Guten Morgen zusammen,
eine Laienfrage: Führt die Obstruktion zu einer effektiven Verminderung der Öffnung und damit einer entsprechend verminderten Auflösung, wobei das Öffnungsverhältnis trotzdem gleich bleibt? Das heißt, die Lichtsammelfähigkeit bleibt gleich, aber es können weniger Details abgebildet werden als bei einem unobstruierten System? Blieben bei 310 mm Öffnung und 60% Obstruktion dann nur noch 124mm effektive Öffnung übrig und das Gerät wäre also mit einem 125er APO zu vergleichen, bis auf die Schnelligkeit und Bildfeld?
LG Olaf
Eine Obstruktion drückt die MTF für niedrige bis mittlere Ortsfrequenzen in etwa auf das Niveau eines APOs dessen Öffnung um den Durchmesser der Obstruktion kleiner ist.
Man kann aber nicht pauschal sagen das die Auflösung deswegen dementsprechend kleiner ist sondern das kommt auf den Objektkontrast an.
Der Punkt an dem die MTF gegen null geht also die Grenze der Auflösung für 100% Objektkontrast bleibt von der Obstruktion unberührt.
Für das Trennen von Doppelsternen ist das zb. relevant.
Selbst mit über 60% Obstruktion trennt die hier diskutierte 310mm Optik also Doppelsterne zb. nach Rayleigh mit 0,44“ Distanz
Anders sieht es visuell für schwache Objektkontraste aus wie wir sie am Planeten finden.
Hier zeigt der kleinere APO in der Tat etwa das Gleiche.
Das liegt an der gedrückten MTF und der Kontrastschwelle unserer Augen.
Bei Foto sieht das nochmal etwas anders aus da man mit EBV den Kontrast anheben kann und hier dann eine andere Kontrastschwelle gilt.
Bei DS Fotografie nutzen wir das Beugungsbegrenzte Auflösungsvermögen aber sowieso nicht.
Dafür müsste die Öffnungszahl mindestens 3,6x der Pixelgröße entsprechen.
Gerade bei so extremen F3,8 ist man davon natürlich meilenweit entfernt.
Außerdem limitiert auch das Seeing bei Langzeitbelichtungen die Auflösung entsprechend stark.
Wir müssen uns hier daher keine Gedanken um die schlechtere Auflösung für schwache Kontraste wegen der Obstruktion machen da wir wie gesagt sowieso weit davon entfernt sind die Auflösung voll zu nutzen.
Die Auflösung von DS Fotos wird vom Abbildungsmaßstab/ Pixel oder dem Seeing bestimmt.
Je nach dem was schlechter ist.
Dennoch bleibt eine derart große Obstruktion wie hier nicht ganz ohne Folgen.
Es wird dadurch halt sehr viel Licht in die Beugungsringe gedrückt und das führt zu größerer Sternabbildung.
Ob das ein Problem ist oder nicht hängt dann wieder von der Abtastung ab also der Pixelgröße in Relation zur Größe der Sternabbildung.
Etwas Anderes ist es mit dem effektiven Lichtsammelvermögen.
Dieses ist mit Obstruktion immer kleiner da ja die Fläche der Obsruktion keinen Beitrag leisten kann und daher von der Fläche der Öffnung abgezogen werden muss.
Bei kleiner Obstruktion fällt die Fläche der Obstruktion kaum ins Gewicht aber bei zb. 60% ist auch die Fläche mit 36% beachtlich so das die effektive Lichtsammelleistung hier dann einem Teleskop ohne Obstruktion mit 64% der Fläche also im hier vorliegenden Fall 248mm Öffnung entspricht
Dementsprechend ändern sich auch die Belichtungszeiten.
Auch wenn wir hier nominell F3,8 haben hätte man bei effektiv 248mm Öffnung auch nur effektiv F4,75.
Grüße Gerd