Projekt: preiswerter Mini Astrograph

joetaiga

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Hallo zusammen,

ich dachte, ich poste mal die Erfahrungen, die ich bei meinem aktuellen Projekt gemacht habe. Ich habe eine Möglichkeit gefunden für kleines Geld einen richtig guten Astrographen zu bauen. Vielleicht animiert das jemand zum Nachbauen und er kann aus meinen Erfahrungen etwas lernen.

Ich habe zufällig beim Stöbern im Internet gelesen, dass der Skywatcher N 114/500 Skyhawk angeblich einen beugungsbegrenzten Parabolspiegel hat und mir das Teil einfach mal bestellt.

Mein Ziel war um den kleinen Spiegel einen vollformattauglichen Newton Astrographen zu bauen. Es ist mit f/4,5 zwar kein Epsilon aber immerhin schneller als mein Apo mit Reducer, den der Mininewton als Fotomaschine ersetzen und wieder für visuelle Beobachtung frei machen sollte.

Meine Hoffnung war, dass ich den Spiegel ausbauen und aus den restlichen Komponenten schon irgendwas anderes sinnvolles machen kann. Aber das kann man vergessen. Ich war nicht mal in der Lage den Newton zu justieren. Alle der Okularauszug verhindert das schon. Aber ich habe dann gesehen, dass der Hauptspiegel auch einzeln zum Verkauf angeboten wird und das Teleskop wieder zurück geschickt und statt dessen den Spiegel bestellt. Eigentlich hatte ich kaum Hoffnung, dass in sowas ein vernünftiger Spiegel verbaut ist.

Zu meiner Überraschung war der Spiegel erstaunlich gut. Ich habe ihn am künstlichen Stern getestet. Es ist tatsächlich ein Parabolspiegel und ich würde mich sogar soweit aus dem Fenster lehnen, dass zumindest mein Exemplar auch beugungsbegrenzt ist. Intern und extern des Fokus sah das Bild praktisch gleich aus.

Die zweite Überraschung war dann, dass der Spiegel gar keine 500mm Brennweite hat, sondern nur 448. Außerdem misst die verspiegelte Fläche 112mm anstatt 114. Der Spiegel ist also ein 4,5" f/4. Das hat zwar erst mal für Probleme mit meinem Konzept gesorgt, dass ich den Brennpunkt sehr nahe am Tubus halten musste um genügend Ausleuchtung für Vollformat zu gewährleisten.

Mit einem extrem kurz bauenden Okularauszug und dem Baader MPCC konnte ich eine Lösung finden, die auch noch Platz für einen Motorfokus bietet. Das war aber echt alles eng und mir wurde relativ schnell klar, weshalb es bei kurzen Brennweiten außer dem Epsilon keine Spiegel im Angebot gibt. Verwendet habe ich einen 50mm Fangspiegel. Die Konstruktion habe ich aus Sperrholz und Alurohren gemacht. Wegen der hohen Lichtstärke sollte die Justage einfach und stabil sein.

Im Frühjahr habe ich einen ersten Prototypen meines Astrographen zusammengebaut. Das Teleskop besteht eigentlich fast nur aus Verschnitt und recycelten Komponenten aus früheren Projekten aller Art. Gekauft habe ich nur die Spiegel, den Auszug und das Flugzeugsperrholz für den Tubus. Die Gesamtinvestition lag bei 450€.
Minimat01.jpg


Mechanisch hat das Teil die Anforderungen soweit erfüllt. Die Justage war einfach, hat aber natürlich nicht gehalten. Ich habe dann jeweils Konterschrauben hinzugefügt und nun hält das Teil die Justage bombenfest.

Eine Ernüchterung war allerdings die optische Performance. Die HFM Werte der Sterne lagen nicht bei den erwarteten zwei Pixeln sondern eher bei 4-6. Das kann eigentlich nicht sein, bin ich doch deutlich im Undersampling. Da der Spiegel meiner Meinung aus Fensterglas ist (zumindest ist das Glas ziemlich grün) habe ich als erste Verbesserung einen Lüfter in die Hauptspiegelhalterung eingebaut. Version 0.1 war nun fertig. Das Bild war nun besser, aber die HFM Werte lagen immer noch bei 3-5 Pixeln. Die Abbildung war schwammig und nicht zufriedenstellend. Hier ist das First Light an M5.
M5_gimp2.jpg


Im Internet habe ich gelesen, dass der MPCC mit kleinen f/4 Spiegeln Probleme hat und zu aufgeblähten Sternen führt. Jetzt war halt die Frage, an was liegt es? An der Optik aus Fensterglas oder am Korrektor? Das Projekt war erst mal auf Eis, da ich durch die nur 116mm Brennpunkt-über-Tubus praktisch keinen anderen Korrektor verbauen konnte.

Vor Weihnachten bin ich durch einen Thread auf den Starizona Nexus aufmerksam geworden, der auch relativ kurz ist und den ich in mein nächstes Projekt, einen 10" f/4 Astrographen, verbauen wollte. Eigentlich sollte der Miniastrograph der Prototyp für den großen werden um meine Ideen für die Mechanik zu testen. Jetzt war die Frage: was tun mit dem Mininewton? Einfach rum liegen lassen, wollte ich das Teil nicht. Plan B war aus dem kleinen Newton einen schönen aber funktionalen Minidobson fürs Wohnzimmerregal zu machen. Dafür hätte ich aber fast alles neu machen müssen. Also habe ich mich entschlossen dem kleinen Newton nochmal eine Chance zu geben und ihn an den Nexus anzupassen.

Gesagt getan habe ich vor Weihnachten die Hauptspiegelhalterung umgebaut. Den Spiegel habe ich höher gesetzt und die Halterung so konzipiert, dass sie die Rückseite des Teleskops praktisch abschließt. Der Lüfter sollte nun hauptsächlich aus dem Tubus saugen und deutlich wirkungsvoller sein als bisher. Der Nexus ragt allerdings immer noch etwas mehr als einen halben cm in den Tubus, ist aber zumindest in der Bildmitte außerhalb des Strahlengangs. Noch weiter raus ging nicht, da ich die Hauptspiegelhalterung aus Holz erstens nicht endlos aufbauen kann und zweitens dann nicht mehr ohne Verlängerungshülse in den Fokus gekommen wäre. Das ganze Ding umzubauen war es mir nicht wert mit dem Risiko, dass das vielleicht alles umsonst ist und das Teil gar nicht funktioniert.

An Heiligabend habe ich morgens den Spiegel eingeklebt...am ersten Weihnachtsfeiertag war schon Clear Sky. Glück muss man haben :D Das ging dann allerdings fast zu schnell mit dem ganzen Weihnachtsstress und ich konnte am Abend nur mit einem EAA Setup arbeiten. D.h. nicht gescheit justiert, kein Guiding, keine Kühlung, keine Darks und für den Lüfter konnte ich im Dunkeln kein passendes Kabel finden. Ganz sausen lassen wollte ich die klare Nacht aber nicht. Wer weiß, wann es um die Jahreszeit wieder Gelegenheit gibt. Gemeldet war die klare Nacht eigentlich auch nicht. Also Teleskop auf die Säule, ASI533 rein, einfach laufen lassen und fertig.

Ich hatte eigentlich nicht nur keine großen Erwartungen sondern gar keine. Mit f/3 war die Blendenzahl jenseits meiner Erfahrungen, justiert hatte ich nur kurz mit dem Laser. Innerlich hatte ich das Projekt ohnehin schon abgehakt. Als Motiv habe ich mir die Plejaden ausgesucht. Wenn die Sterne da vernünftig aussehen, dann sieht alles vernünftig aus. Das Ergebnis war dann doch überraschend. Schon beim ersten Frame wurde ich ganz aufgeregt. Die FWHM Werte lagen bei 1,5-1,6 Pixeln. So sollte das von Anfang an sein. Selbst die debayerte HFM war noch kleiner 2 Pixel. 5h habe ich verwenden können. Das ist das Ergebnis.
M45_Test_2.jpg

Die Tiefe ist zwar der EAA Methode zum Opfer gefallen und im Regenrauschen versunken, aber ansonsten kann man das so stehen lassen. Zumindest habe ich noch nie ein EAA Bild auf dem Niveau gesehen. Die Sterne sehen auch halbwegs ok aus. Ansonsten war aber auch bei dem kleinen Sensor schon die mangelnde Justage und eine kleine Verkippung zu sehen.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag war dann tatsächlich nochmal klar und dieses mal hatte ich tagsüber Zeit mein Fotoequipment umzubauen. Ziel sollte dieses mal NGC 1499 sein, von dem ich noch kein vernünftiges Bild habe, da der Nebel für mein Apo Setup einfach zu groß ist. Hier wurde es wieder spannend, da der APS-C Chip schon ganz andere Anforderungen an Justage, Arbeitsabstand und Verkippung zeigt als die kleine ASI533. Es wurde dann doch wieder zu schnell dunkel und justiert habe ich wieder nur mit dem Laser. Im Dunkeln hat mir dann das Framing nicht gepasst, sodass ich Kamera abgeschraubt und verdreht habe. Justiert habe ich dann nicht nochmal. Das hat man dann halt schon gesehen. Zum einen ist der Arbeitsabstand etwas zu groß, dann ist das Bild ordentlich verkippt und die Optik war nicht gut zentriert. Trotzdem ist das Ergebnis aber durchaus ansehnlich geworden. Auch mit den Defiziten ist das Bild bis 1m Diagonale noch scharf. Auch aus der Nähe betrachtet. Poster könnte man sich bis 1,5m Diagonale noch anschauen, wenn man nicht näher als 1m ran geht. Das war von der Abbildungsleistung schon, das was es sollte. Das mit den Ecken bekomme ich sicher auch noch hin.

Das Bild ist ein Bicolor mit je 3h H alpha und OIII.
NGC1499_H2O_80_v2.jpg


So sieht das Teil in Version 0.2 mit vollem Besteck aus:
IMG_2167.jpg


Was gibt es nun noch zu tun?

Gelernt habe ich auf jeden Fall, dass man sich um das Thema Ausleuchtung keinen Kopf machen braucht. Die Ausleuchtung ist mit Version 0.2 bei vielleicht 3-4mm. Einen größeren Fangspiegel zu nehmen lohnt sich nicht, da man durch die Abschattung mehr Transmission verliert als durch die Ausleuchtung. Das habe ich für verschiedene Szenarien ausgerechnet. Effektiv lag die Blende hier bei ca. f/3,6 in Bezug zu einem Apo über das Bild gemittelt, wenn man Transmissionsverluste und Ausleuchtung mit einberechnet. Aber das gilt in gewisser Weise für alle Newtons. Eine halbe Blende kann man da pauschal abziehen. Kleine Ausleuchtungen haben dann noch den Vorteil, dass die Ausleuchtung zum Rand hin langsamer abfällt. Mit Flats konnte ich die Bilder ohne Probleme komplett korrigieren. Das Bild war sogar ebener als bei meinem Apo nach der Kalibration.

Für Version 0.3 werde ich daher den Brennpunkt nochmal 1,3cm auf 140mm über Tubus rauslegen. Das sollte das Problem mit dem "Bürzel" an den Sternen beheben, der sicher vom in den Tubus ragenden Teil des Korrektors kommt. Ich habe zwar dann keine volle Ausleuchtung mehr, aber das hat den Vorteil, dass ich die Aufnahme für den Okularauszug viel stabiler konstruieren kann. Ob ich dann mit effektiven f/3,7, 3,6 oder 3,5 unterwegs bin, wird den Bock nicht fett machen. Über 70% Transmission kommt man bei so einem kleinen System prinzipiell nicht.

Auch ein Motorfokus hätte so viel einfacher Platz. Den hätte ich gerne noch. Nachfokussieren musste ich zwar nicht groß, aber der Temperaturgradient war auch sehr flach. Das waren nur 5K über die ganze Nacht. Die Fokussierung ist bei f/3 selbst mit der Mikrountersetzung extrem empfindlich. Den Tubus nehme ich nochmal auseinander und baue ihn neu, sodass er symmetrisch ist und die Kräfte besser aufnehmen kann. Mit der großen Kamera hat das Ding einen ganz schönen Hebel. Außerdem kommt die Hauptspiegelblende wieder rein. Die hatte ich beim Höhersetzen raus gemacht, da der Tubus hinten nun ohnehin zu ist. Mit der Blende verdecke ich aber die Phase am Hauptspiegelrand und der Lüfter würde eine quasi laminare Strömung über dem Spiegel erzeugen. Das sollte noch etwas mehr Kontrast geben.

Wenn das alles so klappt, dann ist Version 0.3 hoffentlich auch gleichzeitig Version 1.0 :) Der Astrograph könnte dann sogar einen GPU aufnehmen und wäre damit Vollformattauglich.

Auf jeden Fall hat man für kleines Geld hier ein ordentliches Teleskop, dass es so nicht zu kaufen gibt. Vielleicht kann man damit kein APOD gewinnen, aber die Ergebnisse sind für die 450€ mehr als ordentlich. Das meiste Geld steckt im Auszug. Wenn man nun nicht mit Mono aufnimmt, sondern nur mit kleineren Kameras wie der ASI585, geht das auch noch günstiger. Die Spiegel haben leider gut aufgeschlagen seitdem. Unter 400€ wird wird man das nicht mehr hinbekommen. Auszug mit Mikrountersetzung ist hier Pflicht. Sonst kriegt man das nicht scharf gestellt.

Grüße,
Joachim
 
Hallo wieder,

sooo...mittlerweile bin ich bei Version 0.4.

Mechanisch funktioniert das nun. Der Brennpunkt liegt nun 136mm über Tubus und somit schauen weder der Nexus noch der GPU von TS in den Tubus. Den äußeren Teil des Tubus habe ich komplett zerlegt und neu gemacht, damit der Okularauszug eine sichere Basis bekommt. Gleichzeitig habe ich eine Adaption für den Motorfokus gebastelt. Das war Version 0.3.

Leider hat das nicht so gut funktioniert. Die Federkupplung vom EAF hat am Auszug geklemmt beim Drehen. Da musste eine neue her. Außerdem war die Geräteplattform zu weit vorne, sodass die langen USB Stecker von Kamera und EQMod Kabel nur mit Gewalt zwischen den EAF gepasst haben. Das habe ich nun gelöst.

Erstaunlicherweise war wieder direkt nach Fertigstellung klarer Himmel. Zwar nur 4h und mit Nebel aber für einen weiteren Test hat es gereicht. Ist natürlich nicht so richtig rund gelaufen. Nach dem Flip ist mir ein Kabel an der Montierung hängen geblieben und ich habe unterschätzt, dass die Balance sich durch die Umbauten deutlich verlagert hat. Nach dem Flip lief das Setup unrund. Bevor ich gemerkt habe, dass das Kabel hängt, hatte ich einen Guiding RMS von 3", danach war es aber mit 0,8-0,9" auch nicht wirklich gut.
H2O_v1.jpg


Die Sternabbildung ist immer noch nicht zufriedenstellend. Justiert habe ich mit dem Laser und ohne Korrektor. Mit Korrektor ist der Spot aufgebläht. Was aber deutlich wurde, war die Differenz zwischen mit und ohne Nexus. Da liegen die Spots mehrere mm auseinander. Die Justage war also wieder komplett daneben. Korrigiert habe ich das grob mit laufender Kamera über den Hauptspiegel. Und der Arbeitsabstand ist etwas zu klein. Ich habe mir nun mal den Justage Primer von Tommy Navratil runtergeladen und versuche das das nächste mal richtig zu justieren. Da ich jedes Mal mit laufender Kamera justieren muss, werde ich mich an den Arbeitsabstand iterativ ran tasten. So gewöhne ich mich wenigstens ans justieren. Die Justage geht über die großen Stellräder super einfach.

Bearbeitet habe ich dieses Mal super einfach. Einfach das gestreckte Bild aus Graxpert exportiert, Sterne raus gemacht und bisschen an den Farben gedreht.

Vier Probleme gibt es nun noch. Mein Flatfieldpanel passt wegen den großen Justierschrauben nicht gescheit auf die Öffnung. Da muss ich mir noch was überlegen. Außerdem war geplant, dass die Alurohre gleichzeitig als Tragegriffe fungieren. Das funktioniert nicht wirklich gut. Die Rohre sind zu eng am Tubus. Für einen Tragegriff ist aber nicht wirklich Platz übrig an dem kleinen Gerät. Da muss ich mir auch noch was einfallen lassen. Außerdem wollte ich noch die Hauptspiegelblende wieder einbauen.

Das größte Problem scheint aber der Okularauszug zu sein. Nach dem Flip hatte ich eine Verkippung. Das muss ich genauer beobachten. Entweder da war was nicht richtig angezogen oder der Auszug gibt nach. Das wäre natürlich nicht so toll. Das ist ja das einzige Bauteil, dass Geld gekostet hat. Der Imagetrain wiegt zwar 1,75kg, aber der Auszug sollte mit 4kg klar kommen. Das ist weniger als die Hälfte.

