Hallo Pitt,
ich versuche einmal die vier notwendigen Schritte in „kurze Texte“ zu packen.
Schritt 1 muss nur 1x durchgeführt werden.
Schritt 2 erfolgt ebenfalls 1x, sowie bei jedem Standortwechsel der über 50 km vom letzten Standort entfernt ist (hier ist nur die Abweichung nach Osten oder Westen gemeint).
Schritt 3+ Schritt 4 werden einmalig zu Beobachtungsbeginn durchgeführt.
Schritt 1
(Zentrieren des Polsuchers / Mitte des Fadenkreuzes soll bei einer vollständigen RA-Drehung auf dem Zielpunkt bleiben)
Star Adventurer auf ein stabiles Stativ montieren, die Klemmung der Drehachse (RA) lösen und einen entfernten Objektpunkt mit gutem Kontrast in die Mitte des Fadenkreuzes bringen (z.B. das Ende eines Dachfirsts, Schornsteinkante, Antenne …).
RA langsam drehen und darauf achten, ob sich die Mitte des Fadenkreuzes vom angepeilten Objekt wegbewegt. Die max. Abweichung erfolgt immer nach einer 180°-Drehung.
Ist eine Pendelbewegung erkennbar, sollte eine Justage des Polsuchers über die drei Maden (Gewindestifte) erfolgen. Das sind die Schrauben, die etwa 20 mm von der Dioptrienverstellung des Polsuchers entfernt sind.
Diese Justage ist sehr aufwändig. Sie sollte im entspannten Zustand und kritisch vorgenommen werden. Kann durchaus 1 Std in Anspruch nehmen und lässt einen manchmal verzweifeln. Aber sie wäre das erste Glied einer Kette von Fehleinstellungen, die zu einer mangelhaften Nachführung führt. Tipps zur Justage evtl. später.
Schritt 2
(Skalenscheibe für die Standortabweichung einstellen)
Die (Beobachtungs-)Ortszeit und die MEZ stimmen nur auf dem 15° Längengrad überein. Wer z.B. in Görlitz beobachtet, Görlitz befindet sich ziemlich genau auf dem 15ten Längengrad, stellt die Drehscheibe ( E 20…10…0…10…20 W ) genau auf 0. Wer östlich oder westlich davon beobachtet, muss die Skalenscheibe entsprechend verstellen.
Ich wohne hier in NRW auf dem 7ten Längengrad. Das liegt 8° westlich von 15°. (15°-7°=8°)
Ich stelle die Drehscheibe also auf ungefähr 8 W (das ist rechts von der 0 und kann eigentlich nur gut geschätzt werden, da es nur Striche bei 5 und bei 10 gibt). Fertig! Die Stellung der Drehscheibe darf jetzt nicht mehr verändert werden.
Da ich nur von diesem Standort oder in einem Umkreis von 50 km beobachte, habe ich die Stellung der Drehscheibe mit einem Klebetropfen fixiert.
Schritt 3
(Star Adventurer aufstellen und Datum/Uhrzeit einstellen)
Polhöhenwiege grob auf den Breitengrad des Standortes einstellen ( z.B. 51°) und die horizontale Position über die Feinverstellung ungefähr in die Mitte bringen.
Star Adventurer auf ein stabiles Stativ aufschrauben und St.Ad. inkl. Stativ, Richtung Norden, stabil aufstellen.
Die Stativfüße müssen auf einem Steinboden oder, im Feld, auf einer festen Unterlage stehen! Es bringt absolut nichts, sich die Sucherjustage, die Ortsabweichung, die Zeiteinstellung und das Positionieren des Polarsterns anzutun, wenn das Stativ ein Wackeldackel ist oder der Untergrund nachgibt.
Star Adventurer mit Hilfe der Stativbeine „in Waage“ bringen.
Teleskop inkl. aller Anbauteile (Kamera, Okular …) anbringen, den Okularauszug in den ungefähren Arbeitsabstand bringen und die beiden Achsen durch Verschieben der Anbauteile und des Gegengewichts ins Gleichgewicht bringen. Polsucherbeleuchtung einsetzen und einschalten.
Luftblase in der Dosenlibelle des St.Ad. noch einmal kontrollieren.
Jetzt wird die RA-Achse (inkl. der Datum-Skala) gedreht und das aktuelle Datum mit der genauen Uhrzeit der (Uhr)Zeitskala zueinander gebracht. Es empfiehlt sich, die Uhrzeit auf ca. 5 min später einzustellen, wenn der Prozess der Positionierung des Polarsterns noch nicht vertraut ist.
RA-Klemmung locker anziehen und Star Adventurer einschalten.
Schritt 4
(Positionieren des Polarsterns)
Die im Polsucher sichtbaren (Stern)Positionskreise von Octans sind nur für die Südhalbkugel gedacht. Die haben dort keinen Polarstern und müssen sich an diesen vier Sternen orientieren.
Den Polarstern mit Hilfe der beiden Feineinstellungen so einstellen, dass er sich einerseits auf jener Linie befindet, die zu der Zahl 6 gehört und sich zusätzlich auf dem mittleren Ring der drei konzentrischen Kreise befindet.
Egal wo sich die 6 befindet, der Polarstern muss sich (erst einmal) am Kreuzungspunkt der Linie 6 und der mittleren der drei Kreise befinden.
Bei ungünstiger Stellung nicht mit der 9 verwechseln – ist mir passiert.
Im Polsucher befindet sich auch noch ein leicht vergrößerter Ausschnitt der Kreuzung Linie-3 mit den drei Kreisen. Die 3 ist nur willkürlich gewählt worden und hat mit unserer Einstellung nichts zu tun. Hier befinden sich zwischen den drei Kreisen mehrere sehr kleine Striche. Den drei Kreisen und den Strichen sind unterschiedliche Jahreszahlen zugeordnet. Dieser ganze Ausschnitt dient also nur zur Info der Position des Polarsterns in Abhängigkeit zum Beobachtungsjahr.
Der Polarstern sollte jetzt also noch einmal mit Hilfe der beiden Feineistellungen an die Position auf der Linie 6 gebracht werden, die dem aktuellen Jahr entspricht. Da das ganze Gewackele während der Einstellung eh sehr nervend ist, reicht es, wenn der Polarstern auf dem mittleren Kreis für 2020 verbleibt. Fertig!
Nun die RA-Klemmung wieder lösen - die war zum Glück nicht so fest angezogen - und das Teleskop vorsichtig in Position bringen.
Natürlich verstellt sich jetzt die RA-Skala wieder, aber das Einnorden wurde ja vorgenommen.
RA-Klemmung wieder leicht anziehen.
Ach ja, …. und vorher frische Akkus einlegen.
Viele Grüße
Frank