Schief verkittetes Objektiv retten?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

MartinElsaesser

Aktives Mitglied
Hallo,
Ich habe ein kleines Objektiv von einem 60mm Sucher das nur grausig unscharfe Bilder liefert.
Scheinbar wurden die zwei Linsen des Objektivs nicht korrekt zentriert verkittet, die seitliche Verschiebung der Linsen ist sichtbar und fühlbar.

Ich würde versuchen wollen das Objektiv im Backofen zu erwärmen bis der Kitt weich wird und das dann zurecht zu schubsen. Es kann ja nur besser werden, im jetzigen Zustand ist das nicht benutzbar.
Welche Temperaturen braucht es denn da so ca? Gibt es was spezielles zu beachten?

Grüße, Martin
 
Hallo Martin,
ich habe das auch schon ausprobiert, jedoch mit dem Ergebnis das eine Linse danach gesprungen ist und kaputt war.
Bei neueren Objektiven kommen andere Fügemedien zum Einsatz welche wohl mit UV-Licht ausgehärtet werden, habe ich mir sagen lassen.
Die kleben dann brutal zusammen.
Ältere Linsen oder Kittflächen kann man auch ein paar Tage in Aceton einlegen, die werden dann weich oder lösen sich sogar auf.
LG
 
Früher hat man mal Kanadabalsam zum Verkitten verwendet, das konnte man meine ich bei 50°C-60°C wieder entfernen... Bei den moderneren Kitten wird da sicher etwas anderes verwendet, kannst ja mal testen. Langsam hochheizen, und ab 50°C ausprobieren, was geht. Mehr als nicht klappen/schief gehen kanns ja nicht. Und wenn seh egal ist...
 
Welche Temperaturen braucht es denn da so ca? Gibt es was spezielles zu beachten?
Ist es so wertvoll, damit du es nicht entsorgst und dir was intaktes holst?
In der Schule hätte dir der Lehrer das mit "Thema verfehlt" ankekreidet.

Vllt gehts ja um das tolle Gefühl, etwas mit den eigenen Händen hinbekommen zu haben.

"Temperaturbeständigkeit" liegt bei den meisten optischen Kitten bei 120-180°C, also ein sehr großer Unsicherheitsbereich wenn man den genauen Stoff nicht kennt. Außerdem gibt es welche auf Acryl und welche auf Epoxybasis (->giftige Dämpfe).
Und ob die sich dann direkt zersetzen, oder gar verkohlen, oder tatsächlich einfach weich werden und schmelzen, ist pures Glücksspiel wenn man den genauen verwendeten Kitt nicht kennt.
Kanadabalsam neigt sogar zum entflammen.

Am besten, man löst die Verkittung komplett mit Aceton (leider auch nicht bei Allen möglich), und verkittet sie neu.

LG
Olli
 
Hallo Martin,

ja, das ist der Fluch der modernen Zeiten (seit mindestens 30 Jahren). Damals mit Kanadabalsam habe ich mich so was auch getraut. Da man heute nie weis, was da zum Verkitten verwendet wurde, ist das jetzt ein übles Glücksspiel. Im schlimmsten Fall musst du das Objektiv hinterher entsorgen, dir einen neuen Backofen kaufen oder vorsichtshalber keinen Kuchen oder Braten mehr in den Ofen schieben.
Leider hat der Olli mit seiner Darstellung recht.

LG Gerhard
 
Hallo Martin.

Ich habs auch schon hingekriegt, verkittete Mikroskopobjektive mit Waschbenzin kaputt zu kriegen (d.h. in Einzelteile zerlegt) nachdem ich mit diesen Dingern genauso weit war wie Du jetzt mit dem Objektiv, die waren so verdreckt dass kein Licht mehr durchging und waren nicht sauber zu kriegen. Benzin ist nicht ganz so toxisch wie Aceton.

Viel Erfolg, Jürgen.
 
Hallo Martin,

in erster Linie braucht man Geduld bei solchen Sachen und etwas Mut.
Wie Olli schon geschrieben hat, gibt es mehrere Stoffe, mit denen optische Komponenten "verkittet"werden können. Natürliche, wie das altbewährte Canadabalsam oder anorganische moderne Stoffe, die im industriellen Prozeß besser zu handhaben sind.
Jeder "Kitt" verhält sich anders. Canadabalsam ist sehr "gutmütig", wenn man ihn nicht zu heiß erhitzt.
Ich habe schon einige Optiken durch vorsichtiges Erhitzen zum Trennen bewegen können, aber auch einige extremst "verkokt", das sich das Material in Schlacke verwandelt hat.
Es gibt auch Materialen, die werden nicht zähflüssig beim Erhitzen, beiben fest, haben aber die Angewohnheit, das sie schrupfen.
Ich hatte Optiken, die ließen sich nach dem Erkalten trennen.
Hier mein Vorgehen, wenn ich was trennen muß (Eigene Gefahr und ohne Gewähr)
1)
Die Temperatur im Backofen mit der Linse auf einer feuerfesten Unterlage, auf ca. 70°C und langsam mit Heißluft erwärmen.
2)
Den ersten Test nach ca. 30 Minuten, ob die Linsen sich unter leichten Druck etwas bewegen/verschieben lassen.
+++nur die Linsen gegeneinander verschieben, nicht senkrecht zu den Linsen. Das kann zu Spannungen und zu Muschelbrüchen führen.
+++Auch keine harten metallischen Gegenstände (Schraubendreher). Holzspieße oder besser Bambusspieße nehmen
+++Alles ist schon gut warm, also Handschuhe
(Gerade Canadabalsam wird sehr langsam weich und bleibt gerne sehr zäh. Wie Kaugummi, den man gestern das letzte Mal gekaut hatte.o_O)
Tun sie das nicht, die Linsen, lieber noch mal 15 Min bei 70°C weiter erwärmen. ->Wie gesagt: Geduld!
3)
Dann erneute Probe wie bei 2)
If then Else)
Wenn sich immer noch nix tut, ist hier die erste wichtige Entscheidung: Temperatur auf ~80-90°C erhöhen, oder Abruch?
Je nach Alter des Canadabalsams, braucht es etwas mehr "Dampf" um den Balsam zu erweichen.
4)
Temperatur erhöhen und 20-30Min warten
5)
Probe wie bei 2)
6)
Sollte sich immer keine Verbesserung einstellen, ist es wahrscheinlich kein Canadabalsam.
7)
Wieder eine Entscheidung!
Langsam abkühlen lassen es ist ein "Schrupfmaterial" oder rauf mit der Temperatur auf 120-180°C?
(Immer im Hinterkopf: ->Was ist es für eine Optik: selten, ideller Wert, oder leicht zu verschmerzen?
Ich breche bei "selten" und "ideller Wert" meißtens den Versuch ab!
Ansonsten wieder bei 2) anfangen.

Nach dem Abkühlen den Versuch mit Acetoneinlagerung, wie Olli auch schreibt.
Aber hier gilt: Noch mehr Geduld. Das kann mehrere Tage oder Wochen dauern, denn das Aceton kann immer nur über den schmalen Spalt zwischen den Linsen wirken. Abundzu mal schwenken, damit frisches Aceton an die Stelle kommt. (Wie Champagner bei der Gährung immer mal rütteln)

Sollte das immer noch nicht wirken: Tee trinken, sich nicht grämen und akzeptieren.

Hat es geklappt (Gratulation) und die Linsen auch mit Aceton sauber machen. Auch wieder einweichen, aber getrennt voneinander.
Wichtig: Merken wie die Linsen zueinander waren (Oben, Unten und radial) Wie bei Luftspaltachromaten die Position der Linsen zueinander markieren.

Nur Mut und gutes Gelingen (Toi Toi Toi)!

Grüße aus dem Norden.

Martin

Übrigens: Mein Avatarbild ist von einem Spiegelobjektiv, bevor alles in die Hose ging. Kitt verkokt, Linsen nicht mehr brauchbar.
 
Die Seite oder das Forum hat mir sehr viel Inspiration gebracht:

Martin
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben