Hallo zusammen,
in der Planetenbeobachtung bin ich erklärter "Filterschrauber" und möchte hier meine Erfahrungen am schnellen FH und Spiegelteleskop zusammemnfassen.
Zunächst der schnelle FH (Skywatcher 80/400):
1. Ohne Farbfilter wirkt der Farbfehler am Jupiter auf mich wie die Betrachtung eines alten, vergilbten Fotos: Alle Details, die ich von farbreinen Systemen vergleichbarer Öffnung kenne, sind sichtbar, nur wesentlich blasser. Ich muss genauer und etwas angestrengter Beobachten, um alle Strukturen zu sehen als beim Spiegel. Den Blausaum nehme ich eigentlich nur wahr, wenn ich bewusst darauf achte. Wenn ich mich auf Details der Oberfläche konzentriere, blende ich die Umgebung komplett aus.
1.1: Graufilter dämpfen das Licht farbneutral und erzeugen bei schwachen Vergrößerungen einen angenehmeren Anblick. Der Detailgewinn ist auf reduzierte Überstrahlung zurückzuführen.
2. Grünfilter bringen absolut nichts. Das Zielobjekt erscheint grün und der Farbsaum ebenfalls grünlich. Monddetails sind meinem Eindruck nach so sogar noch schwerer zu erkennen als ohne Filter. Am Jupiter habe ich den Grünfilter mit dem 80/400 daher nie ausprobiert.
3. Gelbfilter sind ein echter Gewinn. Der Blausaum wird komplett abgeschnitten und der Kontrast gesteigert.
Am Spiegelsystem (8'' SC und Skywatcher 90mm Mak) sieht es völlig anders aus:
1. Ohne Filter sieht man natürliche Fraben, manche Details werden wie beschrieben mitunter überstrahlt.
1.1: Graufilter siehe oben.
2. Grünfilter bringen zwar einen allgrmeinen, leichten Schärfegewinn, aber keinen wirklichen Gewinn an Details. Das liegt meiner Vermutung nach daran, dass das Auge im grünen Spektralbereich am empfindlichsten ist.
3. Gelbfilter bieten eine allgemeine Kontraststeigerung, aber sonst wenig.
4. Der Gelborange-Filter ist mein persönlicher Standard-Filter. Er erhöht die Schärfe deutlich und der Kontrast- und damit Detailgewinn ist am deutlichsten.
Abschließend würde ich mich der Meinung anschließen, dass das hier zu Grunde liegende Teleskop (120/1000 FH) kein ideales Planetengerät ist. Der Farbfehler ist mit meinem 80/400 vergleichbar. Für einen "Hauptamtlichen" Deep Sky- oder Großfeld-Beobachter, der gelegentlich einen Blick auf Mond und Planeten werfen möchte, mag es aber ohne Weiteres genügen. Ich schließe mich der Einschätzung von Bino-Tom auf seiner ehemaligen Website an, dass es ein "Allrounder mit Farbfehler" ist.
Für Planeten würde ich immer einen Newton oder Mak empfehlen.
CS, Christian