Hallo Frank,
Für Deine Rückmeldung bin ich Dir sehr dankbar und ich möchte nicht ausschließen, dass auch andere Mitverfolger dieser Diskussion das ebenso empfinden. Die Behandlung der in Deinem Tutorium angesprochenen Fragen betrachte ich durchaus nicht als "off topic", insbesondere deshalb, weil Michael als Initiator diese Diskussion das Thema unter Berufung auf Deine Abhandlung selbst angesprochen hat. Ich habe hier lediglich versucht, auf die von Michael unter Bezugnahme auf Deine Formeln vorgebrachten Argumente einzugehen, und fühlte mich somit veranlasst, auch auf die Quelle seiner Information direkt Bezug zu nehmen.
Bitte betrachte meine Kommentare zu Deiner Abhandlung als konstruktiven Diskussionsbeitrag und nicht in der Weise, als hätte ich Dich hier mit unbegründeten "Vorwürfen" "angehen" wollen. Immerhin sollte man doch gerade von einer als "Tutorial" veröffentlichten Abhandlung erwarten dürfen, dass sie für Nachfragen und Diskussionen offen ist und auf diese Weise zum allgemeinen Verständnis des behandelten Gegenstands beiträgt.
Um nicht den Eindruck zu vermitteln, ich würde Deine Herleitungen aus sachfremden Gründen kritisieren, möchte ich gerne etwas präziser auf einige wenige Stellen Deines Tutorials eingehen:
(1) Unter Ziffer 4.0: "The angular field of view" weist Du nachdrücklich auf den folgenden Sachverhalt hin: "It seems that between the effective pixels there is a none sensitive gap, which must be considered for the calculations. For the CCD ICX098BQ the pixel size is approx. 7.3µm and NOT 5.6µm." Diese Annahme ist falsch. In Wirklichkeit ist 5,6µm die Rasterweite des Pixelarrays auf dem Kamerachip und beinhaltet somit alle inaktiven Zwischenräume. Bemerkenswerterweise benutzen auch Christian und Peter Wellmann in ihrem SuW-Artikel "Videokameras in der Astronomie" (Juni 2008) die Argumentation mit den Zwischenräumen und leiten daraus Formeln und Empfehlungen für die Wahl der Aufnahmebrennweite ab. Ich habe den Artikel leider hier nicht vorliegen, vermute aber, dass man sich dort auch auf Dein Tutorial bezieht.
(2) Unter Ziffer 5.0: "The recommended focal length (Sampling)" beziehst Du Dich auf das Nyquist-Kriterium und schlussfolgerst: "For our aim this means that the wavelength of a signal should be covered by two pixels." Mit dem nächsten Satz "To calculate the desired focal length for a given wavelength and equipment we can apply the following formula:" folgt dann ohne jegliche Herleitung ganz unvermittelt die von mir angesprochene Formel: F = 2000*dpixel*D/lambda. Ich sehe an dieser Stelle keinen Bezug (außer "we can") zu Deinen Ausführungen bezüglich des Nyquist-Kriteriums.
Bei der Herleitung der von mir mehrfach zitierten
"Faustformel" f/d = 3*p/µm hat Peter Müller sehr ausführlich den Zusammenhang zwischen der Pixelweite und dem von der abbildenden Optik erzeugten Beugungsbild diskutiert. Etwas vergleichbares hätte ich in Deiner Abhandlung auch erwartet.
(3) Unter Ziffer 7.0: "The planets rotation" entwickelst Du dann die von Michael zitierte Formel für die maximale Belichtungszeit bei Paneten tmax = 206265*dpixel*T/(2*Pi*F*R) mit der ergänzenden Bemerkung: "So I think that in real live you can exceed this calculated "max. duration time" by the factor 2 and still have a good final image." Ich denke, dass diese Erläuterung durch meine oben vorgestellte Jupiteranimation klar widerlegt ist. Ob die für die Animation verwendeten Bilder nun Originalaufnahmen sind oder durch Morphen aus zwei Originalframes durch Interpolation erzeugt wurden, kann auf das hier demonstrierte Ergebnis keinen entscheidenden Einfluss haben.
Was mich an Deinem Tutorium ein wenig stört, ist die Tatsache, dass Du hier mit Formeln hantierst, die von verschiedenen Autoren als "Referenz" angesehen werden, obwohl sich bei näherem Hinschauen zeigt, dass sie auf mehr oder weniger willkürlichen Annahmen beruhen. Vielleicht könntest Du Dein Tutorial bei Gelegenheit an den fraglichen Stellen überarbeiten und an den neuesten Erkenntnisstand anpassen.
Im übrigen finde ich jede Bemühung um ein allgemeinverständliches Tutorium auf diesem und anderen Gebieten sehr anerkennenswert und bitte Dich, meine Kommentare als Anregung zur "Weiterentwicklung" Deines Tutoriums und nicht als blinde Kritik aufzunehmen. Ich freue mich selbstverständlich auch, wenn meine Argumente in Frage gestellt werden. Aus solchen Diskussionen kann man immer etwas lernen.
Noch eine Bemerkung zur Farbbalance am Saturn: Ich erinnere mich, dass einige namhafte Autoren versuchen, sich bei der Farbabstimmung an der Farbbalance des Ringsystems zu orientieren, die weitgehend farbneutral sein soll. Farbneutral heißt, dass die Farbanteile Rot, Grün und Blau in ihren Intensitäten einigermaßen nah beieinanderliegen sollen. Wenn ein Objekt auf meinem oder einem anderen Bildschirm deutlich blau erscheint, UND die RGB-Analyse der Bilddatei gleichfalls ein deutliches Übergewicht des Blauanteils zu erkennen gibt, scheint mir - ganz unabhängig von der Bildschirmkalibrierung - ein Farbstich vorzuliegen.
Gruß, Jan