Nutzen großer Geräte am Tage...
Hallo Manuel,
etwas, was Du vielleicht gar nicht einschätzen kannst, ist auch der nutzen großer Teleskope am Tage. Der ist nämlich sehr gering, gegenüber einem kleineren Gerät. Das liegt einfach daran, dass bei Tage die Luft sehr unruhig ist, so dass man schon über recht kurze Strecken eine starke Luftunruhe hat, die das Bild wabern lässt und unscharf macht. Mehr als 100mm Öffnung sind bei Tage beim besten Willen kein Gewinn mehr, es sei denn es geht um sehr kurze Belichtungszeiten für die Fotografie, was aber bei normalen Lichtverhältnissen auch kein Thema ist, bzw. dann eher eine Frage des Öffnungsverhältnisses, denn egal ob 60mm Spektiv oder 100mm Spektiv, wenn beide f/8 bieten, kommt für die Kamera stets dieselbe Belichtungszeit heraus, nur mit unterschiedlichem Abbildungsmaßstab.
Aber, diese Überlegung spricht dafür, die Anforderungen, die Du im Moment an ein Teleskop hast, auf zwei Teleskope aufzuteilen. Ein günstiges Spektiv für die Tagbeobachtung, klein, handlich, transportabel und mit Bildumkehr für ein aufrechtes, seitenrichtiges Bild deckt die Tagbeobachtung hervorragend ab. 80mm Öffnung und Du bist fertig damit.
Beim Teleskop könnten dann die für ein Teleskop wirklich wichtigen Gesichtspunkte in den Vordergrund rücken. Ein Teleskop zur Planetenbeobachtung sollte zum Beispiel eine lange Brennweite haben - die verhindert bei einem Spektiv dann, dass man brauchbar kleine Vergrößerungen benutzen kann, weil man die passenden Okulare nicht bekommt. Bei einem 40mm Okular ist Schluß, und das bedeutet bei 1000mm Brennweite schon 25-fache Vergrößerung. Ziemlich hoch, man wird auch bei Tagbeobachtung gerne mal auf 10x zurückschalten, nur bekommt man kein 100mm Okular! Insofern sind die vorgeschlagenen SCs und Maks alle reichlich schlechte Spektive. Für das 8" SC mit 2000mm Brennweite bekommt man im normalen Handel maximal ein 55mm Okular, und landet schon bei 36-facher Vergrößerung! Bei Tage wird auch aus anderen Gründen eine kleinere Vergrößerung nicht gehen, denn dann wird das aus dem Teleskop austretende Lichtbündel zu groß. Bei Tage ist die Iris des Auges eher unter 5mm groß, das aus dem Teleskop austretende Lichtbündel aber ist 5,5mm groß (Öffnung geteilt durch Vergrößerung). Das passt nicht mehr durch die Iris, und man bekommt dann den unangenehmen Effekt, dass durch den Fangspiegel ein "schwebender Schatten" in der Bildmitte auftaucht.
Es spricht also viel dafür, Spektiv und Teleskop getrennt anzuschaffen.
Konkret ist der Gedanke an den 8" Dobson schon sehr verlockend, weil dieses Gerät astronomisch ein hervorragender Allrounder ist, zu einem Preis, der viel Spielraum für eine wundervolle Okularausstattung. Auf Goto wird man dann verzichten müssen. Immerhin, der 8" f/6 Dobson ließe sich auch auf eine EQ-6 aufsetzen, eine Kombination, die bei vielen Sternfreunden im Einsatz ist. Die neue EQ-6 Skyscan böte dann sogar Goto, aber dann gehen wir im Preispaket auch wieder auf 2000 Euro zu (denn Okulare müssen ja auch noch sein), ohne dass wir über ein Spektiv nur nachgedacht hätten.
Es gibt einfach in den Anforderungen drei wesentliche Preisfaktoren und ein generelles Problem:
1. Eine vernünftige Optik hat ihren Preis.
2. Eine vernünftige Optik braucht ihre vernünftige Montierung.
3. Ein Goto-System dafür kostet sehr viel Geld.
und das generelle Problem, dass größeres Teleskop und Spektiv in einem nicht gut zusammenpasst.
Das führt dazu, dass man zwar alles in einem bekommen kann, dann aber nichts richtig, mit der brennenden Gefahr, in die Produktklasse "teures Spielzeug" abzurutschen.
Daher meine Empfehlung als "Gedankengrundlage":
- Trennung von Teleskop und Spektiv
- Verzicht auf Goto und jegliche Motorisierung = Dobson
Abweichungen von diesem Konzept bedeuten entweder
- wesentlich geringere optische Leistung
oder
- erheblich höherer Preis
Dabei stellt der hohe Preis aber noch nicht die Erfüllung aller Ideen sicher. Astrofotografie wird gerne in der Werbung genannt, oder wenn schon nicht genannt, dann durch tolle Fotos suggeriert. Dass in der Werbung aber 5 Fotos abgedruckt sind, sagt nichts darüber, ob man die mit der angebotenen Kombination überhaupt hinbekommen kann oder mit welchem Aufwand (und welchem weiteren Zubehör).
Dazu hier:
http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-astrofotografie.html
Um auch mal was für Deine SC-Gedanken zu sagen mal etwas zu den gabelmontierten SCs mit Goto:
- Sehr kompakt und bis 8" transportabel (ab 10" schwer aufzubauen)
- Einblickposition ändert sich kaum, daher bequem im Stehen oder mit einem gut eingestellten Bügelstuhl erreichbar.
- Solide Goto-Lösung bei den 8-Zöllern, darunter kommt es stark drauf an, ob man eher Spielzeug kauft, oder was richtiges.
Das sind die Vorteile, die mit den schon zur genüge genannten Nachteilen zusammengerechnet werden müssen:
- Relativ teuer, auch die Optik alleine schon.
- Taukappe fast zwingend nötig.
- Fotografie von Planeten sehr gut, von Deepsky-Objekten aber nur mit parallaktischer Variante möglich und meist sehr mühselig, weil Poljustage schwierig oder Ungenau und weil Brennweite lang und nötige Belichtungszeiten unattraktiv lang.
- Schlechtes Auskühlverhalten durch geschlossenen Tubus (Planetenbeobachtung).
Sieht aber toll aus...
Clear Skies
Sven