Schon 18 Kleinplanetenmonde in 2026 mittels Sternbedeckungen entdeckt

WUNNI

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Hallo!

Sternbedeckungen durch Kleinplaneten ähneln einer Sonnenfinsternis: Das Licht eines Sterns wird durch einen Himmelskörper unseres Sonnensystems (hier: Kleinplanet) für einen Beobachter kurz geblockt. Der Schatten des Kleinplaneten rast über die Erdoberfläche. Und wer im Schattenpfad steht, sieht eine Bedeckung - der Stern verschwindet für einen kurzen Moment.
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(So waren die Beobachter der Bedeckung durch (1212) Francette am 28.09. verteilt - von Ost-Polen bis Südwest-England. Screenshot aus OccultWatcher von Hristo Pavlov, mit Goole Maps Karte; OccultWatcher Cloud)

Bedeckungsbeobachter beobachten solche Ereignisse mit ganz normalen Amateurteleskopen. Da die Beobachter oft über große Entfernungen verstreut sind, ist eine exakte Zeitmessung sehr wichtig, um die Beobachtungen dann gemeinsam auswerten zu können. Typische Ergebnisse sind exakte Größenangaben der Kleinplaneten (nicht nur Annahmen aus einer mittleren Albedo) und letztlich genaue 3-D-Modelle der Kleinplaneten.
Immer wieder sehen Beobachter nicht nur eine Bedeckung, sondern zwei. Mit etwas Glück "erwischt" man auch einen kleinen Mond, der um den Kleinplaneten herum fliegt. Das geschieht immer häufiger.

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(Als Ergebnis werden diese "Chords" ermittelt, Sehnen durch den Kleinkörper. Hier sind es zwei - Kleinplanet plus ein Mond. Der Mond war bis dahin unbekannt! Diese Entdeckung wurde dann im CBET 5730 vermeldet. - Sceenshot aus OccultWatcher von Hristo Pavlov, OccultWatcher Cloud)

Aktuelle astronomische Entdeckungen werden vom Central Bureau for Astronomical Telegrams (CBAT) der Internationalen Astronomischen Union (IAU) veröffentlicht. 2026 wurden bis heute 102 Telegramme veröffentlicht.
18 davon melden die Entdeckung eines Kleinplaneten-Mondes, nicht durch Profiastronomen an Großteleskopen, sondern durch Beobachter aus Astronomischen Gruppierungen aus aller Welt - sprich durch unbezahlte Astronomen alleine 2026. Das finde ich ganz erstaunlich!
Damit eine Meldung tatsächlich in einem Telegramm der IAU veröffentlicht wird, muss die Sache Hand und Fuß haben.
Dieser Erfolg ist nur möglich durch die enge Kooperation der bezahlten mit den unbezahlten Astronomen. Das macht die Sache sehr spannend und interessant.

Also, wer von euch Lust hat, seinen Namen als Entdecker in einem IAU-Telegramm zu lesen, sollte loslegen. :cool: Die Jagd auf Kleinplanetenmonde ist eröffnet. Echte Entdeckungen sind möglich. Die Technik haben die meisten eh, fehlt vielleicht das know-how, aber da könnt ihr ja mal hier schauen bzw. euch in diesem thread melden. ;)

Gruß und CS,
Niko
 
Habe Fragen:
Könnte man aus Sternbedeckungen durch Satelliten nicht auch etwas über deren Größe herausfinden?
Es schwirren ja ne ganze Menge davon, d.h. die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist groß

Kann man auch etwas über den bedeckten Stern lernen oder sind Sterne zu klein?

Schöne Astrogrüße, Claus
 
Hallo Klaus,

- Satelliten: Eine Bedeckung durch Satelliten dauert normalerweise nur ein paar Millisekunden (habe mal etwas dazu gelesen, weiß aber nicht mehr wo, vlt. hier im Forum). Da müsste der Stern sehr hell sein. Und außerdem sollten die Betreiber ja wissen, wie groß ihre Satelliten sind. :whistle:
- Sterne: Im Prinzip ja, aber die größere Unsicherheit ist die Kleinplaneten-Oberfläche. Wenn man Beugungseffekte misst, dann sind das meistens Effekte durch den Kleinplaneten. Beim Stern weiß man ja etwa, wie groß der scheinbar sein muss (Spektralklasse + scheinbare Helligkeit --> absoluter Durchmesser --> Entfernung --> scheinbarer Durchmesser).
Bei Sternbedeckungen am Mondrand ist das anders, da kann man tatsächlich Sterne vermessen bzw. auch enge Doppelsterne entdecken.
Das ist auch ein aktuelles Forschungsprojekt von Prof. Enrique Velasco in Spanien, siehe OLED-Projekt bzw. in https://iota-es.de/JOA/JOA2026_3.pdf ab Seite 26.
Auch eine Möglichkeit, wie man als Otto-Normalastronom an aktueller Wissenschaft mitforschen kann... :teleskop:

CS, Niko
 
Am dunklen Mondrand kommt man bis 10 Komma irgendwas Mag, je nach Mondphase. Die Optik sollte gut geputzt sein. Irgendwann ist das Stern-Beugungsscheibchen nicht heller als der (helle!) dunkle Mondrand. Bis 9 Komma irgendwas Mag kann man die Bedeckungen sehr gut messen.
Am hellen Rand geht fast nichts, selbst die hellsten Sterne sind schwierig auszumachen

Das hier war ein Stern 8,2 mag bei 78 % am dunklen Rand (hier: Einzelbild aus Video mit 200 fps und daher etwas verrauscht)

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Der Stern war im Gaia catalogue of Nonsingle (accelerated) stars enthalten, und nonsingle ist er auch, wie die Lichtkurve zeigt:

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Die winzige Stufe in der Lichtkurve verriet den Doppelstern, 8 mas (8 Millibogensekunden, also 0,008") voneinander getrennt (ließ sich für mich nicht sauber auswerten, aber für die Kollegen in Madrid schon). Einen Doppelstern mit 0,008" zu trennen mit "Amateurtechnik" finde ich cool. ;)

Beste Grüße,
Niko

PS: Screenshots: Oben DVTI Video Tools, kostenlos von Schweizer Technik Manufaktur GmbH; unten AOTA als Teil von Occult v4 von Dave Herald (ebenfalls kostenlos)
 

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