Refraktor, 2 - oder 4 Linsen, was ist besser?

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Sondermann66

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Guten Tag zusammen,
ich möchte mir gerne einen Refraktor zulegen und bin in dieser Hinsicht auch unumstößlich.
Nun stellt sich jedoch die Frage, welcher Refraktor der bessere wäre, einer mit 2 Linsen (152mm/ 1200mm) , welcher aber garantiert durch einen Fachmann justiert wurde, oder einen 4 Linser 152mm/760mm (um genau zu sein, hierbei handelt es sich um den Meade 152/760 LXD)?
Um die Frage vorweg zu nehmen, was ich damit denn sehen will: alles, wie jeder Anfänger. Planeten, nachdem ich gestern Abend den Saturn gesehen habe, und auch DeepSky, mit der Option, später auch mal damit fotografieren zu wollen, wenn es das Budget und der Familienrat erlaubt.
Danke für die Antworten,
Sven
 
Hallo Sven,
dazu müsste man noch wissen, was das andere für einer ist.
Dann kann man u.a. vergleichen, welcher den geringeren Farbfehler liefert.
Danach würde ich auswählen bei Deinem Einsatzzweck.
Kannst Du nicht mal beide nebeneinander vergleichen?

Wenn Du damit fotografieren willst, musst Du einplanen sie auf eine massive Montierung zu packen bei dem Gewicht/Hebel (ca. EUR 2000-4000).
 
Hallo Ralf,
es ist ein baugleicher Refraktor wie der Meade 152/1200, FabrikatBosma, aber eben sehr gut justiert. Dieser wurde mir von dem Verkäufer ans Herz gelegt als Allrounder.
Das mit der Montierung kann ich nachvollziehen, da ich zur Zeit mit einem kleinen 80/500 Refraktor, welche auf einem Videostativ steht.
Gedacht hatte ich, da gerade noch für mich bezahlbar, an eine EQ5 mit GoTO, da ich noch so unbedarft bin, das ich nur weiß, wo ich den Saturn finde. 2000-4000€ sind definitiv der Rahmen, welcher den Hausfrieden sprengen wird. Vielleicht doch nur Kurzzeitfotografien?!

Ein Vergleich geht leider nicht, da die Stecke zwischen Händler und meinem zu Hause 7.39916e-11 Lichtjahre beträgt.

Viele Grüße
Sven
 
Hallo Namensvetter,

wenn ich das richtig sehe sind beide Refraktoren im Prinzip Achromaten, auch wenn man beim 4-Linser so Petzval oder sonstwas hört, da geht es nur um fotografische Feldebnung und marginales drehen am Farbfehler. Das bringt es nicht!

Entweder man gibt sich mit dem spürbaren Farbfehler zufrieden, der kräftiger ausfallen dürfte als beim 80/500, oder man entscheidet sich für eine andere Teleskopbauart mit weniger oder keinem Farbfehler.
Bei derart stark mit Farbfehler behafteten Optiken muss man sich um die Justage auch nur dann Gedanken machen, wenn man mit einem Linienfilter beobachtet und da optimale Sternpunkte haben will - ansonsten fällt das gar nicht auf.

Wenn ich mir betrachtem dass ein Budget von 2000 bis 4000 Euro anliegt, stelle ich mir die Auswahl nicht zu schwierig vor. Man muss nur wissen, welchen Schwerpunkt die Sache haben soll.
Goto zum Beispiel kostet viel Geld, aber was bringt es wirklich? Saturn findet man ohne Goto indem man zu passender Jahreszeit die 5 hellstern Gestirne anpeilt - irgendwann begreift man auch, wie man den sofort mit bloßem Auge identifiziert. Will man sowieso bei dem Hobby nichts dazulernen, gut dann muss es ein Fire&Forget-Teleskop mit Goto und GPS sein. Nur wird man auch damit nicht drumrum kommen sich so einigen Herausforderungen zu stellen.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Sven (Sondermann),

also wenn es der 152/1200 sein soll, so wäre eine EQ5 ziemlich ausgelastet - naja eher überlastet. Der Preis für diesen Achromaten finde ich okay, aber eben nur für einen Achromaten. Ein Blick in Richtung Newton ist finanziell entspannender (250€) und als 150/900 wesentlich universeller, als der 152/1200 Achromat. Außerdem passt dieser Newton auf eine neue EQ5 und lässt sich dort auch betreiben.

