Hallo nochmal, Gerd.
Noch was zum Thema Bedeutung der Glassorten und den Grenzen meiner überschlägigen Berechnungen zu annähernd perfekter Farbkorrektur, deren ich mir bewußt bin - ich bin ja kein Optikrechner. Du wirst das alles viel genauer und auch in jedem konkreten und komplexen Fall beziffern können, ich niemals.
Ich hatte diese groben Beispiele nur angeführt, um einmal die relativ engen Zonen zu veranschaulichen, und die Lage der Grenzverläufe zu benennen, bis zu deren "Rändern" man eine anspruchsvolle (fotografische) Farbkorrektur mit vertretbarem Aufwand prinzipiell noch erwarten kann. Das geschah nicht in der Überzeugung, hier irgendwelche absoluten Grenzen anzugeben, die es nicht gibt.
Bei der Gelegenheit hätte ich noch eine Frage, bzw. einen Vorschlag, zum Thema "Abschätzen des Farbfehlers mit überschlägiger Berechnung des RC-Wertes" für optische Laien wie mich:
Um sich ein schnelles Bild davon zu machen, wie gut der Farbfehler eines Refraktors bei bestimmten Kenndaten bestenfalls korrigiert sein kann, berechne ich zunächst einfach überschlägig per Näherungsformel den RC-Wert eines entsprechenden Achromaten gemäß:
RC = 0,458 x Öffnung in mm/Öffnungszahl
Ausgehend davon wende ich dann zur Abschätzung der Farbqualität eines ED oder Apo-Objektivs noch einen weiteren Korrekturfaktor an, der von der Glaspaarung und der Bauart des Objektivs abhängt - der aber leider nicht sehr genau sein kann, sondern mir nur in relativ weiten Intervallen geläufig ist. Aber vielleicht könntest Du mit einer Liste genauerer Faktoren bzw. eingerer Intervalle für bestimmte Objektivauslegungen bzw. Glaspaarungen hier weiterhelfen.
Beispiele, wie ich das meine.
Wenn ein Voll-Apo (RC ca 1,0 plus minus wenige Zehntel) ein maximal möglich korrigiertes Objektiv hat, kann man im besten Fall von einem maximal möglichen Verbesserungsfaktor durch dieses Objektiv von etwa dem 5 - 6 fachen ausgehen, um den es den Farbfehler vermindern kann. Wenn ich mal Dein letztes Beispiel des 130 f/9,2 nehme, z.B. RC = o,458 x 130/9,2 = ca. RC 6,5 für den äquivalenten Achromaten, geteilt durch Verbesserungsfaktor 6 (gehen wir an die max. Grenze des Intervalls) = ergäbe ca. RC 1,1 für diesen Apo
Für ein ED Doublett liegt das Verbesserungspotential m.W. nur in einem Bereich vom etwa 2,5 - 3,5 fachen. Beispielsweise hat der bekannte Volksapo RC 1,8 (glaube ich jedenfalls) d.h. gemäß 0,458 x 90/7,5 = RC 4,88 und das geteilt durch die 1,8 ergäbe hier einen Verbesserunsfaktor durch dieses Objektiv von ca 2,7
Für das FPL51 Doublett des Skywatcher 72/420 hattest Du mal RC 1,72 ermittelt, da entspräche das Verbesserungspotential 0,458 x 72/5,8 geteilt durch 1,72 dann sogar
einem Faktor von fast 3,3
Für das bekannte ED Doublett 100 f/9 liegt der RC glaube ich bei ca 1,7 (?) was einem "Objektivverbeserungsfaktor" von ca. 3 gleichkäme.
Bei den neueren ED-Doubletts mit Lanthanpartnerglas kann der Faktor sogar bei glaube ich 3,5 liegen...
Usw.usf.
Es wäre daher hilfreich, wenn Du beispielhaft zur Leistungsfähigkeit bestimmter Glaspaarungen bzw. Objektivtypen, für den jeweiligen Verbesserungsfaktor vielleicht engere Intervalle bzw. ein wenig genauere Faktor-Angaben machen könntest, als ich dazu in der Lage bin.... Die Faktoren oder Intervalle müssen ja nicht auf's Prozent genau perfekt RC-Werte liefern und auch nicht für jede einzelne Glaspaarung - auf 10 bis 20 Prozent genau und jeweils für bestimmte Objektivbauarten, das würde doch schon reichen und könnte manchem bei der Auswahl weiterhelfen, finde ich, oder?
Gruß,
Mathias