Projekt: Refraktor Sears 76/1200 reformiert

xerox_now

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Hallo ATM´s,

anbei die Weiterführung zu dem Beitrag Sears 76/1200mm Achromat Optik....!
Ich habe mich entschlossen, um die Optik wieder ein Teleskop zu bauen. (Keine orginale Restauration, sondern ein Teleskop für den Gebrauch)
Die Optik ist ein Luftspaltachromat mit 76mm Öffnung und 1200mm Brennweite. Stammt ursprünglich aus den 60´er Jahren und wurde u.a. in Teleskope
von Weltblick, Sears, Yamamoto oder auch Towa verbaut.
DSC_2752.JPG


Wie bei meinen letzen Projekten, wird das ganze auch im CAD aufgebaut, um die wichtigen Maße zu bestimmen. Tubuslänge, Fokuslage und die Bestimmung der
Blenden im Tubus.
Sears76_1200_1.JPG

Unbenannt.JPG


Der erste Schritt war, die korrekte Tubuslänge für meine Okulare zu bestimmen.
Dazu habe ich mir ein Kustoffrohr (Fallrohr für Regenrinnen aus dem Baumarkt) besorgt. Andere haben sehr gute Erfahrungen mit KG-Rohren gemacht gab es aber in dem Durchmesser nicht.
Die Länge wurde mit der konstruierten Länge abgeglichen und angepasst.

Für den praktischen Test wurden verschiedene Okulare (Baader Orthos, Vixen LV und Celestron Vulcanos) benutzt.
Eine Reihe mit Zenitprisma und eine Messreihe mit Spiegel.
Die Fokuslagen liegen erfreulich dicht beieinander, so das kein großer Fokusweg mit langem Auszugsrohr benötigt wird.
Die orginal Fernrohre (Sears, Weltblick etc.) benutzen einen Trick um alles Zubehör (Projektionsschirm, Porroprisma) in den Fokus zu bekommen: dazu wird ein einfahrbares Rohr in den eigentlichen Fokuser geschoben. Der Fokuser mit Zahnstange hat dann auch nur einen kleinen Weg.
Das ganze durfte dann wieder mein kleine EQ1 tragen. Die muß für solche Sachen immer hinhalten.
Sears76_1200.jpg


Insgesamt mußten wieder andere Teleskope für Bauteile sorgen.
Der Auszug ist vom SkyWatcher 70/700 aus den 90´er und die Taukappe von C90.
Alles mit Klebeband an das Fallrohr befestigt.
Sears_Auszug.jpg


Für den Tubus, habe ich ein Alu-rohr gefunden was eigentlich für Turbolader Luftführungen benutz wird. Hat aber die richtigen Maße.
DSC_2762.JPG

Das Rohr ist hochglanzpoliert und ich überlege das so zu lassen.
Als Auszug wird ein Auszug von TS mit Zahnstange und 2" angebaut. Nicht einfach, OAZ aus Metall zu finden, für kleine Fernrohre.

Fortsetzung folgt.

Grüsse aus dem Norden.

Martin
 
Habe mich endlich mal der Objektivfassung angenommen.
Komplettes Unterteil der Fassung mit Abbeizer eingestrichen.
Hier das Ergebnis: Die Maske fällt!
P1080590.jpg

Unter der dicken weißen Farbschicht, kam eine silberne Lackschicht zum Vorschein.
War wohl mal ursprünglich silber das gute Stück. Darunter wieder eine helle Grundierung.
Wenn die Beize genug eingewirkt hat, wird in Seifenlauge gespült, gebürstet und trocken gelegt.
Danach wieder eine ordentliche Grundierung und die Qual der Wahl mit der endgültigen Farbe.
Zur Wahl stehen:
- Weiß
- Schwarz, matt
- Mysticblau Metallic

Grüsse aus dem Norden!

Martin
 
Hier nur ne Info für alle Inhaber klassischer Refrakroren:
Die Fassung ist schwarz eloxiert.

Da wurden im Laufe der Zeit einige Schichten Farbe bei meinem Objektif aufgetragen.

P1080596.JPG


Nächste Woche werfe ich die kleine Rotwerk Drehmaschine an, um den Objektivhalter und die OAZ Verlängerung zu drehen.

Grüsse aus dem Norden.

Martin
 
Die würde ich unbedingt so belassen. Keine Farbe mehr drauf.
 
