Reparatur, Umbau, Modding eines Meade 16" ACF

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

astro_ebi

Aktives Mitglied
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Eberhard,

wir stehen ja schon lange im freundschaftlichen Kontakt und haben uns die Sache mit den Linearlagern schon einige male durch den Kopf gehen lassen.
Von daher kann ich sagen, daß dieser Umbau absolut seriös und nicht nur im Elfenbeinturm erdacht und umgesetzt wurde. Du hast einiges an heftiger Kritik einstecken müssen, als Du das erste mal Deinen Bericht über die SCT-Optimierung hier in diesem Forum vorgestellt hast. Ich hoffe die Kritiker verstummen, wenn Du deine ersten Planetenfotos nach der Optimierung hier vorstellt.

Ich kann Dir an dieser Stelle nur herzlich zum gelungenen Projektabschluß gratulieren. Entgegen aller Theorien und Sagen, bauen wir mittlerweile unsere SCT's schon fast mit Akkordgeschwindigkeit auseinander und justieren sie. Und fragen uns, wieso man in China so lange braucht ;-) Und die Ergebnisse am Stern zeigen selbst bei Höchstvergrößerung nicht einen Hauch von Astigmatismus. Es ist nur selbstverständlich, daß man dann versucht die Fokussierung stabiler zu gestalten. Ich persönlich habe das Projekt Truss-Tubus noch auf dem Schirm. Und Du weißt, daß ich da prototypisch gerade die ersten Vorbereitungen treffe. Auf jeden Fall werde ich - sofern es mir gelingt das Blendrohr ohne Verschleiß aus dem Tubus zu lösen - den selben Weg einschlagen und Linearlager verwenden.

Nach dem was uns hier gezeigt wird, ist die Frage allerdings berechtigt, wie resistent die Teleskophersteller gegen solch einfache Lösungen sind, die schon seit 20..30 Jahren möglich sein sollten. Und wenn ich mir die Historie unserer Telefon und Mail-Kontakte mit dem Meade-Service durch den Kopf gehen lasse, frage ich mich, wer eigentlich bei wen anrufen sollte, wenn etwas nicht klappt. Es ist leider so und gerne schreibt man sowas ja nicht. Und das ist keine Polemik.

Etwas Polemik noch. Ich hoffe, daß Du den großen Optec Focuser nun mehr als nettes Gegengewicht ansehen kannst. Mit Deiner neuen Fokussteuerung (mit kombinierter Lüfterregelung und Temperaturerfassung) und der nun sehr geringen Fokusshift kannst Du getrost den Optec für andere Projekte verwenden.

Ans Forum ... bevor jetzt wieder der übliche Steinschlag losgeht: Ich denke an dem Umbau gibts nicht zu zweifeln. Der Mann ist seit mehr als 30 Jahren aktiver Amateurastronom und weiß was er da gemacht hat.

Beste Grüße,
Gerrit
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Eberhard,

wirklich Klasse gemacht und sehr schön dokumentiert. Es ist schon verwunderlich wieso der oder die Hersteller jahrzehntelang mit den gleichen Anfälligkeiten produzieren ohne was zu ändern. Wie Gerrit schon sagte, der Service wird da wohl nie gefragt.

Nach der Rotationsmethode hab ich übrigens auch mein TAL 250K justiert. Diese Methode ist absolut zu empfehlen.

Viel Spaß mit dem Gerät!
Hans
 
Hallo Hans, hallo Gerrit!

Danke für das netten Komplimente!

Gerade für diesen Erfahrungsaustausch ist doch das Forum da, ich freue mich immer über jede sachliche Diskussion zu diesen Thema...

Die Kernfrage ist doch, ist der Zusammenbau der mechanischen Elemente in der Produktion richtig. Ich bin ein Zweifler, dass Schmidtplatte, Hauptspiegel und Fangspiegel immer eine bestimmte Position haben müssten. Ist Alles auf der optischen Achse zentriert, spielt die Position (nachweislich) keine entscheidende Rolle. Eine Ausnahme bildet dabei natürlich der optischer Astigmatismus, Spiegel und Schmidtplatte sind wichtige, optische Elemente. Dem steht entgegen, das sie inzwischen in sehr hoher Qualität angefertigt und verbaut werden.

Der axiale Astigmatismus bleibt immer noch ein großes Kernproblem. Man kann feststellen, dass die mechanischen Abweichungen durch Versatz des Fangspiegels und der Schmidtplatte schon in der Produktion korrigiert werden, dadurch aber eben auch der axiale Astigmatismus im System begünstigt wird. Die Folge ist Koma und verstärkte, chromatische Aberration, der auch Schärfeverlust bedeutet.

