Hallo Wasserstoff,
ein Okular für 600€ oder mehr klingt erstmal hart, der Preis relativiert sich aber, wenn man
- seit vielen Jahren begeisterter visueller Beobachter ist
- möglicherweise bereits einen höheren vierstelligen oder sogar fünfstelligen Betrag in ein größeres Gerät bzw. sehr hochwertige Teleskopoptik investiert hat
- man den unschätzbaren Vorteil hat, an einem Ort beobachten zu können, der dunkel ist und auch sonst sehr gute Bedingungen (Seeing usw.) bietet
Jedes Hobby wird leicht teuer, wenn man es mit entsprechend großer Passion und hohen Ansprüchen betreiben möchte.
Ich persönlich habe lange Zeit mit Provisorien - insbesondere natürlich als Schüler in den ersten Jahren - leben müssen. Irgendwann steigt man dann um auf immer größere, teurere Geräte und bekommt auch Gelegenheiten, mal bei anderen mitzubeobachten und neue Dinge auszuprobieren.
Das geübte Auge wird dann sehr schnell anspruchsvoll und wrid sich irgendwann einfach nicht mehr zufriedengeben mit schlechten Kompromissen: Keine oder schlechte Komakorrektur, Farbsäume, schlechter Einblick usw.
Ein Neueinsteiger, der nicht den Unterschied kennt, wird sich vermutlich weniger daran stören. Er wird vielleicht gar nicht bemerken, wenn Sterne oder der gesichtsfeldfüllende Cirrusnebel zum Okularrand hin deutlich an Schärfe verlieren. Er freut sich schon, wenn der Nebel nur einigermaßen gut erkennbar ist und Strukturen zeigt. Deshalb wird er wahrscheinlich eher keine 800€ in einen Paracorr investieren. Der erfahrenere Deep Sky Beobachter sieht den Unterschied aber sofort und will nie mehr ohne Komakorrektur, die aus meiner subjektiven Sicht eine Verbesserung der Abbildung von mindestens 30 Prozent bringt, durch irgendein Teleskop schauen. :-D
Genauso wird ein Klavierschüler sich wohl auch eher nicht gleich an einen Bösendorfer Konzertflügel für 100.000€ setzen - ein Pianist aber schon. Und er wird in der Lage sein, die Leistung dieses Instruments auch voll abzurufen.
Die größte Kette ist auch nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Ich kaufe mir keinen hochwertigen APO-Refraktor und beobachte dann mit billigsten Kellner-Okularen.
Denke, es wird klar, worauf ich hinaus will.
Die Auswahl und der Markt für Astronomie ist inzwischen auch im Amateurbereich sehr groß geworden - ich finde, jedes Preissegment hat seine Daseinsberechtigung und günstige Einstiegslösungen finde ich mindestens genauso wichtig wie die High-end Produkte.
Schöne Grüße und klaren Himmel,
Peter