das nicht festmachen.
Zumindest bei meinem 10 Zoll f/3 Newton hatte ich diesbezüglich keinen Unterschied zum 8 Zoll f/5-er gemerkt. Von der empfindlicheren Justage und unterschiedlichen Belichtungszeiten mal abgesehen.
VG Hermann
 
Hallo Jacky

Je schneller ein Teleskop ist, desto präziser sollte die Nachführung sein.
Das stimmt nicht.

Eine steigende Brennweite erfordert immer eine höhere Nachführgenauigkeit, d.h. das Guiding muß präziser erfolgen, um
die sogennannten "Eiersterne" zu vermeiden.
Das Öffnungsverhältnis spielt dabei keine Rolle. Sogenannte "schnelle Teleskope" brauchen bei gleicher Brennweite
gegenüber einem normalen Teleskop keine präzisere Nachführung.

Kurze Brennweiten hab ich als leichter händelbar im Gedächtnis.
Genau so ist es. Da ein schnelles Teleskop (1:4) gegenüber einem Standard-teleskop (1:7) bei selber Öffnung
eine kürzere Brennweite hat, ist die Nachführung sogar unkritischer.

Um in etwa beim langsameren gleich viel Licht einzufangen, müsste ich dort 4 mal länger belichten.
Das stimmt prinzipiell, aber die Belichtungszeit einer Einzelaufnahme hängt vom Hintergrund (Sättigung) ab.
Dann spielt das Seeing eine Rolle und Lichtverschmutzungsgrad.
Mit dem Teleskop kleinerer Öffnung machst du dann eben 4 Aufnahmen und addiert sie.
Die entsprechenden Techniken sind hier und in div. Foren beschrieben (->es gibt auch Bücher dazu ;) ).


CS Dieter
 
Jetzt ist natürlich die Frage, wie alt diese Theorie ist – wenn die noch aus der Zeit von analogen Filmen stammt, wo nichts gestackt wurde... Gehört habe ich das vorher auch nicht nicht.

Der Mythos, dass OIII-Filter visuell nur was für große Teleskope sind, hält sich ja auch hartnäckig.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Dieter,
Die im ersten Beitrag gemachte Annahme geht von identischer Brennweite aber unterschiedlicher Öffnung und somit von unterschiedlichen Öffnungsverhältnissen aus.
Im Prinzip ist es daher ganz einfach. Das lichtstärkere Instrument hat eine kleinere Beugungsscheibe mit D=1,34ym x Blende soweit ich das richtig im Kopf habe. Eine Sternabbildung im Fokus ist deshalb im einen Gerät 1,34ym x 400/100 = 5,36ym und im anderen 1,34ym x 100/60 = 8,9ym groß. Entsprechend höher ist bei gegebenem Sampling der Anspruch an die Nachführgenauigkeit. Vorausgesetzt, die Luftunruhe verschmiert das Bild nicht ohnehin auf größere Werte.
Viele Grüße,
Burkhard
 
Jetzt ist natürlich die Frage, wie alt diese Theorie ist.......
Hallo Alex.

Wie alt die Theorie ist kann ich nicht sagen, meine eigenen Erfahrungen stammen aus den Jahren 2014 bis 2021 mit Canon 6da und 60DA.... also CMOS ... ;-).

Kurzzeit Belichtungen mit sehr kleinen Pixel finde ich zwar spannend, kann da die begrenzenden Faktoren was die Montierung und das Guiding angeht nicht aus "eigenem Tun" einschätzen.
... ich vermute die Toleranzen werden mit kleinerer Pixelgrösse enger....

Nach meinem Empfinden hätte das "schnellere Öffnungsverhältnis " den Vorteil der kürzeren Belichtung auch bei kleinen Schwankungen, die von Montierung und Guiding herkommen.... ähnlich dem Effekt des "Seeing einfrierens" bei Kurzzeit Belichtungen.

VG Hermann
 
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