helly
Aktives Mitglied
Hallo,
bei meinem 80/480 Triplet von TS hatte ich von Anfang an so meine Zweifel bezüglich des Okularauszuges. Wegen der Kosmetik (Flecken) und der mangelhaft verklebten Stahlschiene (siehe Anhang) hatte ich bei TS reklamiert und nachträglich einen Nachlaß erhalten. Insofern war der Mangel für mich damit erledigt. Der OAZ ließ sich bisher auch ohne Probleme verstellen.
Gestern aber, nachdem ich mein Geraffel mal wieder wegen Umstellung zurück auf OAG zerlegt und genauer unter die Lupe genommen habe, bekam ich fast einen Schock, als ich sah, wie krumm die Stahlschiene auf einmal saß.
Sie hatte sich Richtung Teleskop verschoben, ist über den Anschlag am Auszugsrohr hinaus gerutscht und wurde von der Crayford-Welle derart verbogen, daß sie nun ca. 3mm von der Auflagefläche des Auszugsrohrs abstand. Die Welle und das Auszugsrohr selbst haben zum Glück keine Macke abbekommen.
Also habe ich den OAZ vom Tubus abmontiert und das Auszugsrohr ausgebaut. Das war gar nicht so einfach, weil die Stahlschiene über den Anschlag gerutscht war und sich so beim Ausfahren des Auszugs mit der Welle verklemmte. Rausziehen ließ sich die Stahlschiene schließlich doch, auch wenn die Reste der Verklebung und der Druck der Welle heftigen Widerstand leisteten.
Mit Waschbenzin versuchte ich dann, die Klebstoffreste vom Auszugsrohr und der Stahlschiene zu entfernen. Keine Chance. Der Klebstoff war anfangs, als ich den Refraktor erhielt, noch weich, jetzt war er hart und bröselig und mit Lösungsmittel nicht zu entfernen. Also doch ein Harz und kein lösungsmittelhaltiger Klebstoff. Hat da jemand vergessen, den Härter beizumengen? Und noch was: statt des Klebstoff löste sich dünnes Papier ab. Ähm, wie kommt das denn dahin?
Da das Waschbenzin nicht half, entfernte ich die Klebstoffreste mit 180er Schleifpapier. Dadurch wurden auch gleich die Oberflächen aufgerauht, was eine solidere Verklebung versprach.
Nun zur der verbogenen Stahlschiene. Mit dem Stahlhammer wollte ich diese nicht wieder flach klopfen (Kunstoffhammer habe ich keinen). Dadurch würde sie eher dünner und bekäme Dellen. Im Schraubstock mit Schonbacken aus Kunstoff ließ sie sich nicht völlig plan drücken. Also zuerst mit dem Schraubstock freihand und dann ohne Schraubstock an der Tischkante zurückbiegen. Das klappte zum Glück ganz gut, man darf nur nicht mit zuviel Kraft vorgehen, sonst macht es womöglich schlagartig "Knick" und sie ist noch krummer als zuvor.
Uhu plus endfest 300 ist für mich seit Jahrzehnten der Klebstoff der Wahl, wenn es darum geht, Metallverbindungen für hohe Beanspruchung herzustellen, wenn es keine Möglichkeit zu schrauben, löten oder schweißen gibt. Er ist ein Zweikomponentenklebstoff, besitzt eine Verabeitungszeit von 2 Stunden und kann nach dieser durch Erhitzen auf 180°C in 5 Minuten auf eine Zugfestigkeit von 3000N/cm² gebracht werden. Wird das Erhitzen vor dem Ende der Verabeitungszeit durchgeführt, sollte man darauf achten, daß die zu verklebenden Teile nicht verrutschen können, da der Klebstoff in diesem Stadium durch das Erhitzen zunächst dünnflüssiger wird. Auch verläuft eine zu dick aufgetragene Klebstoffschicht und kann das Material ruinieren.
Hauchdünn habe ich also die Auflagefläche des Auszugsrohrs mit diesem Klebstoff bestrichen und danach die Stahlschiene an ihren angestammten Platz zurückgelegt, leicht angedrückt, auch wenn die Anleitung des Klebstoffes etwas andere rät und minimal hin und herbewegt. Den restlichen Teil des angrührten Klebstoffs nutzte ich dazu, zwei kleine Emailabsprengungen in meiner Badewanne zu flicken und so hoffentlich vor Durchrosten zu bewahren.
