Hallo zusammen. FirstLight (unter echtem Sternenhimmel) gestern Abend. Es war ein Genuss



Doch der Reihe nach: Letzten Freitag (also am 01.09.23) bin ich zu einer knapp 50 km entfernten Firma gefahren, die Eloxieren auch bei Kleinmengen und Einzelteilen für Privat anbietet. Nach einer unkomplizierten Übergabe des Tubus mitsamt Zeichnung und kurzer Erklärung, was es werden soll, sagte mir die freundliche Dame aus der Warenannahme (die auch richtig gut Gabelstapler fahren kann), das das Teil Anfang der Woche fertig ist und sie sich melden. Am Dienstag Vormittag (05.09.23) dann der Anruf, sodass ich am frühen Nachmittag gleich das Teil noch einfangen konnte. Auf dem Rückweg dann kurz bei meinem Freund und Bastlerkollegen (der mit der Drehbank) durchgeklingelt, ob er zuhause sei. Klar, einfach den Anker zum Zwischenstopp werfen und Teil gleich bei ihm lassen...gesagt, getan. Es musste ja noch der vordere Zentrierdurchmesser gedreht werden und der Tubus sollte innen auch schön matt schwarz lackiert werden.
Am Donnerstag dann der Anruf von ihm, das Teil ist fertig und muss nach dem Lackieren nur noch abkühlen...leider konnte ich das Teil dann erst gestern, am Freitag, abholen. Aber der erste Anblick von der finalen Ausführung war schon richtig klasse...innen geriffelt und schön matt lackiert, keine Reflexe zu sehen, mächtig dunkel drinnen und der Gewindeanschluß vorne satt und ohne merkliches Spiel. Noch kurz die weiteren Schritte für die Produktion seines Teleskops besprochen und einen 2" Spiegel mit 1,25" Reduzierung für ihn angekündigt, den ich Tage zuvor von einem netten Forenkollegen bekommen habe und dann ab nach Hause, die finale Montage vornehmen.
Alles passte wie angegossen und nach kurzer Zeit war das kleine Schwarze betriebsbereit. Ich montierte es wiederum in meine Testrohrschellen, zum Schutz der eloxierten Oberfläche kam eine Doppellage Papier zwischen Tubus und Schrauben...das gab auch noch einen groben Vorgeschmack, wie das Teil eventuell auch in weiß aussehen würde

also kleines Schwarzes mit weißer Schürze...
Dann aus dem Wohnzimmerfenster meine beliebten Testobjekte (Funkmastspitzen und die Positionslichter eines knapp 200m hohen Heizkraftwerk-Schornsteins) angepeilt und diverse Okulare ausgetestet. Wie weiter oben schon beschrieben, war auch diesmal die optische Performance für meine Bedürfnisse sehr gut, wie vermutet wurden die leicht bunten Ränder an starken Kontrastkanten (Drahtseile vor blauem Himmel) durch abblenden auf f8-11 fast vollständig reduziert. Das macht das Teleskp für mich sehr universell...bei Sternhaufen, Doppelsternen, Galaxien, Nebeln etc. volle Öffnung und bei helleren Objekten (Planeten, Mond etc.) moderat abblenden um den Farbsaum zu reduzieren...und das klappt richtig gut
Am Abend dann gegen 20:30 Uhr raus in den Garten und das T-Noflexar auf meinem grab'n'go Stativ mit improvisierter EQ-Montierung (Berlebach 2-Wege-Neiger und William Optics Polblock) grob eingenordet und die Beobachtung gestartet...als Okulare kamen das Baader Hyperion Zoom Mark IV, das Morpheus 6,5, das Vixen LVW 22 und das 2" Vixen LV30 zum Einsatz.
1.) Los ging es bei Mizar/Alcor: Nadelfeine Sternabbildungen, kreisrunde intra- und extrafokale Beugungsscheibchen, so deutlich war mir der kleine Begleiter von Mizar (Mizar B) selten ins Auge gesprungen. Toller Seheindruck mit dem Baader Hyperion Zoom Mark IV und dem Morpheus...das war ein guter Auftakt
2.) Weiter zu M13: Mit dem 30er LV das kleine Schwarze kurzerhand zum Supersucher umfunktioniert und nach grober Ausrichtung und Peilung entlang der Schwalbenschwanz-Schiene auch schon M13 im Blickfeld gehabt, so geht das...nun das 22er LVW eingesetzt, der Hintergrund wurde angenehm schwarz und der Kugelsternhaufen hob sich gut sichtbar ab. Auch die weitere Vergößerung mit dem Zoom bis hin zum 6,5er Morpheus brachten tolle Bildeindrücke, Randbereiche andeutungsweise aufgelöst.
3.) Schwenk zu M57 (Ringnebel in der Lyra): Auch hier konnte ich erfolgreich mit dem 30er LV und Peilen die grobe Richtung anfahren und sogleich im Blickfeld den kleinen Nebelfleck ausmachen. Wieder deutliche Kontraststeigerung nach Wechsel auf 22er LVW und weiter zu den beiden Baader-Okularen. Hier empfand ich das Morpheus schon als etwas zu stark in der Vergrößerung, die Abbildung war nicht mehr so kontrastreich wie im Zoom bei moderateren Vergrößerungen oder natürlich wie beim 22er LVW. Bei indirektem Sehen im Hyperion kurz vor max. Vergrößerung (vermeintlich) den Zentralstern erahnt
4.) Richtungswechsel rüber zu h+x Persei: Ein absoluter Genuss bei allen Okularen, klare Sternpunkte vor dunklem Hintergrund und schönes Sterngewusel im Blickfeld, auch kleinere Ausschnitte bei höheren Vergrößerungen sehr sehenswert.
5.) M31: Auch hier wieder mit erprobter Kleinvergrößerung und Peilen über die Schiene den Nebelfleck auf Anhieb im Gesichtsfeld gehabt und dann weiter vergrößert. Schöne längliche Ausprägung des nebeligen Fleckens und ansatzweise auch M110 erahnt.
6.) und immer wieder zwischendurch Saturn: klare und kontrastreiche, scharf abgegrenzte Planetenscheibe und Ring, hier kam dann auch mal die Blende zum Einsatz, was die ganz leichten Farbsäume um die Scheibe sofort auf 0 reduzierte...das Konzept geht also auch auf

Ob sich auch die Cassini-Teilung zeigt, konnte ich nicht mehr testen...mittlerweile hatten sich Unmengen an fliegenden Blutsaugern an meinen freien Körperstellen (ich hatte extra noch eine Mütze aufgesetzt) wie Händen und Hals/Kinn zu schaffen gemacht und es wurde unangenehm. Die tolle Beobachtungssession mutierte zu einer Art Regentanz ums Teleskop mit wildem Gefuchtel und Selbstkasteiung...
Ich beendete dann auch die Beobachtung und brachte das Equipment wieder rauf in die Wohnung...aber ich war zufrieden...richtig zufrieden mit dem Teleskop...I

it.
Mein Fazit zum Gerät: Es hat sich gelohnt, ein klasse grab'n'go Teleskop, sehr universell verwendbar, schöne Performance -mangels weiterer Vergleiche z.B. zu 80er Triplet-Apos oder ähnlichem bitte nur als subjektiven Eindruck verstehen-...für mich eine Erfolgsstory mit richtig Spass beim Bauen und Konstruieren...demnächst dann auch mit gefrästen 6eckigen Schellen, fester Schiene und wahrscheinlich noch Griff on Top. Es gibt immer was zu verbessern...TBC
Ich wünsche den Nachbauern (einen hat es nach meiner Kenntnis schon erwischt) ebenso viel Spass wie ich ihn hatte und jetzt beim Beobachten habe.
Hier noch 2 Ansichten vom Aufbau im Garten:
Viele Grüße Kay