Restauration Zeiss AS80/1200

#31
Hallo Stephan,


so alte Schätzchen wieder zum Leben zu erwecken macht auf jeden Fall Spaß ums so mehr bei so schön abbildenden Optiken wie den AS-Objektiven. Tja - traut man sich an ein originales AS-Objektiv? Mein 80/1200AS aus einem Linsensatz und von einem anderen 80m Objektiv "geliehener" Fassung war gar nicht so schwer zu vernünftiger Abbildung zu überreden. Was sollte ich auch sonst mit den losen Linsen machen... :/

Auf dem Rand der hinteren Linse ist hauchdünn mit Bleistift die Dicke der Abstandsplättchen vermerkt und sogar schon die 120° Teilung vorgegeben. Die Abstandsplättchen habe ich aus Zinn mit einer alten Bügelmessschraube gedrückt das ging erfreulich einfach und mit einer guten kontrolliert. Ich hab halt keine Ahnung ob das Objektiv jetzt 95% Strehl oder 99,99% hat...der Sterntest ist wie er sein soll und die Abbildung einfach genial. Einen 102/1300 Mak hat es an M42 jedenfalls gründlich verblasen und den Mak zu vergleichbarer Leistung zu bringen war weit mehr Gebastel.

Den Ring zu Lösen und die beiden Linsen vorsichtig als Stapel mitsamt der Abstandsplättchen zu entnehmen so daß sie sich genau so ohne großes Gefummel wieder einsetzen lassen sollte gelingen. Mit Vermessung müßtest Du Dich an einen der einschlägigen Optiktester wenden.


Viele Grüße Felix
 
#32
Hallo Stephan,

Glückwunsch zu diesem AS63/840 mit dem wunderbaren Zahnstangen-Messingauszug! Ich freue mich schon auf deinen Restaurationsbericht.

Mit Objektiven kennt sich Wolfgang Grzybowski aus. Seine Restaurierung eines stark verschmutzten und von Glaspilz befallenen AS 60/840 (dem Vorgänger des AS 63/840) kannst du dir hier anschauen: http://www.fernrohr-service.de/9.html
 
#33
Hallo Stephan,

schöne Projekte hast Du in Arbeit.

Ein Hinweis: Die Rändelschraube von der Ringschwalbe am Okularauszug wird von einer Schlitzschraube zusammen gehalten. Diese Schraube hat Linksgewinde und ist mit M2 sehr schlank. Nur für den Fall, dass Du das nicht weißt und da vielleicht mal ran musst. Wenn man sie mit einem kräftigen Linksdreh lösen will, reißt diese schnell ab.

Halt uns bezüglich Deiner Zeiss AS Projekte auf dem Laufenden.

Gruß
Bocian
 
#34
Hallo Felix,Ralf und Bocian,
vielen Dank für Eure wertvollen Tipps.
Leider findet man nicht mehr so viele Zeiss Fernrohre mit diesem super Zahnstangenauszug und eine Restauration lohnt. Nach dem Projekt ist ein solches Gerät wieder für die nächsten 70 Jahre fitt.
@ Bocian: Die Schraube habe ich sofort versucht zu lösen, bei meinem AS63 ist ein Rechtsgewinde vorhanden und die Schraube ging prima zu lösen.

Morgen wird erst mal abends das AS63/840 getestet und danach kommt das AS80/1200 auf das Stativ :).
Das AS80/1200 ist der Knaller ....

Gruß
Stephan
 
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#35
Hallo Stephan,

dann hat sich möglicherweise im Laufe der Jahre die Konstruktion geändert. Ich hatte hier einen AS 80/1200 von 1969 mit dem originalen Helicalauszug. Das Fett im Fokussiergewinde war verharzt und der OAZ nur mit viel Kraftaufwand zu betätigen. Beim Zerlegen der Komponenten fiel auf, dass an genannter Stelle eine Schraube (siehe roter Pfeil im Bild 1) mit Linksgewinde verbaut wurde. Aber vielleicht interessiert es auch andere, bevor sie beim vermeintlichen Lösen mit zu viel Kraftaufwand abgerissen wird. Leider wurde das Objektiv im Laufe der Jahrzehnte total ruiniert (siehe Bild 2).

Schönes Wochenende
Bocian
 

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#36
Hallo Bocian,
da hat sich tatsächlich in den laufenden Jahren etwas an der Konstruktion geändert..... denn an meinem AS 80/1200 und auch AS63/840 sind noch die Messingauszüge verbaut und die Mechanik ist dort anders gelöst. GRINS :)
Aber danke für den Tipp, denn ein solchen Auszug habe ich auch noch im "Lager" liegen und bei dem ist auch ein Linksgewinde !

Dein Objektiv sieht wirklich stark mitgenommen aus. Schade...
Hast du noch ersatz ? Das mit einem AS80/1200 so viel am Mond und Planeten geht hätte ich nicht gedacht...und vor allem dieses ruhige Bild.
Gruß
Stephan
 
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#37
Hallo Stephan,

das Teleskop gehört nicht mir. Ich hatte vor einiger Zeit den OAZ für den Eigentümer zerlegt, gereinigt und neu geschmiert, weil man zum Fokussieren fast eine Rohrzange brauchte. Diese alten OAZ sind sehr solide aufgebaut und halten bei sorgsamen Gebrauch Generationen aus. Es ist sehr ärgerlich, dass das Objektiv in so schlechtem Zustand ist, zeigt aber, was regelmäßiges und intensives Putzen anrichten kann. Ersatz ist meines Wissens nicht vorhanden. Das Baujahr konnte ich mit der Seriennummer relativ leicht bei Zeiss erfahren.

Gruß
Bocian
 
#38
Hallo Bocian,


das sieht ja echt übel aus und spricht vor allem für unsachgemäße Reinigung mit nicht wirklich geeigneten Hilfsmitteln. Ich hab schon einige alte Optiken restauriert aber nur bei wenigen sah es so schlimm aus. Meistens extrem alte benutzte Ferngläser die gerne mal eben mit dem Jackenärmel abgewischt wurden...Im Normalfall beschränkt es sich auf wenige feine Mikrokratzer die unter Staub und mehr oder weniger festen Anlagerungen zum Vorschein kommen. Dann lieber verschmutzt als verputzt ersteres läßt sich eigentlich immer retten.


Viele Grüße Felix
 
#39
Hallo,
ich muss schon sagen... auch das kleine AS 63/840 zeigt am Mond eine farbreine und kontrastreiche Abbildung !
Am Jupiter lässt sich sogar der rote Fleck beobachten und das obwohl die Beobachtungsbedingungen nicht gut waren.
Sehr bemerkenswert was da mit solchen kleinen Öffungen des AS Objektives, Zeiss Okularen und Bino alles geht.
Mit dem AS80/1200 geht es natürlich noch besser und das AS150/2250 wird bestimmt der Hammer.

Viele Grüße
Stephan
 
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#40
Betr. AS 80/1200 und Co...

Hallo!
Leider komme ich hier selten zum lesen, deshalb mein Posting mit Verspätung. Da ich refraktortechnisch völlig verZeisst bin, muss ich mich aber einfach melden! :smiley47:
Mein erstes Teleskop war 1980 ein kompletter AS 80/1200 (Zahnstangen-Auszug) mit Montierung I (ohne 'b') und gusseiserner Säule. Vor gut einem Jahrzehnt flog mir ein AS 110/1650-Objektiv zu, das ich in einen Hartpapiertubus einbaute und mit einem Zeiss-Helical-OAZ verwende. Dann ist da noch ein altes Eigenbauteleskop mit dem AS 80/840...
Da ich seit 40 Jahren Astronomie betreibe, habe ich eine Unmenge Zeiss-Zubehör in Verwendung, Okulare, Binokularer Ansatz usw., auch wenn es heute besseres gibt.

- 80/1200: Geniales Gerät! Über die Optik wurde alles geschrieben. Die vielen Blenden machen das Gerät praktisch streulichtfrei. Der OAZ hat einen enormen Hub, der Verlängerungshülsen fast unnötig macht. Bei hoher Vergrößerung ist er aber nicht wackelfrei zu betätigen; mir fehlt eine Untersetzung - moderne OAZ laufen besser. Der Schärfebereich im Fokus eines 80/1200 ist kaum größer als 0,1mm! Extrem hilfreich ist das Schiebegewicht am Tubus: Bei Laständerung (Zubehörwechsel) hat man schnell wieder ausgetrimmt - vor allem bei der Montierung I wichtig. Die alte Zeiss Guss-Säule wackelt, ihr Nachfolger ist weitaus besser.
Ich habe dazu das Zeiss-Chrom-Sonnenfilter SFO 80. Sonne stelle ich an der Granulation scharf. Mehr ist dazu nicht zu sagen...

- AS 110/1650. Der Hartpapier-Tubus braucht sehr lange zur Akklimatisation. An der Montierung Zeiss Ib ist das Fernrohr mit brutto 1,8m Länge schon arg an der Grenze, obwohl der Tubus sehr leicht ist. Aber der lange Hebel..!
An Planeten liefert der 110er erheblich mehr Details als das 80/1200. Ich habe bei gutem Wetter oft mit einem 6mm Okular beobachtet, das macht eine AP von 0,4mm. Das Bild war dabei gestochen scharf, keine Farbsäume (außer atmosphärisches Spektrum). Atemberaubend..! Ich habe mehrere Blenden gerechnet und eingebaut; auch dieses Telekop ist streulichtfrei.
Der Zeiss-Helical-OAZ müsste mal frisches Fett bekommen: Bei strenger Kälte ist er zu schwergängig.

- AS 80/840: Als Reisefernrohr eine Wucht in Tüten, Pfingsten zuletzt ausprobiert. Es steht dem 'langen' 80/1200 kaum nach.

Das AS 100/1000 habe ich intensiv ausprobieren können - hat mich nicht überzeugt: AS mit 100er Öffnung und f/10 ist nicht mehr farbrein. Das 80/840 ist zu lichtschwach, als dass es stören würde, das 110er hat f/15 und ist farbrein.

Wer jemals ein AS 150/2250 bei Planetenwetter vor der Pupille hatte, wird den glasigen Blick lange nicht los [serienmäßig im Zeiss-Coudé-Refraktor, in vielen DDR-Schulsternwarten].
Ich erinnere mich an unglaublich viele Details auf dem Mars; nie wieder so gut gesehen wie damals anno Filz am Coudé, ja, ja... :smiley61:
Phänomenal, sage ich nur, besonders mit Binokularem Ansatz.
Wer so ein Objektiv oder ganzes Teleskop hat, sollte es 'irgendwie' verwendbar machen - es lohnt sich ganz bestimmt.

Das größte AS von dem ich wüsste, ist das AS 200/3000; das wurde als Leitrohr an größere Teleskope gehangen oder in Helio- oder Coelostaten verbaut.

Die 'kleinen' Refraktoren sind nicht so anfällig gegen schlechtes Seeing wie größere Spiegel. Deshalb habe ich in meiner Gartenhütte neben einem 12"-Newton immernoch eine 60 Jahre alte Zeiss-Linse.


Fröhliches Jupiter-durchs-Zeiss-Rohr-gucken wünscht
-wunni
 
#41
Hallo Wunni,
du scheinst wirklich ein Zeissfan zu sein und deine Erfahrungen sind mit meinen Eindrücken sehr deckungsgleich. Dein AS 110/1650 ist sicher der Knaller !

Besonders deine Einschätzung in Bezug auf das AS 150/2250 macht Mut für das Projekt. Das AS150/2250 ist ungebraucht und im Neuzustand mit sehr guten Messergebnissen.
Der Tubus soll in gestreckter Bauweise ausgeführt werden. Spiegel mag ich nicht bei einer solchen Konstruktion. Ob die ALT 5 den langen Tubus wackelfrei trägt ?!?!?!

Der Jupiter ist momentan eine absolute Freude am AS 80/1200

Besten Gruß
Stephan
 
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#42
Hallo Stephan,

leider kenne ich die Alt5 nicht aus der Nähe. So ein 2,5m langer Tubus ist ein enormer Hebel, der der Monti einiges abverlangt. Steht die Montierung in einer Kuppel (optimaler Windschutz)?

An meinem Tubus für den 110er habe ich auch einiges gelernt...
Ich habe die typische Zeiss-Prismenschiene montiert. Damit die Schiene möglichst gleichmäßig mit dem Rohr verbunden ist, habe ich an den Befestigungspunkten der Schiene einen dicken Ring aus Hartgewebe ins Rohr eingepasst. Eigentlich eine sichere Sache. Dennoch hatte ich immer das Gefühl, dass die Schiene den Tubus nicht optimal getragen hat (Schwingungen). Vielleicht war auch nur die Zeiss Ib überfordert.
Ich hatte als Tubus ein Reststück von Gerd Neumann; das war relativ dünnwandig. Für das 150er solltest Du einen wirklich stabilen Tubus nehmen.
Besser als Hartpapier fände ich ein Alu-Rohr, weil es gut Wärme leitet..! Mein 110er ist ein Sensibelchen in Bezug auf Temperaturänderungen.
Den vorerst letzten Fehler habe ich gemacht, als ich mir ein paar recht leichte und filigrane Schellen für den 140mm-Tubus gekauft habe (zwecks Montage an meine stationäre Montierung). Auch die sind nicht stabil genug, das Teleskop wackelt. Ich hätte die teuren, fetten aus Alu gefrästen Teile nehmen sollen.

Ob es unter den Zeiss AS-Objektiven negative Ausreißer gibt, weiß ich nicht. Kannste mal Wolfgang Rohr fragen... Wenn ein ungehemmter Selbstbastler das Objektiv mal zerlegt hat, sollte man misstrauisch werden.
Ich habe im Laufe der Zeit durch zwei AS 150/2250 durchgeschaut, die waren beide super.

Nochwas: Den Tubus schön mit Blenden spicken, der Aufwand lohnt sich. Man sollte vom Okularende aus niemals die Tubus-Innenwand sehen können. Das hilft besser als der ultimative Totmatt-Schwarz-Anstrich.
Berechnungs-Tools findest Du im Netz.

Zeissfan--? Hmm.. Für mich Ossi war Zeiss halt der Lieferant... Ich war damals häufig im An-und Verkauf des Zeiss-Ladens Berlin-Alexanderplatz. Da gab es viele Zubehördinge gebraucht und damit deutlich preiswerter. Okulare, Zenitprisma, Binokularer Ansatz, Adapter, Filter; sogar solche Raritäten wir ein beleuchtetes Fadenkreuzokular habe ich dort gekauft.
Heute werden ja teilweise Mondpreise für Zeiss-Dinge verlangt. Das hat wenig mit der realen Qualität zu tun. Okulare z. B. gibt es heute definitiv viel bessere - wenn man genug Geld anfassen kann.
In den späteren Jahren (1980er) hat (fand ich) die Verarbeitungsqualität nachgelassen.
Die 1950er Zeiss-Geräte waren grundsolide, aber manchmal nicht so ganz durchdacht. Beispielsweise ist die Montierung I ziemlich schlecht zu bedienen. (Die Montierung gehörte zum alten AS 80/1200.)
Eine Montierung Zeiss Ib (ab besten die seltene Ur-Version mit der dicken Gegengewichtsachse, die ist schwerer und dadurch stabiler) ist schon eine Klasse für ihre Größe. Und man kann sie relativ leicht auf Schrittmotorantrieb in beiden Achsen umbauen, dann kann sie sogar 'GoTo'.

Beste Grüße,
-wunni
 
#43
Wow Stephan - geniale Arbeit mit dem AS 80/1200 :love: . Da passt einfach alles!
Selber habe ich auch einen AS 80/1200 im Einsatz und ich liebe ihn ebenfalls. Die Linse ist von der Qualität her über jeden Zweifel erhaben und der Tubus mag zwar schwer sein, aber dafür hat er Detaillösungen, die man so an heutigen Teleskopen nicht mehr findet. Setze das Teleskop sehr gerne fürs "Schnellspechteln" ein.
Mein Tubus hat aber auch noch ein paar Macken, die ich gerne ausbessern würde - vielleicht könntest du mir da den einen oder anderen Tipp geben.

LG Michael

AS80.JPG
 
#44
Hallo Michael,
das AS 80 / 1200 ist wirklich klasse und macht viel Freude. Was hast denn du für fragen ? Das AS 63 /840 Projekt werde ich gegen Frühjahr starten und das gewaltige AS 150 /2250 Ojkektiv wartet auch noch auf einen passednen Tubus :-()
Beste Grüße
Stephan
 
#45
Hallo Stephan,

habe am Tubus ein paar recht große Lackabplatzer - kann man das vernünftig ausbessern ohne den kompletten Tubus neu lackieren zu müssen? Die Taukappe ist komplett vom Lack befreit. Habe noch nie lackiert - was benötige ich alles und wie gehe ich hier am besten vor?
Außerdem ist das Gewinde der Taukappe verrostet und diese lässt sich nicht mehr abschrauben. Dachte daran zunächst mal den Spalt mit Kriechöl einzulassen und das Öl einige Zeit lang einwirken zu lassen. Aber evtl. hast du noch eine weitere zündende Idee?

LG Michael
 

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#46
Hallo,
da hift nur eins: Der Lack muss ab und das AS sollte komplett restauriert werden. Dabei wirst du feststellen, dass der Lack sich an vielen Stellen gelöst hat.
Zur Taukappe: Keine Ahnung, würde es auch mit etwas Öl probieren und mir dann ein "Spezialwerkzeug" bauen... eine große "Rohrschelle, die die Taukappe umfasst mit Kummieinlagen und zwei Griffen. Dann die Schelle in nähe des Gewindes leicht anziehen und mit den beiden Hebeln versuchen mit einem Ruck die Taukappe zu lösen ?!?!
Irgend wie bekommt man das Ding schon ab !
Gruß
Stephan
 
Zuletzt bearbeitet:
#47
Hallo,

das habe ich schon befürchtet, dass ich um eine komplette Neulackierung nicht rumkommen werde. Wird dann wohl eine umfangreichere Geschichte werden. Mal schauen wann ich mich darüber wage.
Danke für den Tipp mit dem Spezialwerkzeug. So etwas in die Richtung werde ich probieren. Möchte nämlich das Gewinde verwenden, um einen H-Alpha Filter per Adapter anschrauben zu können.

LG Michael
 

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