Saturn vom 30.04.2012 und Sonne vom 08.04.2012

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Attalar
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Attalar

Aktives Mitglied
Hallo!
Bin begeistert - wirklich feine Ergebnisse. Eine Frage: Wie bzw. mit welcher Software machst Du die L-RGB Kombination, insb. die Kombination von IR-R für den Luminanzkanal beim Saturn? Gehst Du bei der Farbbalance "nach Gefühl" unter Verwendung eines Referenzbildes vor, oder hast Du die Farbbalance vorher ausgemessen (G2 Stern)? Danke schon im Voraus!
CS und Gruß aus Wien - Simon
 
Hallo Michael,

gratuliere zu diesen sehenswerten Ergebnissen! - Saturn hat auf meinem Bildschirm einen deutlichen Blaustich und erscheint ziemlich dunkel. Vielleicht haben wir unterschiedliche Bildschirmeinstellungen. Probeweise habe ich ihn mal so korrigiert, dass er bei mir optimal erscheint:

Link zur Grafik: http://www.astro-vr.de/attaler_fej9-6i-74db_ML200GM53BM60_s5.jpg

Wie sind die Farben jetzt bei Dir? - Noch eine Frage zur Aufnahme: Wieviel Zeit hat die gesamte Aufnahmeprozedur mit fünf Filtern inklusive Wechsel gedauert, und mit welchen Belichtungszeiten hast Du die einzelnen Farben aufgenommen?

Gruß, Jan
 
Hi Jan,

es erscheint mir jetzt etwas gelb und zu hell. Ich habe aber auch einen sehr lichtstarken Monitor.

Hi Simon,

nein. Ich verwende das Histogramm von FireCapture und regle die Belichtungen so, dass R-G und B ausgewogen sind. Dann kommt das dabei heraus. Die Komposite mache ich immer mit FitsWork.

Gruß,

Michael
 
Zitat von Attalar:
es erscheint mir jetzt etwas gelb und zu hell. Ich habe aber auch einen sehr lichtstarken Monitor.
Hallo Michael,

danke für die Info! - Hatte jetzt schon Zweifel an meiner Bildschirmeinstellung und daraufhin gerade nochmal die RGB-Werte der Bilddateien überprüft: Auf Deinem Bild sind die hellsten Stellen nur mit 200 von 255 ausgesteuert, und auf den Ringen, die manche Autoren bei der Farbabstimmung gerne als Grau-Referenz heranziehen, überwiegen bei Dir die Blau- und Grünintensitäten deutlich. - Vielleicht bezog sich ja auch Simons Frage auf entsprechende Farbverschiebungen, die er auf seinem Bildschirm beobachtet.

Bei meiner Nachfrage bezüglich der Aufnahmedauer hatte ich irrtümlich 5 Filter angenommen, Du hattest aber Rot zweimal verwendet, also waren es nur 4 Filter insgesamt. Kannst Du die Aufnahmedauer noch angeben? Die interessiert mich im Hinblick auf die Abbildung möglicher Spots auf der Planetenoberfläche.

Gruß, Jan
 
Hallo Michael,

Danke für die Angaben! - wenn die R- und IR-Aufnahmen 4 min auseinander lagen, und Du das Luminanzbild durch Überlagerung dieser beiden Farbauszüge erzeugt hast, wird man aufgrund der schnellen Rotation des Planeten vermutlich keine scharfe Abbildung von Spots erwarten können, falls solche gegenwärtig überhaupt vorhanden sind. Das wollte ich eigentlich nur wissen.

Gruß, Jan
 
Hallo Michael,

dafür daß das Seeing uns in der letzten Zeit ganz und gar nicht verwöhnt sind das sehr gute Ergebnisse :super: Wie zufrieden bist du eigentlich mit dem Lunt? Ich überlege gerade auf dem ATT ebenfalls zuzuschlagen...

Viele Grüße,
Maciek

P.S. Die blaue Betonung des Saturn bekomme ich auch grundsätzlich bei gleichmäßiger Ausleuchtung der Kanäle. Evtl. sollte man im B-Kanal etwas unterbelichten?
 
Zitat von Attalar:
Berechnung Belichtungszeit für Saturn nach F. Brandl. -- Da bin ich mit meinen ca. 4min ganz gut dabei denke ich.
Hallo Michael,

vielen Dank für den Hinweis auf die Abhandlung von F. Brandl, die mir bislang nicht bekannt war. Möglicherweise dienen seine Formeln auch anderen Autoren als Richtlinie, obwohl seine Herleitungen an einigen Stellen unklar sind, und die Ergebnisse somit nicht gerade überzeugend erscheinen.

