Saturn neu bearbeitet & optimiert

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Lotz
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Lotz

Aktives Mitglied
Hallo Planetenfreunde,

So ganz war ich mit der Farbe meines letzten Saturn nicht zufrieden, daher habe ich mich
nochmals an eine Überarbeitung gewagt.
Durch Optimierung der Histogramme bereits in den FITS-Dateien konnte ich noch Einiges an
Nuancierung in den Wolkenbändern rauskitzeln, und insgesamt eine natürlichere Farbgebung erwirken.
Diese Methode werde ich in meinen Workflow auf jeden Fall integrieren!

Hier also der verbesserte Saturn:

Link zur Grafik: http://astronomie.n-t-l.de/galerypages/d8580e00.jpg



Auf meiner Planetenseite
findet Ihr in der Saturnrubrik den mit NEU gekennzeichneten Link zum Bild mit einigen weiteren
technischen Details zu Optik und Kameraeinstellungen und vor allem zu den Aufnahmebedingungen.
Hier findet sich auch ein mit 80% Verwendungsrate gestacktes Bild sowie ein riener Luminanzauszug,
der zeigen soll, welche Strukturen mit der kurzen Belichtungszeit des L-Kanals im Bild vorhanden sind.
Natürlich ist hier auch das nichtoptimierte Vorgängerbild im direkten Vergleich zu sehen.


Viele Grüße,


Markus


____________________________________________________

Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
____________________________________________________
DANUBIA - OBSERVATORIUM

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Starfinderseite: starfinder.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory at freenet.de
 
Hallo Markus,

die Fülle der herausgearebeiteten Bänder ist ja beeindruckend. Trotzdem wirkt der Planet auf mich ein wenig unnatürlich, sieht etwas nach kosmetischer Gesichtsoperation aus, wenn Du verstehst, was ich damit sagen will.

Nach meiner Erfahrung mit Saturn und anderen Planeten glaube ich, dass Du Dir mit einer Aufnahmebrennweite von 7 m bzw. einem Öffnungsverhältnis von f/46 keine guten Voraussetzungen schaffst für ein optimales Bildresultat.

Bei einer Pixelweite von 5,2 µm wäre f/16 völlig ausreichend. Ich habe diesen Saturn mit einer Pixelweite von 7,4 µm bei f/20 aufgenommen, das entspricht bei Deiner Kamera einem Öffnungsverhältnis von f/14. Du könntest bei dieser Öffnung 10-mal kürzer belichten und damit die Auswirkung der Luftunruhe drastisch reduzieren. Das auf diese Weise zwar kleinere aber qualitativ aufgewertete Summenbild lässt sich vor der Schärfungsprozedur zur Verbesserung der Sichtbarkeit feiner Details vergrößern. In dem oben zitierten Fall habe ich zweifach nachvergrößert.

Noch eine Frage zum Luminanzkanal: Welches Farbfilter verwendest Du da?

Gruß, Jan
 
Hallo Jan,

prinzipiell stimme ich Deinen Ausführungen zu. Leider habe ich bei den kleinen Aufnahmebrennweiten (f/22 in folgendem Beispiel)

Link zur Grafik: http://astronomie.n-t-l.de/galerypages/d6590900.jpg

einige rein praktische Probleme:

Das viel kleinere Planetenabbild ist für mich deutlich schwieriger fokussierbar, es wirkt im ersten Ansatz über einen relativ breiten Bereich scharf. Als nächstes kommt hinzu, daß ich mich beim Fokussieren von S/W Informationen deutlich härter tue, da die visuelle Komponente Delta E (Farbkontrast) wegfällt. Wie DU an dem Bsipiel siehst, habe ich mit der langen Brennweite immer deutlich mehr Details auf dem Chip als mit der kurzen! Das galt auch an Jupiter mit der ToUCam, beide Bilder am 20.8.08, einmal Celestron Ultima 2x, einmal Televue Powermate 5x, beide am 6" f/8-Refraktor:

Link zur Grafik: http://astronomie.n-t-l.de/galerypages/d3560200.jpg

Link zur Grafik: http://astronomie.n-t-l.de/galerypages/d38e0680.jpg

Dazu kommt, daß die ALccd5 wohl deutlich weniger rauscharm als ne DMK zu sein scheint. Das Pixelrauschen liegt ortsfrequenzmäßig im Spektralbereich 1/1Pixelwidth bis 1/2 Pixelwidth, da ja benachbarte Pixel i.W. unabhängig voneinander rauschen. Dies wird aber bei der Schärfung mit hochgerechnet! Sampelt man aber so, daß die Nutzinformation eine Oktave Spektraldistanz zum Rauschen hat, läßt sich das Rauschen vor oder bei (mexican hat) der Schärfung gut unterdrücken.

Zu knappes sampling + Hochrechnen (drizzling oder was auch immer) hat bei mir noch nie befriedigende Resultate erzielt. Man handelt sich m.E. nach eher Aliasingartefakte ein denn wirkliche Informationen.

Gruß

Markus

____________________________________________________

Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
____________________________________________________

DANUBIA - OBSERVATORIUM

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Starfinderseite: starfinder.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory (at) freenet.de
 
Hallo Markus,

Deine Informationen erscheinen mir interessant und teilweise auch überraschend.

Das Fokussieren ist in der Tat etwas knifflig, aber ich dachte, dass dies gerade ein Problem der langen Brennweiten ist.

Die Schärfezone sollte doch mit zunehmender Brennweite noch länger werden. Ich fokussiere die DMK meistens bei eingeschalteter Lupenfunktion, d.h. bei einer Livebildgröße von 150%. Das hat ja denselben Effekt wie eine 1,5x Barlow. Möglicherweise hast Du diese Zoom-Möglichkeit mit der ALccd5-Software nicht.

Wenn die ALccd5 mehr rauscht als die DMK, dann würde ich auch aus diesem Grunde eher dazu neigen, mit größerer Blende zu arbeiten, um dann nicht nur die Belichtungszeit, sondern auch das Gain herunterfahren zu können.

Dass es bei Dir mit der Nachvergrößerung Probleme gibt, überrascht mich nicht so sehr. Denn die Nachvergrößerung macht ja nur dann Sinn, wenn man nicht schon mit überlanger Brennweite aufgenommen hat. Überlang sind nach meinem Verständnis Aufnahmebrennweiten jenseits dessen, was Peter Müller als angemessen ermittelt hat, d.h. also bei Blendenzahlen f/D > 3p/µm (p ist die Pixelweite).

Wenn Du also - wie zuvor schon gesagt - mit der ALccd5 bei f/14 aufnimmst und dann zweifach nachvergrößerst, gewinnst Du am Ende denselben Abbildungsmaßstab, wie wenn Du mit optischer Nachvergrößerung (Barlow) bei f/28 aufgenommen hättest, nur halt mit dem Vorteil der geringeren Belichtungszeit und ggf. eines besseren Rauschabstands.

Leider kenne ich mich nicht mit den Bearbeitungalgorithmen von Giotto aus und arbeite deshalb z.Z. vorzugsweise mit Fitswork. Dort vergrößere ich gleich im ersten Schritt mit dem dSinc-Algorithmus und wende danach lediglich die Gauss-Algorithmen zur Schärfung an. Alles andere erscheint mir zu unübersichtlich.

Was ich gar nicht gut einschätzen kann, ist die Frage, wie sich die spezielle Farbkorrektur Deines Refraktors auf die Bild-Aufnahme und -Verarbeitung auswirkt.

Bin gespannt auf Deine weiteren "Experimente".

Gruß, Jan
 
Hi Jan,



Deine Ausaführungen sind sehr interessant, und ich denke, mit f/20 (auf f/16 komm ich nicht ganz runter wg. Abstand Barlow - CMOS) und 2x Nachvergrößern werde ich nochmals arbeiten. Meine Vermutung aber, und das zeigt sich auch an meinem 10"-Newton ist die, daß die Celestron Ultima 2x bzgl. Bidqualität der Televue 5x nicht das Wasser reichen kann; letztere spielt wohl schon nahezu in der FFC-Liga.

Du stelltest noch die Frage nach dem Luminanzfilter, das hatte ich vergessen zu beantworten:

Ich bentuze den Astrolumina LRGB-Filtersatz, und damit das Astrolumina L-Filter für Luminanz. Das geht von <400nm und hat die Flanke bei ca. 700nm. Ich habe mal die spektrale Transmission vermessen, da der Hersteller sich hier ausschweigt, leider hatte ich unter 400nm keine Lichtquelle verfügbar. Hier mein Ergebnis:

Link zur Grafik: http://www.teleskop-express.de/shop/Bilder/shop/Astrolumina/ALLRGB/Spektralkurve.jpg

Zur Farbkorrektur des Refraktors: Diese hat keine weiteren Auswirkungen, ich arbeite hier wie mit dem 10"-Spiegel, wie man an den ToUCam Aufnahmen sieht, ist das komplette VIS-Spektrum im Focus. Ich vermeide es tunlichst, zwischen den einzelnen Farbkanälen rumzufokussieren :neinnein: Alle Farbkanäle liefern auch ein gleich großes Planetenbild, andernfalls wäre der Chromacorr ja unbrauchbar. Also die Farbe wie auf meinen Fotos sind ungetürkt und kommen sowohl mit ner Bayermatrixkamera, als auch ner Monochromen mit Farbfiltern ohne Refokussierung zustande. Visuell ist es im Übrigen ebenfalls identisch. Der 6" f/15 Lichtenknecker Triplett-Vollapo unserer Sternwarte in der Kuppel ist farblich identisch zu meinem, bei gutem Seeing ist die Gurke mit dem Chromacorr visuell bei gleichem V sogar schärfer - die Kombination ist also wirklich brauchbar und wird noch lange in meinem Teleskoppark bleiben. (Im Herbst hätte ich ihn allerdings fast für einen 7" f/9 ED-Apo hergegeben, der Kauf kam aber nicht zustande, da das Wetter erst keinen Test zuließ und dann der Verkäufer das Teil behalten wollte und ein halbes Jahr später für einen geringeren Preis über ebay verklopft hat, was ich zu spät mitgekriegt hatte :blush:
Viele Grüße

Markus

____________________________________________________

Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
____________________________________________________

DANUBIA - OBSERVATORIUM

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Starfinderseite: starfinder.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory (at) freenet.de


 
Hallo Markus,

da ich so etwas gar nicht verwende, war mir nicht bewusst, dass es bei Nachvergrößerungsoptiken (Barlow, FFC, Okularprojektion) solche Qualitätsunterschiede gibt.

Bin also froh, dass ich mit meinem f/20 Refraktor unmittelbar im Primärfokus - d.h. gänzlich ohne Zusatzoptik - arbeiten kann. Dort setze ich dann allerdings vorzugsweise Kameras mit größerer Pixelweite ein, am liebsten so um die 8 µm, damit habe ich bislang die besten Ergebnisse erzielt.

Deine Farbfilterabstimmung erscheint mir etwas ungewohnt gegenüber der "klassischen" Ausführung von Astronomik. Viele RGB-Fotografen erzeugen ja ihr Luminanzsignal bevorzugt im roten oder gar im IR-Bereich, weil dort oftmals die Luft ruhiger ist. Dein Luminanzkanal ist ja eher blaulastig.

Ich weiß nicht, für welchen Anwendungsbereich dieser von Dir verwendete Filtersatz konzipiert wurde, vielleicht eher für die Mikroskopie? Oder soll das zusätzliche Luminanzsignal die Blauschwäche der CCD-Chips ausgleichen? Weglassen kann man wohl den L-Kanal nicht, weil sonst eine Lücke zwischen Grün und Rot klafft. Jedenfalls ein bemerkenswertes Layout!

Interessant Deine Vergleich mit Spiegeln und Vollapo. Dann soltten sich doch die Bildergebnisse aus Deinem Refraktor bei entsprechender Anpassung auf Dauer noch verbessern lassen.

Ich hatte anfangs auch und habe immer noch gewisse Probleme mit der Farbe. Natürlich ist die "Papierform" meines FH lange nicht so gut wie die Deines farbkompensierten Refraktors. Bei f/20 komme ich immerhin auf eine deutlich bessere Farbkorrektur der Primäroptik und durch die Faltung des Strahlengangs auf eine Baulänge des Teleskops, die einem gestreckten f/8-Refraktor entspricht. Der Farb-Restfehler wird dann durch die RGB-Technik mit Nachfokussierung weitgehend unschädlich gemacht.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück und Erfolg bei der Handhabung und "Optimierung" Deiner FH-Optik und der entsprechenden Bearbeitungsverfahren.

Gruß, Jan
 
Hi,

hab mir auf Deiner - sehr interessanten Webseite - das erste Saturn-avi (den Grünauszug) angesehn und bin jetzt erstmal platt: der rauscht deutlich giftiger als meiner bei f/46!
Obwohl viel kleiner, sit die Rauschamplitude viel höher...

Wieviele Bilder stackst Du für gewöhnlich und mit welcher Software????

Aus DEM Video würd ich glaub ich nix vernünftiges rauskriegen.
Darf ich es mir mal ziehen und probeweise bearbeiten?

Gruß

Markus


____________________________________________________

Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
____________________________________________________

DANUBIA - OBSERVATORIUM

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Starfinderseite: starfinder.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory (at) freenet.de
 
Hallo Markus,

dann lässt sich ja aus Deinem Videomaterial vielleicht noch einiges mehr herausholen? Oder, es würde sich auch für Dich lohnen, versuchsweise einmal mit kürzerer Brennweite aufzunehmen.

Ich kann Dir gerne die Farbauszüge meiner letzten Saturnaufnahme auf DVD kopieren und via Post übermitteln, wenn Du mir Deine Adresse mailst.

Die Aufnahme- und Bearbeitungsbedingungen im Falle des Grünauszugs waren folgende: Aufnahme mit DMK21 im Primärfokus bei f/20 und vollem Gain (1023), 1/30 s Belichtungszeit, Weiterverarbeitung in Registax-4 mit 512 von 2059 Frames, Resampling auf 160% vor dem Stacken, Waveletregler 1 auf 20 und 2 auf 10, und schließlich noch Histogrammobergrenze auf 180 gesetzt. Das war alles. Ähnlich ging es bei Rot und Blau, nur dass Blau doppelt so lange belichtet war.

Die so bearbeiteten Farbauszüge habe ich in Fitswork zu einem RGB zusammengesetzt und dort auch eine kleine Farbkorrektur vorgenommen mit Grün auf 95% und Blau auf 105%. Ganz am Ende folgte noch eine kleine Gradationskosmetik in Picture Publisher, um eine etwas "plastischere" Darstellung zu gewinnen.

Wie Du aber leicht feststellen kannst, ist der Planet auf meinem Video weniger als halb so groß wie auf Deinem und rauscht ordentlich. Trotzdem kommt noch was ordentliches heraus, und ich vermute sehr, dass das zumindest teilweise an der günstigeren Brennweitenanpassung der Kamera liegt.

Gruß, Jan
 
Hi Markus,

eine klasse Aufnahme ist Dir da gelungen! Ich bin zugegebenermaßen nicht oft im Bilderforum unterwegs, aber das Foto gehört zu den besten sechs-Zoll-Saturnaufnahmen die ich bislang gesehen habe, durchaus Referenz-Klasse. Es sind immens viele Bänder zu sehen, speziell das schmale rot-orange Band direkt nördlich des Ringes kommt gut heraus. Von den Farben her wirkt es (im Gegensatz zur Ursprungs-Version) auch sehr natürlich.

Gefällt mir gut!

Gruß,
Norbert
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben