Seeing

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mavo0013

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Hallo zusammen,

in diesen Bereich des Forums hatte ich mich als relativer Neuling noch gar nicht so oft verirrt, aber Eure Berichte sind a) sehr interessant und b) sehr lehrreich! Werde mich hier jetzt öfter rumtreiben, vielen Dank für Eure Texte!

Eine Frage hätte ich an Euch, die mich die letzten Wochen gequält hat: Wir hatten ja nun schönes klares Winterwetter, und ich ging davon aus, dass das das optimale Beobachtungswetter sei. Und nicht dass es schlecht war (wir haben einige Male beobachtet in den letzten Wochen), aber: richtig begeistert war ich auch nicht. Die Sterne haben sehr oft "geflackert" (in Horizontnähe für Venus sogar sehr extrem, vermutlich die Heizungen?). Ist die hohe Luftdichte da aktuell ein Problem? Wann kann man denn "normalerweise" mit den besten Beobachtungsbedingungen rechnen? Frühjahr und Herbst vielleicht? Oder generell: Welche Wetterlage verspricht denn das beste Seeing?

Ich weiß, Pauschalaussagen sind hier nicht möglich, aber eure Erfahrungen würden mir sehr helfen, das wichtige Thema Seeing besser einordnen zu können.

Danke und viele Grüße,
Volker
 
Moin Volker!

Die Frage kam mir sehr bekannt vor. Vor gut 'ner Woche habe ich dazu geschrieben:

---schnippi---

> ist die kalte Jahreszeit zum beobachten am besten.

Naja, im Winter ist es vor allem dunkel, das ist schon mal von Vorteil. Die beste Sicht im Winter zu haben, heißt das aber noch lange nicht, Stichwort: Inversionsschichten, aufsteigende Wärme von Häusern usw. - Schau Dir mal den Sirius an, dann siehst Du, was Seeing bedeutet!

Gutes Planetenwetter hat man vor allem (hier bei uns) im Frühjahr und Herbst, also kurz vor der "Sommerpause" (helle Nächte von Mai bis August). Dann sucht man sich auch die leicht diesigen, windstillen Gelegenheiten oder gleich nach Durchzug eines Tiefs, das die Luft aufklart.

Aber die Bedingungen sind auch überall andere. Es macht schon einen Unterschied, ob man im maritimen oder kontinentalen Klima beobachtet. Was hier im Norden gilt, muß nicht automatisch im Süden Deutschlands gelten - und umgekeht.

---schnappi---

Es gibt darüber hinaus noch einige NO-GOs, jedenfalls für mich:
- Wenn die Sterne schon mit bloßem Auge gesehen stark flackern, dann lohnt sich die Teleskopbeobachtung mit hohen Vergrößerungen nicht.
- Planeten beobachtet man am besten um die Zeit der Kulmination, also wenn sie ihren Höchststand im Süden erreichen, oder wenn's nicht anders geht, sobald sie mindestens 15° Horizonthöhe erreicht haben.
- Letzteres gilt im Übrigen auch für schwache Nebelobjekte und Kometen, wobei man dann besser noch auf die mondfreien Nächte ausweicht.
 
Danke für die Antworten - da gibts ja wirklich schon genug Thread, die werd ich mal durchackern. Sorry, dass ich nicht gleich an die Suche gedacht habe...

Trotzdem nochmal die Frage: Wie fandet Ihr die letzten paar Wochen mit der sibirischen Kälte bzgl. Seeing? Super? Durchschnitt? Oder eher schlecht? Nur mal zum besseren einschätzen...

Übrigens: Ich wohne in BW, Nähe Mannheim (leider, MA ist ne richtige Lichtschleuder...)
 
Hi Volker,

schwieriges Thema. Kann man aber so global nicht sagen, das in einer klaren Winternacht das Seeing schlecht ist.
Klar im Winter aus der Stadt, dicht über den Kaminen zu beobachten ist nicht gut, hat aber mit Seeing rein gar nichts zu tun. Das Seeing entsteht in den höheren Luftschichten, wie genau müsste man mal im Internet nach gucken. Ich z.B. hatte Gestern eine sehr klare Nacht mit gutem Seeing.