Hallo ATM´s,

die Tage zwischen den Jahren nutzt man fürs bauen.
Es geht weiter mit dem Sears:
Mittlerweile ist die Objektivfassung wieder mattschwarz lackiert und die Adapter für das Objektiv und den Auszug sind auch fertig.
Da das Aluminiumrohr nicht lang genug ist, mußten zwei Adapter her.
Zur Erinnerung, das Rohr ist eigentlich aus dem Fahrzeug- bzw. Motorenbau und ist für Luftführungen zum Turbolader gedacht.
Wenn man also die Enden mit den Wülsten abschneidet, ist es nicht mehr lang genug. (Drei mal abgeschnitten und immer noch zu kurz, sozusagen)
Also eigentlich alles vorhanden um ein Sterntest und zu prüfen, ob man richtig konstruiert hat.
Aber wie so immer fehlt der freie Blick auf die Sterne.
Also erst mal behelfsmäßig zusammengeklebt mit Gewebeband und den Kollimator angeworfen. Passt justagetechnisch und läßt sich zentrieren.

Hier ein paar "Impressionen" vom Bauzustand:
Sears_Assy.JPG

P1080696.JPG
P1080695.JPG
P1080697.JPG

P1080693.JPG
P1080694.JPG


Bezüglich Farbe ders Tubus: Vielleicht gehe ich ein bischen in Richtung "Steam-Punk" und bleibe bei "hochglanzpoliert". zumindest der Tubus!

Grüsse aus dem Norden!

Martin
 
Hallo Martin,

Sehr schönes Projekt. Das wird ein klasse Refraktor

Mit Ersatzokularsuszügen habe ich mich auch befasst. Man findet nichts "wertiges" aus komplett Metall. Zumindest keine Okularauszüge die direkt am Tubus befestigt werden. Auch Adapter vom Tubus (Größe X) auf ein Gewinde an dem ich dann einen Okukarauszug anbringen könnte habe ich nicht gefunden.

Ich suchte da entweden:
Okularauszug auf Tubus x mm
oder
Adapter von Tubus x mm auf Gewinde.

Leider habe ich nur Okularauszüge (für Selbstbau) in Kunststoff gefunden. Schade.

Viele Grüße Mark
 
Hi Mark,

in der Tat hat man nicht die freie Auswahl bei den Auszügen, wenn man auf bestimmte Anschlußmaße angewiesen ist.
Das kann zu Suche im Heuhaufen werden.
Bei diesem Projekt habe ich bei Teleskop-Express den Auszug gefunden.
Teleskop-Express: RAP2DEL
Einfach mal unter Teleskopselbstbau bei Teleskop-Express, oder bei AstroShop oder APM stöbern.
Ich hatte die Wahl zwischen nem billigen Plastikauszug á la SkyLux oder SkyWatcher, oder einem etwas besseren.
Es sollte aber einer mit Zahnstange werden.
Natürlich gibt es noch andere Hersteller, aber der Preis entscheidet dann auch.
Wer mag kann ganz mutig direkt in China einfache Okularauszüge bestellen. Ich verweigere mich dem.
Wenn man abseits der "Fertig-zu-Kaufen" Pfade unterwegs ist, und als ATM (Amateur Telescope Maker) muß man immer Anpassen.
Dann kann man schon mal einen Newton-Auszug an einen Refraktor anpassen.
Aber Wolfi von TS oder Steffen Noack, GreatStar bieten ja auch individuelle Anpasslösungen.

Ansonsten, hier die Kommunity mal fragen, was so geht und gibt. Kanibalisieren von anderen Teleskopen geht natürlich auch.

Grüsse,
Martin
 
Hallo Martin,

Danke für die Info. Eigentlich habe ich dort auch alles durchstöbert. Aber etwas wertiges direkt auf meinen 70er Tubus (klassisch mit den 3 Schrauben um 120 Grad versetzt.. ist im Prinzip Skylux art) konnte ich nicht finden. Vielleicht sollte ich dort mal direkt anfragen.

Viele Grüße Mark
 
So, noch mal ein bischen justiert.....
Mit Laser in Autocollimation den Auzug fixiert und schon mal die Optik ausgerichtet.
14_38_27.jpg

Jetzt muß nur einer die Sterne herbeirufen.

Frohes neues Jahr!

Martin
 
1000 Dank an Denjenigen, der gestern, hier im Norden, ein paar Wolkenlücken gezaubert hat.

So konnte ich den Refraktor auf der NEQ-3 mal aufbauen. (Die NEQ3 kämpft mit dem langen Hebel und "adipösen" 3,6kg!)
Kurzum, der Tubus ist zu lang, um mit dem Zenit-Spiegel und dem Baader-Plössl 32mm sicher in den Fokus zu kommen.
Der Auszug geht auf den vorderen Anschlag.
Super passt das mit dem Prisma.
Die gemessenen Abstände liegen nur 2mm von den konstruierten Abständen entfernt.
Ich werde den Tubus um 3mm kürzen, damit ich etwas Luft nach Vorne für die Benutzung mit einem Zenit-Spiegel habe.