So wie das aussieht, wird es noch ein paar 0.x Versionen brauchen, bis das so abliefert, wie ich mir das vorstelle. Und dann kommt ja erst der Härtetest. Die Justage sollte dauerhaft halten. Ich trage das Teil nur fünf Meter aus der Werkstatt. Damit soll es klar kommen, ohne dass ich jedes Mal das volle Justageprogramm durchlaufen muss.

Grüße,
Joachim
 
Wirklich beeindruckend, Joachim!

Mich würde sehr interessieren, welches Werkzeug Du dafür gebraucht hast. Das sieht nicht nach einer Laubsägearbeit aus ;)

VG
Wolfgang
 
Hallo Joachim,

einen tollen und sehr flotten kleinen Newton hast du dir da geschaffen. Danke für den ausführlichen, kurzweiligen Bericht zur Entstehung. Fehlt nur noch ein „order here“ Button in deinem Post.

Und wenn die sichtbare Bauqualität bei dir so nebenbei mit Restholz aus anderen Projekten erzielt wird, dann bin ich umso mehr auf dein 10“ Projekt gespannt.

Grüße,
Alex
 
Hallo zusammen,

vielen Dank an all! Hatte gar nicht mit so großer Resonanz gerechnet :)

Mich würde sehr interessieren, welches Werkzeug Du dafür gebraucht hast. Das sieht nicht nach einer Laubsägearbeit aus ;)
Verwendet habe ich natürlich alles mögliche. Was so vom täglichen Bedarf abweicht, ist eine Oberfräse, ein Bohrständer, eine Kappsäge und Gewindebohrer. Ansonsten bin ich ein Freund von improvisierten Lösungen oder Handwerker Hacks wie das auf Neudeutsch heißt. Einen Kreisanschlag für die Oberfräse, eine Gehrungslade für Handsägearbeiten usw. kann man mit einfachen Mitteln selbst herstellen. Als Werkbank hatte ich nur einen kleinen klappbaren Werktisch.

Es ist aber auch nicht das erste Teleskop, das ich baue und werkle auch sonst gerne herum. Mit der Zeit lernt man dazu und entwickelt sich seine Methoden.

Und wenn die sichtbare Bauqualität bei dir so nebenbei mit Restholz aus anderen Projekten erzielt wird, dann bin ich umso mehr auf dein 10“ Projekt gespannt.
Ist die Frage, ob aus dem 10" nicht ein 8" f/4,5 wird. Die kleinen Blenden haben schon ihre Tücken, habe ich nun festgestellt.

Mittlerweile steht Version 0.5 unten auf der Montierung und wartet auf besser Wetter.

Das Problem mit dem Guiding war relativ einfach behoben. Ich hatten den Arbeitsabstand verändert und ganz simpel vergessen die Guidingkamera am OAG nachzufokussieren :eek: Das habe ich nun nachgeholt. Etwas muss ich noch justieren, da die Sterne nun so klein sind, dass PHD die mit Hotpixeln verwechselt.

Außerdem habe ich nun eine Blende vor dem Hauptspiegel eingebaut. Die soll zwei Zwecken dienen:

Zum einem soll sie die Phase des Hauptspiegelsabdecken. Ich habe die Blende etwas kleiner gemacht und den Hauptspiegel auf 110mm abgeblendet um etwas Toleranz für die Spiegelposition zu bekommen. Da ich sowieso nur 110mm mit dem Fangspiegel ausleuchte, macht es für Performance kaum einen Unterschied. Die Blende ist übrigens aus Biegesperrholz aus dem Bastelbedarf. Daraus ist auch der Tubus gemacht. Für paar € kann man ganze Generationen von Teleskopen verblenden ohne dass man großartiges Spezialwerkzeug braucht. Die Blende ist auf drei kleine Muttern mit Sekundenkleber in den Tubus geklebt und mit der billigsten Schultafelfarbe angemalt. Der Tubus ist innen mit Velours beklebt. Das ist so dunkel, dass es schon wieder Probleme macht, weil man selbst tagsüber nichts sieht außer dem Spiegel. Ja, irgendwelche teuren Spezialfarben sind noch etwas dunkel. In der Praxis ist das aber völlig egal. Das merkt man nicht. Die Oberfläche muss nur matt sein. Das ist das wichtigste.

Zum anderen soll sie als Bremse für den Luftstrom dienen. Der Ventilator hinter dem Hauptspiegel sollte so nicht mehr einfach linear den Tubus aussaugen sondern etwas mehr aus der Mitte das Warmluftpolster über dem Spiegel absaugen. Der Fensterglasspiegel macht in der Hinsicht übrigens keine Probleme mehr. Sobald der Lüfter läuft bildet der erstaunlich schnell gut ab.

Jetzt kommt das Hauptproblem. Denn im Prinzip ist das nun soweit fertig. Das Hauptproblem ist leider der Okularauszug. Das Rohr gibt durch das Gewicht der Mono plus Filterrad und OAG sichtbar nach. Das ist wohl die Ursache des heftigen Astigmatismus in der Bildmitte. Ich dachte zu erst, das liegt an der Justage, an einer Verkippung oder der Fensterglasspiegel ist doch mist. Wars aber nicht. Ich habe die Mono runter genommen und statt dessen die deutlich leichtere ASI533MC pro dran gehängt und siehe da der Astigmatismus war gleich deutlich besser obwohl die Justage durch das fehlende Gewicht sich deutlich verschoben hat. Ich habe nun das System nochmal auf die 533 mit dem Ocal justiert und nun ist die Sternabbildung in der Mitte einwandfrei.

Die Frage ist nun, was ich damit anfange. Das verkippt mit der Mono so stark, dass das mit irgendwelchen Justagetricks nicht zu kompensieren ist. Und selbst wenn würde die Justage über Nacht nicht halten, da das Drehmoment dauernd die Richtung ändert. Außerdem habe ich keine Lust mir einen extrem teuren Okularauszug zu kaufen. Der der jetzt drin ist, ist schon deutlich mehr wert als der Rest des Teleskops. Mit der ASI533 geht das zwar, aber mein Ziel war halt Mono mit APS-C aufnehmen. Das Feld mit der 533 liegt bei ca. 2,7°, mit APS-C ungefähr bei 5°. Das ist schon eine Einschränkung. Mit meinem Apo komme ich mit der Canon R auf das selbe Feld wie mit der 533 aber mit der doppelten Auflösung. Ich hätte also schon gerne, dass das irgendwie geht.

Ansonsten habe ich vorgestern zwei Sessions mit der ASI533 ohne Anpassung der Justage aufnehmen können und gestern einige Testaufnahmen mit Neujustage. Die muss ich aber noch bearbeiten. Und ich werde mal meine ASI178MM pro dranhängen und schauen, was für Auflösungen ich erreichen kann. Die ist deutlich leichter als große Mono. Im Moment ist es mir erst mal zu kalt draußen für ewige Justagesessions. Bis es wärmer wird, bleibt das erstmal so wie es ist.
 
So, hier sind noch die Testbilder von vorgestern:


Und dann noch die äußert kurze erste echte Aufnahme mit dem kleinen Astrographen. Das waren nur 15 Minuten. Potenzial hat das Teil auf jeden Fall:

Bei Version 0.5 bleibt es erst mal, bis die Probleme mit dem Okularauszug gelöst sind.
 
Ja sag mal... da fällt mir ja die Kinnlade runter. Wenn ichs nicht besser wüsste, würde ich fast argwöhnen, Du hättest da den neueste Blurxterminator drüber laufen lassen und dann noch die Sterne verkleinert! Oder hast Du? :unsure::LOL:
 
Hallo Joachim,

Ich bin echt beeindruckt was der Zwerg liefert. Ok die Sterne gehen sicher noch besser aber alles in Allem sieht das wirklich klasse aus und hat für die wirklich kurze Integrationszeit eine verblüffende Tiefe. Und hier hast du natürlich kein magic Binning nutzen können. Das weckt in mir tatsächlich wider die latente Bastelleidenschaft. Material hätte ich noch rumliegen. So ein niedlicher 130er wäre dann mein Plan.

CS
Franz
 
Ja sag mal... da fällt mir ja die Kinnlade runter. Wenn ichs nicht besser wüsste, würde ich fast argwöhnen, Du hättest da den neueste Blurxterminator drüber laufen lassen und dann noch die Sterne verkleinert! Oder hast Du? :unsure::LOL:
Nein, BXT verwende ich nicht. Die Sterne sind original. Die habe ich nur in Gimp mit einer Unschärfemaske leicht geschärft.
Ok die Sterne gehen sicher noch besser aber alles in Allem sieht das wirklich klasse aus und hat für die wirklich kurze Integrationszeit eine verblüffende Tiefe.
Hallo Franz,

ich weiß nicht, ob an den Sternen noch viel zu machen ist. Der Korrektorabstand ist noch nicht optimal. Prinzipiell kann der bis Vollformat sauber abbilden. Das habe ich mit der OAG Kamera getestet. Allerdings ist fraglich, ob er gleichzeitig die Mitte und die Ecken sauber abbilden kann. Der kleine Spiegel hat halt mehr Bildfeldwölbung als normal. Das müsste ich mit der APS-C Kamera ausprobieren...aber das geht ja nicht, weil die zu schwer ist. Der Astigmatismus durch die Biegung des Okularauszugs ist so groß, dass ich gar nicht erkennen kann, was da sonst so los ist.

Mit der ASI533 kann ich aber zumindest die Mitte feinjustieren. Viel besser wird das aber nicht werden. Die HFR Werte sind schon relativ gut. Dass die Sterne etwas groß aussehen liegt an dem kleinen Chip...und natürlich daran, dass ich kein BXT verwende. Ansonsten ist der Spiegel halt auch kein LOMO und die dreiarmige Spinne tut ihr übriges. Das ist alles nicht so genau zentriert wie bei einem gekauften Teleskop, wo alles mit der CNC Maschine gemacht wurde. So wie mit meinem Apo wird das nie werden. Das war mir aber klar. Mit einem großen Chip sieht man das eh nicht so. Das mit dem Auszug will ich gelöst kriegen. Ansonsten bleibt das halt ein EAA Setup. Das wäre auch ok. Allzu teuer war das ja nicht.

Material hätte ich noch rumliegen. So ein niedlicher 130er wäre dann mein Plan.
Wäre schön, wenn ich wenigstens einen motiviert hätte :) 130mm f/5 ist nicht so kritisch und man kann auch die günstigeren Korrektoren verwenden. Man muss deutlich stabiler bauen als ein Dobson. Sonst muss man jedes mal neu justieren. Meine ganze Reise mit Korrektorabstand, Verkippung usw. kannst du dir so sparen.

Falls du etwas mehr riskieren willst...ein 150mm f/4 mit Starizona Nexus und einem 50mm Fangspiegel entspricht so ziemlich genau einem 130er Epsilon. Die bewerben mit einem überdimensionierten Hauptspiegel. Aber im Prinzip ist das nichts anderes als ein unterdimensionierter Fangspiegel.

Um die Ausleuchtung muss man sich nicht so den Kopf machen. Lieber den Brennpunkt ordentlich rauslegen, damit man keine Probleme mit langen Korrektoren hat. Man muss sein Feld nicht mal voll ausleuchten. Das was man für eine vollständige Ausleuchtung seines Chips durch Abschattung verliert, kompensiert man zum Großteil wieder durch mehr Kontrast und höhere Transmission. Das ist zumindest meine Erfahrung. Bei f/4 können schon alleine die Korrektoren kaum mehr als 10mm, bei f/5 vielleicht 15-20mm ausleuchten. Alles darüber macht daher prinzipiell keinen Sinn.