Bezüglich der optimalen Brennweitenanpassung an das Pixelraster der Kamera möchte ich hier nochmal auf die Herleitung der "Faustformel" f/d = 3*p/µm von Peter Müller hinweisen, worin f/d die "Blendenzahl" und p den Pixelabstand in µm bedeuten.

Im Zusammenhang mit der maximal zulässigen Belichtungszeit führt die Formel von Brandl auch aus praktischer Sicht zu keinem sinnvollen Ergebnis. Wenn ich beispielsweise die Belichtungszeit für eine meiner hochaufgelösten Jupiteraufnahmen nach der auch von Dir verwendeten Brandl-Formel berechne, komme ich auf tmax = 64 s. Welche Verschiebungen sich auf der Jupiterobefläche und bei seinen Monden in dieser Zeit ergeben, das zeigt diese Animation:

Link zur Grafik: http://www.astro-vr.de/1-2x11_500ms1s.GIF

Hier liegen jeweils 60 s zwischen den Einzelbildern. Um nicht feine Einzelheiten zu verlieren, videografiere ich Jupiter mit meinem 10" Spiegel grundsätzlich nicht länger als 30 s pro Farbe. Saturn erscheint bei vergleichbarer Umfangsgschwindigkeit ca. halb so groß wie Jupiter, deshalb erlaube ich mir dort 60 s.

Abgesehen davon, dass die Brandl-Formel eine m.E. um den Faktor 2 zu hohe Belichtungsdauer liefert, hast Du bei der Anwendung dieser Formel noch einen Faktor 2 im Nenner vergessen. Insoweit sehe ich meine Vermutung bestätigt, dass bei einer Belichtungsspanne von 4 min möglicherweise vorhandene Spots auf der Planetenoberfläche nicht dem Auflösungsvermögen Deines C9 entsprechend abgebildet werden können.

Ungeachtet all dieser Überlegungen zählt Deine hier gezeigte Aufnahme für mich zu den besten, die ich in dieser Saison von einem Teleskop dieser Größe gesehen habe. An meinem Standort gab es noch keine hinreichenden Bedingungen.

Gruß, Jan
 
Hi Jan,

das sieht in der Animation viel aus. Wenn man aber die erstenbeiden Frames überlagert und einmal auf Differenz setzt, dann sieht man, dass (abgesehen vom Mond) kaum Details auf der Oberfläche sich unterscheiden:

Link zur Grafik: http://www.bilder-hochladen.net/files/big/fej9-6j-57ae.jpg

Ein Schärfeverlust bei der überlagerung wäre sicherlich da, in meinen Augen aber Vernachlässigbar zu Gunsten von evtl. weniger Rauschen durch mehr Frames. Je besser das Seeing, desto auffälliger sicherlich der Detail- und Schärfeverlust:

Andere Veröffentlichungen haben übrigends ebenfalls Aufnahmezeiten für Saturn von knapp 4min. Für die Praxis bei nicht optimalem Seeing, ist das sicherlich ein guter Richtwert.

Gruß,

Michael
 
Zitat von Attalar:
Wenn man aber die erstenbeiden Frames überlagert und einmal auf Differenz setzt, dann sieht man ...
... nichts mehr, und zwar hauptsächlich deshalb, weil es dunkel ist. Da kann das Auge selbstverständlich so feine Helligkeitsunterschiede nicht mehr wahrnehmen. Bei mittleren Helligkeiten ist das Auge jedoch für feine Unterschiede sehr empfindlich. Den Vergleich finde ich zwar interessant, aber aus den genannten Gründen wenig aussagekräftig.

Zitat von Attalar:
... zu Gunsten von evtl. weniger Rauschen durch mehr Frames
Da könnte man gewiss nachhelfen, indem man kürzere Aufnahmebrennweiten verwendet. Bei 5,6 µm sind f/15 nach meiner Erfahrung auch bei optimalem Seeing völlig ausreichend - siehe z.B. hier : Saturn mit 6" und 7,4 µm bei f/20. Mittelmäßiges Seeing erlaubt selbstverständlich noch kürzere Brennweiten.