Über Nacht lag das Auszugsrohr waagerecht, damit die Stahlschiene nicht verrutschen konnte. Am nächsten Morgen mußte die Verklebung 10 Minuten bei 125°C und Umluft "ertragen", um an Festigkeit zuzunehmen und endgültig auszuhärten. 180°C wollte ich der Lackierung auf der Innenseite des Auszugsrohrs nicht antun. Nach dem Abkühlen ging es dann an den Zusammenbau des OAZs, an dem noch mehr repaiert werden mußte. Diese winzigen Nylonköpfe (~2mm Durchmesser) auf den drei Madenschrauben, die den OAZ am Tubus in einer Schwalbenschwanzverbindung fixieren, halten nicht mehr auf den Madenschrauben und fallen beim Einschrauben der Madenschrauben heraus. Ich Grobmotoriker soll diese kleinen Köpfchen also mit Sekundenkleber an den kleinen Madenschrauben festkleben, damit sie nicht immer wieder herunterfallen? Gesagt, getan, geschwitzt und zum Glück habe ich nicht das Gewinde der Madenschrauben verklebt.
Jetzt funktioniert der OAZ wieder, wie er soll.
Während der Reparatur habe ich damit geliebäugelt, meinen Baader 2" Steeltrack von meinem 6" Farbwerfer am 80/480er zu montieren und den defekten OAZ zu entsorgen. Als ich aber festgestellt hatte, daß der Steeltrack nicht auf die Schwalbenschwanzverbindung paßte - am Steeltrack fehlten 5mm vom Durchmesser - und auch die Schraubverbindung zur Befestigung des Steeltrack-Schwalbenschwanzes am Tubus des 80/480er nicht paßte, habe ich dieses Vorhaben wieder verworfen. Der OAZ des 80/480ers erscheint mir auch nicht wesentlich instabiler zu sein als der Steeltrack. Beide wirken schwer und massiv. Auf seitlichen Druck auf das ausgefahrene Auszugsrohr reagieren beide bei vergleichbar hohem Kraftaufwand mit Verkippen. Beim Steeltrack sind drei Stahlschienen am Auszugsrohr verbaut, die sich nicht verschieben oder aufbiegen, beim OAZ des 80/480ers nur die lausig verklebte für die Crayford-Welle. Mal sehen, wenn ich demnächst eine schwerere Kamera als meine 1000D daran montiere, wie sich der Auszug dann verhält.
Viele Grüße,
Markus
bei meinem 80/480 Triplet von TS hatte ich von Anfang an so meine Zweifel bezüglich des Okularauszuges. Wegen der Kosmetik (Flecken) und der mangelhaft verklebten Stahlschiene (siehe Anhang) hatte ich bei TS reklamiert und nachträglich einen Nachlaß erhalten. Insofern war der Mangel für mich damit erledigt. Der OAZ ließ sich bisher auch ohne Probleme verstellen.
Gestern aber, nachdem ich mein Geraffel mal wieder wegen Umstellung zurück auf OAG zerlegt und genauer unter die Lupe genommen habe, bekam ich fast einen Schock, als ich sah, wie krumm die Stahlschiene auf einmal saß.
Sie hatte sich Richtung Teleskop verschoben, ist über den Anschlag am Auszugsrohr hinaus gerutscht und wurde von der Crayford-Welle derart verbogen, daß sie nun ca. 3mm von der Auflagefläche des Auszugsrohrs abstand. Die Welle und das Auszugsrohr selbst haben zum Glück keine Macke abbekommen.
Also habe ich den OAZ vom Tubus abmontiert und das Auszugsrohr ausgebaut. Das war gar nicht so einfach, weil die Stahlschiene über den Anschlag gerutscht war und sich so beim Ausfahren des Auszugs mit der Welle verklemmte. Rausziehen ließ sich die Stahlschiene schließlich doch, auch wenn die Reste der Verklebung und der Druck der Welle heftigen Widerstand leisteten.
Mit Waschbenzin versuchte ich dann, die Klebstoffreste vom Auszugsrohr und der Stahlschiene zu entfernen. Keine Chance. Der Klebstoff war anfangs, als ich den Refraktor erhielt, noch weich, jetzt war er hart und bröselig und mit Lösungsmittel nicht zu entfernen. Also doch ein Harz und kein lösungsmittelhaltiger Klebstoff. Hat da jemand vergessen, den Härter beizumengen? Und noch was: statt des Klebstoff löste sich dünnes Papier ab. Ähm, wie kommt das denn dahin?
Da das Waschbenzin nicht half, entfernte ich die Klebstoffreste mit 180er Schleifpapier. Dadurch wurden auch gleich die Oberflächen aufgerauht, was eine solidere Verklebung versprach.