Bei meiner Version 0.5 ist das voll ausgeleuchtete Feld genau null. Ich habe also keinen Bereich, der eben ausgeleuchtet ist. Trotzdem kann ich selbst mit der APS-C Kamera und dem Nexus mühelos die Ausleuchtung mit einem Flat korrigieren. APS-C plus Nexus entspricht von der Ausleuchtung in etwa Vollformat mit einem 1,0x Korrektor. Real ist meine Transmission mit dem Nexus in der Mitte in etwa bei f/3,6 und am Rand bei f/4 im Vergleich zum Refraktor. Aber das Problem haben auch alle anderen Fotonewtons. Besser als 1/10 Blende weniger geht da prinzipiell nicht. Speziell die kleineren Geräte liegen alle was die reale Transmission angeht selbst in der Bildmitte mindestens eine halbe Blende über dem technischen Wert.

Grüße,
Joachim
 
Hallo zusammen,

nach mittlerweile einem halben Jahr gibt es wieder ein Update.

Der Starizona Nexus funktioniert mit so einem kleinen Spiegel offenbar prinzipiell nicht. Der Grund ist die Bildfeldwölbung. Während die Koma mit der Blende skaliert, skaliert die Wölbung mit der Brennweite. Die Hersteller rechnen ihre Korrektoren daher für eine mittlere Brennweite. Beim Starizona Nexus ist das laut GPT 800mm. Um diese Brennweite herum haben die Korrektoren eine gewisse Toleranz. Bei meinem kleinen Spiegel war die verbleibende Wölbung extrem.

Interessanterweise überkorrigieren die Korrektoren die Wölbung in meinem Fall. Ich habe nun auf den GPU gewechselt. Der ist da wesentlich toleranter. Mit f/4 ist hier die CFZ auch entspannter und verzeiht deutlich mehr als der Nexus. Aber auch hier war bei 55mm das Bild überkorrigiert am Rand. Bei 54,5mm ist der Überkorrektur in den Ecken im Mittel noch 50my. Das ist noch ca. 1,5x die CFZ. D.h. in bin da schon relativ nahe an einer Lösung.

Ich denke, 0,1-0,2mm müsste ich noch nach innen mit dem GPU. APS-C ist aber auch jetzt schon ausreichend korrigiert.

Verkippt ist das Bild obendrein auch noch. Aber der Brennpunkt mit dem GPU 25mm weiter außen liegt als beim Nexus, habe ich den GPU einfach 25mm weiter oben verklemmt. Der schwebt praktisch frei im Auszugsrohr. Ich muss also nochmal umbauen. Bin mir noch nicht schlüssig, ob ich den Tubus so lassen soll und das ganze mit einem Baader Click löse oder ob ich den Auszug insgesamt hochsetze und den GPU mit dem Auszug verschraube.

Ich hatte das Teil ja auch eingesendet wegen dem Astigmatismus. Erstaunlicherweise ist das nun besser, obwohl eigentlich nichts gemacht wurde, außer die Spiegel neu zu verkleben. Naja, sei's drum. Hauptsache es funzt wieder...

Um zu sehen, ob das mit dem GPU auch so klappt, wie mir das GPT ausgerechnet hat, habe ich natürlich trotz dem provisorischen Setup ein zwei Aufnahmen gemacht. Das erste Ziel war der Schleiernebel und danach hatte ich noch eine Stunde übrig, die ich auf den Kaliforniennebel verwendet habe. Aufgenommen habe ich mit einer Canon R und ohne Guiding. Später soll dann noch ein OAG dazu kommen.

Hier ist das Resultat. 418x60s sind zusammen gekommen. Davon habe ich 360 verwendet. Also genau 6h. Den Rest habe ich verworfen, da mir hier die Sterne nicht rund genug erschienen. Die Bearbeitung ist nicht überragend (die Sterne sind mir etwas zu dick geworden und der Hintergrund war ohne Guiding relativ unruhig), aber ich denke, dass kann sich erstmal sehen lassen.


Mit dem Vollformat der Canon R habe ich praktisch dasselbe Feld wie mit dem Nexus und APS-C. Von daher ist das kein großer Verlust. Mit den riesen Pixeln der R habe ich pro Zeit eigentlich auch das gleiche SNR. Nur kann ich Mono nur mit APS-C. Da ist das Feld schon deutlich kleiner. Aber da habe ich schon eine Idee, wie ich den Arbeitsabstand auch hier deutlich unter 55mm drücken kann und dann probiere ich das nochmal mit dem Nexus. Evtl. geht das dann ja doch besser als gedacht.

Mal sehen, was bei NGC 1499 rausgekommen ist. Es wird sich wahrscheinlich in Grenzen halten bei nur 1h.

Grüße
Joachim
 
Achja, hab ich ganz vergessen. Mittlerweile hat TS einen ähnlich kleinen Mininewton mit Fokus auf Fotografie heraus gebracht. Die Brennweite ist ein paar mm mehr als bei mir. Kann aber sein, dass das tatsächlich der gleiche Spiegel ist. Ich kenne zumindest keinen anderen in der Größe. Angeboten wird das mit einem 1,25" und einem 2" Auszug.

Der geht allerdings einen anderen Ansatz. Dort wird ein möglichst kleiner Fangspiegel verwendet. Dafür hat man sehr wenig Backfokus, sodass die Auswahl der Korrektoren eingeschränkt ist. Bei 2" bleibt eigentlich nur der TeleVue VIP-2010, der aber super teuer ist und die Brennweite verlängert. Meiner Meinung verliert man so das Alleinstellungsmerkmal so eines kleinen Systems.