Es kommt für einen einfachen Anwender dazu, das diese Geräte nur sehr schwer zufriedenstellend zu kollimieren sind und diese Unzulänglichkeit richtig nerven.

Der Produktionsaufwand ist höher und verlangt die genauere Justage schon beim Zusammenfügen der mechanisch anfälligen, aber wichtigen Elemente. Da ist auch die Eingangskontrolle und Qualitätssicherung der deutschen Distibutoren gefragt. Evtl. könnte man ja die besseren Geräte als Deluxe-Varianten anbieten. Linearlager sind dabei natürlich das erfolgreiche Sahnehäubchen gegen Spiegelshifting.

Ich freue mich schon in Kürze einen über 25 Jahre alten C11 (orangene Tubus) auf meine Bank zu bekommen und bin voller Spannung, wie er aufgebaut ist. Wenn der Eigentümer nichts dagegen hat werde ich mal im Forum berichten.

LG
Eberhard
 
Hallo Eberhard,

chapeau, muss ich sagen! Sieht sehr gelungen aus und jeder der mal ein SC oder ACF hatte, begreift sofort warum diese Art der Lagerung sinnvoll ist. Die einzige Frage die ich mir stelle ist, ob durch thermische Prozesse - unterschiedlich langsames auskühlen z.B. - nicht Probleme auftauchen. Ich denke da an Probleme mit der Fokussierung oder sogar evtl. ausbrüche der Lager am Spiegel. Oder wie hast du das gelöst?

CS,
Martin
 
Hallo Martin,

danke, es ist wirklich Gelungen!

Die 12mm Passstifte der Lageraufnahme haben einen 20mm Flansch mit M8 Gewindezapfen und sind auf der Aluplatte (zwischen den Federaufnahmebohrungen) verschraubt. Da passiert nichts am Spiegel, Stifte und Lager sind aus VA. Das habe ich alles von Außen montieren können, da ich vorher die Durchlassbohrungen im Hauptspiegelgehäuse des Tubus bereits auf 24mm aufgebohrt hatte. Leider habe ich es verpasst, davon Aufnahmen zu machen. ;( Ich hoffe, du kannst es Dir auch so vorstellen.

Hier ein Bild der Rückseite, mit Aluplatte, Spiegelfeststellung und dem Hauptspiegel:

Link zur Grafik: http://www.poguntkeweb.de/ACF16-06.jpg

Die Lagergehäuse sind ebenfalls von Außen montiert, damit sie besser zum Spiegelgehäuse justierbar bleiben. Das passte aber bei mir schon sehr Gut. Perfekt wäre es natürlich die Fläche zur Blendrohrfläche zu spiegeln, also auf gleicher Ebene zu fräsen. Nach dem positiven Erfolg werde ich die Kugellager noch durch hochgenauere, evtl. verstellbare Gleitlager ersetzen. Die Kugellager haben sich aber jetzt schon bezahlt gemacht.

Link zur Grafik: http://www.poguntkeweb.de/ACF-Lager.jpg

Die großen Druckfedern, die Lager und sonstigen Teile könnten eigentlich alle von Außen montiert werden. Lagerführung und Druckfeder wären nach meiner Vorstellung eine Einheit. Eine dritte Druckfeder würde ich noch im Bereich der Verstellung vorsehen.

Das ist ohnehin viel servicefreundlicher und wäre die Deluxe-Variante des MEADE ACF Tubus.

Vorsehen könnte man diese mechanischen Änderungen und Verbesserungen eigentlich sofort. In der Produktion sicherlich kein großer Mehraufwand, ganz im Gegenteil. Warum z.B. die Druckfedern jetzt vormontiert werden und dann der Spiegel mit Federn von Vorn durch das Gehäuse "gefummelt" werden muß, kann ich nicht verstehen. Ich habe vielleicht andere Vorstellungen von Produktionsabläufen. ;)

Meine eigenen Überlegungen gehen bereits weiter, nicht nur diese Federn von Außen zu montieren sondern sie z.B. durch Gasdruckfedern zu ersetzen. Sie haben genauere Eigenführung und sind in vielen Formen, Varianten und sogar feststellbar verfügbar. :cool:

Aber das führt jetzt in den Überlegungen zu Weit.

LG
Eberhard
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben