Richtige Reihenfolge der Anschaffung: visuell -> visuell+Astrofotografie

Toolmaker

Neues Mitglied
Hi zusammen,

ich hab mich ja schon vorgestellt und möchte gleich euer Wissen und eure Erfahrung anzapfen, wenn ich darf.
Mein derzeitiges Equipment:
- Skywatcher PDS200 nicht modifiziert
- Skywatcher EQ6-R pro
- Canon DSLR unmodifiziert
- Powerbox mit 12V output

Visuell hab ich mich schon ein wenig ausgetobt, das klappt alles prima, also Einnorden, GoTo, Fokussieren usw.

Ich möchte aber etwas mehr in der Astrofotografie reinschnuppern. Equipment kann man da in allen Facetten und Preisregionen kaufen, für den Anfang möchte ich aber nicht das Geld rausschmeißen, bloß weil ich denke, ich brauche das ein oder andere teure Zubehör. Zum Spaß hab ich mir NINA auf das Windows Tablet installiert, was auch schon mit der Montierung Kontakt aufnimmt. Für mich eigentlich eine einfache Sache.
Ich kann vom Garten aus aufnehmen und beobachten, WLAN ist da gut ausgeleuchtet.


Auf meiner Bedarfsliste steht
- Astrokamera-> APS-C als Wunschgröße für mein 8 Zoll f/5
- Guidescope + Guidecam
- Koma-Korrektor
- (Astro-PC wie Stellavita, Asiair oder Synlink, oder doch Pins?)
- fehlt noch was? Powerbox oder Mechaniken? EAF?

- Mit was soll ich anfangen? Brauch ich das Autoguiding gleich zu Anfang, muss es schon anfangs ein Korrektor für den Reflektor sein?
- Muss ich mit DSO anfangen, oder macht auch mal Planetenfotografie Spaß? NINA ist mW nichts zur Planetenfotografie, zumindest war das auch meine Erfahrung im ersten Durchklicken.
- Autoguider: wie groß sollte dann das Leitrohr sein?

Danke für eure Erfahrungen.
Manuel
 
Hi Manuel,

Planetenfotografie und DSO-Fotografie sind im Grundsatz zwei verschiedene Dinge (es kann Überschneidungen in der Kameratechnik geben).
Hier mal ein Video für die Planeten zum Einstieg: Grundlagen der Planetenfotografie - Teleskop - Astronomie

Hier mal eins für DSO: Einführung in die Deep Sky Fotografie: Die Andromedagalaxie im Fokus | Katja Seidel
In dem Video geht es zwar um DSO Fotografie mit Objektiven, aber das Grundprinzip wird klar. Wenn Du DSO-Fotografie durch Dein Teleskop machst, brauchst Du ein Guide-Scope und eine Guide-Cam sowie einen Koma-Korrektor (sonst sehen die Stern in der Ecke oll aus).
Frank (@frasax) betreibt einen YT Channel, auf dem er alles Mögliche über DSO-Fotografie erklärt. Am besten, da mal reinschauen.

Welche Spielart der Fotografie Du lieber magst, wirst/musst Du für Dich durch Erfahrung herausfinden. Das wird wahrscheinlich auch etwas dauern, also nicht verzagen :).

CS Jochen
 
Hallo Manuel,

In erster Linie hängen die Anforderungen an das Foto-Equipment von Deinen Interessen ab.

Für die Aufnahme von Mond und Planeten sind die Anforderungen geringer. Das war mein Weg, als ich das 2020 erworbene C8 EdgeHD auch zum "Bildermachen" nutzen wollte. Im Prinzip reicht eine Astrokamera mit passender Pixelgröße, später wirst Du auch noch eine Brennweitenverlängerung und einen ADC haben wollen, was aber beides nicht besonders kostspielig sein muss. Einen Korrektor brauchts Du eher nicht, weil das Bildfeld sehr klein ist - es sei denn, Du hast eine Cam mit richtig großem Chip und machst Mondaufnahmen. Guiding ist unnötig und die Software zur Bildaufnahme und -bearbeitung gibt es kostenlos.

Bei Deep Sky habe ich mich bisher auf Aufnahmen mit einer DSLR beschränkt. Da kommt es dann drauf an, was man aufnehmen will, speziell welche Brennweiten man verwenden will. Große Nebel oder eher kleine Galaxien. Mir steht der Sinn tendenziell bei den Galaxien, Brennweite 1400 oder 2000 mm. Da kommt man ohne Guiding nicht weit. Und die anfangs vorhandene Montierung musste später einer stabileren weichen. Letzteres war die teuerste Anschaffung.

Willst Du dagegen eher große Felder mit Nebeln aufnehmen, dürfte der Reflektor schon eine zu lange Brennweite haben. Interessant sind dann Experimente mit einem Teleobjektiv an der DSLR. Ohne Korrektor wird es nicht erbaulich werden. Meine Astrokollegen von unserem Treff sind allerdings i.d.R. eine gute Weile beschäftigt, bis sie ihre Fotonewtons optimal eingestellt haben (Arbeitsabstände, Verkippungen, Lichtlecks, Kollimation...). f/4 und schneller ist nicht so easy zu handhaben.

Bei Deep Sky ist die Bildbearbeitung anspruchsvoller, man muss wesentlich mehr lernen und auch Zeit aufwenden. Es macht dann auch Sinn, im Interesse guter Ergebnisse kommerzielle Software zu verwenden. Es geht auch mit kostenlosen Programmen, aber man verschenkt dann Potential.

LG Tom
 
Danke schon mal für die ersten Meinungen:
- Mond und Planeten schaue ich mir fast lieber visuell an, muss ich zugeben. Die Schönheit kommt aus den Fotos nicht so wirklich raus.
- bei DSO bin ich mir nicht sicher, wo die Reise hingehen soll: Nebel und Galaxien, irgendwie will ich alles mal ausprobieren. Andromeda finde ich "langweilig", die kann man ja auch gut visuell sehen, da sie ja auch recht groß ist

Bei der Brennweite arbeite ich mit den 1000mm des Teleskops, dazu noch eine TV Barlow mit 3x Verlängerung. Für Planeten sicherlich das Limit überhaupt, für Galaxien wahrscheinlich eh nie brauchbar.
Kollomieren kann ich bereits, hab ich schon mehrfach gemacht, beim Rest der Verbesserung bin ich einfach Newbie.
 
Hallo Manuel,

ich beobachte visuell seit 1978 ;-) Jahrzehntelang habe ich mich von der Astrofotografie ferngehalten, weil mir der Aufwand in der analogen Zeit schlicht zu hoch erschien. Inzwischen bekommt man für eine Investition von ein paar tausend Euro aber eine Ausrüstung, mit der sich wirklich was anfangen lässt. Das hat auch mich dann doch noch umgestimmt.

Ja, der Anblick des Mondes oder der Planeten ist bei gutem Seeing in einer ordentlichen Optik ein Genuss! Ich habe mal Saturn bei bestem Seeing mit 500fach im 14,5" Newton gesehen, absolut unvergesslich. Aber der Punkt aus meiner Sicht ist, dass man mit Lucky Imaging oft sehr viel rausholen kann und dann im Bild jede Menge Details erkennen kann, die visuell nicht zugänglich waren. Man könnte da ganz platt sagen: Details vs Ästhetik. Ich sehe die Aufnahmen daher nicht aus Konkurrenz, sondern als Ergänzung.

So ähnlich ist das auch bei Deep Sky. Wirklich beeindruckende Anblicke hatte ich da selten, denn man braucht ein großes Teleskop unter einem sehr dunklen Himmel, damit Galaxien wirklich visuell was hermachen. Unvergessen bei mir der Aufenthalt in Namibia 2018, wo wir mit einem 24" unter bestem Himmel beobachten konnten. Größere Galaxien sahen aus wie auf Schwarzweißfotos, wirklich krass. Aber daheim mit Bortle 4 und 14,5" geht da längst nicht so viel.
Doch hier hilft die Fotografie aus. Mit dem 8" aus dem heimischen Garten heraus und der DSLR dran entstehen Bilder, die weitaus mehr zeigen, als ich in heimischen Gefilden mit dem 14,5" sehen könnte. Die Bearbeitung der Bilder ist dann für mich immer wieder ein Anlass, sich mit den vorhandenen Erkenntnissen zu den Objekten (wieder) zu beschäftigen. Auch das nicht als Ersatz zu einer visuellen Beobachtung, sondern als Komplement. Überwiegend fotografiere ich Objekte, die ich schon zum Teil oft beobachtet habe. Demzufolge dann auch mein Bestreben, die Farbgebung der Bilder so zu halten, wie es einem natürlichen Anblick nahekäme (wenn man denn die Farben sehen könnte). Die sehr populären Falschfarbenbilder wie Schmalbandaufnahmen von Emissionsnebeln gefallen mir meistens gar nicht. Auch da: Informationsgehalt vs Ästhetik. Ich nehme letztere ;-)

LG Tom
 
Mit was soll ich anfangen? Brauch ich das Autoguiding gleich zu Anfang, muss es schon anfangs ein Korrektor für den Reflektor sein?

Hallo Manuell,

du hast bereits eine Ausrüstung, von der andere Träumen. D.h. der Weg für erfolgreiche Astrofotografie ist geebnet. Ich konzentriere mich jetzt mal auf Dep-Sky, da Planeten ganz anders funktionieren.

Erste Anschaffung: Skywatcher Koma-Korrektor. Selbst wenn du einen ersten Test machst ohne diesen, wirst du sehr schnell sehen, dass du ihn benötigst um schöne Bilder zu machen.
Dann vergiss erstmal die Astrokamera, denn deine Canon DSLR ist optimal für deine ersten Schritte und das sogar ohne Autoguiding.
Besorge dir einen Adapter um die Canon am Teleskop anzubringen (einzige Unsicherheit ist, ob du in den Fokus kommst, das weiß ich ehrlich gesagt gerade nicht, ansonsten, mit dem KomaKorrektor kommst du in den Fokus!
:cool: )
Dann stellst du dein Objekt ein mit dem Goto der Montierung, fokussierst (am besten mit einer Bahtinov Maske) und machst einfach mal Aufnahmen bei moderaten ISO Werten (800-1600) und recht kurzen Einzelbelichtungszeiten (10-30s was die Montierung so hergibt). Das lässt du ne ganze Weile laufen und dann musst du eh ab an den Computer zur Bildbearbeitung (Thema für sich).

Die nächsten Schritte wären dann: Autoguiding. Tipp: Kauf dir das William Optics Uniguide und eine ASI220 (oder120) Guidecam. Jetzt steht die Entscheidung an Laptop oder Mini Computer. Laptop hast du, NINA ist installiert, warum nicht. Aber NINA ist eigentlich viel zu umfangreich für den Anfang und ich nutze es kaum noch. Asi Air und Stellavita machen richtig Spaß, wäre eher mein Tipp. Synlink gibt es hierzulande noch nicht und es gibt vor allem keine Erfahrung bisher. Pins ist ein tolles Projekt, ich unterstütze es auch, aber ich selber nutze es nicht weil es mir noch zu anfällig ist (kann sich ändern).

EAF ist Luxus, kannst du dir irgendwann kaufen hat keine Priorität. Wenn du dann alles im Griff hast, dann kaufe gleich die gekühlte Astrocam bevor du einen Umbau deiner Canon in Erwägung ziehst. Mit einer 2600er Kamera liegst du voll im Trend, machst nichts falsch.

Planeten kannst du mit deinem Teleskop auch machen, da brauchst du aber eine Barlowlinse und m.M.n zwingend einen Computer. Ich empfehle die Software Sharpcap für den Anfang. Du kannst dann erstmal mit der Guidecam anfangen, später wirst du aber auch da aufrüsten. Ich würde die Technik erst am Mond üben, Planeten sind fuckelig am Anfang.

CS Frank
 
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