Hallo Martin,
in erster Linie braucht man Geduld bei solchen Sachen und etwas Mut.
Wie Olli schon geschrieben hat, gibt es mehrere Stoffe, mit denen optische Komponenten "verkittet"werden können. Natürliche, wie das altbewährte Canadabalsam oder anorganische moderne Stoffe, die im industriellen Prozeß besser zu handhaben sind.
Jeder "Kitt" verhält sich anders. Canadabalsam ist sehr "gutmütig", wenn man ihn nicht zu heiß erhitzt.
Ich habe schon einige Optiken durch vorsichtiges Erhitzen zum Trennen bewegen können, aber auch einige extremst "verkokt", das sich das Material in Schlacke verwandelt hat.
Es gibt auch Materialen, die werden nicht zähflüssig beim Erhitzen, beiben fest, haben aber die Angewohnheit, das sie schrupfen.
Ich hatte Optiken, die ließen sich nach dem Erkalten trennen.
Hier mein Vorgehen, wenn ich was trennen muß (Eigene Gefahr und ohne Gewähr)
1)
Die Temperatur im Backofen mit der Linse auf einer feuerfesten Unterlage, auf ca. 70°C und langsam mit Heißluft erwärmen.
2)
Den ersten Test nach ca. 30 Minuten, ob die Linsen sich unter leichten Druck etwas bewegen/verschieben lassen.
+++nur die Linsen gegeneinander verschieben, nicht senkrecht zu den Linsen. Das kann zu Spannungen und zu Muschelbrüchen führen.
+++Auch keine harten metallischen Gegenstände (Schraubendreher). Holzspieße oder besser Bambusspieße nehmen
+++Alles ist schon gut warm, also Handschuhe
(Gerade Canadabalsam wird sehr langsam weich und bleibt gerne sehr zäh. Wie Kaugummi, den man gestern das letzte Mal gekaut hatte.

)
Tun sie das nicht, die Linsen, lieber noch mal 15 Min bei 70°C weiter erwärmen. ->Wie gesagt: Geduld!
3)
Dann erneute Probe wie bei 2)
If then Else)
Wenn sich immer noch nix tut, ist hier die erste
wichtige Entscheidung: Temperatur auf ~80-90°C erhöhen, oder Abruch?
Je nach Alter des Canadabalsams, braucht es etwas mehr "Dampf" um den Balsam zu erweichen.
4)
Temperatur erhöhen und 20-30Min warten
5)
Probe wie bei 2)
6)
Sollte sich immer keine Verbesserung einstellen, ist es wahrscheinlich kein Canadabalsam.
7)
Wieder eine Entscheidung!
Langsam abkühlen lassen es ist ein "Schrupfmaterial" oder rauf mit der Temperatur auf 120-180°C?
(Immer im Hinterkopf: ->Was ist es für eine Optik: selten, ideller Wert, oder leicht zu verschmerzen?
Ich breche bei "selten" und "ideller Wert" meißtens den Versuch ab!
Ansonsten wieder bei 2) anfangen.
Nach dem Abkühlen den Versuch mit Acetoneinlagerung, wie Olli auch schreibt.
Aber hier gilt: Noch mehr Geduld. Das kann mehrere Tage oder Wochen dauern, denn das Aceton kann immer nur über den schmalen Spalt zwischen den Linsen wirken. Abundzu mal schwenken, damit frisches Aceton an die Stelle kommt. (Wie Champagner bei der Gährung immer mal rütteln)
Sollte das immer noch nicht wirken: Tee trinken, sich nicht grämen und akzeptieren.
Hat es geklappt (Gratulation) und die Linsen auch mit Aceton sauber machen. Auch wieder einweichen, aber getrennt voneinander.
Wichtig: Merken wie die Linsen zueinander waren (Oben, Unten und radial) Wie bei Luftspaltachromaten die Position der Linsen zueinander markieren.
Nur Mut und gutes Gelingen (Toi Toi Toi)!
Grüße aus dem Norden.
Martin
Übrigens: Mein Avatarbild ist von einem Spiegelobjektiv, bevor alles in die Hose ging. Kitt verkokt, Linsen nicht mehr brauchbar.