Nun zur der verbogenen Stahlschiene. Mit dem Stahlhammer wollte ich diese nicht wieder flach klopfen (Kunstoffhammer habe ich keinen). Dadurch würde sie eher dünner und bekäme Dellen. Im Schraubstock mit Schonbacken aus Kunstoff ließ sie sich nicht völlig plan drücken. Also zuerst mit dem Schraubstock freihand und dann ohne Schraubstock an der Tischkante zurückbiegen. Das klappte zum Glück ganz gut, man darf nur nicht mit zuviel Kraft vorgehen, sonst macht es womöglich schlagartig "Knick" und sie ist noch krummer als zuvor.
Uhu plus endfest 300 ist für mich seit Jahrzehnten der Klebstoff der Wahl, wenn es darum geht, Metallverbindungen für hohe Beanspruchung herzustellen, wenn es keine Möglichkeit zu schrauben, löten oder schweißen gibt. Er ist ein Zweikomponentenklebstoff, besitzt eine Verabeitungszeit von 2 Stunden und kann nach dieser durch Erhitzen auf 180°C in 5 Minuten auf eine Zugfestigkeit von 3000N/cm² gebracht werden. Wird das Erhitzen vor dem Ende der Verabeitungszeit durchgeführt, sollte man darauf achten, daß die zu verklebenden Teile nicht verrutschen können, da der Klebstoff in diesem Stadium durch das Erhitzen zunächst dünnflüssiger wird. Auch verläuft eine zu dick aufgetragene Klebstoffschicht und kann das Material ruinieren.
Hauchdünn habe ich also die Auflagefläche des Auszugsrohrs mit diesem Klebstoff bestrichen und danach die Stahlschiene an ihren angestammten Platz zurückgelegt, leicht angedrückt, auch wenn die Anleitung des Klebstoffes etwas andere rät und minimal hin und herbewegt. Den restlichen Teil des angrührten Klebstoffs nutzte ich dazu, zwei kleine Emailabsprengungen in meiner Badewanne zu flicken und so hoffentlich vor Durchrosten zu bewahren.
Über Nacht lag das Auszugsrohr waagerecht, damit die Stahlschiene nicht verrutschen konnte. Am nächsten Morgen mußte die Verklebung 10 Minuten bei 125°C und Umluft "ertragen", um an Festigkeit zuzunehmen und endgültig auszuhärten. 180°C wollte ich der Lackierung auf der Innenseite des Auszugsrohrs nicht antun. Nach dem Abkühlen ging es dann an den Zusammenbau des OAZs, an dem noch mehr repaiert werden mußte. Diese winzigen Nylonköpfe (~2mm Durchmesser) auf den drei Madenschrauben, die den OAZ am Tubus in einer Schwalbenschwanzverbindung fixieren, halten nicht mehr auf den Madenschrauben und fallen beim Einschrauben der Madenschrauben heraus. Ich Grobmotoriker soll diese kleinen Köpfchen also mit Sekundenkleber an den kleinen Madenschrauben festkleben, damit sie nicht immer wieder herunterfallen? Gesagt, getan, geschwitzt und zum Glück habe ich nicht das Gewinde der Madenschrauben verklebt.
Jetzt funktioniert der OAZ wieder, wie er soll.
Während der Reparatur habe ich damit geliebäugelt, meinen Baader 2" Steeltrack von meinem 6" Farbwerfer am 80/480er zu montieren und den defekten OAZ zu entsorgen. Als ich aber festgestellt hatte, daß der Steeltrack nicht auf die Schwalbenschwanzverbindung paßte - am Steeltrack fehlten 5mm vom Durchmesser - und auch die Schraubverbindung zur Befestigung des Steeltrack-Schwalbenschwanzes am Tubus des 80/480er nicht paßte, habe ich dieses Vorhaben wieder verworfen. Der OAZ des 80/480ers erscheint mir auch nicht wesentlich instabiler zu sein als der Steeltrack. Beide wirken schwer und massiv. Auf seitlichen Druck auf das ausgefahrene Auszugsrohr reagieren beide bei vergleichbar hohem Kraftaufwand mit Verkippen. Beim Steeltrack sind drei Stahlschienen am Auszugsrohr verbaut, die sich nicht verschieben oder aufbiegen, beim OAZ des 80/480ers nur die lausig verklebte für die Crayford-Welle. Mal sehen, wenn ich demnächst eine schwerere Kamera als meine 1000D daran montiere, wie sich der Auszug dann verhält.
Viele Grüße,
Markus