Abgesehen von Reflexionen an den noch blanken Aluadaptern für Objektiv und OAZ, ist alles schön zentriert.
Beugungsringe konzentrisch, keine Verspannung und der Anblick der Monsichel, Venus, Saturn und Jupiter war eine Wonne.

Nach dem Abschneiden, kommen die Blenden und das Schwärzen von innen dran.
Ihr werdet sehen.

Grüsse aus dem Norden!

Martin

P.S. Heute kein Foto!
 
Nix getan, aber zeichnerisch das Projekt auf die Neuzeit bei CAD/CAM geholt:
FreeCAD 1.0
Screenshot .png

Das betagte CADAM von Dassault kann dann langsam mal in Rente.
Außerdem ging das mit FreeCAD schneller. Mußte ich mir aber erst mal beibringen.
Bin gespannt wie das dann mit Ableitungen für Fertigungszeichnungen dann geht.

Grüsse aus dem Norden!

Martin
 
Update:
Blenden aus schwarzem Phutokarton mit Schneidezirkel geschnitten.
Mit Lack wetterfest gemacht und mit 3 kleinen Rundhölzern verklebt.
Holzstäbe grundiert und alles mit schwarzer Abtönfarbe eingepinselt.
Tubus mit Velourfolie ausgekleidet. Diesmal in einem Stück!!!
Danach: Tubus polieren, Adapterstücke polieren und Zusammenbau.
P1080700.JPG
P1080706.JPG
P1080703.JPG


Bleiben Sie dran!

Grüsse aus dem Norden!

Martin
 
Update:
Blenden aus schwarzem Phutokarton mit Schneidezirkel geschnitten.
Mit Lack wetterfest gemacht und mit 3 kleinen Rundhölzern verklebt.
Holzstäbe grundiert und alles mit schwarzer Abtönfarbe eingepinselt.
Tubus mit Velourfolie ausgekleidet. Diesmal in einem Stück!!!
Danach: Tubus polieren, Adapterstücke polieren und Zusammenbau.
Den Anhang 463138 betrachtenDen Anhang 463139 betrachtenDen Anhang 463140 betrachten

Bleiben Sie dran!

Grüsse aus dem Norden!

Martin
Hallo Martin,

Wie hast du den Tubus in einem Stück ausgekleidet?

VG Mark
 
Hallo Mark,

ja, das war schon eine tricky Sache.
Ich wende immer den Trick an und sprühe das Rohr und die Folie (an der Klebeseite) mit reichlich Fensterreiniger ein.
Auf der Homepage von dc-Fix steht nur mit Wasser, aber Fensterreiniger klappt besser.
Zuvor die Folie ein, zwei Tage mit der Velourschicht aufrollen, damit sie schon die richtige Krümmung erhält.
Wenn alles tropfend eingesprüht ist, muß man zügig arbeiten.
Die Folie mit einer 1cm Überlappung als Zylinder leicht vorne und hinten kurz andrücken.
Dann die Folie noch mal einsprühen und ohne Stop in den Tubus einschieben. Wenn man zwischendurch anhält, kann es sein, das man nicht weiterschieben kann. Dann alles noch mal raus und wieder einsprühen.
Wenn es geklappt hat kann man die Velourfolie langsam und geduldig noch gut verschieben, dirch den Film aus Fensterreiniger.
Ist die Folie richtig positioniert, rolle ich mit einem Besenstiel noch mal drüber. Über die ganze Tubuslänge.

Bei meinem großen Refraktor 102/F15, der ein 100mm Rohr hat, habe ich das noch nicht so hinbekommen. Das waren es zwei Stücke, auch weil die Folie nicht lang genug sind.

Die Folie hat ohne die Schutzschicht für die Klebeseite eine Dicke von 0,4mm. Das sollte man bei der Längenberechnung / Abwicklung berücksichtigen.

Gutes Gelingen, oder nur kurze, schnelle Teleskope bauen.

Grüsse aus dem Norden!

Martin
 
Hallo Mark,

ja, das war schon eine tricky Sache.
Ich wende immer den Trick an und sprühe das Rohr und die Folie (an der Klebeseite) mit reichlich Fensterreiniger ein.
Auf der Homepage von dc-Fix steht nur mit Wasser, aber Fensterreiniger klappt besser.
Zuvor die Folie ein, zwei Tage mit der Velourschicht aufrollen, damit sie schon die richtige Krümmung erhält.
Wenn alles tropfend eingesprüht ist, muß man zügig arbeiten.
Die Folie mit einer 1cm Überlappung als Zylinder leicht vorne und hinten kurz andrücken.
Dann die Folie noch mal einsprühen und ohne Stop in den Tubus einschieben. Wenn man zwischendurch anhält, kann es sein, das man nicht weiterschieben kann. Dann alles noch mal raus und wieder einsprühen.
Wenn es geklappt hat kann man die Velourfolie langsam und geduldig noch gut verschieben, dirch den Film aus Fensterreiniger.
Ist die Folie richtig positioniert, rolle ich mit einem Besenstiel noch mal drüber. Über die ganze Tubuslänge.

Bei meinem großen Refraktor 102/F15, der ein 100mm Rohr hat, habe ich das noch nicht so hinbekommen. Das waren es zwei Stücke, auch weil die Folie nicht lang genug sind.

Die Folie hat ohne die Schutzschicht für die Klebeseite eine Dicke von 0,4mm. Das sollte man bei der Längenberechnung / Abwicklung berücksichtigen.

Gutes Gelingen, oder nur kurze, schnelle Teleskope bauen.

Grüsse aus dem Norden!

Martin
Hallo Martin,

Danke für die ausführliche Beschreibung. Das klingt nach echt viel "Fingerspitzengefühl". Wenns nicht klappt kommt sicher Frust als Ergebnis raus.

Viele Grüße Mark
 
Da ich gerade den Tubus mit dem Schwingschleifer und einem Polieraufsatz auf Hochglanz trimme, mal eine Frage an die Klassiker-Sammler:
Hat jemand eine Taukappe für einen 76 Towa oder Weltblick über?
Ich glaube auch die Taukappe vom 80/1200 ginge auch.
Das Gewinde auf dem Objektiv ist wohl ein M108 mit einer Einser Steigung also M108x1.
Hie mal ein Bild von der Fassung,
P1080596_Masz.jpg

Aber "Vorsicht", ich habe vor die Taukappe auch auf blankes Aluminium zu polieren.
Sie wird nicht im Orginalzustand für eine Restauration benötigt.
Nachtrag:
Auch gerne etwas verbeulte Taukappen gingen. Dat richte ich wieder.

Bevor ich iregendeine olle Konservendose oder was anderes aufwändig bearbeiten muß.
Das wäre super.

Frostige Grüsse aus dem kalten Norden!
-7,4°C uns KLAR!!!!

Martin
 
Zuletzt bearbeitet:
So, nochn update und "fast" Abschluss:
Die Blenden wurden nach dem Fit-Check moch mit Black-Mousse noch schwärzer als mit der schwarzen Abtönfarbe.
P1080707.JPG

Der Objektivadapter wurde wieder mit Boldt Black Edition 2K eingeklebt.
P1080708.JPG

Danach wieder mit dem Kollimator wie in #9 alles justiert.
Und so sieht der "reformierte" Refraktor jetzt aus.
Auf der EQ3.
DSC_2888.JPG


Was soll ich sagen:
Es ist eine Freude mit dem Refraktor zu beobachten. Heute Venus, Jupiter und Aldebaran.
Saubere Darstellung der Venus mit dem 12mm Vulcano von Celestron bei 100x. Ein leichter Ansatz von einem blausaum.
Aber die Abbildung scharf, konturiert und die Sichel bis in die Spitzen sauber.
Erst mit dem 6mm Baader oder dem 6mm Celestron Othos was der blaue Saum aufdringlich, doch das Bild immer noch scharf.
Wobei das Celestron etwas mehr ins grüne tendierte.
Auch mit dem 5mm LV von Vixen war das Bild außerordentlich.
Jupiter zeigte sich in warmen Tönen außerordentlich kontrastreich.
Der rote Fleck kam um die Ecke und war gut zu erkennen. Mit dem Baader 6mm immer noch klar abgegrenzte Wolkenbänder und deutlich.
200x bei 76mm Öffnung ist schon eine phantastische Leistung für einen Achromaten aus alten Tagen.

Was fehlt, ist eine anständige Taukappe, die auch hochglanzpoliert sein muß.
Die Pappröhre von einem Single Malt Whisky tut es zwar auch, aber.....eine orginale Taukappe wäre der Traum!

Bis zum näachsten Bericht.

Grüsse aus dem Norden!

Martin
 
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