Seeing Statistik der Jupiterbeobachtungen

MikeWölle

Aktives Mitglied
Hallo,
bevor die neue Saison beginnt wird es Zeit, alte Daten auf zu bereiten. Hier nun zunächst einmal wie versprochen eine kleine Seeingstatistik der letzten 100 Beobachtungen/Videos von Jupiter und seinen Monden aus dem Zeitraum 2022-2025.
Bewertet wurde dabei immer das scharfgestellte groß dargestellte Bild des Jupiters auf dem Laptop auf einer Skala von 1 bis 10.
1 und 2 sind für die Fotografie absolut unbrauchbar und wurden daher auch nicht genutzt und kommen auch nur selten vor( z.B. Beobachtung bei Fönsturm oder direkt über einem Kamin) und sind hier nicht registriert.
Das Bild bietet dann keinerlei Details und Jupiter scheint zu kochen und brodelt wild dahin.
Bei Werten von 3 lohnt es sich auch nur dann aufzunehmen, wenn es etwas Besonderes zu sehen gibt um es festzuhalten, bei Werten von 4 macht die Fotografie allmählich Sinn, wenn auch das Potenzial der Optik nicht ausgenutzt werden kann. Bei Werten von 5-6 kann man mit dem Seeing schon sehr zufrieden sein, Werte von 7-8 kommen nur bei günstigen Hochdrucklagen vor, dann aber auch mehrfach hintereinander, noch höhere Werte von 9 und 10 sind absolute Ausnahmen und etwas ganz Aussergewöhnliches
Im ganzen Zeitraum gab es nur 2x den höchsten Wert, wobei Ende Dezember letzten Jahres für eine halbe Stunde das Video einem stillstehenden Foto glich.
Der Spiegel war fast immer perfekt ausgekühlt, Tubus ist komplett offen, Beobachter 2 Meter vom Tubus entfernt, um lokales Seeing zu vermeiden Objekthöhe mindestens 30° meist aber mindestens 40°.
Hier nun die Verteilung der Seeingwerte:


Screenshot_20250608_185455_Gallery.jpg

Und hier die zeitliche Verteilung der Beobachtungen(leider geht die Darstellung nur bis 9,
bei den zwei Messwerten mit Wert 10 sind die Balken abgeschnitten, die Farben stimmen nicht mit dem anderen Diagramm überein)


CS Mike
Screenshot_20250608_185915_Gallery.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Mike,

sehr interessante Darstellung. :y: Hattest du diese Messungen mit dem 18“ gemacht? Falls ja, wären das insgesamt wohl recht gute Seeingwerte. Allerdings hätte ich Schwierigkeiten, diese mit beispielsweise Pickeringwerten (basiert ja auf Messungen eines 130er) zu vergleichen oder auch eine Bewertung hinsichtlich der Seeingqualität im Bogenmass (Sekunden) abzuleiten.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Werner,
danke und ja alle Schätzungen erfolgten mit dem 18"Dobs, Jupiterscheibe etwa 12cm groß.
Bei den unteren Werten 1,2,3 herrscht natürlich ein Auswahleffekt, denn wenn ich schon beim Blick auf den Himmel mit bloßen Auge die Sterne tanzen sah, fing ich mit dem Filmen natürlich gar nicht erst an. Aber die Statistik ist sehr präzise was die Werte 5 bis 10 angeht, ich habe kaum eine gute Nacht ausgelassen. Da es insgesamt genau 100 Schätzungen waren, entspricht die Anzahl der Nächte pro Seeing Wert auch dem Prozentsatz aller beobachteten Nächte und sagt etwas über die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer bestimmten Seeinggüte aus.

Wenn du Seeingwerte in Bogensekunden schätzen willst, empfehle ich diese Schätzungen an den Jupitermonden durchzuführen, die etwa so groß in Bogensekunden sind, wie das Seeing.
Beim Filmen der Monde hatte ich ja ausreichend Zeit, die zappelnden Scheibchen zu beobachten.
Nur bei sehr guten Seeing( Mondscheibchen ca.3cm groß) blieben die größeren zwei, also Ganymed und Kallisto ruhig, die kleineren Europa und Io niemals.

Dann kommt noch neben der Amplitude des Seeings die Frequenz und der Richtungsvektor hinzu. Es ist viel besser wenn das Objekt als ganzes langsam hin und her wandert, damit kommt daa Auge und auch die Software besser zurecht. Auch ein Bild welches wie ein leicht wehender Vorhang oder Fahne von Wellen durchzogen wird ist gut zu gebrauchen.
Absolute Katastrophe ist ein stationäres Bild welches in verschiedene Richtungen gleichzeitig hin und her zappelt und dabei regelrecht zerfällt.

Abschließend würde ich zu meiner kleinen Statistikauswertung schließen:
Für Jupiterbalkonbeobachtungen mit Farbkamera in Mitteleuropa dürfte eine sinnvolle Öffnung etwa 12" bis 14" sein. Für die Fotografie der galileischen Monde bringt noch mehr Öffnung von etwa 18" bis 20" sehr wohl etwas, da es die Einzelbelichtungszeiten pro Frame verkürzt und die Bildqualität verbessert.

CS Mike
 
Hallo Mike,

eine sehr schöne Statistik hast du hier gezeigt.
Mich würde interessieren welchen Zusammenhang es zwischen deinem 10-stufigen Modell und den wahren Seeingwerten gibt?
Ist <10> dann beispielsweise 1" oder besser? und ist der Zusammenhang linear?

CS Dieter
 
Hallo Dieter, es hat etwas gedauert mit meiner Antwort, nun ich vermute einen linearen Zusammenhang, wobei ich mir beim besten Seeingwert von 10 relativ sicher bin, dass er besser als 0.5" ist. Das andere Ende der Skala ist nicht so gewiss, das müsste ich anhand von Videos ausmessen, aber die lösche ich natürlich meist gleich, wer hebt schon schlechte Videos auf😉
Hier nun eine Grafik dazu:

CS Mike
Screenshot_20250619_050050_Samsung Internet.jpg
 
Hallo Mike,

besten Dank für deine Grafik.
Ich bin erstaunt, dass dein schlechtester Seeingwert <1> immerhin noch unter 2" liegt.
D.h. das du (man) bei durchschnittlichen Seeingwerten von 2", wie sie ja meist in Mitteleuropa üblich sind
keine Aufnahmen machen sollte.
Aber gewiss hängt das auch von der Öffnung ab, ob man noch Aufnahmen unter <1> deiner Skala machen sollte.

CS Dieter
 
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