Re: Neues Teleskop
Hallo Bjoern,
vielleicht wirst Du in Sachen Kontakte in der Nähe
hier (GAD - Vereinsverzeichnis Amateurastronomie) fündig.
Ein angedachter 130er Newton auf parallaktischer Montierung im Budget als Neukauf hat meines Erachtens so einige Abstriche gegenüber einem gebrauchten 200/1200 Dobson:
1. Kein 2"-OAZ, also ist mit großen Feldern weitwinklig nicht viel los.
2. Da nur 130 mm Öffnung also auch Hochvergrößerung nur sehr knäpplich machbar. Für Planeten nicht wirklich genug, für andere Objekte schnell wenig Licht. Bei krampfhafter "Hochpowerung" der Vergrößerung durch ein zu extrem kurzbrennweitig gewähltes Okular (gleich welcher Qualität) sind stellare Objekte schnell pfannkuchengroße Beugungsscheiben, am Planeten aufgeblasen gräulicher Weichzeichner ohne neue Details, im Gegenteil: wegen Lichtmangel schalten womöglich im Auge die zum Farbsehen nötigen Zapfenzellen wegen zu wenig Licht ab und die schlecht auflösenden Stäbchen übernehmen. Nicht freudvoll und nicht anzuraten.
3. Somit bleibt nur der mittlere Bereich in der Vergrößerung und der Mond (, welcher mit praktisch allen Optiken sehr dankbar beobachtet werden kann).
Ich empfinde diese Einschränkungen als recht massiv. Zumal, wenn man bedenkt wieviel mehr mit einem echten Allrounder wie einem 8"-f/6 (als Dobs) für ein wenig mehr Geld bzw. warten/Gebrauchtkauf/Aktion/Messe zu machen ist. Für ein paar Taler mehr kannst Du x-mal so viel machen, nachhaltig freudvoll. X ist zweistellig!
Als transportablere Ergänzung, für das Wochenendhaus, bei Eltern/Kindern abgestellt oder sonstwas ist ein 130er sicher ein sinnvolles Gerät, aber als ständige Hauptoptik bei den heutigen Preisen für einen gebrauchten 200/1200?
Wenn es denn nun - wie auch immer - ein 130er sein würde: die beste (=kostspieligste) angebotene Paketmonti reicht meiner Abschätzung nach für visuell (Hochvergrößerung ist da eh nicht so der Einsatzbereich) bei Windstille und wenn die Monti in der Serienstreuung nicht im unteren Bereich liegt.
Leider kommen hier dann bei den konkret angesprochenen 130ern (f/5: 130/650 und f/6,9: 130/900) noch einige eher unschöne "Nebenwirkungen" zum tragen:
Der f/5 ist wegen des geringeren Hebels besser montiert, verlangt aber wie auch Jochen schon ansprach nach kostspieligeren Okularen. Schon ist mit dem Budget eher Essig. Hinzukommt, daß die eh schon eher knappe Öffnung noch einen größeren Fangspiegel bedingt, was für visuell nicht so gut ist, besonders bei der relativ geringen Öffnung nicht.
Der f/6,9 ist - falls nicht parabolisch sondern als Kugelspiegel (sphärisch) - gerade so eben beugungsbegrenzt (wenn die Qualität der Flächen perfekt ist, was bei dem Preis schon eine Leistung ist) und hat einen recht langen Hebelarm. Da sollte dann die Montierung gern noch eine Nummer größer sein. Schon ist mit dem Budget eher Essig.
All diese Probleme hat ein 200/1200-Dobson nicht. Die Montierung als "Möbelstück" ist kostengünstig, min. gut brauchbar und das Geld geht in die Optik. Die bietet Öffnung, also Auflösung und Licht, wenig Abschattung und geringe Anforderungen an aufwendige Okulare. Hochvergrößerung geht prima und schöne Geringvergrößerung mit großem Feld, hoher AP und in 2-Zoll ebenso. Nicht nur irgendwas in der Mitte. Eine ganz andere Liga, obwohl recht wenig kostspieliger - wenn überhaupt (Gebrauchtmarkt). Viel mehr Objektklassen und Objekte, viel nachhaltigerer Spaß. Deshalb haben sich die 200er Dobs ja auch völlig zu recht so gut etabliert in der Freizeitastronomie-Szene und auch auf dem Markt. Glücklicherweise fiel dadurch der Preis enorm und die Geräte kommen häufig im Gebrauchtmarkt vor zu nochmals günstigeren Einstiegskosten.
Ideal wäre - nicht nur für Dich - ein 150 bis 170mm-f/6-Parabol-Newton auf gut brauchbarer parallaktischer Monti mit 2"-OAZ und zu unschlagbarem Preis. Leider gibt es das nicht - da haben wohl (eine Vermutung von mir) die Anbieter zu viel "Angst" davor, daß sie sich damit so einiges an Folgekäufen entgehen ließen. So bleibt Dir nur : a) sparen und warten, b) Richtung Dobs (bewährt, hohe visuelle Leistung und gute Preisleistung) oder c) ein ins Budget passendes, klar suboptimales Setup mit merklichen bis schmerzhaften Abstrichen, ein späterer Kauf eines dann wirklich allroundfähigen und leistungsfähigen Geräts, womit die Erstkosten für den Suboptimalen reine "Unkosten" wären.
Ich weiß, ich bin da jetzt relativ beharrlich, aber denke an meinen Vergleich mit dem Taschenrechner und Computer oder an meine Ausführungen zur Leistungsstufe. Lieber was "Richtiges" und das ein oder andere Okular nachansparen als sofort und neu und komplett und im Budget aber alles nicht wirlich nachhaltig freudvoll. Ich finde der Sternhimmel mit all seinen Objekten da draußen ist es wert, schlau und informiert etwas leistungsfähiges in allen Belangen zu haben und keine allzu faulen Kompromisse. Besonders nicht, wenn nur ein paar Taler oder etwas Warten dazwischenliegen.
Klare Himmel, Top-Bedingungen und Anschluß an Kollegen wünscht
Matthias.