Hi Zusammen,
OK, jetzt schreib ich's doch. Also meiner Meinung nach gibt es zwei Faktoren, die den Preis hier in good old europe hochtreiben. Einer ist verdammt ätzend, der andere ist hausgemacht.
Der ätzende Grund: "Der europäische Markt gibt eben mehr her", will sagen, daß Hersteller wie TeleVue mit speziellen Europa-Einkaufspreisen fett absahnen. Die verkaufen in USA blos daher noch Okulare, weil man mit den Preise dort immer noch Gewinn macht und hundert verkaufte Nagler teurer zu produzieren sind als zweihundert... Und damit ist TeleVue natürlich nicht allein, Meade hat ja schon mit allen Mitteln den US-Händlern Daumenschrauben angelegt, um Gottes Willen keine Selbstimporte durch Privat nach Europa zu machen. "We are sorry, but we are not allowed to ship Meade products to europe..." Na, und andere Marken halten's genauso. Bei Pentax-Produkten hingegen scheint es keinen Vorteil zu geben, die haben da eine andere Politik. Auch die Vixen-Artikel waren (waren!) vor gut einem Jahr in USA auf ähnlichem Niveau wie hier.
Die zweite Sache hat was mit dem Anspruch zu tun und auch mit der Mentalität. Es gibt ja über'm Teich viele Dinge wie "lifetime warranty" und auch Firmen, bei denen man ein Produkt noch nach X Monaten bei nichtgefallen zurückgeben kann. Niemand wäre in Europa so blöde, das zu tun, weil es hier nämlich in gnadenloser Unverschämtheit ("Haha, selbst schuld der Händler!") ausgenutzt würde. Dazu gibt es hier eine recht hohe Anforderung an Service & Reperatur, warscheinlich auch größeren Wunsch nach Beratung. (Ob jetzt gerade Astrohändler dem gerecht werden...)
Jedenfalls: Das kostet auch und man bezahlt es genauso stillschweigend mit, wie man beim Kauf von Nutella eine Fußballmannschaft mitbezahlt und beim Kauf von Scheiblettenkäse den Krimi zur Primetime.
Danach erst kommt der Punkt, daß der Unternehmer auch gerne so verdienen möchte, wie es für einen Unternehmer reizvoll ist. Bis der aber dahin kommt, muß er erstmal daran denken, daß auch er mal krank wird, später eine Rente braucht, daß eine fett teure Unternehmenshaftpflicht seinen A... retten kann und daß er dann den ganzen Krempel noch versteuern muß. Ich meine etwa im Jahr 2000 galt die Rechnung, daß ein Selbständiger oder Freiberufler bei Vollzeit (also mehr als 40h die Woche) erstmal 40 Mark die Stunde kassieren muß, um nach Steuern das Existenzminimum zu erreichen. Feine Sache, oder? Mitarbeiter sind davon noch nicht bezahlt.
Das heißt aber andersrum, daß eine "Astro-Ich-AG" erstmal jede Stunde 20 Euro die Woche abwerfen muß, damit man das überhaupt ein Unternehmen (im Gegensatz zu beklopptem Verlustgeschäft) nennen darf. Und da kann man sich nun ausrechnen, wieviel Marge da auf den Artikeln irgendwo drauf sein muß. Irgendwie nicht so unlogisch, daß China-Kleinkram mit bis zu EK + 900% gehandelt wird. Und wenn es weiter stimmt, daß ein Nagler Typ 6 in Deutschland Ende 2004 etwa 30 Euro Marge brachte, dann... uiuiui...
Clear Skies
Sven