Gruß
Lots
 
Entschuldige Lots,

aber deiner Aussage
Klar im Winter aus der Stadt, dicht über den Kaminen zu beobachten ist nicht gut, hat aber mit Seeing rein gar nichts zu tun
muss ich widersprechen.
Das Seeing setzt sich zusammen aus Tubusseeing, lokalem Seeing und dem Seeing in den höheren Luftschichten. Also sind Kamine natürlich schon ein Teil des Problems. Nachzulesen bei Texereau.

CS Mike
 
Hallo!

Ich habe am 03. und 04.02. in der Nähe von Lüneburg beobachtet und hatte überdurchschnittlich gutes Seeing (Pickering Seeing Scale 8).

Gruß, Michael.
 
Hallo Volker,

ich schließe mich der Meinung an, dass man es nicht pauschal mit Jahreszeiten abgleichen kann. Tendentiell ist bei mir das Seeing zwar bei kalten Nächten etwas schlechter. Wohl bemerkt, tendentiell:

Die letzten zwei Wochen beobachtete ich Jupiter auf meinem Balkon bei -4 bis ca. -15 Grad, und mir gelangen einige meiner bisher besten Jupiterbeobachtungen überhaupt (ich bin seit Sommer 1995 dabei). Ein beispiel findest du hier:

http://forum.astronomie.de/phpapps/...519/Europa_Durchgang_visuell_am_90#Post893519

Zwei Tage davor beobachtete ich an der Sternwarte mit einem Zeiss AS 150 mm f/15 Coude-Refraktor. Obwohl er den 90er Mak normalerweise klar versenkt, zeigte er an dem Abend nur in etwa das Gleiche an Detail wie der kleine Mak.

Wie du siehst, kann man es nicht pauschalisieren.

CS und VG Christian
 
Hi,

vereinfacht gesagt:das allgemeine Seeing hängt nicht von den Jahreszeiten ab, sondern davon ob sich ein ausgeprägtes Hoch über Mitteleuropa befindet(günstig) oder eben nicht(wengier günstig). Bestes Beispiel der November 2011: Wochenlang Superseeing, allerdings mit gelegentlichen Nebel und viel Feinstaub.
Der Winter hat den Nachtteil, dass das lokale Seeing durch beheizte Kamine und Körperwärme stärker sein kann, hat aber den Vorteil, dass der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht gering ist, was günstig ist, wenn man das Fernrohr tagsüber im Freien stehen lassen kann, ausserdem sind die Nächte länger.

Bestes Seeing hier im Murtal ist meist im Oktober und November.Beste Monate zum Beobachten allgemein(Wolken, Dämmerung usw) sind März, April,September,Oktober, November

CS Mike
 
Zitat von mavo0013:
Trotzdem nochmal die Frage: Wie fandet Ihr die letzten paar Wochen mit der sibirischen Kälte bzgl. Seeing? Super? Durchschnitt? Oder eher schlecht? Nur mal zum besseren einschätzen...
Hallo Volker,

durchschnittlich würde ich sagen. Am meisten kommt das 9mm zum Einsatz (an einem 300/1500-Newton), das reicht aber immerhin für Albedostrukturen auf Mars. Mein 6mm-Okular kommt eher selten aus der Box.
 
Herzlichen Dank für das viele Feedback - ist sehr interessant, das mal mit meinen Eindrücken zu vergleichen. Ich sehe es ähnlich - das Seeing war manchmal ganz gut, manchmal aber auch nicht so gut, wie ich es in so klaren trockenen Winternächten erwartet hätte. Einen Frühling als Beobachter habe ich noch nicht erlebt, daher bin ich mal gespannt. Ich finde aber, dass man auch im August recht gut beobachten konnte (ok, ich war da in Urlaub, und die späte Dunkelheit hat mich nicht gestört).
 
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