Es mag meine Vorliebe sein, aber einem langen Linsenfernrohr konnte ich aus Benutzersicht nie viel abgewinnen. Je weiter Richtung Zenit, desto schwerer war mit einem Sucher umzugehen. Das Teleskop mag einen Zenitspiegel haben, aber ich peile gerne die Sterne an (Leuchtpunktsucher, aber auch im 8*50 Sucher).

Wenn du dich als unbedarft darstellst, so geht mein erster Gedanke immer Richtung Newton, wenn es mehr Öffnung sein soll. Der hat seinen Okularauszug oben, den Sucher daneben, ist preiswert, optisch dem obigen Achromaten wenigstens ebenbürtig - ohne dass ich jetzt den Bosma 152/1200 vom Durchgucken kenne.
Bei einem Newton 150/900 kannst du auch ein großes Gesichtsfeld erreichen, was das Auffinden stark vereinfacht - schnon mit 1,25" und 32mm geht da was. Bei 1200mm Brennweite würde ich per se zu einem 2" Okular greifen wollen. Was der Newton übrigens auch könnte und damit tendenziell in Richtung Übersichtsbetrachtung geht.

Der Haken, den 150/900 Newton bekommst du nicht beim gleichen Händler, wie den 152/1200 Bosma. ;)

CS,
Stefan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Stefan,
zuerst danke für Deine Antwort.
Ein Refraktor sollte es deshalb sein, weil ich das Einstellen eines Fangspiegels etc. vermeiden will. Da gehöre ich eher zu der Gattung: Aufstellen, anvisieren, sehen. Dann aber mit Ruhe.
Und hinzu kommt, da Frau und Kinder vorhanden sind, es muss alles relativ spontan gehen. Soll heißen, es ist nicht immer planbar, das ich mal
kurz (?!) rausgehe und Sterne gucke. Bei einem Newton lese ich immer, das eine Auskühlzeit sein sollte.
Auch weiß ich nicht, ob ich genügend Geduld mitbringe, um das Newton zu drehen, wenn ich mal eine andere Perspektive, ein anderes Bild am Himmel sehen will. ( Oh Gott, ich hoffe, jemand weiß, was ich meine...) Eben drehen, falls ich einen anderen Einblickwinkel brauche. ( Glaube ich auch gelesen zu haben...)

Grüße
Sven
 
Hallo Sven,

das Drehen eines Newton-Tubus ist zumindestens auf eine parallaktischen Montierung mitunter notwendig. Das auskühlen gilt für alle optischen Systeme - auch ein 6" Achromat wird da seine Zeit benötigen.

Das mit dem spontanen Gucken kenne ich sehr gut und bin bei kleinen Systemen geblieben. Ich weiß jedoch nicht, wie spontan es bei dir aussieht und wie lange du im Schnitt dann draußen bist.

Wenn du gerade den 80/500 vom gleichen Händler verwendest, dann ist das ein großer Unterschied. Ich verwende einen 80/400 auf einem Fotostativ und da gehe ich nur einmal raus und habe alles dabei. Das Teil muss kaum auskühlen und ist auch am Stück wieder reingebracht. Wenn es statt deines 80/500 jetzt 152/1200 sein wird, so wird es nicht mehr am Stück gehen.

Zu den optischen Gegebenheiten: Ja ein Newton sollte hin und wieder justiert werden. Sich etwas in den Kopf gesetzt zu haben (haben-will-Faktor) respektiere ich, aber dabei sollte man nicht Dinge übersehen, welche später da sein werden.

CS,
Stefan
 
Hallo Sven,
Deine Anforderungen passen nach meiner Meinung wirklich nicht zu Deiner Gerätewahl. Der 152er Refraktor (egal welcher) braucht garantiert länger zum auskühlen als ein 150/750er Newton.
Die Justage ist garnicht so wild, beim Newton kann man es wenigstens selber machen! Einmal getan hält das eigentlich ewig, wenn Du das Scope nur vorsichtig aus dem Haus und wieder rein trägst. Btw: was man gelegentlich justiert, ist der Hauptspiegel.