Da bin ich mit meinem Selbstbau deutlich flexibler. Die geringere Ausleuchtung hat sich bisher als nicht nachteilig herausgestellt Da ich die Vollformat mit T2 angeschlossen hatte und so die Ausleuchtung in den äußersten Ecken auf 1% gefallen ist, konnte ich testen, bis wohin man mit Flats korrigieren kann. Bis 10% Ausleuchtung konnte ich eine saubere Korrektur erreichen, was mich wirklich erstaunt hat. Allerdings rauscht das dann schon deutlich. Als Faustregel würde ich daher nach wie vor eine Ausleuchtung von 60-70% in den Ecken anpeilen. Bei 40-50% Ausleuchtung merkt man im Resultat aber auch überraschend wenig, da das ja nur in den äußersten Ecken ist, wo eh keiner darauf achtet.
 
Hallo Joachim,

sehr intressantes Projekt. Den 114er HS hatte ich auch mal ins Visier genommen aber erst einmal den 76/300mm Mini Newton gebastelt.

Mittlerweile hat TS einen ähnlich kleinen Mininewton mit Fokus auf Fotografie heraus gebracht.
Aha da tut sich ja was. Damit meinst du bestimmt den hier: TS-Optics Photon 4,5" f/4 Advanced Newtonteleskop mit Carbontubus
Stört eigentlich die hohe Obstruktion ? Hier 41mm, also ca. 36%, bei dir mit 50mm sogar ca. 44% ?
Was ich auch problematisch finde sind die fetten FS-Streben. Ich habe bei meinem Vixen 114/900mm Newton auch so dicke Dinger und die sorgen für unschöne Spikes. Bei meinem Mini Newton Selbstbau ist meine Konstruktion auch ziemlich dick.

Diese ganzen Korrektoren sind ja teurer als das Teleskop selbst, würde das bei meinem kleinen Sensor (Asi462mm) eigentlich auch ohne gehen ?

Oder kann ich auch den Newton abblenden wie meine Objektive und so die Sternabbildung verbessern und Koma verringern ?
Dann bestimmt nicht vor der Öffnung sondern direkt am HS ?
Das wäre vielleicht auch noch was für meinen Mini-Newton, der ist ja mit F3.9 sehr schnell und zusätzlich ist meine Konstruktion sehr dürftig.
So kann ich trotz des kleinen Sensors nicht das komplette Feld nutzen. Außerhalb der Mitte sind die Sterne immer mehr verzogen.

Wenn ich jetzt z.B. eine 60mm Blende, bei mir dann wohl einfach aus schwarzem Tonkarton geschnitten, auf den HS lege, ist das dann wirklich genau das Gleiche wie ein F5 Spiegel.
Hat also ein F3,9 HS Spiegel abgeblendet auf F5 genau die gleichen Eigenschaften wie ein original F5 HS ?
Also weniger Koma und Justageanfälligkeit ?

Gruß,
Holger
 
Stört eigentlich die hohe Obstruktion ? Hier 41mm, also ca. 36%, bei dir mit 50mm sogar ca. 44% ?
Was ich auch problematisch finde sind die fetten FS-Streben.
Ja und nein :)

Je mehr Obstruktion, desto mehr Licht fließt halt aus dem zentralen Beugungsscheibchen in den ersten Ring. Die äußeren Ringe werden erst bei Obstruktionen deutlich über 50% relevant. Dein 76mm hat grob 2" Auflösung, was in etwa dem Sampling mit deiner ASI462 entspricht. D.h. du kannst deine Bilder irgendwo zwischen 4-6" auflösen. Das erste Maximum hast du bei etwa 1,3x des Rayleigh Kriteriums. Der erste Ring hat also etwa 5" Durchmesser. Wenn du jetzt 50% Obstruktion hättest, dann würde 55% des Lichts in der Mitte landen, 31% im ersten Ring und 14% im zweiten Ring. Der erste Ring landet noch innerhalb deiner Auflösung, bei besten Bedingungen sogar schon etwas außerhalb. Der zweite Ring liegt außerhalb. Des Streukreises deines Sterns. Auf dem Bild bewirkt das, dass dein Stern nach außen hin etwas aufweicht und nicht mehr so definiert ist. Da sich das Licht in den Ringen aber auf eine deutlich größere Fläche verteilt, als im zentralen Scheibchen, ist der Effekt nicht so dramatisch. Die Sterne werden mit größer werdender Obstruktion also immer weicher.

Bei einem 200mm Spiegel liegt das Rayleigh Kriterium bei etwa 0,7". Der erste Ring hat 1,8" Durchmesser. Egal mit welcher Kamera und Teleskop ich bisher aufgenommen habe, an meinem Standort war die Auflösung noch nie besser. Meistens habe ich 2,5-3". D.h. der erste Ring ist immer innerhalb des Streukreises. Egal was ich mache. D.h. hier hat die Obstruktion eigentlich keine Auswirkungen mehr auf die Sternabbildung, bis sie so groß wird, dass der zweite Ring einen signifikanten Anteil des Lichts erhält. Aber das passiert eigentlich nie bei so einer großen Optik. Da kann man normalerweise bei <40% bleiben.

Je kleiner und lichtschwächer die Optik, desto eher machen große Obstruktionen Probleme. Aber wenn das selbst bei deinem 3" f/4 noch wenig Effekt hat, dann ist es bei meinem 4,5" f/4 noch weniger und allem was größer und lichtschwächer ist, ist es prinzipiell egal, da man in dem Fall keine extremen Obstruktionen mehr hat.

Es kostet natürlich noch etwas Licht. Aber ein kleinerer Spiegel kostet in den Ecken auch Ausleuchtung. In meinem Fall war der 50mm Spiegel der beste Kompromiss. Kleiner ging nicht, sonst hätte ich den Strahlenkegel auch in der Mitte beschnitten.

Der TS erkauft den kleineren Spiegel übrigens durch einen niedrigeren Brennpunkt. Die Ausleuchtung an sich ist aber auch nicht viel besser als bei mir. Man hat halt paar % mehr Licht.