Gruß, Jan
 
Hallo Jan,

ich bleibe dabei, dass es nur bei sehr guten Seeingbedingungen einen Unterschied macht.

Noch einmal Deine Frames. Zunächst das erste allein:

Link zur Grafik: http://www.bilder-hochladen.net/files/big/fej9-6k-6da9.jpg

Und das ist die Überlagerung des ersten und des zweiten Frames:
Link zur Grafik: http://www.bilder-hochladen.net/files/big/fej9-6l-9b04.jpg

Am Mond kann man den großeren Abstand sehen. Aber bei den Oberflächendetails finde ich nicht, dass wirklich viel verloren gegangen ist. Den leichten Schärfeverlust habe ich durch eine leichte Unschärfe Maske-Schärfung (75%, 1px) korrigiert.

Ist aber sicherlich eine Geschmackssache. Ich habe lieber rauschfreiere Bilder, die ich dann besser bearbeiten kann.

Gruß,

Michael

 
Zitat von Attalar:
Ich habe lieber rauschfreiere Bilder, die ich dann besser bearbeiten kann.
Hallo Michael,

vielen Dank für Deine sehr überzeugende Bild-Demonstration! - Wenn ich dieselbe Prozedur nun auf das erste und dritte Bild aus der Animation anwende, kommt folgendes heraus:

Link zur Grafik: http://www.astro-vr.de/JupGIF1min_0vs0+2.gif

Jetzt sieht man sehr deutlich, was ich meine: Die feinen Spots, vor allem im Zentrum der Planetenscheibe, werden parallel zum Äquator in die Länge gezogen und verschmiert. Das Bild wirkt natürlich auch rauschärmer - siehe Zitat.

Hier liegen die Aufnahmezeitpunkte der beiden Bilder nun 2 min auseinander. Ein vergleichbarer Effekt wäre am Saturn bei einem Zeitabstand von 4 min zu erwarten, der Deiner Angabe von 234 s nahekommt. Wenn Du in der Formel von F. Brandl den Faktor 2 im Nenner berücksichtigst, landest Du allerdings auch bei 2 min für die Obergrenze der Belichtungszeit bei Teleskopen um die 10". Das entspricht wiederum 1 min am Jupiter und erscheint nach Deiner Gegenüberstellung noch akzeptabel.

Bei unseren Gegenüberstellungen ist zu beachten, dass wir hier zwei in den vorgegebenen Zeitabständen mit deutlich kürzerer Belichtungszeit aufgenommene Bilder überlagert haben. Etwas ungünstiger könnte es aussehen, wenn man jeweils über die angegebenen Zeitabstände "dauerbelichtete" Bilder in Betracht zieht.

Vielen Dank jedenfalls, dass Du mit Deiner sehr beachtlichen Saturnaufnahme diese Diskussion angestoßen und zur Aufklärung der entstandenen Fragen aktiv beigetragen hast!

Gruß, Jan
 
Hallo zusammen!

Ich weise zu dem Thema mal ganz vorsichtig auf die Möglichkeit der "Derotation" in der aktuellen Version von Winjupos hin ( Winjupos-Seite ). Habe es selbst noch nicht ausprobiert, sollte aber funktionieren. Auszug aus der Anleitung:

"You want to make color images with a monochromatic camera. With the standard process, you must make video sequences with red, green and blue filters in a small time span. With Jupiter, if you want for instance make video sequences of more than 2 minutes for each color channel, you can proceed as following : Cut a video sequence of 18 minutes in parts of each 2 minutes: RGBRGBRGB Compute then 3 final images for each color channel and merge them with De-Rotation of images. Then, merge the three resulting images to a single color image with De-Rotation of R/G/B images."

Ich werde das bei nächster Gelegenheit mal ausprobieren. Im Ergebnis sollte man wesentlich mehr Belichtungszeit, damit ein besseres SNR und mehr Details ohne "Rotationsverwischung" rausbekommen.

lg Simon

 
Hi Jan,

das verstehe ich nicht. Oben hast Du geschrieben, dass bei Anwendung der Formel bei Dir 64 sec heraus kommen und dass zwischen den Einzelframes ebenfalfs ca. 60sec sind. Daher habe ich auch nur zwei benachbarte Frames kombiniert.

Die 2 im Nenner habe ich nicht vergessen!!! In der Brandl-Formel macht es keinen praktischen Sinn, die theoretische Auflösung zu verwenden, alleine durch Seeing-Effekte. Daher schreibt er selber, dass er das ganze x 2 nehmen würde. Etwas weiter unten im Text.

