Hi Manfred,
huch... also ich sehe da so einige Pannen, die Vixen geschadet haben.
Das sind zum einen sicherlich geschäftliche Entscheidungen, was mit Vermarktungsstrategien zu tun haben muss. Man hat ja mit Vehrenberg quasi auch einen großen Teil der Präsenz der Marke über Bord geworfen. Ob denen wirklich nicht bewusst war, dass ein Großteil der Sternfreunde, für die ein Teleskop dieser Klasse in Frage kommt, miteinander reden? Da tut ein Skandal nicht gerade gut.
Aber darüber hinaus sehe ich bei Vixen doch stapelweise Fehleinschätzungen über Kundenwünsche betreffend der Produktpalette.
2001 war mir negativ aufgefallen, dass man am Komakorrektor des R200SS keinen Filter anbringen konnte. Juhu, schon Anfang 2007 (Ende 2006?) war ein Gewinde angebracht und das Teil hieß fortan Komakorrektor 2. Dass derweil hauptsächlich mit CCD fotografiert wird und der Komakorrektor diesen Anforderungen nicht mehr gut gewachsen ist, hat man irgendwie übersehen. Ups!
Ähnlich sieht es mit dem Programm an Teleskopen aus. Ich weiß nicht genau in welchem Jahr, aber 2003 dürfte es gewesen sein, als DED Apos kamen, die einen Feldkorrektor für Mittelformat-Fotografie hatten. Nicht nur, dass der Korrektor im ersten Versuch zurückgerufen werden musste, weil die Randabbildung von Sternen Regenbögen zeigte, sondern auch ein totales verschlafen der Entwicklung weg von der Chemie hin zu kleinen CCD-Chips (die heute langsam wieder größer werden). Was damals gefragt gewesen wäre: Ein Apo mit kleinem aber hochkorrigierten Feld, Sternabbildung bis in IR und UV hinein so gut wie möglich, weil Sperrfilter für hellere Sterne einfach nicht dicht genug sind. Schon wieder Ups.
Dann die Sphinx-Montierung, bzw. die Entscheidung, diese nur mit Starbook steuerbar zu machen. Das Starbook aber hat bis heute keine rote Displaybeleuchtung, und anstelle wenigstens rote Folie zur Abdeckung anzubieten, entschied man sich, nur auf Anfrage dem Sternfreund eine graue Folie zu liefern - man war nicht in der Lage die Kartendarstellung des Displays derart abzuändern, dass in einem "Rotlichtmodus" alle Kartendetails erkennbar gewesen wären. So beobachten dann Starbook-User ohne Dunkeladaption, wenn sie nich Vixen wegen der Folie hinterherrennen, und ob die graue Folie wirklich ausreicht, um die Adaption zu schützen?
Ach... schon wieder ups!
Dann war da noch das VMC, das dem hauseigenen VC erstmal im visuellen Bereich Konkurrenz machte. Fotografisch zog man das VC vor, da dem VMC lange Jahre der Reducer fehlte. Nun gut, dann nimmt man das VMC halt visuell - äh - stellt sich nur die Frage, ob es denn wirklich soviel Vorteile gegenüber einem SC hat.
Als großer Bruder kam dann das VMC äh, ja wie groß isses eigentlich? Irgendwie muss das eigentlich jeder Interessent erstmal wahrgenommen haben als "wie soll ich das denn montieren"? Da hatte man gewartet, ob ein R250SS kommen würde, dann kam das, und man mochte Zweifel haben, ob die Atlux es wirklich trägt. War da schon über Bord geworfen, dass viele Vixen-Teleskope für die Interessen von Astrofotografen zugeschnitten waren? Wäre ein R250SS nicht für die Stammkundschaft interessanter gewesen? Ups...
Dann auch noch der Umbruch bei den Apos, alle klassischen Geräte verschwanden vom Markt und neue Geräte wurden eingeführt, man wusste nicht recht, ob man nur "weiss-blaue Geschichten" verkaufte, um für die neue Farbgebung der Sphinx gewappnet zu sein, oder ob wirklich wieder Vixen Foto-Qualität drin steckte. Die neuen Geräte mussten sich erst einen Namen machen. Und damit die Namensfindung auch gleich funktionierte, bot man parallel eine in China gefertigte Billigserie an, man weiß nicht recht, ob als Einstieg in niederpreisigere Marktsegmente, oder doch wieder als Konkurrenz aus eigenem Hause. Schwer zu vermitteln, das Vixen-China-EDs besser (weil teurer) als China-Sonstwer EDs seien, während gleichzeitig die neuen Vixen Japan-EDs nochmals besser seien. Ups...
Und auch die Vixen Viper, als ETX-Konkurrenz kann man einreihen, bei Vehrenberg ist sie jahrelang abgeblitzt, weil sie nicht recht zum sonstigen Anspruch der Marke passte. So kam denn nun ein VMC 110, dass wenn man es betrachtet, vielleicht eine Alternative ist zu... ja... zu was? Zum ETX 125? Zum Nexstar 5? Zum 127er Travelmak? Irgendwie ein Marktsegment, was bereits heiß umkämpft ist. Schlechte Chancen, in so einem Bereich dann noch ein Häppchen vom Markt zu bekommen. Ups...
Ach, und wo man noch von Vixen Montierungen spricht, ich schaue grad mal nach... Jawoll, es gibt sie noch, die SD-1 und die DD-1 hat einen Nachfolger DD-2 bekommen. Da finden wir zwei Teleskopsteuerungen wie sie spartanischer kaum sein können, zu preisen, bei denen die Billig-Konkurrenz gleich die Motoren mitliefert. Immerhin, es gab mal Zeiten, in denen eine DD-1 so 30 Mark weniger kostete, als eine MTS-3, die schon PEC bot, programmierbar war und an den PC angeschlossen werden konnte. Ups...
Die neuen NLV Okus sind ja jetzt auch erschienen, angekündigt doch vor 2 Jahren schon, dann in aller Stille verschwunden, und nun plötzlich da. Man fragt nach, optisch neu? Nein, alles beim alten, die gleiche Optik, die wir schon von den LVs kennen in einen lustigen, modernen Marketing-Knubbel - tschuldigung, in eine einstellbare Augenauflage - verhüllt. Am Einblick der LVs hatte bis jetzt eigentlich niemand was zu meckern, aber wenn man am leichten Gelbstich und an dem eher flauen Bild einiger Brennweiten vielleicht was getan hätte? Nein, stattdessen haben nun auch die Plössl-Okulare den Gummiknubbel bekommen, braucht man, wenn man heute am Markt bestehen will. Ups...
Naja, immerhin, die LVW sind noch die alten, aber sollten sie's denn sein? Optisch schon, zumindest kann man die Brennweiten 22mm bis 13mm eine Bank nennen, besonders für die modernen, schnellen Teleskope. 8mm und 5mm könnte man vielleicht mal bezüglich der Spotabbildung anschauen, aber das 3,5mm macht an entsprechend schnellen Optiken wieder was her. Nur was ist mit dem Gehäuse? Gut schaut es aus, der Einblick ist auch prima, blos hätte man sicher ein paar mehr davon verkauft, wenn man vor drei Jahren ein Gehäuse mit Foto-Anschlussgewinde und eventuell vielleicht einer einstellbaren Augenauflage gehabt hätte. Die Augenauflage hätte man ja intelligent bauen können, so dass die Okulare nicht noch dicker werden müssen, wie es bei Meade & Co der Fall ist. Aber genau Meade immitiert man doch mit den NLVs und den NPLs. Eigenes Image? Ups...
Und so upst sich Vixen nun voran, und die Sache mit dem sinkenden Stern wundert da nur wenig. Wer fünf Jahre braucht, um eine Gewinde in die Fassung eines Komakorrektors zu schneiden, der kann sich wohl ausrechnen, welche Chance er hat, dem "Zeitgeist des Marktes" hinterherzurennen.
Schöne Teleskope die auch schön Abbilden und mit den LVWs auch wirklich gute Okulare sind nach wie vor bei Vixen im Programm, aber seit der Jahrtausendwende kann man über das Verhalten dieses Herstellers nur ständig den Kopf schütteln. Aber wenigstens das ist Zeitgeist und bei anderen Herstellern mal ganz genauso!
Clear Skies
Sven