Diese ganzen Korrektoren sind ja teurer als das Teleskop selbst, würde das bei meinem kleinen Sensor (Asi462mm) eigentlich auch ohne gehen ?
Gute Frage. Je kleiner das System, desto stärker ist der Effekt auf einem gleich großen Sensor. Bei meinem 12" f/5 Dobson kann ich ohne Korrektor ca. 8mm Feldradius verwenden. Das sieht man dann schon, aber wenn man nicht so empfindlich ist, kann man damit leben. Bei dem 3"er sind vielleicht 5mm brauchbar. Aber da der bei der Größe näher an seine Auflösungsgrenze kommt, wird man das vermutlich deutlicher sehen. Bei dem 12"er limitiert immer das Seeing.

Ich habe mal eine Probeaufnahme ohne Korrektor gemacht mit dem 4,5". Wenn ich das wieder finde kann ich es dir auf deinen Sensor croppen. Das ist ja beides f/4 und sollte einigermaßen vergleichbar sein.

Wenn du eh so kleine Sensoren hast, kannst du dir ja auch mal den 1,25" Korrektor von TS anschauen. Der ist nicht so teuer wie die anderen. Der ist aber ziemlich lang. Ich habe wie oben beschrieben auch die Erfahrung gemacht, dass die nicht unbedingt für so kleine Teleskope gerechnet sind. Da würde ich vorher nachfragen.

Abblenden hilft natürlich auch. Aber dann verlierst du natürlich auch Licht und die Obstruktion wächst im Verhältnis zur freien Öffnung. Eine Feldblende direkt über dem Spiegel ist am besten.

Grüße
Joachim
 
Ah ja wegen den Spikes. Meine Spinnenarme sind 2mm dick. Das ist nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte, solange man alles gut abdunkelt. Dicke Spinnenarme machen aber dicke Spikes, ja. Selbst beiden Plejaden finde ich es aber noch ok. Mich stört das weniger. Ich mag Spikes.

Aus den Erfahrungen mit dem Projekt werde ich es beim nächsten mit doppelten Spinnenarmen probieren, die dann je nur 0,5mm dick sind. Das ist günstiger fürs verspannen.

Das habe ich hier gesehen:

Die stellen ihre Daten kostenlos zur Verfügung. Ich habe mir mal eins runter geladen und bearbeitet:

Das funktioniert offenbar ganz gut. Ich fand das für den Selbstbau eine sehr schlaue Lösung, da es auch mit einfachen Mitteln gut zu bewerkstelligen ist.

Vermutlich baue ich für die Optik den Tubus irgendwann nochmal komplett neu. Das ist durch die vielen Modifikationen und Umbauen schon so durchlöchert, dass man da eigentlich nicht mehr groß was dran ändern kann. Dann werde ich es auch hier mal mit doppelten Spinnenarmen versuchen.
 
Gestern war es überraschenderweise klar mit richtig guter Transparenz. Normalerweise ist in so Nächten das Seeing nicht so toll, daher dachte ich mir, es wäre ein guter Test mal die Mono mit ihren kleinen Pixeln dran zu hängen. Weil ich mit der Konfiguration sicher nur diese eine Nacht aufnehme, war mein Ziel war IC 1396. Also ein richtig fettes Objekt, aus dem noch 3-4h schon ein richtiges Bild wird.

Im Prinzip war das eine Katastrophe. Da ich mit dem GPU eigentlich nicht in den Fokus komme, habe ich wie mit der Canon R den GPU einfach 2,5cm aus dem Rohr stehen lassen und dort verklemmt. Mit der R hat das gehalten mit der Mono und dem OAG aber nicht :D Ich musste einiges wegwerfen, da das immer wieder nachgegeben hat.

Außerdem hatte ich schon länger den Verdacht, dass der OAG Verkippung einführt. Ich habe das dann mal getestet und die Adapterplatte mit dem Laser gedreht. Der Punkt ist 5-10mm gewandert :eek: Bei meinem langsamen Apo konnte ich das immer mit bisschen Gefrickel gut korrigiert. Ich habe mir die Position beim Apo markiert, wo ich weiß, dass es dort funktioniert. Gemessen waren das aber trotzdem noch 50my von Ecke zu Ecke. Die CFZ hat nur 37my. Das sieht man halt. Ein Teil der Probleme in der Abbildung macht sicher noch die fehlenden 0,1-0,2mm, wo ich mit der Kamera nach innen muss.

Immerhin ist mir jetzt klar, dass ich besser den Auszug komplett weiter raus versetze anstatt mit Verlängerungshülsen zu arbeiten. Außerdem werde ich den Korrektor verschrauben anstatt zu klemmen. Theoretisch könnte ich auch den Baader Click Lock nehmen, aber dann habe ich trotzdem noch den Hebel mit 2,5kg dran. Da gehe ich lieber auf Nummer sicher.

Hier ist das Resultat. 3h 21 sind zusammen gekommen. Das meiste im Halpha. Bei OIII hatte ich zusätzlich Pech mit Wolken. Dafür ist das ganz ok. Auch die Auflösung ist prima. Die Sternabbildung in den Ecken ist sogar ok. Da das nur in einer Ecke war, hat sich das nach dem Flip gut ausgemittelt.


Hier ist ein 100% Crop aus der Mitte. Das kann sich sehen lassen. Also funktioniert der GPU an sich erst mal sehr gut mit dem kleinen Spiegel.
1756640185152.png


Und noch einer aus der schlechten Ecke. Die Sterne sind zwar nicht perfekt, aber an den Bilderrändern schaut man normalerweise auch nicht mit der Lupe hin. Ich denke mit den fehlenden Zehntel mm und etwas Tuning am OAG sollte man das so gut hingekommen, dass man bei APS-C praktisch kaum noch was sieht. Mit einem Papierschnipsel sollte sich die Verkippung lösen lassen.
1756640232536.png


Grüße
Joachim
 
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