Ich habe jedenfalls bei allen meinen Jupiter-Aufnahmen mit der o.g. Formel gute Ergebnisse erreicht.

Hi Simon,

ist das eine Funktion in Winjupos? Die kenne ich noch gar nicht. Jan hatte hier ja einmal vor Monaten eine Systematik über das Morphen vorgestellt, die ebenfalls tolle Ergebnisse liefert, mir aber bisher zu aufwenig war (ich Fauler, ich :D )

Gruß,

Michael
 
Michael,
Ja, das ist eine WinJupos Funktion. Man kann dort auch ein langes avi "derotieren" usw. Ist halt alles ein wenig umständlich, weil WinJupos zunächst eine Vermessungsdatei zu jedem Bild braucht. Auf Cloudy Nights gibts einen Australier, der ein Tutorial dazu geschrieben hat - kann ich Dir schicken (bitte bei Interesse Deine e-mailadresse per PM).
lg Simon
 
Zitat von Attalar:
Ok - das mit dem Faktor 2 hatte ich bei Brandl übersehen. Wenn ich das berücksichtige, kommen bei meinem Jupiter für tmax nicht 64 s sondern 128 s heraus, so wie bei Dir für Saturn 234 s herauskommen. Diesen Zahlen entspricht mein animierter Vergleich des ersten Bildes der Animation mit einer Überlagerung des ersten mit dem dritten Bild (Abstand 2 min).

Immerhin kann man das Seeing zur Zeit meiner Jupiteraufnahmen am 2. September 2010 getrost als sehr gut bewerten. Da mag dann die 2 im Nenner der Brandl-Formel doch angebracht sein. Das zeigt ja auch die deutlich erkennbare Verwischung der feinen Bilddetails bei der Überlagerung des ersten und dritten Bildes. Bei mittelmäßigem Seeing wäre das vermutlich nicht so aufgefallen.

Wenn Du das Seeing bei Deiner Saturnaufnahme eher als mittelmäßig bewerten willst, hält sich der Verlust an Bilddetails dort vermutlich auch bei 4 min Zeitspanne noch in erträglichen Grenzen.

Zitat von Attalar:
Jan hatte hier ja einmal vor Monaten eine Systematik über das Morphen vorgestellt, ...
Da hatte ich vorgeschlagen, von den weniger scharfen Farbauszügen, i.a. also Grün und Blau, jeweils zwei aufzunehmen, und zwar je einen vor und nach der Luminanzaufnahme, i.a. Rot, etwa nach dem Schema BGRGB. Durch Morphen kann dann jeweils ein auf den Zeitpunkt des Luminanzbildes interpoliertes und damit "derotiertes" Grün- bzw. Blaubild erzeugt werden.

Inzwischen bin ich aber von dieser etwas arbeitsintensiven Methode (bin auch faul) wieder abgerückt und arbeite nur noch nach dem Schema BRG oder GRB, so dass der zeitliche Abstand von G und B auf beiden Seiten des Luminanzbilds R relativ gering ist. Da das RGB-Komposit ohnehin weniger scharf ausgearbeitet wird als das Luminanzbild, ist dessen Einfluss auf die Detailschärfe des endgültigen R-RGB-Komposits zu vernachlässigen.

Gruß, Jan
 
Hi Jan,

jetzt habe ich Dich verstanden.

Ja, da ist dann doch ein deutlicher Unterschied zu sehen. Möglicherweise wirklich die Bedingungen. Wobei ich beim Jupiter sowieso die Luminanzaufnahmen (wenn ich sie überhaupt mache) meistens nur aus dem R-Kanal nehme. In letzter Zeit habe ich bei Jupiter ja immer reine RGBs gemacht. Da werde ich zukünftig schauen, dass ich da vielleicht die Zeit noch weiter reduziere, wenn viele Details zu erkennen sind.

Gruß,

Michael
 
Hallo Michael,

Dank Dir für die Rückmeldung! - Die Gelegenheit möchte ich nutzen für eine ergänzende Bemerkung zu den Formeln und Herleitungen von F. Brandl. Diese dienen ja offenbar auch anderen Autoren als Referenz.

