Schon wieder ein Semi-Apo

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Re: Früher war alles besser

Hallo Carsten.

Im Februar habe ich mal eine ähnliche Frage gestellt, welche auch die Preisunterschiede behandelt, besonders aber nach den Einkaufskonditionen der Händler fragt.

---> alter Foreneintrag

Zitat von dobson85:
Hallo Zusammen.

Anstatt hier einen "Preiskampf" mit öffentlichen Kommentaren zu schmücken würde ich es begrüßen, wenn sich die europäischen Händler gemeinsam daran arbeiten würden, ihre Einkaufskonditionen gegenüber den Herstellern / Generalexporteuren zu stärken.

Im internationalen Vergleich verblasst der deutsche Preiskampf, bzw. findet auf einem außerordentlich hohen Niveau statt.

Die Mehrwertsteuer beträgt bei uns 19%. In den USA schwankt sie von Staat zu Staat, wobei 7% einen Mittelwert darstellt.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Person nach Kaufkraftparität beträgt pro Person in den USA $46.859, in Deutschland $35.442
Diese Zahlen unterscheiden sich bereits deutlich in die Richtung, dass das BIP(PPP)/Einwohner in Deutschland circa 30% niedriger ausfällt.

Wenn man sich den BigMac-Preisindex anschaut sieht man, dass die Preise in Europa circa 30% höher sind gegenüber den USA ($3.57 USA gegenüber $4.62 Europa).

Die oben aufgeführten Wirtschaftsdaten sollen als Vergleichsbasis für folgende Zahlen dienen.

Nachfolgend habe ich einige Produktpreise ausgewählt und zwischen USA / Deutschland verglichen. Um die Bewertung sinnvoller zu gestalten habe ich die Preise jeweils in Euro angegeben.

Die Mehrwertsteuer habe ich jeweils herausgenommen, da sie 7% in den USA und 19% bei uns beträgt.
Die Zahlen sind also steuerunabhängig. Die Zahlen sind gerundet, die Prozenzahlen stellen den Preisaufschlag dar.


Skywatcher Skyliner 12" Flex Tube:
D: 770€ / USA: 665€ --> 15%

Orion Sky Quest XT10 - Intelli Scope:
D: 700€ / USA: 465€ --> 50%

Antares Speers Waler 13.4mm:
D: 138€ / USA: 65€ --> 110 %

Antares Mer30mm:
D: 170€ / USA: 65€ --> 115%

GSO Justierlaser:
D: 48 € / USA: 26€ --> 80%


Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass genau diese Auswahl repräsentativ ist. Insgesamt jedoch werden die Aufschläge die 30% Unterschied die anfangs erwähnt wurden deutlich übersteigen.

Steuern die an den Staat abzuführen sind wurden wie beschrieben herausgerechnet.
Also liegt der Preisunterschied in einem hohen Gewinnaufschlag seitens der Händler begründet oder in schlechteren Bezugskonditionen gegenüber den Herstellern / Generalexporteuren, welche sicherlich auch mengenbedingt sind (bei handsonoptics steht z.B., dass in den letzten 5 Jahren über 15.000 GTO Okulare verkauft wurden - scheinbar ein Pendant zu den TS-Plössl Okularen - eine gewaltige Menge)

Die Preise werden in den USA nicht nur von reinen Kistenschiebern geboten, die sich nicht um ihre Kunden kümmern. Da die Preise in den USA relativ angeglichen sind und z.B. kostenloser Versand nahezu überall stattfindet, findet nämlich auch dort ein Konkurrenzkampf über das beste Serviceangebot statt. Die Preisunterschiede sind also nicht dadurch zu erklären, dass die US-Händler an Service sparen.

Mich würde nun interessieren, wie unsere Händler diese Preisunterschiede beurteilen und ob sie Möglichkeiten sehen, eventuell bessere Konditionen bei den Herstellern zu erlangen.


PS:

Im Oktober habe ich einiges an Zubehör bei Handsonoptics in den USA bestellt. Und zwar Zubehör von Antares, Lumicon, Thousand Oaks und GTO.
Zeiss, Pentax, Takahashi und Celestron dürfen von diesem Laden zum Beispiel auch nicht in andere Länder geliefert werden (laut Homepage). Der Händler in England ist also kein Einzelfall.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Früher war alles besser

Nachtrag:

Oben habe ich ja vermutet, dass ein Händler mit großer Reichweite viel verkaufen kann und sicherlich auch dann wesentlich günstiger an sein Material rankommt.
Es ist zwar sicherlich in diesen Dimensionen nicht allgemeingültig, aber Herr Ludes hat in einem Beitrag im Forum hier verschiedene Preise für verschiedene Bestellmengen eines Okulartyps aufgelistet --> Link

Die Preisunterschiede bei verschiedenen Bestellmengen sind enorm.
Da die USA sicherlich einen größeren Astromarkt darstellen als die EU, profitieren Händler dort sicherlich auch von günstigeren Einkaufspreisen, die sich durch die schiere Verkaufsmenge erklären lassen könnten.
Wie oben angesprochen wurden bei Handsonoptics beispielsweise 15.000 GTO Okulare in 5 Jahren verkauft.
Mr. Hand schreibt auf seiner Homepage, dass andere Händler die gleichen Okulare für wesentlich mehr Geld verkaufen würden.
Händler die weniger verkaufen als z.B. Mr Hand, bekommen sicherlich schlechtere Einkaufskonditionen und stehen bei geringeren Verkaufsmengen zudem vor dem Problem, ihr Geschäft trotzdem gewinnbringend arbeiten zu lassen. Fixkosten und Werbekosten z.B. sinken ja nicht, nur weil die verkaufte Menge geringer ausfällt.

Also ist nicht per se den Händlern ein Wucher zuzuschreiben, nur weil andere Händler günstiger sind. Über die Zeit wird sich dann wohl für beide Händler zeigen, ob sich ihre Art der Geschäftsführung rentiert oder nicht. Vielleicht überleben auf Dauer nur die großen mit den günstigen Preisen und gutem Service und ein paar Fachhändler, die sorgsam ausgewählte Fachprodukte von hoher Spezifität bieten. Die anderen verdienen vielleicht nicht mehr genug, um von ihrem Astroladen zu leben und die Angestellten zu bezahlen.

Wenn es um Massenprodukte geht und der Service bei den "billigen" Händlern gleich gut ist im Vergleich zu den teureren, dann hilft den "teureren" wohl nur intensive Kundenbindung oder Verunsicherung über die gebotene Qualität ihrer Konkurrenten - damit meine ich nicht Label gegen Original, wie in diesem Thema anfangs besprochen, sondern ich meine die Angelegenheit, dass ein und dasselbe Produkt zu stark verschiedenen Preisen angeboten wird - beispielsweise die Preisdifferenz bei ein und demselben Okular.

Zwei interessante Sichtweisen von Thommy aus dem Forum. Thommy arbeitet auch für einen Astrohändler.

Zitat von tommy_nawratil:
...
Es gibt aber Protektionismus und Gebietsschutz, das wird zum Teil von den Herstellern leider so gehandhabt, entgegen der Warenfreiheit in EU. Die Einkaufspreise für Händler in EU liegen so oft beträchtlich über dem Strassenpreis in US, war hier im Forum schon öfter zu lesen, ich glaube nicht dass da wie du schreibst "200-800% zusätzlich zur Marge" drin ist. Oder kennt jemand nen Astrodealer mit Privathubschrauber? :-)

lg Tommy

Natürlich hat der Privathubschrauber nichts mit den Preisen zu tun. Denn selbst wenn die Kartoffel 5-mal mehr kosten sollte, als bei einem billigeren Händler, dann muss der teure Händler trotzdem erstmal eine Menge Kartoffeln verkaufen, um seine laufenden Kosten zu zahlen - der Zusammenhang von Preisgestaltung eines Astrohändlers und seinem "Reichtum" ist also überhaupt nicht zwangläufig gegeben. Wenn ein Händler im Monat nur 1/5 der Menge verkauft im Vergleich zu einem anderen Händler, dann muss er aus dem fünftel ja schließlich trotzdem genug Geld erwirtschaften, um laufende Kosten und Löhne zu zahlen. Und das geht bei einer geringeren Verkaufsmenge halt durch höhere Preise, solange diese auch vom Kunden bezahlt werden.

Zitat von tommy_nawratil:
hallo auch,

ein Aspekt der gegen den Import spricht: Händler tendieren dazu, Mangelexemplare in weit entfernte Gegenden zu verschiffen ;-)

Ansonsten wäre ja zu erwarten, dass irgendwann sich ein globales Preisniveau herausbildet, nachdem die Preisinfo ja auch global verfügbar ist, und auch der globale Versand kein Hindernis ist.

Man sollte halt genau wissen, was man will, zum Antesten ist es wohl etwas unpraktisch. Und Gurkenlotto würd ich auch nicht spielen wollen, wie eingangs erwähnt.

lg Tommy

Mangelexemplare in die Welt. Juhu.
Auch wenn Thommy das ernst gemeint ist und er solche Erfahrungen tatsächlich gesammelt haben sollte, denke ich dabei an die oben angesprochene Verunsicherung des Kunden, um dem Kunden die günstigen Preise in Übersee unschmackhaft zu machen.
 
Re: Früher war alles besser

Zitat von MeadeEurope:

Hallo Tassilo,

ich denke, du bist einer der wenigen, der überhaupt was zu sagen kann, da du bei dem Europaimporteur arbeitest. Ist es nicht so, dass alle europäischen Händler die Geräte über euch beziehen? Wenn ja, gibt es aus meiner Sicht folgende Möglichkeiten:

- Alle Händler in Europa haben den gleichen EK, dann wird wieder mal versucht, in D einen wesentlich höheren Ertrag (durch die Händler) zu erwirtschaften.

- Die Händler in den verschiedenen europäischen Ländern haben verschiedene EK, auch dann würde wieder versucht, in D einen höheren Ertrag zu erziehlen (durch Meade).

Sorry wenn ich das so schreibe, aber anders kann ich mir die riesigen Preisunterschiede nicht erklären.

Viele Grüße

Carsten

 
Re: Früher war alles besser

Hallo Carsten,

GB braucht keine eigenen Betriebsanleitungen, deswegen kaufen die direkt in USA ein.
Wirf bitte nicht Meade Europe und Meade US in einen Topf. Wir sind verschiedenen Firmen. Wenn Meade US jemand anderen einen besseren Preis macht als mir (kann auch an Wechselkursschwankungen liegen, siehe Britisches Pfund Ende letzten Jahres), dann ist mein Preis auch höher. Ich werde mit Dir (oder sonst jemand) keine Diskussion führen welche Margen wo angemessen sind. Meine Kosten entscheiden meine Marge, die Mindestmarge des Händlers gibt der Markt vor (weil der Händler unter einer bestimmten Marge das Produkt nicht vertreibt, und ich bleibe dann darauf sitzen).

Clear skies

Tassilo
 
Re: Früher war alles besser

Hallo Tassilo,

ich will hier auch keine Diskussion um die Höhe der Margen anfangen, das würde auch nichts bringen. Ich weiß selber was bei einem Geschäft an Marge sein muss, damit jemand davon leben kann und habe angemessene Margen bei vielen Diskussionen verteidigt.

Was mich mehr wundert (aber eigentlich auch alles erklärt) ist, dass die Händler in UK von USA aus beliefert werden, obwohl sie ja geographisch zu Meade Europe gehören sollten.

Viele Grüße

Carsten
 
Re: Früher war alles besser

Hallo Carsten,

es gibt für die Direktlieferung nach UK eine Reihe von Gründen: GB ist nicht in der Euro-Zone, es können die Orginal-Betriebsanleitungen verwendet werden etc.. Ist sicher auch historisch bedingt, muß ich aber so akzeptieren.

Clear skies

Tassilo
 
Re: Früher war alles besser

Hallo Carsten,
es liegt in der Natur der Dinge das der Hersteller an den zu erzielenden Preisen partizipieren will.
Warum sollte MEADE den Kollegen in D die Geräte so günstig geben wenn die höheren Preise doch erzielt werden ?
 