Wenn Dich das Tubus rotieren stört, ist wohl wirklich eine azimutale Montierung alá Giro oder AYO angesagt. Dort ist das nicht nötig.
Schneller kommt man nicht zum beobachten und es ist sogar preiswerter. Eine parallaktische Monti, wie oben erwähnt, muss erst aufgestellt und ausgerichtet werden.
 
Hi Nochmal,

tja, ich denk auch, ein Newton 150/900 und zwar dann für die spontane Beobachtung als Dobson (Rockerbox Alpha) wäre wohl eher die Lösung.
Klar will man das im ersten Moment vielleicht nicht wahrhaben, die Praxis bringt es aber an den Tag. Deshalb: Beobachtergruppe aufsuchen, Geräte im Dunkeln kennenlernen! Vor dem Kauf!

Clear Skies
Sven
 
Hmm, noch mal,
Ihr macht es einem durch gut argumentierte Antworten nicht gerade einfach. Da hat man sich etwas in den Kopf gesetzt, Händler befragt, auch zu verschiedenen Modellen, jeder fand die seinen superklasse, und jetzt das...
Gut, ich werde tief in mich gehen, mal sehen, ob´s hier in der Nähe auch Sternengucker gibt, und mich mal über die verschiedenen Modelle schlau machen.
Gibt es denn zu den Newton´s inkl. Montierung firmen- + modelspezifische Empfehlungen, die in der Leistung gleichwertig meiner genannten Forderung sind?
Viele Grüße und vielen Dank
Sven
 
Hallo Namensvetter,

äh... da müssen wir dann ja die machbare Leistung herabsetzen ;)

Okay, also mal ab von dem Händlermurks und der Refraktoraura, was gerne zu teuren Paketen zusammengemischt wird.

1. Du hast hier Achromaten als Refraktoren gewählt. Die haben ein kräftiges Leistungsdefizit durch den angeborenen Farbfehler, was bei großer Öffnung und relativ kurzer Brennweite voll zum Tragen kommt. Bei 150mm Öffnung bräuchte man sowas um f/30 damit ein Achromat wenig (keinen unsichtbaren) Farbfehler hat. UFF! Selbst als Faltrefraktor ist das lang und schwer und nicht besonders Vielseitig.
150/750 oder 150/1200 sind als Achromat daher eingeschränkt und zwar immer dann wenn der Farbfehler sichtbar wird (Ästhetik) und/oder die Bildqualität herabsetzt. Das gilt für alles, was hoch vergrößert wird mit wenigen Ausnahmen. Betroffen sind also Planeten, Mond, Sonne (im Detail), (Kugel-)sternhaufen und Sterne wenn sie hell genug sind. Weniger betroffen sind planetarische Nebel und alles was mit niedriger Vergrößerung beobachtet wird. Das heißt seine Stärken spielt ein 150/750 aus, wenn man damit bei schwacher Vergrößerung Nebel beobachtet, weil hier der Farbsaum um helle Sterne nur wenig vergrößert wird, also wenig stört oder unbeobachtet/unbeachtet bleibt und weil Nebel vom Auge praktisch nur im grünen Licht wahrgenommen werden (was nicht heißt, dass man alles grün sieht).

2. Ein Newton hat bauartbedingt eine Obstruktion. Die setzt grob gesagt den Bildkontrast herab (indem Sie den 1. Beugungsring um jeden Stern oder jeden "Bildpunkt" aufhellt). Relevant ist das bei Objekten mit schwachem Kontrast. Namentlich mal Jupiters Pastelltöne. Die Auswirkung ist Thema mancher Diskussion, man kann aber sagen, dass unter 20% Obstruktion (bezüglich des Durchmessers, nicht der Fläche) die Sache selbst im direkten Vergleich kaum wahrnehmbar ist. 30% oder mehr lässt sich sehen. Im Vergleich zu einem Vollapo, also einem Refraktor ohne Farbfehler (der bei 150mm Öffnung ein Geld kostet, über das wir hier gar nicht reden).
Bedingung seitens des Newtons ist: Man muss damit um können! Das heißt im Detail, dass man das Gerät sauber justieren muss, taugliche Okulare einsetzt, je nach Produkt mal für 20 Euro noch "nachbastelt" und dass man sich auch darum kümmert, dass das Ding keine schädliche Thermik hat. (Wird beim Refraktor gern vergessen: die großen Thermopenfenster kennen das Problem auch.)

Nun zur eigentlichen Frage: Es gibt da wegen der Obstruktionsgeschichte den Kontrastdurchmesser. Ziemlich handhabbar definiert: Optikdurchmesser minus Obstruktionsdurchmesser.
Was sagt das aus? Na in etwa, dass Jupiters Pastelltöne in einem 150/900 mit 40mm Fangspiegel so gut aussehen, wie in einem 110mm Vollapo. Also Achtung: Ein 150/1200 Achromat ist kein Vollapo (und ein 150/750 erst recht nicht). Der schneidet dank Farbfehler noch viel übler ab, wenn man ein entsprechendes Objekt betrachtet. Kleines Schmankerl, was der Kontrastdurchmesser NICHT aussagt: Die Auflösung geht NICHT auf die einer 110mm Optik zurück, bei kräftigen Kontrasten behält der Newton die Auflösung seiner Öffnung, ja wenn die Optik gut beherrscht wird, dann ist die Optik sogar bei bestimmten Detailgrößen etwas kontrastreicher als sie ohne Obstruktion wäre - das ist der Effekt wenn zwei Details grad den Abstand haben wie 1. Beugungsring und Beugungsscheibchen. Dann verstärkt der Beugungsring das Detail noch.

Somit also ist unter den genannten Bedingungen der von mir vorgeschlagene 140/900 Newton optisch beiden Achromaten-Varianten 150/750 und 150/1200 mehr als gewachsen. Echte Leistungsunterschiede gibt es nur im maximal beobachtbaren Himmelsausschnitt. Der ist bei 750mm Teleskopbrennweite einfach größer, bei 1200mm aber auch entsprechend kleiner. Konkret geht es um 3,6° bei 750mm gegenüber 3° mit 900mm und 2,2° mit 1200mm Brennweite die ein 2" Okular mit maximalem Feld zeigen würde (z.B. ein 41mm Panoptic).

Was die Deepsky-Fotografie angeht, ist ein Achromat eine recht undankbare Lösung, hier stört der Farbfehler denn doch sehr stark. Ein 150/900 Newton wäre als Allrounder schon ganz gut geeignet. Ein 150/750 Foto-Newton würde das natürlich toppen, auf kosten der visuellen Leistung und der Ansprüche, die ein schnelles Öffnungsverhältnis von f/5 natürlich an das restliche Equipment, vor allem die Okulare, stellt.

Nun ist, um mal diesen Beitrag zum Abschluss zu bringen, so ein Newton 150/900 so erschreckend preisgünstig zu haben, das man angesichts des Budgets eigentlich gleich auf einen 8" Newton setzen müsste. Kann man aber auch lassen. Ich würde eher empfehlen, mit einem Dobson anzufangen (wobei dabei 150/900 oder 200/1200 dem eigenen Schleppwillen überlassen ist), um dann später für die Fotografie gezielt weitere Ausrüstung zuzukaufen. Für 1000 Euro ist so ein Dobson schon üppig mit Okularen bestückt und man hat dann ein Restbudget, das man nach so ein, zwei Jahren Wartezeit gemütlich mit speziell fotografisch ausgelegtem Material umsetzen kann.

Clear Skies
Sven
 
Guten Tag Sven,
also das nenn´ich jetzt ml einen Beitrag! Vielen Dank. ( auch die anderen Beiträge möchte ich nicht schmälern! )
Ich werde mich mit der gesamten Thematik nochmals deutlich auseinandersetzen und werde mich dann entscheiden.
Ein schönes Restwochenende
Sven
 
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