Wenn also Brandl für "suboptimale" Sichtbedingungen eine zweifach längere Belichtungszeit zulässt als sie dem Auflösungsvermögen der Optik angemessen erscheint, warum gibt er eine entsprechende Empfehlung nicht auch für die Aufnahmebrennweite? Für grünes Licht der Wellenlänge 550 nm ergibt seine Formel umgerechnet F/D = 3,6*p/µm. Das ist nach unserer Erfahrung schon deutlich mehr als erforderlich, selbst bei optimalen Sichtbedingungen. Die oben schon zitierte "Faustformel" sagt ja f/d = 3*p für optimale Bedingungen.

Im Hinblick auf seine Empfehlung, Jupiter bei suboptimalen Bedingungen mit doppelt so langer Belichtungszeit aufzunehmen wie bei optimalen Bedingungen dürfte man konsequenterweise erwarten, dass Brandl auch bei der Aufnahmebrennweite einen Faktor 2 nachlässt und somit auf F/D ~ 2*p kommt.

Den letztgenannten Wert empfehle ich übrigens selbst für weniger gutes Seeing, damit man nämlich im Hinblick auf die stärkere Luftbewegung möglichst kurz belichten kann! Gewöhnlich arbeite ich aber in Erwartung optimaler Sichtbedingungen eher in der Gegend von 3*p, so insbesondere bei dem hier zitierten Jupiter mit f/d = 2,9*p. Den oben als weiteres Beispiel zitierten Saturn hatte ich - gleichfalls unter besten Sichtbedingungen - mit dem 6" Refraktor bei f/d = 2,7*p aufgenommen.

Gruß, Jan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Jan!
Deine Empfehlungen zur Verkürzung der Brennweite verfolge ich ja schon seit längerem mit großem Interesse. Ich tu mir dabei aber mit meinem Setting sehr schwer, da ich mit der ace 1300, Fira und FFC bei minimalen Abständen schon auf f/D = ~5*p (3,75um und f21) komme. Lasse ich den FFC weg komme ich im Primärfokus auf f/D = ~2*p. Für gutes Seeing fehlt mir leider das Setting für die goldene Mitte ;-)
lg Simon
 
Zitat von weikinger:
... mit der ace 1300, Fira und FFC bei minimalen Abständen ...
Hallo Simon,

brauchst Du denn den FFC wegen der für das Filterrad erforderlichen Abstände? Sonst würde ja mit Deiner 1/3" Videocam auch eine kleine 1,5x Barlow reichen. Ich verwende z.Z. die Chameleon mit demselben Kamerachip, wie Du ihn hast, und einer 2,2x Klee-Barlow davor bei f/d = 2,9*p. Gelegentlich setze ich auch - ohne erkennbare Verluste - eine 2x TS-Barlow ein und bin damit bei f/d = 2,6*p ebenso zufrieden.

Gruß, Jan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Servus Jan!
Beim FFC bestimmt sich der Verlängerungsfaktor ja nach dem Abstand des Chips. Leider muss bei mir das Fira zwischen FFC und Kamera. Zusammen mit T2-Cmount Adapter geht dann nicht mehr recht viel weniger als F21 ([viel] zuviel). Fira vor den FFC klemmen geht wegen meinem sehr knappen Backfocus nicht (Klevtsovspezifisches Problem beim Tal 250k / heftige Unterkorrektur, wenn ich den Backfokus nach hinten lege).
Ich kann mich vom FFC eigentlich nur aus emotionalen Gründen nicht so recht trennen (wahrscheinlich immer noch *brainwashed* von der baader werbung). Sollte den mal auf den Markt werfen und stattdessen eine 2x Powermate o.ä. anschaffen ... mal sehen. Jedenfalls kenne ich keine 1,5x Barlow mit "flexiblem" Abstand zum Chip.
lg Simon
 
Hallo Simon,

Wenn der Backfokus das Problem ist, liegst Du mit dem FFC an vorderster Stelle ganz richtig. Da fällt mir jetzt spontan nur noch der 2x2 Binning-Modus Deiner Kamera ein, der Dich mit einem Knopfdruck auf 7,5 µm und f/d = 2,8*p bringt. Das entspricht fast genau meiner Ankopplung von 3,75 µm bei f/11, womit ich u.a. den oben diskutierten, hoch aufgelösten Jupiter aufgenommen habe.

Mit Binning hast Du im übrigen das volle Gesichtsfeld des Chips ohne Verlust an Bilddetails aber mit höherer Empfindlichkeit und Bildrate! - Den Abbildungsmaßstab gewinnst Du bei der Bildverarbeitung durch Nachvergrößerung. Mein oben zitierter Saturn z.B. ist zweifach nachvergrößert, siehe hier .

Gruß, Jan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Super Idee! Ich hatte schon in diese Richtung überlegt, weil meine Saturn Blaukanäle bisher immer fast unbrauchbar waren. Wird demnächst ausprobiert. Danke!
CS Simon
 
Hallo Jan,

ich habe länger überlegt, ob ich mich in diesem Thread zu Worte melden soll oder nicht. Da Du mich aber in diesem Thread direkt angehst und mir u.A. Inkonsequenz vorwirfst, kann ich das so nicht stehen lassen. Ich möchte aber betonen, dass es normalerweise nicht meine Art ist, das ursprüngliche Thema dieses Threads, nämlich die gelungenen und sehenswerten Aufnahmen von Attalar, durch dieses „offtopic“ Thema zu diskreditieren. Ohne jetzt auf jedes Detail eingehen zu wollen hier einige Anmerkungen:

Zunächst hast Du die Farbbalance des Saturn-Bildes von „Attalar“ abgeändert und zwar so, dass es auf Deinem Monitor natürlicher erscheint. Hierzu möchte ich anmerken, dass eine sinnvolle Korrektur nur an einem individuell kalibrierten Monitor durchgeführt werden sollte. Eine Farbanpassung an einem unkalibrierten Monitor führt immer zu einem ungenauen Ergebnis. Ein Vergleich der RGB-Werte einzelner Pixel reicht hier ebenfalls nicht aus.

Nun zu Deinem Beweis. Dein Nachweis anhand der Animation ist für mich zweifelhaft, da Du offensichtlich gemorphte Bilder verwendest. Dieses wird in Deinem Post #915872 deutlich, da sich bei genauerer Betrachtung die Wolkenstrukturen des SEB in den einzelnen Frames scheinbar gegeneinander verschieben. Bitte bedenke, dass die einzelnen Frames Deiner gemorphten Animation ja auch Summenbilder sind. Konsequenterweise solltest Du zwei Rohbilder mit gegebener Zeitdistanz miteinander vergleichen. An dieser Stelle würde ich mir ebenfalls eine Herleitung einer entsprechenden Berechnungsformel zur maximalen Aufnahmedauer von Dir wünschen.

Zum Thema optimale Aufnahmebrennweite (Post #916256) möchte ich noch anmerken, dass viele „Top-Leute“ gern „oversamplen“. Deine ständigen Anmerkungen bezüglich „reduzierter Aufnahmebrennweite“ und dadurch bedingte geringere Belichtungszeiten und dadurch bessere Beherrschung des Seeings mögen grundsätzlich richtig sein, scheinen allerdings in der Praxis nicht immer zum besten Ergebnis zu führen.

Clear Skies

Frank Brandl
 
Hallo Frank,

Für Deine Rückmeldung bin ich Dir sehr dankbar und ich möchte nicht ausschließen, dass auch andere Mitverfolger dieser Diskussion das ebenso empfinden. Die Behandlung der in Deinem Tutorium angesprochenen Fragen betrachte ich durchaus nicht als "off topic", insbesondere deshalb, weil Michael als Initiator diese Diskussion das Thema unter Berufung auf Deine Abhandlung selbst angesprochen hat. Ich habe hier lediglich versucht, auf die von Michael unter Bezugnahme auf Deine Formeln vorgebrachten Argumente einzugehen, und fühlte mich somit veranlasst, auch auf die Quelle seiner Information direkt Bezug zu nehmen.

Bitte betrachte meine Kommentare zu Deiner Abhandlung als konstruktiven Diskussionsbeitrag und nicht in der Weise, als hätte ich Dich hier mit unbegründeten "Vorwürfen" "angehen" wollen. Immerhin sollte man doch gerade von einer als "Tutorial" veröffentlichten Abhandlung erwarten dürfen, dass sie für Nachfragen und Diskussionen offen ist und auf diese Weise zum allgemeinen Verständnis des behandelten Gegenstands beiträgt.

