Hallo "Mfg",
ein 100mm ED ist ein vielseitiges Gerät. Seine Stärken hat es sicher bei der Beobachtung von Mond und Planeten. Es wird auch die Deepsky-Objekte der Messier-Liste gut zeigen, einigermaßen dunklen Himmel vorausgesetzt.
Eine Schwäche beim Thema Deepsky ist das Öffnungsverhältnis von 1:9 (was für Mond und Planeten wiederum eine Stärke ist). Die von Uwe beschriebenen großflächigen Nebel lassen sich mit dem Gerät daher "nur" mit einer AP von 6mm bei einer Vergrößerung von 17x beobachten. Die maximale Bildhelligkeit, die man mit 7mm AP bei 14x hätte, bekommt man mit normal käuflichen Okularen nicht hin. Außerdem ist bei den beschriebenen 17x ein Weitwinkelanblick im Okular nicht möglich, was eine Einschränkung bezüglich der Bildästhetik ist. Weitwinkel ginge erst ab etwa 21x, also mit 2" Okularen um 40mm.
Diese Einschränkung ist nicht sehr groß, aber bemerkbar an einigen ausgedehnten aber eher schwachen Nebeln. Die Paradebeispiele dafür sind der Zirrus-Nebel und der Nordamerikanebel, die sich dadurch mit Filter deutlich blasser zeigen werden (aber sie werden nicht unbeobachtbar).
Ein Einsteigerteleskop sollte von jeder "Disziplin" etwas erlauben, so dass man selbst merkt, worauf man am meisten Lust hat. Das leistet der 100/900 ED definitiv und sicherlich auch sehr ästhetisch. Aber das hat auch seinen Preis, der mit den von Dir verlinkten 1850 Euro inklusive Montierung sehr, sehr hoch ist!
Du solltest nicht erwarten, dass Du einen optischen Leistungsgewinn gegenüber dem 200/1200 Dobson für um 300 Euro erhältst. Wenn Du Dich mit dem Dobson beschäftigst, und die Justage gut machst, wirst Du mit diesem Gerät im "Werkszustand" mehr sehen, wenn es um Deepsky-Objekte, Sternhaufen und auch Planeten geht. Einzig bei der Übersicht wird der 200/1200 Dobson einfach um soviel schlechter aussehen, wie 1200mm Brennweite länger als 900mm sind. Der überblickbare Himmelsausschnitt wird also kleiner, bei 1200mm aber durchaus handhabbar und 900mm machen auch noch kein wirkliches Übersichtsteleskop. Das hätte ideal eher 600mm.
Wesentlich für das Funktionieren eines Einsteigerpakets ist eine solide Montierung (beim Dobson integriert, hier mit der EQ-5 auch vorhanden) und eine passende Zubehörkombination. Das bedeutet zuallererst Okulare, dann aber auch weitere Kleinteile.
Auf lange Sicht wird man in Okulare mehr Geld investieren, als in das Teleskop und oft genug auch mehr, als in Teleskop und Montierung zusammen. So muss und sollte aber eine Einsteigerausstattung nicht aussehen, weil Okulare sehr individuell sind. Würdest Du ohne Erfahrung nur sehr teure Okulare anschaffen, könntest Du gerade solche Wählen, deren Eigenschaften für Dich nicht optimal sind, während andere zum selben Preis für Dich richtig gewesen wären. Dadurch kann man eine Menge Geld verheizen.
Trotzdem darf eine Okularpalette auch nicht zu billig ausfallen, weil man sonst die mögliche Leistung seines Teleskopes nicht zu Gesicht bekommt.
So ganz nebenbei gilt es natürlich auch, die Okulare passend zum Teleskop auszuwählen. f/9 stellt da andere bzw. auch weniger Anforderungen, als f/6.
Bevor Du ein derart teures Einsteigerpaket zusammenstellst, rate ich Dir dringend, beide Geräte einmal verglichen zu haben. Das heißt Deinen zunächst geplanten Dobson und eben ein Apo um 100mm Öffnung.
Clear Skies
Sven