Re: Früher war alles besser

Zitat von yukons:
es liegt in der Natur der Dinge das der Hersteller an den zu erzielenden Preisen partizipieren will.
Warum sollte MEADE den Kollegen in D die Geräte so günstig geben wenn die höheren Preise doch erzielt werden ?

Hallo Jadran,

genau das ist der Punkt. Der erziehlbare Preis ist bei uns anscheinend höher als in USA, also werden die Geräte hier auch teurer angeboten. Oft kann da auch der Importeur nichts gegen machen, weil auch er schon höhere Preise bezahlen muss und seine Marge braucht. Außerdem ist der schwankende Wechselkurs ein Risiko, welches oftmals von vornerein vom Hersteller draufgeschlagen wird, um ständige Preisanpassungen zu vermeiden.

Viel kann man leider wirklich nicht dagegen machen, außer das Produkt nicht zu kaufen, auch wenn es schade ist.

Viele Grüße

Carsten
 
Re: Früher war alles besser

So wie ich das hier so lese hält sich die begeisterung für MEADE-Instrumente in grenzen. Ich weiss immer noch nicht von welchem Hersteller ich mir ein Teleskop kaufen soll. Nachdem ich begeisterte Berichte von anderen gelesen habe wie gut doch Teleskope von VIXEN sind,war der Hersteller erstmal bei mir die erste Wahl. Ich kann mir aber nicht vorstellen das MEADE schlechter als VIXEN sein soll. Ok, ich bin schon seid 30 Jahren nicht mehr "Sternekucken" gewesen aber ich möchte unbedingt wieder anfangen. Wenn es nach mir ginge würde ich mir lieber ein Deutsches Gerät kaufen aber wenn ich für weniger Geld noch was besseres bekommen kann, dann doch lieber so. Was für einen Hersteller würdet ihr mir empfehlen? Ich dachte so an einen 10"Newton mit Paralaktischer Montierung.

Gruss,Trajan64
 
Re: Früher war alles besser

Hallo,
ich würde nicht so sehr auf den Hersteller achten,dass wird erst ab einem gewissen Preis relevant.

Bei den 10" Newton ist es egal ob die von Meade,Skywachter,GSO,TS,Celestron sind die fallen eh alle vom gleichen Band. ;)
Das gleiche ist bei den EDs 66/80/102/127mm oder Dobson ob GSO,Skywachter oder Galaxy ist doch alles Jacke wie Hose.

Nimm einem dieser 10" Newton und eine EQ-6 und schau wieder in die Röhre(Teleskop).

Nils
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Wenige Hersteller, viele Labels

Hi,

Bei den 10" Newton ist es egal ob die von Meade,Skywachter,GSO,TS,Celestron sind die fallen eh alle vom gleichen Band.

nein, das ist schlicht unzutreffend.
Sie fallen nicht alle vom gleichen Band.
Es gibt mehrere (aber wenige) große Hersteller in China und Taiwan
die 10" Newtons produzieren. Mir fallen auf Anhieb 3 verschiedene ein.
Nicht alle 10" Newtons werden also beim selben Herteller gefertigt.

Auch bei den kleinen EDs gibt ein paar Hersteller.
Deren Teleskope werden dann aber unter enorm vielen Labels verkauft.
Viele Sternfreunde meinen dann diese Labels seien die "Hersteller".

Es lohnt sich da mal im Netz zu stöbern und auch Seiten
aus den USA und aus China zu erforschen.

CS,Karsten
 
Re: Wenige Hersteller, viele Labels

Gut meinetwegen, du weißt aber was ich meine,lass es selbst 3 Hersteller und 10 Label sein, kommt das gleiche bei raus. ;)

10" oder ED80 von Skywachter,Celestron,Meade sind im Grunde die gleichen, also ich erkenne keinen großen Unterschied,hatte auch schon viele in der Hand unter dem Arm.
was nicht heißt das Sie schlecht sind,nein so ein ED80 ist ein sehr schönes Teleskop. :)

Deshalb würde ich nicht nach Herstellern gucken sondern im Optimalfall durch die Optik, nur leider ist das nur sehr selten möglich.

Nils
 
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