Um nicht den Eindruck zu vermitteln, ich würde Deine Herleitungen aus sachfremden Gründen kritisieren, möchte ich gerne etwas präziser auf einige wenige Stellen Deines Tutorials eingehen:

(1) Unter Ziffer 4.0: "The angular field of view" weist Du nachdrücklich auf den folgenden Sachverhalt hin: "It seems that between the effective pixels there is a none sensitive gap, which must be considered for the calculations. For the CCD ICX098BQ the pixel size is approx. 7.3µm and NOT 5.6µm." Diese Annahme ist falsch. In Wirklichkeit ist 5,6µm die Rasterweite des Pixelarrays auf dem Kamerachip und beinhaltet somit alle inaktiven Zwischenräume. Bemerkenswerterweise benutzen auch Christian und Peter Wellmann in ihrem SuW-Artikel "Videokameras in der Astronomie" (Juni 2008) die Argumentation mit den Zwischenräumen und leiten daraus Formeln und Empfehlungen für die Wahl der Aufnahmebrennweite ab. Ich habe den Artikel leider hier nicht vorliegen, vermute aber, dass man sich dort auch auf Dein Tutorial bezieht.

(2) Unter Ziffer 5.0: "The recommended focal length (Sampling)" beziehst Du Dich auf das Nyquist-Kriterium und schlussfolgerst: "For our aim this means that the wavelength of a signal should be covered by two pixels." Mit dem nächsten Satz "To calculate the desired focal length for a given wavelength and equipment we can apply the following formula:" folgt dann ohne jegliche Herleitung ganz unvermittelt die von mir angesprochene Formel: F = 2000*dpixel*D/lambda. Ich sehe an dieser Stelle keinen Bezug (außer "we can") zu Deinen Ausführungen bezüglich des Nyquist-Kriteriums.

Bei der Herleitung der von mir mehrfach zitierten "Faustformel" f/d = 3*p/µm hat Peter Müller sehr ausführlich den Zusammenhang zwischen der Pixelweite und dem von der abbildenden Optik erzeugten Beugungsbild diskutiert. Etwas vergleichbares hätte ich in Deiner Abhandlung auch erwartet.

(3) Unter Ziffer 7.0: "The planets rotation" entwickelst Du dann die von Michael zitierte Formel für die maximale Belichtungszeit bei Paneten tmax = 206265*dpixel*T/(2*Pi*F*R) mit der ergänzenden Bemerkung: "So I think that in real live you can exceed this calculated "max. duration time" by the factor 2 and still have a good final image." Ich denke, dass diese Erläuterung durch meine oben vorgestellte Jupiteranimation klar widerlegt ist. Ob die für die Animation verwendeten Bilder nun Originalaufnahmen sind oder durch Morphen aus zwei Originalframes durch Interpolation erzeugt wurden, kann auf das hier demonstrierte Ergebnis keinen entscheidenden Einfluss haben.

Was mich an Deinem Tutorium ein wenig stört, ist die Tatsache, dass Du hier mit Formeln hantierst, die von verschiedenen Autoren als "Referenz" angesehen werden, obwohl sich bei näherem Hinschauen zeigt, dass sie auf mehr oder weniger willkürlichen Annahmen beruhen. Vielleicht könntest Du Dein Tutorial bei Gelegenheit an den fraglichen Stellen überarbeiten und an den neuesten Erkenntnisstand anpassen.

Im übrigen finde ich jede Bemühung um ein allgemeinverständliches Tutorium auf diesem und anderen Gebieten sehr anerkennenswert und bitte Dich, meine Kommentare als Anregung zur "Weiterentwicklung" Deines Tutoriums und nicht als blinde Kritik aufzunehmen. Ich freue mich selbstverständlich auch, wenn meine Argumente in Frage gestellt werden. Aus solchen Diskussionen kann man immer etwas lernen.

Noch eine Bemerkung zur Farbbalance am Saturn: Ich erinnere mich, dass einige namhafte Autoren versuchen, sich bei der Farbabstimmung an der Farbbalance des Ringsystems zu orientieren, die weitgehend farbneutral sein soll. Farbneutral heißt, dass die Farbanteile Rot, Grün und Blau in ihren Intensitäten einigermaßen nah beieinanderliegen sollen. Wenn ein Objekt auf meinem oder einem anderen Bildschirm deutlich blau erscheint, UND die RGB-Analyse der Bilddatei gleichfalls ein deutliches Übergewicht des Blauanteils zu erkennen gibt, scheint mir - ganz unabhängig von der Bildschirmkalibrierung - ein Farbstich vorzuliegen.

Gruß, Jan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben